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Hoffnung auf späteren Termin

Uganda: CSD abgesagt


Teilnehmer bei einem CSD in Uganda 2012

Nach der Polizeirazzia bei einer Pride-Party und einer Gewaltdrohung durch einen Regierungsminister sorgen sich die Veranstalter um die Sicherheit der Teilnehmer.

Die für diesen Samstag geplante fünfte CSD-Demonstration in Uganda ist von den Organisatoren kurzfristig abgesagt worden. Man fürchte um die Sicherheit der Teilnehmer, heißt es in einer Mitteilung, man werde die Parade und weitere Termine aber so schnell wie möglich nachholen.

Ausschlaggebend für die Entscheidung war ein Treffen der Organisatoren mit Ethikminister Simon Lokodo am Freitag. Der frühere katholische Priester, der von Papst Benedikt XVI. wegen der Übernahme eines politischen Amtes exkommuniziert worden war, soll im Gespräch mit dem Anwalt der Organisation "Chapter 4" mit Gewalt gegen den CSD gedroht haben.

"Wir haben entschieden, den CSD aufgrund des Sicherheitsrisikos zu suspendieren", sagte der Anwalt Nick Opiyo nach dem Gespräch gegenüber dem Portal "Buzzfeed". "Der Minister drohte damit, einen Mob und eine große Anzahl Polizisten zu mobilisieren, die jeden zusammenschlagen, der bei dem Pride erscheint."

Lokodo war selbst 2012 mit Polizisten bei einer Konferenz von LGBT-Aktivisten aufgetaucht und hatte die Veranstaltung in einem Hotel dadurch unterbunden. Er war in der Vergangenheit mehrfach mit extrem homophoben Äußerungen aufgefallen. 2012 meinte er, Schwule und Lesben seien generell "schlechte Menschen", die "unser aller Leben" ruinierten (queer.de berichtete). 2014 verglich er sie mit Junkies, denen man helfen müsse, "sich aus dieser unglücklichen Situation zu befreien" – ansonsten gehörten sie bestraft (queer.de berichtete).

Der britische Schauspieler und Moderator Stephen Fry berichtete kürzlich, sein Aufeinandertreffen mit dem Politiker für eine Dokumentation habe ihn derart belastet, das er danach einen Selbstmordversuch begangen habe (queer.de berichtete).

Direktlink | Teil 1 einer BBC-Doku von Stephen Fry zur Lage von LGBT weltweit. Das Interview mit Ugandas Ethikminister findet sich ab 35:00.

Botschaften nach Razzia aktiv

In den letzten Jahren hatte der ugandische CSD noch größtenteils ungestört stattfinden können, mit Veranstaltungen in privaten Clubs und Demonstration an abgelegenen Stellen außerhalb der Hauptstadt, deren Ort vorab geheim gehalten wurde.

Für Verunsicherung sorgte in diesem Jahr bereits, dass die Polizei am Donnerstag eine vorab ebenfalls nur halb öffentlichte kommunizierte Pride-Veranstaltung gestürmt hatte, bei der die "Miss Pride" gewählt werden sollte. 20 bis 25 Personen wurden von den Beamten für einige Stunden festgenommen, darunter bekannte LGBT-Aktivisten wie Frank Mugisha und Pepe Onziema. Während mehrere Teilnehmer von Gewalt und unsittlichen Berührungen durch die Polizisten berichteten, wurde ein junger Schwuler schwer verletzt, als er sich auf der Flucht aus dem vierten Stock stürzte.

Insgesamt waren rund 200 Menschen bei der Veranstaltung anwesend, die Polizei nahm Personalien auf und ließ Polizisten und Journalisten Fotos ihrer Gesichter anfertigen – in einem Land, in dem Zeitungen mehrfach Listen von Homosexuellen mit ihrem Wohnort und ihren Fotos veröffentlichten und in dem sexuelle Handlungen zwischen Männern und zwischen Frauen weiter unter Strafe stehen.

"Die Deutsche Botschaft hat, wie auch andere Botschaften, Frank Mugisha und den anderen Betroffenen Hilfe angeboten", hatte das Auswärtige Amt gegenüber dem Grünenpolitiker Volker Beck zu der Razzia geantwortet. Die Botschaften "stimmen sich ab, halten Kontakt zu den Betroffenen und setzen sich dafür ein, dass die weiteren geplanten Veranstaltungen im Rahmen von Uganda Pride unbehindert stattfinden können."

"Unsere Partner und Verbündeten haben Verhandlungen mit wichtigen Regierungsverantwortlichen begonnen", damit der CSD später ungestört stattfinden könne, schreiben die Organisatoren in ihrer Pressemitteilung. Man hoffe auf ein positives Ergebnis der Gespräche und darauf, bald einen neuen Termin verkünden zu können.

Direktlink | Eindrücke vom Uganda Pride 2015



#1 Carsten ACAnonym
  • 06.08.2016, 11:51h
  • Wundert mich jetzt nicht wirklich.

    Und weiterhin unterstützt unsere schwarz-rote Bundesregierung dieses Regime...
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#2 PeerAnonym
  • 06.08.2016, 12:40h
  • Dass die meisten afrikanischen Staaten so faschistisch sind, ist wirklich skandalös. Zumal die oft auch zu den ärmsten Staaten zählen. Aber so schlecht scheint es denen nicht zu gehen, wenn die sich noch den Luxus des Hasses und der Ausgrenzung leisten können.
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#3 BobAachenProfil
  • 06.08.2016, 12:47hAachen
  • Antwort auf #1 von Carsten AC
  • Bleib doch mal bei der Sache.
    Aber ich wäre dafür, mindestens Simon Lokodo's EMail Adresse zu veröffentlichen.
    Exkommunuziert ist er ja schon, jetzt nur noch ab in die Hölle. Ach nee, die gibt es ja gar nicht. Gott hat die ja in Genesis 1 vergessen.
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#4 Carsten ACAnonym
  • 06.08.2016, 13:05h
  • Antwort auf #3 von BobAachen
  • Ich bleibe bei der Sache:
    die für diese Entscheidung verantwortlichen Machthaber können diese Entscheidungen nur deshalb durchsetzen, weil sie von ausländischen Regierungen an der Macht gehalten werden. Und dazu gehört nun mal auch die deutsche Bundesregierung. Also ist sie auch indirekt mit dafür verantwortlich.

    Wir können keine Änderung aus diesen Staaten selbst heraus erwarten, solaneg wir solche homophoben Regime (auch mit unseren Steuern) unterstützen. Man sieht doch immer wieder, dass Fakten und Argumente die kalt lassen und dass nur finanzielle Sanktionen etwas ändern können - noch dazu sehr schnell.
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#5 ursus
#6 NorisetteProfil
  • 06.08.2016, 23:56hNürnberg
  • Da scheint es ein update zu geben: Unser Menschenrechtsbüro in Nürnberg, das über Kasha Nabaghesera enge Kontakte zu Uganda hat, weiß offenbar, dass man sich heute noch geeinigt hat und dass der CSD morgen nun doch stattfindet.
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#7 Roman BilligerAnonym
  • 07.08.2016, 14:33h
  • Wegen Abschaum wie dem "Ethik-Minister" (Was für eine Perversion des Ethikbegriffes!) würde ich mich also nun wirklich nicht umbringen wollen. Das käme ja einer Kapitulation gleich vor der primitiven Dummheit und Barbarei, wie sie leider in zahlreichen afrikanischen Regierungen an der Tagesordnung ist, Uganda ist ein Paradebeispiel.

    Da kann ich Stephen Fry nicht verstehen.
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