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Präexpositions-Prophylaxe (PrEP)

England: Pille zum Schutz vor HIV löst Streit aus


Truvada wird voraussichtlich in Kürze auch in Deutschland zugelassen

Das staatliche Gesundheitssystem wehrt sich dagegen, PrEP zu finanzieren – ansonsten müssten kranke Kinder leiden.

Eine Gerichtsentscheidung zur Präexpositions-Prophylaxe (PrEP) sorgt in Großbritannien für Aufregung: Der "High Court of Justice" hat am Dienstag in erster Instanz entschieden, dass es Aufgabe des staatlichen Gesundheitsdienstes (NHS) sein kann, ein derartiges Präventionsmedikament zu finanzieren. Die NHS-Unterbehörde, die für den Landesteil England verantwortlich ist, hatte die Finanzierung rundweg abgelehnt und betont, als Präventionsfrage sei dies Aufgabe von Städten und Gemeinden.

Das Gericht folgte aber der Argumentation der Kläger von der Aidshilfe-Organisation "National Aids Trust" und erklärte in seiner Urteilsbegründung, dass sich der Gesundheitsdienst in seiner Einschätzung "geirrt" habe. "Präventionsmaßnahmen sind ohne Zweifel sinnvoll", so Richter Nicholas Green. Es sei außerdem bewiesen worden, dass das Medikament das Risiko von HIV-Infektionen senke.

PrEP steht derzeit in Europa kurz vor der Zulassung: Das Pharma-Unternehmen Gilead Sciences hatte die Zulassung von Truvada als Präventionsmedikament bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur bereits Anfang des Jahres beantragt (queer.de berichtete). Klinische Studien hätten bewiesen, dass HIV-Negative mit PrEP bei täglicher Einnahme das Ansteckungsrisiko praktisch auf Null senken könnten. Vergangenen Monat hat die Agentur schließlich die Zulassung empfohlen. Nun muss noch die EU-Kommission formell zustimmen; voraussichtlich wird Truvada in den nächsten Wochen als PrEP offiziell erhältlich sein.

In den USA ist die Pille bereits seit 2012 zu als Schutz für HIV-Negative zugelassen. In anderen Ländern wie Kenia und Südafrika wird das Medikament ebenfalls eingesetzt. Zudem hat Frankreich kürzlich eine "temporäre Gebrauchsempfehlung" für Truvada zum Schutz vor einer sexuellen Ansteckung mit HIV gegeben.

Gesundheitsbehörde will Urteil nicht akzeptieren

Der NHS England will aber weiterkämpfen und hat bereits angekündigt, gegen die Entscheidung des Gerichts Widerspruch einzulegen. Außerdem versuchte die chronisch unterfinanzierte Behörde mit einer PR-Kampagne, die Öffentlichkeit auf ihre Seite zu ziehen. So wurde in einer Pressemitteilung damit gedroht, dass bei einer PrEP-Zulassung andere Medikamente oder Behandlungen nicht mehr finanziert werden könnten. Dazu gehörten Medikamente für Kinder mit Mukoviszidose oder die Behandlung seltener Arten von Krebs.

Scharfe Kritik an der Kampagne kommt von den Klägern: Deborah Gold vom National Aids Trust erklärte, es sei "nicht hilfreich", verschiedene Gruppen gegeneinander auszuspielen. Die Gerichtsentscheidung habe gezeigt, dass die Behörde gegen das Gesetz verstoßen habe, als sie die Finanzierung von PrEP rundweg abgelehnt hatte.

Das Medikament ist freilich nicht billig: In Deutschland kostet eine Monatspackung 800 Euro. Zudem können Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Durchfall oder Magenbeschwerden auftreten. Manche Aktivisten befürchten, dass die Pille insgesamt zu mehr unsafem Sex führen könnte – oder dass sich Patienten, die sich zu wenig an die Einnahme-Vorgaben halten, in falscher Sicherheit wiegen. Es ist hierzulande auch noch völlig unklar, ob und für welche Gruppen Krankenkassen das Präventionsmedikament finanzieren.

