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  • 22.07.2016, 17:21h           42      Teilen:   |

Zum Berliner CSD-Wochenende

Antidiskriminierungsstelle hisst Regenbogenflagge – für einige Stunden

Artikelbild
Blick aus der Antidiskriminierungsstelle des Bundes an der Spree, mal mit Regenbogenflagge, mal ohne (Bild: Antidiskriminierungsstelle des Bundes)

s. Update am Ende des Textes: Flagge am Freitagabend wieder eingeholt

Nach einem 24-stündigen absurden Theater hängt nun doch eine Regenbogenflagge am Dienstsitz der kämpferischen Beauftragten gegen Diskriminierung.

Es ist eine Posse, die es in dieser Form wohl nur in Deutschland geben kann: Ausgerechnet der Antidiskriminierungsstelle des Bundes sollte es verboten sein, zum Christopher Street Day in Berlin an diesem Samstag eine Regenbogenflagge zu hissen und damit ein Zeichen gegen Diskriminierung zu setzen.

Die Stelle unter der cleveren Leitung von Christine Lüders ließ sich das freilich nicht bieten und postete am Donnerstag bei Facebook ein Bild eines Fahnenmasts ohne Flagge mit dem Hinweis: "Zum Berliner CSD sollte auch in diesem Jahr vor unserem Haus die Regenbogenflagge wehen. Leider wurde das Hissen der Flagge vor dem Dienstgebäude diesmal untersagt."

Auf Nachfragen von Journalisten und von Bürgern antwortete man näher: "Wir sind Mieterin in einem Seitenflügel des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, der von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) verwaltet wird. Die BIMA hat auf Anweisung des Bundesinnenministeriums (Flaggenerlass) das Hissen der Regenbogenfahne abgelehnt." Die nicht weisungsgebundene Antidiskriminierungsstelle beklagte nach Kritik in dem sozialen Netzwerk: "Rückgrat haben wir, aber nicht den Schlüssel zum Fahnenmast."

Fortsetzung nach Anzeige


Engagierter Widerstand im Kleinen

Am Freitag hing sich Christine Lüders bereits aus ihren Büro, um einen Teilerfolg aufzuzeigen - Quelle: ADS / Facebook
Am Freitag hing sich Christine Lüders bereits aus ihren Büro, um einen Teilerfolg aufzuzeigen (Bild: ADS / Facebook)

Während Lüders am Freitag zumindest aus einem Fenster ihres Ministeriums heraus die Regenbogenflagge hängen ließ und das Bild des Widerstands bei Facebook postete ("Christine Lüders und die Antidiskriminierungsstelle des Bundes wünschen einen tollen CSD", versehen u.a. mit dem Hashtag #EheFürAlle), betonte der Pressesprecher des CDU geführten Bildungsministeriums, keine Schuld zu haben. Das Haus, das selbst keine Regenbogenflagge hisste, gab die Zuständigkeit indirekt an das SPD-geführte Bundesfamilienministerium weiter, das freilich selbst längst die Flagge gehisst hatte und es mit seinem offiziellen Facebook-Account im Facebook-Thread der Antidiskriminierungsstelle bedauerte, dass dort keine Flagge wehte.

Während Massenmedien, die ersten Grünenpolitiker und immer mehr Menschen in sozialen Netzwerken auf den absurden Kampf aufmerksam wurden und eine erste Online-Petiton das Bundesinnenministerium gar aufforderte, den Flaggenerlass in Bezug auf das Zeichen der Community zu kippen, verwies das CDU-geführte Ministerium auf Twitter auf genau diesen Flaggenerlass zu der Frage "warum wir das [die Flagge an der Antidiskriminierungsstelle] nicht erlauben". Das Haus von Innenminister Thomas de Maizière versprach allerdings zur (vergeblichen) Beruhigung der Diskussion, zum CSD eine Regenbogenflagge zu hissen – nicht vor dem eigenen Haus, sondern auf Twitter.

