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  • 21.07.2016, 16:22h           4      Teilen:   |

15. CSD in der heiligen Stadt

Jerusalem: Polizei verhindert offenbar neues CSD-Attentat

Artikelbild
Der CSD am Donnerstag unter massiven Polizeischutz vor der Großen Synagoge Jerusalems; er steht unter dem Motto "Here to stay" und unter dem Gedenken an die Opfer des letztjährigen Anschlags. (Bild: twitter / therealjsolo)

Wenige Stunden vor dem diesjährigen Pride nahm die Polizei den Bruder des Mannes fest, der im letzten Jahr ein 16-jähriges Mädchen getötet hat.

Von Norbert Blech

In Jerusalem hat am Donnerstag unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen sowie unter einer Rekordbeteiligung die diesjährige Demonstration zum CSD stattgefunden. Wenige Stunden vor Beginn der Kundgebung nahm die Polizei Michael Schlissel fest, den Bruder des Mannes, der beim CSD im letzten Jahr auf Teilnehmer eingestochen hatte (queer.de berichtete).

Auch Jischai Schlissel, der dabei die 16-jährige CSD-Besucherin Shira Banki getötet hatte, wurde in seiner Zelle erneut festgenommen. Den Männern wird eine Verschwörung zu Angriffen auf Teilnehmer des CSD vorgeworfen. Nach entsprechenden Ermittlungen der Polizei hat ein Bezirksgericht Haftbefehle ausgestellt, sagte ein Behördensprecher. Derzeit würden die Männer verhört, die Beamten haben dazu zunächst bis Samstag Zeit.

Schlissel, ein ultraorthodoxer Fanatiker, war im Juni zu lebenslanger Haft für den Angriff verurteilt worden, bei dem er sechs weitere Menschen schwer verletzt hatte (queer.de berichtete). Er war erst kurz vor dem CSD vorzeitig aus einer Gefängnisstrafe entlassen worden, die er für einen Messerangriff auf Teilnehmer des CSD 2005 erhalten hatte.

Später am Donnerstag gab die Polizei bekannt, im Laufe des Tages insgesamt rund 30 Personen festgenommen zu haben, darunter zwei Personen mit Messern in der Nähe des CSD. Kleinere Gegendemonstrationen von ultrareligiösen und nationalistischen Aktivisten wurden von der Polizei abgeschirmt und verliefen friedlich.

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Über 25.000 Menschen setzen ein Zeichen

Ein Gedenken an Shira Banki am Rande der CSD-Strecke - Quelle: twitter / therealjsolo
Ein Gedenken an Shira Banki am Rande der CSD-Strecke (Bild: twitter / therealjsolo)

Die Eltern des ermordeten Mädchens hatten in den letzten Tagen dazu aufgerufen, an dem CSD in diesem Jahr teilzunehmen (queer.de berichtete). Das "Jerusalem Open House", das die Demonstration veranstaltet, hatte aus Solidarität soviele Teilnehmer wie nie erwartet – nach Medienberichten kamen über 25.000 Menschen zusammen und damit noch erheblich mehr als erwartet, ca. fünf mal mehr als im letzten Jahr. Viele brachten wie gewünscht Blumen mit, um sie an der Stelle des Attentats abzulegen.

Rund 2.000 Polizisten waren im Einsatz, um den CSD zu schützen; Teilnehmer mussten durch Metalldetekoren hindurch. Am Nachmittag begann die Parade durch die Innenstadt nach einer Kundgebung, bei der sich zwei Männer öffentlich das Ja-Wort gaben. Der Verlauf der Parade und der Abschlusskundgebung am frühen Abend lässt sich aus Sicht von Mitarbeitern der "Jerusalem Post" bei Twitter verfolgen; Ynet streamte die Abschlussveranstaltung, bei der auch der Vater des Mädchens sprach.

Premierminister Benjamin Netanjahu veröffentlichte zeitgleich zu der Parade ein Video einer Rede in sozialen Netzwerken, in der er meinte, der CSD sei "nicht nur eine Demonstration der LGBT-Community, sondern für alle von uns (…) Wir sind alle eine Familie." Shira Banki sei ermordet worden, weil sie für ein Israel eingestanden habe, in der jeder gleiche Rechte und Freiheiten genieße.

