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Bereits im letzten Jahr hatten die Jungneonazis gegen den CSD protestiert, damals aus sicherer Entfernung

Mehrere Mitglieder der "Nordischen Jugend" wurden festgenommen, nachdem sie sich mit homophoben Plakaten und Parolen vor die Parade stellten.

Von Norbert Blech

Während des Stockholmer CSD ist es am Samstag zu kleineren Ausschreitungen gekommen, als sich Neonazis vor die Parade stellten und ein Banner "Schützt die Kernfamilie" entrollten. Der Protest der "Nordischen Jugend" dauerte wenige Minuten, bevor herbeigeeilte Polizisten für Ordnung sorgten.

Der Vorfall ereignete sich gegen ca. 16 Uhr an der Kreuzung Östermalmsgatan/Sturegatan. Medien- und Augenzeugenberichten zufolge konfrontierten CSD-Teilnehmer und Zuschauer die ungebetenen Gäste, es kam zu kleineren Handgemengen und Wortgefechten, als Pride-Besucher den Rechtsextremen unter anderem das gegen den CSD gerichtete Plakat entreißen wollten. Es zeigte auch eine durchgestrichene Regenbogenflagge – auf einem weiteren Plakat war ein Paar aus Mann und Frau abgebildet, das seine Kinder mit einem Regenschirm vor einem Regenbogen schützt.

Obwohl der Pride unter erhöhten Sicherheitsbedingungen stattfand, dauerte es, bis die Polizisten einschritten, die zunächst die bereits von der CSD-Parade vor sich hergedrängten Gegendemonstranten mit Polizeipferden in eine Seitenstraße vertrieben. Mindestens ein Beamter setzte seinen Schlagstock ein. Tomas Kvarnkullen, ein Reporter der Zeitung "Expressen", meinte, die Situation sei brenzlig gewesen und die Polizei gerade noch rechtzeitig erschienen.

Direktlink | Ein kurzes Video der schwedischen Zeitung "Expressen" zeigt, teilweise nach einem Werbeblock, Teile des Polizeieinsatzes

17 Personen seien kurzzeitig festgenommen worden, zehn weitere hätten Platzverweise erhalten, sagte ein Polizeisprecher später gegenüber dem Sender SVT. Verletzt wurde offenbar niemand, der Grund für die Festnahmen seien Verstöße gegen das Demonstrationsrecht und gegen die öffentliche Ordnung gewesen.

Gegen "Sexualisierung der Kinder"

Bereits im letzten Jahr hatten Mitglieder von "Nordisk Ungdom", von Menschenrechtsorganisationen als rechtsradikal eingestuft, am Rande des CSD mit dem gleichen Plakat demonstriert. In sozialen Netzwerken tauchte zudem ein Video auf, das Jugendliche beim Verbrennen einer Regenbogenflagge zeigte. Der Sprecher der Gruppe, Fredrik Hagberg, sagte Medien damals, man habe in der Innenstadt eine Flagge verbrannt, das Video zeige aber eine Aktion anderer Jugendlicher.

An diesem Samstag meinte Hagberg gegenüber der Zeitung "Göteborgs Posten": "Wir waren da, um gegen den CSD zu demonstrieren. Wir brauchen eine kritische Stimme für traditionelle Familienwerte". Diese seien unterem anderem durch den Pride bedroht. "Der CSD ist ein Gräuel", schrieb Hagberg später auf Twitter, "Stoppt die Sexualisierung unserer Kinder." Er beschwerte sich, dass die "Helden" seiner Gruppierung von CSD-Teilnehmern "attackiert" worden seien.

An der Parade, ansonsten nur von einem Regenschauer gestört, beteiligten sich fast 50.000 Menschen, verfolgt von einer halben Million Zuschauern am Straßenrand. Mehrere Politiker nahmen teil, darunter der sozialdemokratische Ministerpräsident Stefan Löfven und mit Ebba Busch Thor erstmals die Vorsitzende der Christdemokraten.

Direktlink | Während der Parade kam es zu weiteren Polizeieinsätzen

Nicht vertreten war die Parteiführung der Schwedendemokraten. Einigen Medienberichten zufolge hatten die Veranstalter mitgeteilt, dass eine Teilnahme der Rechtspopulisten nicht erwünscht sei, da sie nicht die Werte des Pride teilen würden. Der Vorsitzende der Partei sagte hingegen, dass "obszöne Elemente, Nacktheit und allgemeine Sexualisierung" von der wichtigen Botschaft des CSDs ablenken würden und man daher auf eine Teilnahme verzichte.



