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Zu Besuch in der Ausstellung "Homosexualität_en"

Mit Elektroschocks gegen Homosexualität


Grausame Umpolungsversuche: Beim Betrachten homoerotischer Abbildungen wurden den "Patienten" mit dem "Konvulsator III" von Siemens Schmerzen zugefügt (Bild: LWL-Museum für Kunst und Kultur)

Bis in die 1960er Jahre wurde versucht, Lesben und Schwule mit Stromschlägen zu "heilen". Der "Konvulsator III" ist Teil der Ausstellung "Homosexualität_en" in Münster.

Das Leben und die Liebe abseits der heterosexuellen Norm stehen im Mittelpunkt der Sonderausstellung "Homosexualität_en" im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster, die im vergangenen Jahr bereits in Berlin zu sehen war. Noch bis zum 4. September erfahren Besucher anhand von rund 800 Exponaten Wissenswertes über Geschichte und Kultur, Ausgrenzung, Verfolgung und Errungenschaften der queeren Community. Mit dem "Konvulsator III" stellen wir heute ein Ausstellungsstück näher vor.

Es ist noch gar nicht lange her, da galt Homosexualität auch in Deutschland als behandelbares psychisches Leiden. Noch bis 1992 erfasste der Krankheiten-Katalog der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Homosexualität unter dem Klassenkürzel 302.0 als eigene Krankheit. "Bei der Behandlung der vermeintlich psychisch kranken Männer und Frauen kam bis in die 1960er Jahre auch Elektroschocktherapie zum Einsatz", erzählt Museumsdirektor Dr. Hermann Arnhold.

Heterosexuelles Begehren sollte antrainiert werden

Die Ausstellung im Landesmuseum widmet sich auch diesem Teil der Geschichte der Homosexualität mit ausgewählten Exponaten. Der 'Konvulsator III' der Firma Siemens stammt aus dem Jahr 1951. Mithilfe dieses Elektroschockapparates sollten homosexuelle "Patienten" bestimmte Reize mit negativen Assoziationen in Form von Schmerzen verbinden. Dafür wurden ihnen beispielsweise homoerotische Abbildungen gezeigt, während sie gleichzeitig Elektroschocks erhielten.

Im nächsten Schritt der "Behandlung" bekamen die Personen Bilder heterosexueller Natur gezeigt – diesmal ohne begleitende Schmerzen. Arnhold: "Durch diese Form der negativen Konditionierung sollte homosexuelles Begehren quasi ab- und heterosexuelles Begehren antrainiert werden."

Erst ab den Siebzigerjahren veränderte sich die Sicht der Wissenschaft. Homosexualität wurde zunehmend als normale Variante menschlicher Entwicklung gesehen. Auf medizinische oder wissenschaftliche Begründungen für die Diskriminierung Homosexueller kann sich heute niemand mehr berufen.

Elektroschocks werden in der psychiatrischen Behandlung übrigens noch immer angewandt – allerdings unter deutlich humaneren Bedingungen und lediglich in speziellen Fällen wie etwa besonders schweren Depressionen. (cw/pm)



#1 goddamn liberalAnonym
#2 userer
#3 falken42
  • 08.08.2016, 15:33h
  • diese schlimmen Zeiten sind noch nicht vorbei, wie uns die Gegner des Bildungsplans im südwesten beigebracht haben. die Methoden sind vielleicht feiner, aber conversion-camps sind nicht nur in den USA in mode.... bzw. werden gewollt.
    und die anzahl von Eltern die ihren kleinen kindern sowohl prinz-Prinzessin-märchen, als auch die schwule variante vorlesen ist auch nur marginal.
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#4 Patroklos
#5 NuhrAnonym
#6 MarekAnonym
  • 08.08.2016, 16:18h
  • Naja, auch heute noch gibt es ja solche Gehirnwäsche-Therapien, die natürlich wissenschaftlich totaler Unsinn sind und die schwerste Schäden bis hin zum Selbstmord verursachen können.

    Aber trotz mehrerer Anträge von Grünen und Linkspartei weigern sich Union und SPD weiterhin, das zu verbieten (queer.de berichtete).

