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  • 27.07.2016, 11:00h           2      Teilen:   |

Homosexualität im Top-Management

Ein beiläufiges Coming-out: Niek Jan van Damme

Artikelbild
Niek Jan van Damme ist Vorstandsmitglied der Deutschen Telekom AG und Geschäftsführer der Telekom Deutschland GmbH mit knapp 70.000 Beschäftigten (Bild: Deutsche Telekom AG)

Der Telekom-Manager, der sich im Februar beiläufig in einem Interview outete, ist bis heute der einzige offen schwule Manager eines Dax-Konzerns.

Im vergangenen Februar – etwa anderthalb Jahre, nachdem Apple-Chef Tim Cook mit seinem Coming-out für einen gehörigen Medienwirbel gesorgt hatte – war es auch in Deutschland so weit. Mit Niek Jan van Damme, Vorstandsmitglied der Deutschen Telekom und einer der mächtigsten Köpfe im Unternehmen, sprach auch ein deutscher Topmanager öffentlich über seine Homosexualität – als erster Manager eines Dax-Konzerns überhaupt.

Anders als Tim Cook, der damals mit seinem offenen Brief bewusst an eine große Öffentlichkeit appellierte, um anderen Mut zu machen, fiel das Coming-out bei van Damme in einem Interview mit der Tageszeitung "Die Welt" dezent und beiläufig aus – so wie es dem Charakter des gebürtigen Niederländers entspricht.

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Bis ganz an die Spitze hochgearbeitet

Niek Jan van Damme ist bekannt als jemand, der nie laut wird. In jedem Artikel über den Telekom-Chef wird das so hervorgehoben, dass man sich fragt, ob Freundlichkeit und Ruhe im Top-Management tatsächlich immer noch so seltene Eigenschaften sein sollten. Niek Jan van Damme als die große Ausnahme – der Freundliche, der Leisetreter, der Führungsschwache? Ganz im Gegenteil. Der 1961 geborene Niederländer hat einen langen und steilen Weg hinter sich, der ihn bis an die Spitze eines Weltkonzerns führte.

Zunächst studierte er Wirtschaft an der Vrije Universiteit Amsterdam, 1986 begann er seine berufliche Laufbahn bei Procter & Gamble. Stationen beim holländischen Einzelhändler Ahold und bei Floor Heijn Retail folgten. 1999 kam er als Director for Marketing Communications zu Ben Nederland, die später zur T-Mobile Niederlande werden sollten. Das Ruder übernahm er dort als Sprecher der Geschäftsführung 2004.

Fünf Jahre später ist er bereits in den Vorstand der Deutschen Telekom AG aufgestiegen. Seine Zuständigkeit dort ist Deutschland, er verantwortet Vertrieb, Marketing und Service von Festnetz- und Mobilfunk-Produkten für Privat- und Geschäftskunden, 2014 kommen zusätzlich die Themen Innovation und Produktentwicklung dazu.

Vertrauen als Führungsprinzip

Top-Manager Niek Jan van Damme bei einem Vortrag. Privat ist er mit dem Dressurreiter Jürgen van Damme verpartnert
Top-Manager Niek Jan van Damme bei einem Vortrag. Privat ist er mit dem Dressurreiter Jürgen van Damme verpartnert (Bild: Deutsche Telekom AG)

Was ihn bis an die Spitze des Unternehmens gebracht hat? Offenbar nicht die übliche Ellenbogenmentalität, die im Topmanagement klassisch geführter Unternehmen vorherrscht. Über seinen Führungsstil sagt von Damme in besagtem Interview mit der Zeitung "Die Welt": "Jeder hat seinen eigenen Führungsstil, ich führe halt anders. Ich mag Menschen und vertraue ihnen. Dadurch gebe ich meinen Mitarbeitern die Möglichkeit zu zeigen, was sie können. Das ist besser, als ständig zu kontrollieren. Am Ende geht es darum, ein Ziel zu erreichen."

Das sprichwörtliche Zuckerbrot funktioniere also meist besser, beziehungsweise funktioniere die Peitsche nur, wenn man sie äußerst selten und gezielt einsetzt.

Das erste mediale Coming-out eines Dax-Vorstandschefs in Deutschland geschieht in diesem Interview ganz beiläufig. Niek Jan van Damme ist mit dem Grand-Prix-Dressurreiter Jürgen van Damme verpartnert und selbst ein passionierter Hobbyreiter. Zum Gespräch mit dem Journalisten trifft er sich auf dem Reiterhof, und so kommt das Gespräch wie zufällig auch auf seinen Mann.

Van Dammes Homosexualität war ein offenes Geheimnis

Geheimgehalten hat der Manager seine Homosexualität nie, das Arbeitsumfeld wusste Bescheid, van Damme nahm seinen Mann auch regelmäßig zu Gelegenheiten mit, in denen Begleitung erwünscht war. Auch Glückwünsche zur Schließung seiner Lebenspartnerschaft vor knapp drei Jahren kann man mit einer einfachen Google-Suche finden. Dennoch, in der Öffentlichkeit darüber zu sprechen, das ist schon etwas Anderes.

Der Völklinger Kreis, das Netzwerk schwuler Führungskräfte und Manager in Deutschland, begrüßte den Schritt damals ausdrücklich. Man hoffe, dass andere dem Vorbild folgen und es immer selbstverständlicher werde, Homosexualität auch in Führungspositionen offen zu leben. Bislang jedoch vergeblich.

Es ist schon verwunderlich, dass im Jahr 2016 Niek Jan van Damme noch immer der einzige offen schwule Dax-Vorstand ist – rein statistisch gesehen müsste es auf dem Stellenmarkt neben ihm noch einige mehr geben.

Als "Botschafter" für Lesben und Schwule und ihre Rechte will sich Niek Jan van Damme ausdrücklich nicht verstehen, fügte er im "Welt"-Interview einige Fragen später hinzu: "Es war mir immer wichtig, dass ich in erster Linie als der Mensch Niek Jan van Damme gesehen werde, als ein Vorstand, der etwas umsetzen kann und Erfolg bringt. Und nicht als jemand, der aus Diversity-Gründen dort ist, wo er ist." (cw)

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Tags: niek jan van damme, telekom, top-management, coming-out
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Reaktionen zu "Ein beiläufiges Coming-out: Niek Jan van Damme"


 2 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
27.07.2016
11:30:46


(-10, 10 Votes)

Von Murio


wär nen solventer fang. lohnt sich den verpartner geradezu wegzubaggern. männer sind doch leicht rumkriegbar $$$$


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#2
27.07.2016
13:47:24


(+5, 5 Votes)

Von Sebi


Sehr vorbildlich!

Und er beweist, dass man durchaus ein großes Unternehmen erfolgreich lenken kann, auch wenn man sich geoutet hat.

Jetzt ist es Zeit, dass all die anderen schwulen, lesbischen, bi- und transsexuellen Top-Manager und Wirtschaftsführer es ihm nachmachen.

Aber ein großes Danke an Niek Jan van Damme, der als leuchtendes Vorbild vorangegangen ist und das einzig vernünftige getan hat...


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