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Konzern entschuldigt sich

Air Berlin bedauert Zensur von Lesbenkuss


Air Berlin will künftig darauf achten, dass im Filmprogramm keine homophobe Zensur mehr vorkommt. (Bild: flickr / InSapphoWeTrust / by 2.0)

Die zweitgrößte Fluglinie Deutschlands entschuldigt sich dafür, in ihrem Bordprogramm einen gleichgeschlechtlichen Kuss verpixelt zu haben – und gelobt Besserung.

Die Zensur eines gleichgeschlechtliches Kusses im Bordprogramm der Fluglinie Air Berlin sorgte am Donnerstagabend in sozialen Netzwerken für Aufregung: Die Aktivistengruppe "Enough is enough" veröffentlichte auf Facebook Aufnahmen eines Anhängers, die er vor zwei Wochen an Bord eines Air-Berlin-Fluges machte und eine Szene aus dem Film "Die Royal Tennenbaums" im Videoprogramm des Fliegers zeigt: Als sich in dem Film zwei Frauen küssten, wurde das Bild verpixelt – anders als bei heterosexuellen Küssen.

Facebook / EiE | Die Aktivisten von Enough is Enough stellten mit dem Ausschnitt aus dem Bordprogramm die Homo-Freundlichkeit von Air Berlin in Frage

Dem Konzern ist diese Verpixelung offenbar peinlich: Ein Air-Berlin-Sprecher erklärte auf Anfrage von queer.de, dass man die Zensur bedaure. "Die Tatsache, dass wir das Bordprogramm von einem Dienstleister zur Verfügung gestellt bekommen, entbindet uns natürlich nicht von der Verantwortung für dieses. Nachdem der Film überprüft wurde, werden wir ihn als Konsequenz aus unserem Programm nehmen, da er in dieser Version nicht mit unseren Grundwerten übereinstimmt."

Dienstleister erhielt einen Rüffel

Wie Air Berlin weiter mitteilte, werde man den Dienstleister anweisen, "diesen Aspekt bei der Filmauswahl zu berücksichtigen, um solche Situationen in der Zukunft zu vermeiden." Weiter heißt es in der Stellungnahme: "Sollten wir damit in irgendeiner Weise einem Fluggast zu nahe getreten sein, bitten wir dies zu entschuldigen."

Air Berlin ist äußerst aktiv in der LGBT-Community: So ist die Firma Mitglied der "International Gay & Lesbian Travel Association" (IGLTA) und unterstützt Dutzende CSDs und LGBT-Veranstaltungen in Deutschland, darunter etwa das lesbisch-schwule Stadtfest in Berlin.

Der bei Homo-Küssen sensible Dienstleister für das Bordprogramm arbeitet offenbar auch für andere internationale Fluglinien: So beklagte sich bereits ein Youtube-Nutzer im Jahr 2014 darüber, dass die US-Firma United Airlines ebenfalls den gleichgeschlechtlichen Kuss aus den "Royal Tennenbaums" verpixelt hatte.

Direktlink | Ein Video zeigt, wie der Frauenkuss auch bei United Airlines zensiert wurde

Andere Airlines, bei denen man es weniger erwartet, zeigen dagegen auch LGBT-Themen unzensiert: Beispielsweise läuft bei "Qatar Airways" die Serie "Modern Family" ohne Pixel oder schwarze Balken, obwohl das Emirat Katar Homosexualität unter Strafe stellt. (dk)



#1 PeerAnonym
  • 04.08.2016, 18:07h
  • "Nachdem der Film überprüft wurde, werden wir ihn als Konsequenz aus unserem Programm nehmen, da er in dieser Version nicht mit unseren Grundwerten übereinstimmt."

    Man könnte ja auch den Film ganz einfach unverpixelt zeigen...

    --------------------------------------------

    "diesen Aspekt bei der Filmauswahl zu berücksichtigen, um solche Situationen in der Zukunft zu vermeiden."

    Mit anderen Worten:
    Air Berlin will in Zukunft einfach gar keine Filme mit gleichgeschlechtlichen Küssen mehr zeigen, damit sich die Frage "Verpixeln oder nicht" erst gar nicht stellt.

    Die einzige richtige Reaktion wäre, sich von diesem offenbar homophoben Dienstleister, der anderen seine Meinung aufzwingen will, zu trennen.
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#2 markusbln11Anonym
  • 05.08.2016, 06:57h

  • Nun, dann streichen wir airberlin halt mal von der liste der fluggesellschaften, mir denen wir fliegen wollen.
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#3 Deniz SAnonym
  • 05.08.2016, 07:27h

  • Also Air Berlin fällt glaube ich von sämtlichen deutschen Airlines am positivsten und engagiertesten auf. Die engagieren sich wirklich viel für Schwule und Lesben, da sollte man sowas nicht überbewerten
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#4 markusbln11Anonym
#5 RobinAnonym
  • 05.08.2016, 10:55h
  • Antwort auf #3 von Deniz S
  • Dazu muss man erwähnen, dass sowas schlicht Marketing ist.

    AirBerlin hat halt erkannt, dass GLBTI eine wichtige Zielgruppe sind.