#1 RaffaelAnonym
  • 31.07.2016, 11:16h
  • Sogar das ehemals so liberale Schweden erlebt einen Rollback.

    Das muss endlich gestoppt werden... Wo soll das nur hinführen...
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#2 LGBTRightsAnonym
  • 31.07.2016, 11:30h
  • Nordische Jugend - die schwedische Antwort auf die "Besorgten Eltern" und die "Demo für Alle" und ich finde es super, daß die Polizei diesem Treiben ein Ende gemacht hat! Rechtspopulisten haben auf CSDs nichts zu suchen!
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#3 FelixAnonym
  • 31.07.2016, 11:44h
  • "Nordische" Jugend erinnert mich an diese "allpolnische" Jugend in Polen. Das sind einfach nur vom Hass zerfressene Faschisten, die anderen ihre totalitäre Gesinnung aufzwingen wollen und demokratische Grundrechte abschaffen wollen.
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#4 GeorgGProfil
#5 WillieAnonym
  • 31.07.2016, 12:36h
  • Den Rollback gibt es in Schweden schon seit Jahren, ebenso in Norwegen oder Dänemark. Die rechten Parteien sind dort sehr stark, ebenso rechtsradikale Organisationen. Es gibt auch regelmässig Übergriffe.
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#6 falken42
  • 31.07.2016, 14:57h
  • Antwort auf #3 von Felix
  • ja die zeiten des liberalen skandinaviens sind wohl lange vorbei. doch das kommt nicht einfach so, erzkonservative rassisten fallen nicht vom himmel, weder in den Ostländern von Ungarn bis estland noch in skandinavien.
    in schweden und finnland wird seit jahren am nato-eintritt geschraubt, zu zeiten olof palmes undenkbar. ein land im rechtsruck ist da eher zugeneigt und die NATO bekommt ihre gewünschte nördliche erweiterung.
    aber das ist natürlich verschwörungstheorie .... woran starb palme noch gleich? ;-(
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#7 exAhauserAnonym
  • 31.07.2016, 16:45h
  • Antwort auf #4 von GeorgG
  • Zum Beispiel mit einem Verbot von Naziparteien. Damit können diese nicht mehr bei Wahlen antreten. Und mit effektiven Strafen für rechtsextreme Straftaten anstatt diese Täter noch mit Bewährungs- oder Geldstrafen zu belohnen.
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#8 exAhauserAnonym
  • 31.07.2016, 16:51h
  • Rechtsextreme und Neonazis feiern in ganz Europa ein Comeback.

    In Schweden sind die so genannten "Schwedendemokraten" der parlamentarische Arm der Neonazis, in Ungarn ist es die Regierungspartei ebenso wie in Polen, in Deutschland ist es die AfD(was viele noch immer nicht wahrhaben wollen, was jedoch eine Tatsache ist, hier Thüringen als Beispiel:
    thueringenrechtsaussen.wordpress.com/2016/07/28/hintergrund-
    verbindungen-der-afd-zur-extremen-rechten-in-thueringen-13-b
    eispiele/

    )

    Somit hilft wohl nur konsequentes Durchgreifen gegen JEDE rechte Straftat und konsequente Verbote rechter Parteien. Zumindest in der Bundesrepublik würde man damit auch mal der Entnazifizierung gerecht werden, denn hier wurden ja Nazis nach 1945 wieder in Amt und Würde gehievt, wo sie dann weiter munter ihre Feinde verfolgen konnten.
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#9 ursus
  • 31.07.2016, 19:08h
  • Antwort auf #6 von falken42
  • ich bin nicht so sicher, ob man schweden jemals einfach als "liberal" bezeichnen konnte. für manche bereiche mag das im interntationalen vergleich sicher zutreffen.

    aber: zwangssterilisationen von unerwünschten minderheiten bis 1976 (für transsexuelle ab 1972), prostitutionsverbot, das berühmte "lagom"...

    es scheint in manchen bereichen eine starke sehnsucht der schwed_innen nach einer normierenden gesellschaft zu geben, die notfalls dem individuum auch mal vorschreibt, was angeblich gut für es ist, und die es sehr übelnimmt, wenn man zu sehr aus der masse herausragt.
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#10 falken42