Irgendwie muss der absurde Streit jemanden dann doch zu bunt geworden sein und ein Schlüssel zum Fahnenmast den Weg zur Antidiskriminierungsstelle gefunden haben – am Freitagnachmittag konnte Lüders endlich ein Bild der wehenden Flagge vor ihrem Haus posten und wünschen: "Auf ein herrliches CSD-Wochenende!"

Runde zwei der Flaggenposse

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) hatte die Flagge schon vor einigen Tagen vor ihrem Ministerium gehisst
Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) hatte die Flagge schon vor einigen Tagen vor ihrem Ministerium gehisst (Bild: BMFSFJ)

Damit hatte die Flaggenposse immerhin einen glücklichen Ausgang gefunden, anders als noch vor zwei Jahren, als SPD-geführte Bundesministerien erstmals zum CSD aufgezogenene Regenbogenflaggen auf Weisung noch vor dem CSD-Wochenende wieder abhängen mussten; Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) soll damals "massiv interveniert" haben (queer.de berichtete). In diesem Jahr hängen Flaggen seit Tagen am Bundesfamilien- und justizministerium, während der gleiche Streit noch manche Landesregierung und manches Rathaus im ganzen Land beschäftigt.

Dabei geht es nur um ein Zeichen der Anti-Diskriminierung, der Akzeptanz und – vielleicht am wichtigsten – der Sichtbarkeit. Lüders hat sich nun durchgesetzt, wie sie zuvor bereits Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) Druck bei der Rehabilitierung der Männer machte, die nach Paragraf 175 verfolgt wurden (queer.de berichtete). Nun wäre es mit gestärkter Kraft Zeit für die Endrunde im Einsatz für die Ehe für Alle. (nb)

 Update  21.15h: Flagge wieder eingeholt

Um kurz vor 21 Uhr schrieb die Antidiskriminierungsstelle des Bundes bei Facebook: "Die Regenbogenfahne musste aufgrund des Flaggenerlasses wieder eingeholt werden. Die Antidiskriminierungsstelle hat auf diese Entscheidung keinen Einfluss. Die Fahne hängt jetzt wieder im Fenster." Damit wurde die Flagge noch vor dem Berliner CSD am Samstag wieder entfernt.

Mehr zum Thema:
» Christine Lüders umgeht das Fahnenverbot (22.07.2016)
» Antidiskriminierungstelle darf keine Regenbogenfahne hissen (21.07.2016)
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Tags: antidiskriminierungsstelle, cristine lüders, regenbogenflagge, flaggenverordnung, csd, berlin
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Reaktionen zu "Antidiskriminierungsstelle hisst Regenbogenflagge – für einige Stunden"


 42 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
22.07.2016
18:30:25


(+3, 3 Votes)

Von WaveTheFlag


NA BITTE, ES GEHT DOCH!!! Die Regenbogenflagge hängt nun endlich dort, wo sie auch hingehört, und zwar bei der Antidiskriminierungsstelle und danke an denjeningen, der den Schlüssel zum Fahnenmast freigab und der Posse ein Ende bereitete!


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#2
22.07.2016
18:50:53
Via Handy


(+2, 4 Votes)

Von Alex


Alles andere wäre auch skandalös gewesen.

Wenn eine Anti-Diskriminierungs-Stelle selbst diskriminiert und Unsichtbar macht, hätte sie ihren Namen nicht verdient.


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#3
22.07.2016
19:09:33


(-6, 8 Votes)

Von rrghhb


Mir wäre die Ehe für alle lieber als eine Regenbogenflagge.

Merkt ihr nichts? Die Union kreiert mit der Flaggenposse einen Nebenschauplatz, um von der eigentlichen Diskriminierung im Eherecht abzulenken.

Jetzt feiert ihr, dass vor noch einer Bundesbehörde die Regenbogenflagge weht. Ich hoffe ihr vergesst dabei die Ehe für alle nicht.


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#4
22.07.2016
19:11:23
Via Handy


(+3, 3 Votes)

Von markusbln11


Steter tropfen hüllt den stein. Letztes jahr hat sich UNSER peter noch ins zeug gelegt. Wohl auch mit ukas seiner chefin im hintergrund. Jetzt sind wir wieder ein stück weiter. Das passt. Super!