    Erstens sind das oft die typischen "DINK"s (double income, no kids), so dass die viel Geld zur Verfügung haben. (Natürlich gibt es auch unter uns Leute, die richtig arm dran sind, aber um die geht es AirBerlin ja nicht, sonst würden sie nämlich z.B. auch für Projekte für schwule Obdachlose spenden und nicht nur Werbestände auf CSDs haben.)

    Und zweitens sind viele von uns relativ reisefreudig und können ohne Kinder auch zu reiseschwächeren Zeiten in Urlaub fliegen.

    GLBTI sind für Unternehmen eine wichtige Zielgruppe. Immer mehr Unternehmen erkennen das und nutzen das für sich. Dazu gehört halt auch AirBerlin. Man muss sich aber dabei immer klar machen, dass das nicht aus Überzeugung für Gleichstellung geschieht, sondern dass das nur der eigenen Bilanz geschuldet ist. Und wenn AirBerlin einen Stand auf einem CSD hat, dann dient das eben nicht dem Kampf um Gleichstellung, sondern dann ist das nicht mehr als ein Werbestand. Und was da verteilt wird, sind halt Werbemittel.

    Nur deswegen ein Unternehmen als vorbildlich hinzustellen und homophobe Zensur runterzuspielen, ist völlig falsch.

    Wenn AirBerlin es wirklich ernst meint, trennen sie sich von dem Dienstleister und zeigen in Zukunft auch Filme mit gleichgeschlechtlichen Küssen unverpixelt. Aber ich halte jede Wette, dass AirBerlin das nicht tut.
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#6 StewieAnonym
  • 05.08.2016, 12:19h
  • Antwort auf #5 von Robin
  • Da muss ich mich Robin anschließen:
    es ist keine Kunst, bei einem CSD homofreundlich aufzutreten. Da dort eh nur LGBT sind bzw. Heteros, die nichts gegen LGBT haben, kann man es sich dort eh mit niemandem verscherzen. Da kann man nur gewinnen - neue Kunden und gutes Image.

    Ob das wirklich nur zielgruppenorientiertes Marketing ist oder ein echtes Bekenntnis zu Vielfalt und deren Förderung, erkennt man dort, wo LGBT nicht in der Mehrheit sind. Und da patzt Air Berlin leider nicht zum ersten mal.
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#7 UrsaMajorEhemaliges Profil
  • 05.08.2016, 12:42h
  • Hintergrundinformation:

    "Air Berlin kämpft ums Überleben. Sieben Jahre in Folge schreibt das Unternehmen bereits rote Zahlen, das Jahr 2015 brachte einen neuen Rekordverlust von 446 Millionen Euro. Die Finanznot hat das Eigenkapital aufgezehrt, die Schulden belaufen sich auf mehr als 800 Millionen Euro.

    [...] Das Schicksal der Berliner hängt inzwischen an Großinvestor Etihad Airways, der gut 30 Prozent der Anteile besitzt. Die Finanziers aus Abu Dhabi garantieren Darlehen und subventionieren die Berliner kaum versteckt."

    www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/air-berlin-besitzt-kei
    ne-eigenen-flugzeuge-mehr-a-1102299.html
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#8 Alex 91Anonym
  • 05.08.2016, 12:53h
  • >>> Air Berlin bedauert Zensur von Lesbenkuss <<<

    Jedes Unternehmen äußert sein "Bedauern", wenn es schlechte Presse hat. Labern können die immer gut - im Runterspielen und Besserung geloben sind die Meister.

    Aber die Frage ist ja immer, ob den Worten auch Taten folgen.

    Weder will sich Air Berlin von den Verantwortlichen trennen noch sollen in Zukunft Homoküsse unzensiert gezeigt werden. Stattdessen sollen einfach gar keine Homoküsse mehr gezeigt werden, um es sich mit niemandem zu verscherzen.

    Dass wir das durchschaut haben, ist denen egal - denen geht es nur darum, keine negative Presse zu bekommen. Und das schaffen die, wenn sie einfach gar keine Homoküsse mehr zeigen.

    Aber wir wissen, was wirklich dahintersteckt. Glaubwürdig ist das nicht.
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#9 niccinicciAnonym
  • 05.08.2016, 13:37h
  • Man sollte mit Air Berlin nicht zu streng sein, immerhin haben sie den Film gezeigt und stellen sich ihm. Bei Lufthansa wäre dieser Film erst gar nicht gezeigt worden. Alles, was in irgendeiner Weise potentielle Kunden weltweit abschrecken oder berühren könnte, fällt unter strengster Zensur. Das fängt beim Bordmagazin und ähnlichem themengleichen Magazin für Senatoren an und hört beim Entertainmentprogramm an Bord auf. Bitte nicht zu verwechseln damit, das Lufthansa einer der besten und tolerantesten Arbeitgeber für Schwule und chronisch Kranke ist.
    Insofern klasse, das die Blauen mit dem hässlich roten Jette-Joop-Gürtel sich damit so offen auseinandersetzen.
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#10 SebiAnonym
  • 05.08.2016, 14:49h
  • Antwort auf #9 von niccinicci
  • Wenn dem angeblichen "Bedauern" keine Konsequenzen folgen, dürfen wir das nicht nur kritisieren, sondern wir müssen das kritisieren.

    Und nur weil andere Fluggesellschaften ähnlich homophob sind, macht das das Verhalten von Air Berlin nicht besser.
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