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  • 02.08.2016, 18:12h           7      Teilen:   |

Omnisex und Unisex

Genderneutrale Produkte: Was steckt hinter diesem Trend?

Artikelbild
Immer mehr Modemarken – wie Zara in diesem Frühjahr – bringen genderneutrale Kollektionen auf den Markt

Vor allem in der Modebranche, aber auch im Spielwaren- oder Technikbereich, setzen Hersteller zunehmend auf Produkte, die sich keinem Geschlecht zuordnen lassen

Eine britische Mode-Kette erkannte im letzten Jahr die Zeichen der Zeit und machte Schlagzeilen: Eine Kampagne, welche klassische Geschlechtergrenzen zu überschreiten und dabei die konventionellen Geschlechtermodelle aufzubrechen sucht, wurde im März als On- und Offline-Werbeoffensive gelauncht. Mit eigens exklusiv angefertigten Kollektionen, die in Richtung Geschlechtsneutralität publikumswirksam in umgestalteten Sonder-Verkaufsräumen in der Londoner Metropole gerade ein jüngeres, unkonventionelleres Publikum ansprechen wollen, will die Kette punkten.

Dabei liegt die Kette in einem allgemeinen Trend, der die Auflösung strikter Geschlechtergrenzen und damit verbundener Stereotype auf seine Fahnen geschrieben hat, und sich immer deutlicher in Produktgestaltung und Marketingmaßnahmen artikuliert. So setzen viele Hersteller von so genannten Omnisex-Produkten mittlerweile verstärkt auf genderneutrale Güter, die sich ganz auf ihre eigentliche Funktion, Performance und abstrakte Ästhetik konzentrieren, statt sich in gängigen, geschlechtsspezifischen Design-Klischees wie beispielsweise Herzchen oder Totenköpfen zu erschöpfen.

Post Gender ist mehr als nur ein Begriff. Mehr als nur eine Floskel. Er ist Lebensausdruck, Lifestyle und philosophisches Konstrukt zugleich und hat sich spätestens seit den Queer Studies, verkörpert durch ihre Ikone Judith Butler, auch in Deutschland etabliert. In ihrer Kritik an Heterosexualität und Heteronormativität verfolgen Queer und Gender Studies einen pluralistischeren Ansatz und setzen den begrenzten Konzepten eine Vielfalt an Geschlechtern und Sexualitäten sowie Antinormativität entgegen. Butler lehrt im kalifornischen Berkeley und ist 1990 mit "Gender Trouble" ("Das Unbehagen der Geschlechter") einer breiten Öffentlichkeit bekannt geworden.

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Blau versus Rosa hat ausgedient

Spielzeughersteller wie Top Toy versuchen, Geschlechterstereotype in ihren Katalogen zu vermeiden
Spielzeughersteller wie Top Toy versuchen, Geschlechterstereotype in ihren Katalogen zu vermeiden

Eine binäre Gender-Vorstellung geht davon aus, dass es genau und nur zwei Geschlechter gibt, männlich und weiblich. In der traditionellen Vorstellung schließen sich beide Vorstellungen wechselseitig aus, "Frau-Sein" ist identisch mit "nicht Mann" und umgekehrt. Dabei werden beide Lager mit Stereotypen und Vorurteilen besetzt, die traditioneller Bestandteil von Kulturen sind und von Generation zu Generation weitergegeben werden.

Exemplarisch hierzu wurden in einer Studie am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin rund 1.000 deutsche Frauen und Männer danach befragt, wer aus ihrer Sicht über eine bessere Intuition verfüge. Bei dem Privatleben waren sich Frauen wie Männer weitgehend darüber einig, dass Frauen über ein ausgeprägteres und feineres Bauchgefühl verfügen als Männer. Lediglich 14 Prozent der Männer gaben an, beispielsweise bei der Partnersuche ihren eigenen Intuitionen zu vertrauen.

Bei Intuition im Berufsleben waren die Verhältnisse umgekehrt gelagert, so glaubte die Mehrzahl der befragten Frauen und Männer an, dass Männer im Beruf ein "besseres Händchen" hätten. Am Beispiel Aktienkauf an der Börse gaben nur elf Prozent der Frauen an, dass sie hier die besseren Intuitionen haben, nur neun Prozent der Männer trauten ihnen das zu.