    In vielen anderen Staaten ist das längst verboten worden. Nur das Land des Rosa Winkels sieht da weiterhin keinen Anlass, aktiv zu werden und Unschuldige (teils sogar Minderjährige) vor religiösen Fanatikern zu schützen.
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#7 Fg68atProfil
  • 08.08.2016, 17:18hWien
  • Verwechslung:

    Es gibt 2 verschiedene Therapien mit "Elektroschock":

    * Aversionstherapie (auch mit Übelkeit erregender Medizin wie im Film Clockwork Orange. Etwas ähnliches ist mit einem Gummiband am Handgelenk schnalzen bei der Raucherentwöhnung) Ansatzpunkte sind meist Hände und Fuße, auch Fußsohlen.

    * Elektrampftherapie, engl. Electroconvulsive Therapy (wie im Film Einer flog über das Kukucksnest) Ansatzpunkt ist der Kopf, die ganzen Muskeln ziehen sich konvulsiv zusammen. Heute noch verwendet für schwere, sonst unbehandelbare Depressionen.

    Das Gerät "Konvulsator III" ist, wie der Name schon sagt, klar ein Elektrokrampf-Gerät, erkennbar auch an den immer festzuhaltenden, anzudrückenden Elektroden. (bei der länger dauernden Aversionstherapie werden Elektroden fixiert)

    Ich kenne bisher nur 2 eindeutige Berichte zur Elektrokrampftherapie bei Homosexualität: a) Ein wiss. Artikel aus 1949, der sagt es bringt nichts. Und die Aussagen von Lou Reed.

    Üblicherweise wurde mit Aversionstherapie gearbeitet.
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#8 Robby69Ehemaliges Profil
  • 08.08.2016, 19:52h
  • Antwort auf #3 von falken42
  • Völlig richtig. -
    Kleine Anmerkung: Die im Artikel angegebene Jahreszahl stimmt nicht ganz. - Fakt ist, dass die verdammte Conversions-Therapie (mit Stromschlägen, körperlicher und psychischer Gewalt - um den betreffenden Schwulen um jeden Preis zu brechen und zum Hetero "umzupolen") leider im Bereich Kelheim/Neustadt/Regensburg etc. noch bis 1994 angewendet wurde. Ich selbst wurde 1992/93 von meinen "Eltern" mit körperlichem Zwang zu diesem Scheiß-Homoheiler geschleift, der behauptete, das Schwul-Sein aus mir - im wahrsten Sinne des Wortes - herausprügeln zu können, und mir auch immer wieder massiv mit den verdammten Elektroschocks zugesetzt hat. - Erst als ich - und ein paar andere Betroffene - das damals öffentlich gemacht haben, wurde der Kinderschutzbund darauf aufmerksam und schließlich die Elektroschocks verboten. -
    Das Schlimme an der ganzen Sache war/ist, dass diese verdammten "Homo-Heilungen" zum Großteil im Wissen - und teils auch auf Druck - der jeweiligen Jugendämter durchgeführt werden. -
    So weit ich weiß, werden die meisten "Homo-Heiler" von den sogenannten "Amtskirchen" finanziert und gefördert - na und propagiert sowieso. -
    Und beim Katholen-Tag 2014 in Regensburg habe ich selbst beim Verteilen von Aufklärungs-Flyern zu diesem Thema erlebt, wie viele Religioten gerade zu fanatisch davon beseelt sind, uns Schwule "heilen" zu wollen. Ekelhaft!

    Die Conversions-Therapien sind keine "Hilfe" - sondern vorsätzliche Körperverletzungen. Und darum brauchen wir ein weltweites Verbot von "Homo-Heilern" und ihrer perversen "Therapien"!
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#9 TheDad
  • 08.08.2016, 21:54h
  • Antwort auf #4 von Patroklos
  • ""Auch Atheisten wurden davon nicht verschont:

    Atheismus ist heilbar!""..

    Äh ?

    Das Du damit nun die "Therapien" des Herrn Mengele verteidigst, und für wirksam erklärst, fällt Dir hier nicht auf ?

    Unfaßbar !
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#10 TheDad