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  • 01.08.2016, 08:03h           12      Teilen:   |

Strafprozess

Planetromeo-Bekanntschaft um 118.000 Euro erpresst

Artikelbild
Der Angeklagte war bereits im März wegen Erpressung verurteilt worden (Bild: flickr / Images Money / cc by 2.0)

Vor dem Amtsgericht Rinteln beginnt im September der Prozess gegen einen 28-Jährigen, der einen nicht offen lebenden Schwulen aus Hameln erpresst haben soll.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll sich der arbeitslose Angeklagte über Planetromeo mit anderen Männern getroffen und diese dann erpresst haben: Sollten sie nicht zahlen, werde er sie outen. Das Opfer aus Hameln gab an, in mehreren Schritten insgesamt 118.000 Euro gezahlt zu haben. Bei der letzten Übergabe am Bahnhof Rinteln war jedoch die Polizei mit dabei. Der Geschädigte tritt im Prozess als Nebenkläger auf.

Die Staatsanwaltschaft Bückeburg erhob außerdem Anklage gegen den Bruder des Mannes wegen Geldwäsche, beide waren im vergangenen Jahr festgenommen worden. Die Polizei entdeckte bei einer Hausdurchsuchung im Zimmer des Bruders Bargeld in fünfstelliger Höhe.

Bereits im März war der 28-Jährige von einem Schöffengericht in Burgwedel wegen derselben Masche zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt worden (queer.de berichtete). In diesem Fall hatte er von einem heimlich homosexuellen Mann aus Wedemark 2.300 Euro erpresst. (cw)

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Tags: erpressung, planetromeo, gayromeo, strafprozess, rinteln
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Reaktionen zu "Planetromeo-Bekanntschaft um 118.000 Euro erpresst"


 12 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
01.08.2016
09:35:02


(+3, 9 Votes)

Von Homonklin44
Aus Tauroa Point (Schleswig-Holstein)
Mitglied seit 08.07.2014


Zeigt zum einen wohl her, wie man nicht leichtfertig mit der Herausgabe von Details aus dem Leben umspringen sollte, bevor man Jemand nicht über längere Zeit intensiver kennen gelernt hat.
zum anderen, dass es immer noch genügend Lebenssituationen gibt, in denen ein 'Outing' nicht realisierbar ist. Vielleicht ja gerade, weil das Wesentliche im Leben auf's Spiel dadurch gesetzt wird, und nicht jeder dieses Risiko eingehen will.

Dann besser das Geld los sein, als sämtliche Kontakte oder eine etwaige Familie, Freunde, an denen man hängt, und das, was man sich errungen, erarbeitet hat. Für verpartnerte Bisexuelle ist da vermutlich die Gefährdung höher, könnte man sich denken.

Die ganzen 'Outings', die nicht supportiv-positiv verlaufen, die kehrt man gern unter die Teppiche, und dass Leute alles verlieren können, was ihnen lieb und teuer ist, wird ganz gern mit Phrasen weggewischt, dass das dann eh keine richtigen Freunde gewesen wären.

Das ist sich sehr einfach gemacht.


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#2
01.08.2016
11:07:58


(+5, 7 Votes)

Von saltgay_nl
Aus Zutphen (Niederlande)
Mitglied seit 23.11.2015


Typische Reaktion einer Klemmschwester. Es handelt sich im vorliegenden Falle um eine Straftat.

Das ist dem Holsteiner wohl noch nicht in das Gehirn eingedrungen. Stattdessen wird darüber schwadroniert, wie man sich gegenüber solchen Vorfällen besser schützen kann.

Aus diesem Grunde muss man nämlich weiter kämpfen, dass im Bewusstsein der Gesellschaft dieser Vorfall, homosexueller Geschlechtsverkehr, allenfalls auf eine Tatsache wie diese reduziert wird, dass sich eventuell ein ehemaliger Bundeskanzler und heutiger Gasmann die Haare färbt.

Schon vor Jahrzehnten kassierte ein findiger Geschäftsmann, sicherlich FDP-Mitglied, höhere Beträge von Hinterbliebenen. Er sammelte Todesanzeigen von Lokalgrößen, die besonders christlich, konservativ und angesehen waren. An die Trauerhäuser schickte er fingierte Rechnungen über Pornomaterial, was angeblich der Verblichene bestellt hatte. Er hat gut damit verdient.