Gute Erfahrungen mit PrEP in den USA

In den USA gilt PrEP seit der Zulassung vor vier Jahren als Erfolgsgeschichte. Dort hat die Gesundheitsbehörde CDC im vergangenen Jahr empfohlen, dass Menschen mit besonders hohem Risiko das Medikament einnehmen sollten – darunter laut CDC rund ein Viertel der sexuell aktiven Schwulen und bisexuellen Männer, die HIV-negativ sind (queer.de berichtete). Auch die Deutsche Aids-Hilfe nennt das Medikament "eine sinnvolle Ergänzung der erfolgreichen HIV-Prävention in Deutschland".

Truvada enthält die Wirkstoffe Tenofovir und Emtricitabin. Das Medikament wird in Deutschland bereits bei HIV-Positiven eingesetzt, um die Ausbreitung des Virus im Körper zu hemmen. Außerdem kann Truvada bereits heute als Post-Expositionsprophylaxe in Kombination mit einem anderen Medikament angewendet werden, wenn es binnen 24 Stunden nach einem Risikokontakt eingenommen wird. (dk)



#1 Carsten ACAnonym
  • 03.08.2016, 16:17h
  • Dann muss eben das Budget für Gesundheit insgesamt steigen!

    Es kann doch nicht sein, dass man entscheiden muss, wem man helfen kann und wem nicht und welche Vorsorge man noch finanzieren kann und welche nicht mehr.

    Da muss man die Schuld nicht bei der PrEP-Therapie suchen, sondern bei der Politik, die über Jahre und Jahrzehnte das Gesundheitssystem immer weiter kaputt gespart hat.
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#2 LaurentProfil
#3 PfoteAnonym
  • 03.08.2016, 16:30h

  • Es sei außerdem bewiesen worden, dass das Medikament das Risiko von HIV-Infektionen senke.

    Das ist eine Aussage des Gerichts. Man möge sie bei eventuellen Kommetaren hier bitte berücksichtigen.
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#4 UrsaMajorEhemaliges Profil
  • 03.08.2016, 16:37h
  • Ach ja, die armen, hilflosen Kinder.

    Die sind übrigens immer nur so hilflos, wie der Staat, in dem sie leben, sie macht.

    ***

    Übrigens läuft der Truvada-Patentschutz auch in Europa in absehbarer Zeit ab (ich hörte von 2018). Dann kann es, wie z.B. schon in Indien, Generika geben, die ein Zehntel oder weniger kosten.

    Mehr zur PrEP:

    www.aidshilfe.de/faq-prep
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#5 JW GrimmAnonym
#6 LuchsAnonym
  • 03.08.2016, 18:46h
  • Es gibt halt einen recht wirksamen Schutz: Gummis. Billig, effizient, gut. Prep bietet keinen 100 % Schutz und außerdem pumpt man den Körper dauerhaft mit chemischen Mittel voll, die auch Nebenwirkungen haben können. Man muss es täglich nehmen. Immer.
    Warum soll die Allgemeinheit zahlen, wenn manche keine Gummis nehmen wollen?
    Am Ende müsste eine Gesamtkostenbetrachtung stehen. Was ist billiger? Truveda zahlen und hoffen, dass die Gesamtkosten für HIV/Aids Behandlung am Ende billiger sind, weil Prep mutmaßlich billiger ist als Therapie? Ist das nicht der Fall und man will sich das als Öffentlichkeit trotzdem leisten, Prep zu zahlen, dann gehen halt die Krankenkassenbeiträge für alle hoch. Irgendwo muss die Kohle herkommen.
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#7 johnAnonym
  • 03.08.2016, 19:24h
  • Es ist nicht Aufgabe der Solidargemeinschaft, ein selbst verursachtes Hochrisikoverhalten zu finanzieren. Darüber hinaus führt der ungeschützte Sex unter PrEP zu einer Verbreitung anderer Geschlechtskrankheiten und Infektionen und somit in letzter Konsequenz zu einer Verbreitung multirestistenter Keime, für deren Abwehrmedikation die Pharmalobby jetzt schon in den Startlöchern sitzt. So verdient man dann doppelt: erst an der teuren PrEP, dann an den Folgen.