Wie scinexx.de die Studienergebnisse zusammenfasst, wird die Vorstellung von Intuition wie vieler anderer Attribute stereotyp mit weiblicher Natur gleichgesetzt, über die Geschlechtergrenzen hinweg. Mit ihr werden traditionell die Attribute von Willkürlichkeit und sechstem Sinn gleichgesetzt, obwohl die Wirklichkeit am Beispiel finanzielle Transaktionen an der Börse anders aussieht: Vorangegangene Studien zeigten, dass Frauen gleich erfolgreiche oder sogar erfolgreichere Investitionen tätigten als Männer.

So beruht vieles in einer binären Gender-Vorstellung offenkundig auf traditionellen Rollen-Klischees, jenseits einer wissenschaftlich beobachtbaren Faktenlage.

Der neue Gender Shift

Der Gender Shift ist dabei zu einem richtungsweisenden Megatrend geworden, mit riesigen Konsequenzen auf kultureller, politischer und wirtschaftlicher Ebene: Geschlechterrollen werden aufgebrochen und verlieren an Bedeutung. Und damit auch an Verbindlichkeit. Dabei rücken die verschiedenen Generationen immer weiter voneinander weg. Vieles was die Manager in den Führungsetagen nach wie vor an traditionellen Wertevorstellungen hinsichtlich Mann und Frau noch kennen und eventuell vorleben, gilt für die jungen Angestellten nicht mehr.

Das Geschlecht verliert an gesellschaftlicher Verbindlichkeit, und das weltweit. Das zukunftsInstitut listet einige Beispiele auf, die exemplarisch für den tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel stehen: So halten afrikanische Unternehmerinnen ihre Familien und Dorfgemeinschaften wirtschaftlich über Wasser, und in der Türkei gehen Männer in Röcken auf die Straße, um für Frauenrechte zu demonstrieren. Auch in Deutschland beginne eine Diskussion darüber, was eigentlich einen guten Vater ausmache und wie Männer Kind und Karriere miteinander vereinbaren können.

Geschlechtsneutralität in der heutigen Produktlandschaft

Oft werden genderneutrale Produkte – wie hier von Diesel – mitt androgynen Models beworben
Oft werden genderneutrale Produkte – wie hier von Diesel – mitt androgynen Models beworben

Parallel zu gesellschaftlichen Entwicklungen hat sich eine Produktwelt in den letzten Jahren etabliert, die für sich den Anspruch erhebt, genderneutral zu sein. Vor allem in der Modebranche und in der Parfümwelt, aber auch im Spielwaren- oder Technikbereich, setzen einige Hersteller inzwischen auf Produkte, die sich keinem Geschlecht zuordnen lassen und nur im Hinblick auf Funktionalität und Performance im Dienst des Menschen allgemein gestaltet werden – unabhängig von geschlechtlicher Identität und sexueller Orientierung.

Unisex-Mode wie die einer eingangs erwähnten britischen Nobelkette wird so entworfen und auch von genderneutral gestylten Models präsentiert, dass sie sowohl Männlein als auch Weiblein tragen können. Die Kette wollte damit das erste geschlechtsneutrale Edelkaufhaus der Welt etablieren. In London, Birmingham und Manchester soll es nach eigenen Angaben auf drei Stockwerken verteilt nur noch Kleidung, Accessoires und Beauty-Produkte im Unisex-Angebot geben.

Dass auch Spielzeugkonzeption- und -gestaltung grundsätzlich losgelöst von Geschlechter- und damit auch Farbenklischees erarbeitet werden und sich dennoch ein zufriedenstellender Absatz einstellen kann, beweist laut "Süddeutscher Zeitung" exemplarisch ein Hersteller aus Oberfranken, der schon seit einigen Jahren auf Genderneutralität setzt. So bietet er beispielsweise Spiel in neutralen Farben an, in der dazugehörigen Beschreibung wird unspezifisch auf "kleine Küchenchefs" und "kleine Kinder" als Zielgruppe verwiesen.

Genderneutralität auch bei Elektroartikeln

Aber auch im Elektroartikel-Bereich bemühen sich Hersteller um Genderneutralität, indem sie sich auf konzeptionelle Eckpfeiler von Funktion, Performance und abstrakte Ästhetik als Alleinstellungsmerkmale konzentrieren und sie produktrealistisch umsetzen.