Netanjahus Regierung hatte zuletzt allerdings gleich mehrere Gesetze zugunsten der LGBT-Community abgelehnt (queer.de berichtete). Im Vorfeld des CSD hatte zudem Jerusalems Likud-Bürgermeister Nir Barkat für Aufsehen gesorgt, der eine Teilnahme an dem CSD ablehnte. Zwar stehe er für Toleranz ein, sagte er, der CSD führe aber dazu, dass sich viele Menschen in ihrem Glauben und ihren Ansichten gekränkt sähen, und sei damit ein falsches Mittel. Die Parade führt allerdings bewusst durch säkuläre Teile der Stadt.

Shlomo Amar, der sephardische Oberrabbiner von Jerusalem, hatte sich ebenfalls gegen den CSD ausgesprochen: "Diese Entheiligung von Gottes Namen ist ein peinliches Phänomen, es ist eine der größten Sünden in der Tora." Man könne unkoscheres nicht koscher nennen. Der obberste Rabbiner der aschkenasischen Juden Jerusalems bat hingegen nur darum, dass Regenbogenflaggen in der Nähe einer Synagoge entfernt werden. Im letzten Jahr hatte der Ober-Rabbiner des Landes, Aryeh Stern, Opfer des Anschlags ausdrücklich im Krankenhaus besucht und sich gegen Gewalt und Hass ausgesprochen (queer.de berichtete).

Rivlin empfing LGBT-Aktivisten

An dem Gespräch mit Rivlin (am Pult) nahmen auch die Eltern von Shira Banki teil
An dem Gespräch mit Rivlin (am Pult) nahmen auch die Eltern von Shira Banki teil (Bild: Jerusalem Open House)

Ein Zeichen gesetzt hatte am Sonntag auch Israels Staatspräsident Reuven Rivlin, der in seiner Residenz die Aktivisten vom "Jerusalem Open House" empfing. Er forderte dabei ein Ende der Hetze gegen LGBT: "Die Aussagen aus den Mündern von Rabbinern, Anführern und geistlichen Leitern haben mich tief verletzt."

Rivlin verwies auf auf religiöse Zitate, wonach jeder Mensch zum Ebenbild Gottes geschaffen wurde, "unabhängig von Religion, Rasse und Geschlecht". Er gege davon aus, dass Rabbiner, zu denen so viele Menschen inklusive LGBT aufsehen, "auch einen Weg finden, um klarzustellen, dass sie nicht anders denken". Rivlin weiter: "Auf Politik, Religion oder sexueller Orientierung basierende Unterschiede rechtfertigen nicht Gewalt und Hetze."

mehrfach aktualisiert

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Tags: jerusalem, israel, csd
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Reaktionen zu "Jerusalem: Polizei verhindert offenbar neues CSD-Attentat"


 4 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
21.07.2016
19:08:06


(+6, 6 Votes)

Von Peer


Der Wahnsinn scheint also in deren Familie zu liegen.

Dann muss der Bruder auch in die geschlossene Psychiatrie.

Die Menschheit muss vor solchen Bekloppten geschützt werden.


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#2
21.07.2016
21:12:03
Via Handy


(+1, 7 Votes)

Von Marc


Religioten sind doch alle gleich, egal welchen Namen sie ihrem unsichtbaren Freund geben.


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#3
22.07.2016
03:06:29


(+2, 4 Votes)

Von Fredinbkk
Aus Bangkok (Thailand)
Mitglied seit 08.01.2015
Antwort zu Kommentar #2 von Marc


.....meine Worte.....

...und am siebenden Tage schuf der Teufel die Religionen......ALLE!!!!!


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#4
22.07.2016
18:05:08


(+2, 2 Votes)

Von Sabatonik


Es lohnt sich, miteinander ins Gespräch zu kommen:

CSD Jerusalem: Aus Gegnern werden Freunde

Link:
haolam.de/artikel_25808.html


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