In meiner Firma versuchte vor 20 Jahren eine Hamburger Schwindelfirma ähnliches. Wegen der Nutzung einer Telefonsexnummer sollte ich 600 DM zahlen. Nun, dank ISDN, ließ sich das schnell aufklären und die Drohung mit der Staatsanwaltschaft ließ die Rechnung schlagartig sich in Luft auflösen.

Nicht der Schwule muss sich schützen, sondern er hat einen Anspruch darauf von der Gesellschaft geschützt zu werden vor Straftätern - wie jeder andere Bürger übrigens auch.


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#3
01.08.2016
11:33:32


(+6, 6 Votes)

Von Felix


Man darf niemals auf Erpressung eingehen...


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#4
01.08.2016
12:24:42


(+4, 6 Votes)

Von AmurPride
Aus Köln (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 22.06.2016
Antwort zu Kommentar #1 von Homonklin44


Hallo Homonklin44,

bitte erlaube mir eines direkt vorweg zu stellen: Ich habe größten Respekt vor allen, die sich noch nicht geoutet haben bzw. die beschlossenen haben dies nicht zu tun. - Ich bin davon überzeugt, dass ein jeder von ihnen dafür sehr gute Gründe hat. Und da ich keinen einzigen Meter in ihren Schuhen gelaufen bin, steht es mir auch auf keinen Fall zu mir ein Urteil über ihren Entschluss zu erlauben.

Allerdings bin ich in einem Punkt deutlich anderer Meinung als Du!
Warum sollte ich Wert auf "..Kontakte oder eine etwaige Familie, Freunde.." legen, wenn die nicht bereit sind mich so zu akzeptieren wie ich wirklich bin? - Also ich für meinen Teil kann auf solche "Kontakte, Familie, Freunde" bestens verzichten!
Und Dein Vorwurf, dass da etwas "..ganz gern mit Phrasen weggewischt, dass das dann eh keine richtigen Freunde gewesen wären.." kann ich für mich auch nicht so stehen lassen, denn für mich können Personen, die mich einzig und alleine wegen meiner sexuellen Orientierung ablehnen, niemals meine Freunde sein!
"..Das ist sich sehr einfach gemacht.." - Ja, in diesem Punkt ist das Leben ganz einfach, jedenfalls für mich.

Und ehrlich gesagt glaube ich auch nicht, dass es in Deutschland "..immer noch genügend Lebenssituationen gibt, in denen ein 'Outing' nicht realisierbar ist..".
Wie für jeden anderen von uns ist es einzig und alleine eine Frage des individuellen Mutes eventuelle Konsequenzen in Kauf nehmen zu wollen bzw. der persönlichen Leidensfähigkeit des Einzelnen, die Folgen des eigenen "Verstecken" noch länger ertragen zu können/wollen.

Wenn ich mich oute, mag sich evtl. tatsächlich die eine oder andere Tür für mich schließen. Aber gerade durch die Tür, die ich dabei öffne, bietet die mir einzige bekannte Möglichkeit, ein authentisches und damit letztendlich auch glückliches Leben führen zu können.

In diesem Sinne: Seid mutig, offen und ehrlich! Denn nur dann habt Ihr die Chance auf wirkliche Freiheit und Glück!

Liebe Grüße
Amur


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#5
02.08.2016
10:38:48


(+1, 5 Votes)

Von Homonklin44
Aus Tauroa Point (Schleswig-Holstein)
Mitglied seit 08.07.2014
Antwort zu Kommentar #4 von AmurPride


Eine eigens gebildete Meinung soll jeder haben.

"Wie für jeden anderen von uns ist es einzig und alleine eine Frage des individuellen Mutes eventuelle Konsequenzen in Kauf nehmen zu wollen bzw. der persönlichen Leidensfähigkeit des Einzelnen, die Folgen des eigenen "Verstecken" noch länger ertragen zu können/wollen."

Ja, siehst Du, da gibt es für jeden halt auch andere Grenzen dieser Leidensfähigkeit. Wenn man 5 Mal sämtliche Kontakte eingebüßt hat, wegen bloßen Gerüchten, die irgendwo durchsickern, vielleicht den Job los wurde, die/den Partner*in verlor oder überhaupt Schwierigkeiten damit hat, Kontakte aufzubauen, ist man vielleicht dankbar und froh um ein paar, die geblieben sind.
Vielleicht stehen noch andere Geschichten im Vordergrund, Gewalterfahrung ect. und der "Mut" zerbirst an der Wirklichkeit.