So wird gerade in Hinblick auf Design auf Neutralität geachtet: In der Farbgestaltung verschwinden Blau- und Rosa-Töne zu Gunsten von neutralem Grau oder Schwarz. Omnisex-Produktlinien wollen bewusst auf veraltete Geschlechterrollen verzichten und setzen sich für mehr Individualität ein, ohne bei der Gestaltung auf Herkunft, Orientierung oder Geschlecht zu achten. Daher steht eine hochwertige Verarbeitung und Funktionalität im Vordergrund, das Design ist dagegen eher neutral und zeitlos gehalten.

Schlussnote: In punkto Mode gehen bereits erste Einzelhandelsketten in den USA dazu über, in ihrem Kindersortiment die Trennung von Produkten für Mädchen und Jungen aufzuheben. In Deutschland steckt die Entwicklung allerdings noch in den Kinderschuhen.

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Tags: genderneutral, omnisex, ungendered, unisex, geschlechtsneutral
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Reaktionen zu "Genderneutrale Produkte: Was steckt hinter diesem Trend?"


 7 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
02.08.2016
19:03:39
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(+3, 5 Votes)

Von Berliner
Aus Berlin
Mitglied seit 16.11.2015


"In der Farbgestaltung verschwinden Blau- und Rosa-Töne zu Gunsten von neutralem Grau oder Schwarz."

Ich hoffe doch nicht, dass grau, schwarz und co noch mehr Verbreitung findet und ich als farbenfroher Mensch in Zukunft noch weniger Auswahl habe.


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#2
03.08.2016
03:30:03
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(+2, 4 Votes)

Von Musthave---
Antwort zu Kommentar #1 von Berliner


Ja " Grau und Schwarz " ist ja auch der Zeitgeist. Und ein unseuxelles Biedermeier wollen ja auch viele verordnen. Vom Gendergaga manipulativer Kampffeministinen bis AFD-Spießertum .
Manche wollen aber einfach auch nur Neutral sein, graue Mäuschen. Auch ich benutze neutrale Produkte: T-shirt, Hosen, Taschentücher...


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#3
03.08.2016
05:02:51
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(+1, 3 Votes)

Von Foxie
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #1 von Berliner


Einheitsgrau? So wie die beiden auf dem Bild?
Woran erinnert mich das nur?
China, Mao's Kulturrevolution.
Tolle Idee, und so political correct!
Frauen, Männer, Trans...alle verbergen gleichermaßen, was sie sind.


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#4
04.08.2016
07:38:54
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(0, 4 Votes)

Von Musthave---


Ja Maoismus ist auch Faschismus oder auch manchmal nur einfach doof


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#5
04.08.2016
09:52:19


(-2, 2 Votes)

Von Patroklos
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #3 von Foxie


Warst Du dabei?


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#6
06.08.2016
07:39:32
Via Handy


(+2, 2 Votes)

Von Musthave---


Ich bin jünger und kein Chinese erkenne rieche aber Diktatur gegen den Wind


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#7
11.08.2016
19:51:45


(0, 2 Votes)

Von Jeanne


Hier werden meiner Meinung nach zwei Ebene verwechselt, wie es so oft passiert, nämlich Geschlecht und der Ausdruck vom Geschlecht.

Es ist schon klar, dass GeschlechtsAUSDRUCKSFORMEN relativ sind. Kein Mensch (außer Vollidioten) heutzutage wäre fest davon überzeugt, dass Rosa nur für Frauen bestimmt ist, um mal das karikaturistischste Beispiel zu nehmen.

Aber die Tatsache, dass diese Merkmale und Attributen eine soziale Konstruktion sind, bedeutet schon lange nicht, dass die zugrunde liegende Geschlechter nicht existieren!

Warum streben so viele Menschen heutzutage das Überwinden vom Geschlecht an? Was hat Ihnen der Begriff überhaupt angetan? Die Binarität heißt lange nicht, dass Männer Frauen diskriminieren müssen oder, dass es nur ein Frauen- bzw Manntyp gibt. Also, wozu der ganze Stress? Warum diese Hartnäckigkeit bei der Bekämpfung von Unterschieden, die sich vielleicht in Ihrem Kern nicht löschen lassen?


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