    Dazu zeigen seriöse Studien ( die mal nicht von den PrEP-Herstellern finanziert sind), daß gerade die Hochrisikogruppe leider in ihrem Einnahmeverhalten ebenso sprunghaft ist, wie sonst durch die Betten: PrEP wirkt nur dann, wenn man es konsequent einnimmt. Gerade die Hochrisikogruppe neigt aber leider auch zum Verpeilen der Einnahme

    Die absolut nichts kritisch hinterfragende Homogemeinde läßt sich allerdings von den Marketingstrategen willig vor den Karren spannen, in dem sie nachplappert, daß es diskriminierend sei, wenn die Gesellschaft ihnen nicht hirnloses Rumgepoppe bezahlt.
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#8 PfoteAnonym
  • 03.08.2016, 20:50h
  • Antwort auf #7 von john

  • Es gibt trotz 30 Jahren Kondomwerbung jährlich 2500 Neuinfektionen mit HIV, die Dir offensichtlich aus lauter Selbstgerechtigkeit am Allerwertesten vorbeigehen.

    Deine Informationen sind natürlich besser als die englischen Gerichts, nicht wahr?
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#9 TheDadProfil
  • 03.08.2016, 23:01hHannover
  • Antwort auf #1 von Carsten AC
  • ""Dann muss eben das Budget für Gesundheit insgesamt steigen!""..

    Das war ja auch ein "Argument" der Brexit-Befürworter, die der Bevölkerung vorgelogen haben, die Gelder für die EU würden nach dem Ausstieg aus dieser in Höhe von 350 Millionen Pfund TÄGLICH in das Gesundheitswesen investiert werden..

    ""Das staatliche Gesundheitssystem wehrt sich dagegen, PrEP zu finanzieren ansonsten müssten kranke Kinder leiden.""..

    Das ist auch so ein klasse Todschlagargument..

    Wieso würden dann nur Kinder darunter leiden ?
    Keine Schwerkranken ? Keine Alten ?
    Keine Rentner ? Keine Schwangeren, oder auch Kinderlose Ehepaare ?

    Nein, mit dem "Argument" "Kinder" will man auf die Tränen-Drüse drücken, und die Bevölkerung verdummen..

    Perfide bis ins Mark..

    Ansonsten..
    Es sind eh bald Generika am Markt die dann nur noch ein Zehntel der heutigen Preise erzielen werden..
    Und 80,-- Euro im Monat ist dann auch kein "Schreck-Gespenst" mehr, mit dem man eine Britische Rentnerin Bange machen kann..
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#10 TheDadProfil
  • 03.08.2016, 23:10hHannover
  • Antwort auf #2 von Laurent
  • ""Mukoviszidose oder Krebs sind i.d.R. schicksalsbedingt, hängen also weniger vom eigenen Verhalten ab.""..

    Du willst hier schon wieder "gute Kranke" und "schlechte Kranke" diskutieren ?

    Wie oft eigentlich noch ?

    Mukoviszidose ist eine autosomal-rezessive Erbkrankheit, von denen es inzwischen 1.900 verschiedene bekannte Varianten gibt, die allerdings eines gemein haben :
    Sie könnten schon Vorgeburtlich diagnostiziert, und damit auch verhindert werden, wenn sich die Eltern testen ließen, und auf Nachwuchs verzichteten..

    Worüber reden wir hier also ?

    Vom "Erb-gesundem Volk" ?

    Menschen werden Krank.. Punkt..
    Deshalb müssen sie behandelt werden.. Punkt..

    Impfungen sind auch nicht "billiger" als eine PrEP, weil sie weit mehr Menschen erreichen..

    Gesamtvolkswirtschaftlich gesehen ist jede PrEP daher immer sinnvoll !
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