In die Bedeutung, die das haben kann, hast Du anscheinend tatsächlich keinen Einblick oder Du lebst in einer recht glücklichen Lage, wo Du supportive und verständnisvolle Leute um Dich hast, die überaus weltoffen ticken. Wer diese Möglichkeiten hat, da kann ich das 'Outing' auch nachvollziehen.

Das hat nicht jeder Mensch und es ist nicht für jeden erreichbar - also lieber ein paar Freunde und Familie kennen, oder allein durchs Leben ziehen. Stellt sich die Frage, ob man sich Konsequenzen wirklich aussuchen kann. Nach meiner Erfahrung klappt das nicht, sie ergeben sich.

Menschen, die einen so akzeptieren, wie man ist - das ist eine luftige Illusion. Vielleicht hast Du davon ein paar in der Kiffer-Szene oder auf einer Goa-Party, zeitbegrenzt, aber Menschen akzeptieren nie sämtliche Facetten von dem, den sie kennen lernen. Viele versuchen eher noch beständig, einen so zurecht zu schneidern, wie man gefallen kann. Anpassung, oder Tschüss, so läuft das im wirklichen Leben.

Zudem ist die sexuelle Orientierung ein Aspekt der Privatsphäre. Es langt, wenn der Partner und vielleicht noch der Hausarzt davon erfahren. Darüber gibt es natürlich auch die verschiedensten Auffassungen, viele kennen heute keine Privatsphäre mehr oder schütten zwanghaft sämtliche Lebensdetails vor sich her. Soll doch jeder, wie er will. Dann aber bitte auch respektieren, dass es Leute gibt, die dem Trend nicht hinterher rennen.

Weiter sehe ich nur, dass Du es Dir sehr einfach machst. Die Idee, in den Schuhen von einem zu gehen, dem diese Möglichkeiten nicht offen stehen, der vielleicht seine Familie, seine Eltern, seine Geschwister oder Frau und Kinder unabhängig davon liebt, ob sie seine Bisexualität oder Homosexualität niemals akzeptieren könnten, wäre vielleicht ganz gut, mal durchlebt zu werden.
Warum sollte man also Wert auf ein Kontaktnetz legen, wenn man diese Leute seit 25 plusminus Jahren kennt und zu etlichen davon tiefe emotionale Bindungen unterhält? Vielleicht, weil sie unersetzlich sind. Weil man nicht auf Teufelkommraus den Bruch herausfordern will. Vielleicht aus Liebe ...

Man könnte nun auch sagen, wenn Jemand seine Familie und Freunde wegwirft, nur weil sie eine Facette an ihm nicht mögen, ( über die sie noch nicht mal zwingend was erfahren müssen ) kann kein wahrer Kumpel sein. Wo bleibt da die Toleranz der Meinung der anderen, wenn einer so vorgeht?

Nicht jeder hat eine so arrogante Haltung oder lieblosen Bezug zu seiner Familie, seinen Freunden und Bekannten, dass er diese Bindungen riskieren will. Nicht jeder ist mutig genug, den Job oder die Position aufs Spiel zu setzen, wenn es schief läuft abzuhauen und anderswo neu anzufangen, from Scrap, sozusagen.

Na ja, aber es gibt die einen, die Geld mehr lieben, als Menschen, und andere, für die Kontakte nur in potenziell nützlich und nutzlos eingeteilt werden, austauschbar.
No thanks.


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#6
02.08.2016
10:57:57


(+1, 3 Votes)

Von Homonklin44
Aus Tauroa Point (Schleswig-Holstein)
Mitglied seit 08.07.2014
Antwort zu Kommentar #2 von saltgay_nl


Natürlich ist das eine Straftat, und mir ist das klar. Wenn man mit sowas zur Polizei geht, muss man aber offenbaren, was der exakte Ablauf war. Schweigepflicht hin oder her, Du weißt sicher auch, wie es um das Vertrauen in die Polizei unter Umständen bestellt ist, die die Privatsphäre involvieren.
Da ist nicht jeder so frei damit, das mal so vom Herzen zu erzählen. Besonders nicht dann, wenn er vielleicht ungeoutet lebt, oder ungeouted leben muss, will.