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#5
22.07.2016
19:42:40


(+3, 5 Votes)

Von stephan
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Natürlich ist es eine Hinhaltetaktik zweier Regierungsparteien mit braunem Denkhintergrund, die uns in Klein-Klein-Kämpfe verwickeln wollen! Aber es muss dabei bleiben: Wir zeigen immer und überall gewaltfrei und deutlich, wes Geistes Kind die Union und ihre Gestalten sind! Diese Gestalten diskriminieren aus Überzeugung oder um noch rückständigere Dumpfbacken an ihre Parteien zu binden! Gerade Merkel ist Meisterin in der perversen Kunst des opportunistischen Laberns zum Zweck des Machterhalts! ...


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#6
22.07.2016
21:16:05


(+5, 5 Votes)

Von entartet
Aus Hürth (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 07.07.2016


Für die Kanzlerin und ihre Partei scheint es derzeit keine wichtigeren Probleme zu geben, als Regenbogenflaggen vor Regierungsgebäuden zu verhindern. Ein Zeichen, wie abgrundtief der Hass bei ihnen sitzt.

Auch wenn sich diesmal die Antidiskriminierungsstelle durchgesetzt hat: Eine Schande für eine Kulturnation, deren politische Klasse in großen Teilen offenbar mit Macht in die Zeit vor der Aufklärung zurück will. Mittelalter pur!


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#7
22.07.2016
21:25:59


(-8, 10 Votes)

Von Johannes45


Vollkommen uninteressant und nicht von Bedeutung, ob dort eine Flagee bei Frau Lüders hängt.... die SPD sollte besser Ihr gegebenes Wahlversprechen der Eheöffnung einhalten und das macht die SPD NICHT.

...
Wenn überhaupt heute eine LGBT-Meldung wichtig war, dann die Meldung, dass es auf dem Parteitag der US-Republikanr in Ohio eine bemerkenswerte Rede des US-amerikanischen Unternehmers Peter Thiel (geboren in Frankfurt in Deutschland) gab, der unter tosendem Applaus der US-amerikanischen Republikaneranhäger erklärte: "er sei stolz, schwul zu sein, ein Republikaner zu sein und ein US-Amerikaner".

Thiel war am vierten Nominierungstag der Republic National Convention in einer ganz besonderen herausragenden Stelle zu sehen, da nach ihm dann nur noch Thomas J. Barrack sowie die Tochter Ivanka Trump sprachen, bis sich Donald Trump dort in seiner Grundsatzrede zur Nominierung bei den Republikanern zu Wort meldete.

Das die Queer eine solche Nachricht "nicht bringt", zeigt wie weit "links" die Queer berichtet und einzusortieren ist.


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#8
22.07.2016
21:34:48
Via Handy


(+8, 10 Votes)

Von EHka


Flagge ist auf Anweisung wieder abgenommen worden.

Wahnsinn wie die CDU bei den Flüchtlingen immer an die "Menschlichkeit" appeliert und gegen "Vorurteile" kämpft.

Aber bei Homosexuellen schürt die CDU andauernd Vorurteile und wo ist hier Merkels:"Wir schaffen das?!

Die CDU merkt gar nicht, wie sie mit ihren religiösen Wahn Europa und Deutschland zerstört!!!


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#9
22.07.2016
21:39:13


(+5, 5 Votes)

Von Vater
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #3 von rrghhb


Wie gut, dass wir dich haben, der (die/das) uns Spatzenhirne an die wirklich wichtigen Dinge erinnert.

Vielen Dank auch

und...

...falls wir uns nicht mehr sehen...

...guten Tag, guten Abend und gute Nacht


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#10
22.07.2016
21:45:49


(+6, 6 Votes)

Von WaveTheFlag


Schade, daß die Regenbogenflagge nun eingeholt werden mußte! Mich widert das völlig an, daß die Antidiskriminierungsstelle wieder kuschen muß!

Der Flaggenerlass muß unbedingt gekippt werden und ich hoffe, daß die Petiton dazu erfolgreich ist!


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