In Deinem Beispiel ließ sich einfach nachprüfen, dass die ganze Sache nicht von Deinem Apparat aus getätigt worden sein konnte. Mein Vater hatte mal einen ähnlichen Fall, wo das über die Nachweise der einzelnen Anrufe geklärt wurde, dass es nicht sein konnte.

Die vom Artikel hatten wohl aber reale Kontakte mit dem Erpresser, und wohl im guten Vertrauen schon Adressen / Nummern weitergegeben. Sollte man tunlichst vermeiden. Wenn's nur um den schnellen Sex geht, gibt es doch genug Möglichkeiten, als "Joe Noname" irgendwo was zu bekommen.

Die Gesellschaft soll dies und das und überhaupt soll sie alles möglichst sofort akzeptieren. Das ist aber eine Modell-Gesellschaft, von der man weiterträumen kann. Schön wärs. Die Gesellschaft, von der wir hier täglich lesen, wie sie mit uns umgeht, macht blöderweise kaum mal das, was sie soll. Scheint nur in winzig kleinen Schritten zu gehen, und 'wir' sind nicht die Oberbefehlshaber in der Weisungskette.


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#7
02.08.2016
14:42:09


(+4, 4 Votes)

Von ursus
Antwort zu Kommentar #5 von Homonklin44


ich bemühe mich meistens um verständnis der persönlichen risikoabwägungen. wenn jemand sein umfeld als so massiv homophob einschätzt, dass er ein coming-out dort nicht für machbar hält, bzw. wenn er den preis dafür als zu hoch einschätzt, dann ist das seine eigene entscheidung, die ich nicht besser bewerten könnte als er selbst.

dass du offenbar schon mehrmals sehr negative erfahrungen gemacht hast, tut mir ehrlich leid, und es lässt mich deine haltung besser nachvollziehen.

mein verständnis endet dort, wo sich jemand einredet, er würde eigentlich doch gar keinen preis bezahlen, indem er sein schwulsein zur intimsten privatangelegenheit erklärt und sich dabei auf die schutzbehauptung zurückzieht, "privatsachen" gehörten generell nicht an die öffentlichkeit. wer nicht sehen will, dass diese aussage komischerweise immer nur für _schwules_ privatleben gelten soll und dass das einen ganz bestimmten grund hat, der belügt sich schlichtweg selbst.

ich weiß aus eigener erfahrung, dass es schmerzt, nicht frei zu sein. meine erfahrung sagt mir aber auch, dass die beste lösung nicht darin besteht, mir einfach einzureden, ich sei gar nicht unfrei.

>"Menschen, die einen so akzeptieren, wie man ist - das ist eine luftige Illusion. Vielleicht hast Du davon ein paar in der Kiffer-Szene oder auf einer Goa-Party, zeitbegrenzt, aber Menschen akzeptieren nie sämtliche Facetten von dem, den sie kennen lernen. [...] Anpassung, oder Tschüss, so läuft das im wirklichen Leben."

du möchtest nicht, dass andere dir ihre erfahrungen überstülpen. völlig okay. dann solltest du aber nicht behaupten, allein deine eigenen erfahrungen spiegelten "das wirkliche leben". akzeptierende menschen gibt es nicht nur unter kiffer_innen.

>"viele kennen heute keine Privatsphäre mehr oder schütten zwanghaft sämtliche Lebensdetails vor sich her."

es gibt durchaus auch eine maßvolle art, mit dem eigenen schwulsein umzugehen. du möchtest nicht, dass andere gegen dich als ungeouteten polemisieren. dann unterlass bitte selbst solche polemiken gegen menschen, die mit ihrem schwulsein offener umgehen als du selbst.


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#8
02.08.2016
15:06:42


(+2, 2 Votes)

Von ollinaie
Aus Seligenstadt (Hessen)
Mitglied seit 23.08.2012
Antwort zu Kommentar #5 von Homonklin44


Den Satz eines betrogenen Partners

"Das schlimmste für mich ist nicht, dass Du mit dem/r Mann/Frau Sex hattest, sondern daß Du nicht aufrichtig zu mir warst"

hast Du noch nie gehört.


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#9
02.08.2016
17:36:14


(+5, 5 Votes)

Von AmurPride
Aus Köln (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 22.06.2016
Antwort zu Kommentar #5 von Homonklin44


Hallo, lieber Homonklin44.

Erst mal viele lieben Dank für Deine mehr als ausführliche Antwort!

Es tut mir wirklich und aufrichtig leid, dass Du ganz offensichtlich 'ne Menge schlechter Erfahrungen gemacht zu haben scheinst. Ich wünschte mir es wäre anders für Dich gelaufen, ehrlich!

Und: WOW! Ich weiß gar nicht worauf ich zuerst reagieren soll.

Wenn ich Dich richtig verstanden habe, dann erklärst Du Deine sexuelle Orientierung zur Privatsache, weil Du Angst hast vor möglicherweise negativen Reaktionen Deines Umfeldes, den Verlust von Freunden und Familie. Das ist die Angst, der auch ich mich habe stellen müssen. Die Angst, die sich jeder, der sich geoutet hat, gestellt hat und die wir uns bei jedem neuen outing erneut stellen müssen.
Und all Deine "guten" Argumente, Überlegungen und Schlussfolgerungen, sich nicht zu outen, kenne ich nur zu gut. Sie begegnen mir ständig, wenn wir uns im queeren Jugendcenter treffen.

Allerdings kann ich aus meiner persönlichen Erfahrungen und aus zahlreichen Beobachtungen bei anderen nur zu einem Schluß kommen: Wenn man wirklich ein authentisches schwules und glückliches Leben führen will, dann geht das nur nach einen coming out! - Alles andere ist nur ein endloser Krampf aus Verbergen, Verstellen, Leugnen und Lügen.

In einem Punkt hast Du allerdings Recht: Ich lebe ".. in einer recht glücklichen Lage, wo [ich] supportive und verständnisvolle Leute um [mich] [habe].."
Glaubst Du das ist mir so einfach in den Schoss gefallen? Oder ich hätte irgendwo zufällig den großen geheimnisumwitterten schwulen Glückstopf gefunden?
Das habe ich mir mit meinem Mut, meiner Ehrlichkeit und meiner Offenheit hart erarbeitet! Was glaubst denn Du wie es mir ging als ich mich beispielsweise meinen Eltern anvertraute? Meinst Du etwa ich hätte nicht panische Angst vor ihrer Reaktion gehabt? Natürlich konnte ich mir die Konsequenzen vorher nicht aussuchen, aber ich war bereit mit ihnen zu leben und habe gelernt mit ihnen umzugehen.
"..Man könnte nun auch sagen, wenn Jemand seine Familie und Freunde wegwirft, nur weil sie eine Facette an ihm nicht mögen, .. kann kein wahrer Kumpel sein.." "..Nicht jeder hat eine so arrogante Haltung oder lieblosen Bezug zu seiner Familie, seinen Freunden und Bekannten, dass er diese Bindungen riskieren will.."
Ich bin nicht arrogant oder lieblos, wenn ich meiner Familie, Freunden oder Bekannten die Wahrheit über mich sage.. was ist denn das für ein verquirlte Logik, sag mal?
Und wenn die sich dann von mir einzig und alleine wegen meiner sexuellen Orientierung von mir abwenden, WER ist dann kein wahrer Kumpel? - Ich glaube hier geraten doch Ursache und Wirkung etwas durcheinander bei Dir!
Auch Dein Beispiel des Ehemannes mit Kindern, der seine Bi- bzw. Homosexualität seiner Frau und seinen Kindern gegenüber verschweigt, schweigt doch nicht aus Liebe zu ihnen! Er schweigt aus Angst um sich selbst, eventuell alles zu verlieren und am Ende alleine dazustehen. Wie kann man denn von Liebe reden, wenn man dem anderen, den man vorgibt zu lieben, unfassbar belügt?

Und nenn' mich ruhig arrogant, aber wenn mich jemand einzig und alleine wegen meiner sexuellen Orientierung ablehnt und mir die Freundschaft aufkündigt, was soll's? Sein Verlust, nicht meiner!

Du hast Recht, ich mache es mir recht einfach: Akzeptanz, "..oder Tschüss, so läuft das im [meinem] wirklichen Leben.."
Ich umgebe mich mit Dingen und Menschen, die mir gut tun. Auf diese Art und Weise habe ich mir ein stabiles Netzwerk von Menschen geschaffen, die mich so akzeptieren wie ich bin! - Und das ist keine "luftige Illusion", sondern - Gott sei Dank - Realität!

Und da ich ein authentisches, schwules und glückliches Leben führe, erscheint mir mein Weg deutlich sinnvoller als Deiner, den Du Dir in meinen Augen mit "erhöhter Leidensfähigkeit", "Privatsphäre" und "Handlungen aus Liebe" nur schön redest.

Liebe Grüße
Amur


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#10
03.08.2016
15:22:00


(-2, 6 Votes)

Von Homonklin44
Aus Tauroa Point (Schleswig-Holstein)
Mitglied seit 08.07.2014
Antwort zu Kommentar #9 von AmurPride


Wir leben in sehr verschiedenen Wirklichkeitsfacetten, und werden da nicht übereins kommen können. Aus meiner Sicht bleibst Du da "einer von denen". Wie man das interpretieren mag, sei jedem selbst überlassen, es ist wie bei einem Gespräch zwischen Gläubigen und Ungläubigen.

Ich zähle meine Orientierung zu meiner Privatsphäre, weil sie es ist. Punkt. Es geht die Welt nix an und schon gar nicht x-beliebige Leute. Vielleicht macht das den Generationsunterschied aus, oder der Trend dahin, dass manche Leute nichts Privates mehr brauchen oder wollen.

Angst vor möglicherweise negativen Reaktionen brauche ich nicht, die gab es schon, weil ich auch mal so blöd war, diesem Outing-Gedanken anzuhängen, in jungen Jahren. Ich habe es überlebt, ja. Wäre das Messer ein paar cm weiter reingegangen, wer weiß.
Meine heutige "Familie" sind einfach Leute aus dem alltäglichen Leben, und von mehreren weiß ich mit Bestimmtheit, sie tragen eine allgemein weit verbreitete, latente homophobe Haltung mit sich herum. Die ich als "gängig" erlebe, Stadt, Land, überall. Das kriegst mit ein paar Regenbogenstickern leider auch nicht raus aus denen.
Ich ziehe es vor, auf minimaler Konfrontationsbasis zu leben. Ich brauche keine neuen negativen Reaktionen, das stimmt. Und keinen neuen Verlust wegen sowas Privatem wie meiner Partnerwahl-Orientierung. Es ist schwierig genug, überhaupt einen Freundeskreis zu erreichen, und wird man älter, macht es das nicht einfacher.
Ich lebe auch mit Menschen, die mich so relativ okay finden, wie sie mich kennengelernt haben.
Der Umgang tut mir gut, sonst wäre ich da nicht anzutreffen. Dafür, dass die mir diese Freundschaft geben, bin ich sehr dankbar, und was sie nichts angeht, bleibt bei mir. Was mich nichts angeht, bleibt bei denen. Das ist eine faire Umgangsbasis, die mir ausreichend ist. Das Schöne daran nehme ich gerne mit. Schönreden muss ich mir das nicht.

Es ist auch kein "Lügen", wenn man Leuten nicht alles über sich erzählt. Diese Ansicht über 'Ehrlichsein' ist doch ziemlich schwarzweiß und hochidealistisch. Vermutlich ist kaum jemand so offen, und dass Menschen von Natur aus schwindeln, auch dann, wenn man jemand Hässlichem aus Rücksicht was Nettes sagt, weiß auch jeder. Das ist durchaus üblicher Umgang.
Durch die 'rosa Brille' beguckt, natürlich nicht...

Und man kann sehrwohl ungeouted und ehrlich leben. Generationen vor uns haben's nicht viel anders gemacht, indem sie das Private meist für sich behielten.

Wenn Du lieber solch ein auserlesener Edelmensch bist, der nie was verschweigt und kein Privates braucht, lebe so, wie Du willst. Wenn Deine Kontakte wirklich kein bisschen Kritik, auch nicht hinterum, über Dich loswerden, sei sehr, sehr dankbar. Dann hast Du wirklich den Glückstopf gefunden.

Schreibe aber nichts mehr darüber, Dir kein Urteil über Leute zu erlauben, die andere Wege leben, solange Du es tust. Ich schätze, zig Familien, in denen Bisexuelle mit notwendigen Doppellebensstrukturen leben, würden es Dir danken.


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