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  • 12.08.2016, 04:05h           14      Teilen:   |

Zum Tag der Jugend

Moskau: Schockierender LGBT-Protest auf Rotem Platz

Artikelbild
Der LGBT-Aktivist Dimitri Schdanow nahm für den Protest auch Verletzungen – und eine mögliche Festnahme – in Kauf

Um auf interfamiliäre Gewalt gegen queere Jugendliche hinzuweisen, ließ sich ein junger Schwuler zur vermeintlichen Buße zur Basilius-Kathedrale schleifen.

Von Norbert Blech

Wenn an diesem Freitag der "Internationale Tag der Jugend" begangen wird, könnten sich in Russland erstmals einige Personen Gedanken über die Situation von LGBT-Jugendlichen machen. Der Grund: Der 23-jährige Aktivist Dimitri Schdanow schaffte es am Donnerstag mit einem schockierenden wie traurigen Protest auf dem Roten Platz in die Schlagzeilen.

Seine von zwei Freunden gespielten "Eltern" zerrten den gehbehinderten Jungen mit an seinen Armen und im Gesicht befestigten Fesseln über den Roten Platz zur Basilius-Kathedrale, den Mund knebelten sie mit einer Regenbogenflagge. Trotz der grausamen Bilder und dem offensichtlichen Motiv der Eltern, ihn zu Gebet und Beichte zu der Kirche zu schleppen, griff zunächst keiner der Passanten ein.

Direktlink | Ein Video der Aktion


Ein herbeigeeilter Polizist behandelte Schdanow auch nicht zimperlich, als er Passanten mit Handys und Medien erste Interviews gab und den Protest offenbarte. Er und drei Freunde wurden kurzzeitig festgenommen, aber noch auf dem Platz – oder im Fall der "Mutter" Anastasia wenig später auf der Wache – wieder freigelassen.

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Protest gegen den schädlichen Umgang mit LGBT-Kids

Er wolle mit der Aktion auf häusliche Gewalt durch Eltern aufmerksam machen, die ihre Kinder wegen ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität ablehnten, schrieb der Aktivist in sozialen Netzwerken. Viele Eltern machten die Situation noch schlimmer, indem sie die vermeintlichen "Problem"-Jugendlichen zur Lösung und "Reinigung" in die Kirche schickten oder zur vermeintlichen Behandlung in die Psychiatrie. Das sei ein "Missbrauch", so Schdanow, der Folgen für die Kinder habe.

Er verwies auf die hohe Anzahl von Selbstmorden unter russischen Jugendlichen; es wird vermutet, dass darunter viele queere Jugendliche sind. Nicht wenige hatten mehrfach versucht, sich das Leben zu nehmen, ohne dass Hilfe oder Verständnis erfolgte.

"Viele LGBT-Teenager leben alleine, in Isolation", so Schdanow. "Und die Informationen in den Medien verschärfen die Lage noch. Die Kirche, Politiker, Lehrer und Eltern sagen alle das gleiche: Du bist krank, Du bist verrückt, Du gehörst nicht zu uns." Zum Tag der Jugend wolle er darauf aufmerksam machen, wie dieses Verhalten dazu führe, dass Jugendliche sich zurückziehen und leiden würden. Er widmete den Protest den Freunden und Hilfesuchenden vom Online-Unterstützernetzwerk "Kinder 404", das vom Staat immer mehr bedrängt wird (queer.de berichtete).


Dimitri Schdanow (r.) Ende Juli beim CSD in St. Petersburg


Schdanow gehört zu einer ganz neuen Generation junger, furchtloser russischer LGBT-Aktivisten (ein Großteil der bekannten Aktivisten der letzten Jahre, die zumeist nur wenige Jahre älter sind, lebt mittlerweile im Asyl in Europa oder den USA). Wie viele der Jüngeren zeigt er erstaunlichen Mut, da er wenig zu verlieren hat. Erst kürzlich nahm er beim CSD in St. Petersburg teil, der vorab an allen geplanten Orten verboten worden war. Die Aktivisten setzten auf nach russischem Recht erlaubte Einzelproteste – und kamen trotz gegenteiliger Erwartungen ohne Festnahmen und Angriffe davon.

Für Schlagzeilen sorgte der Aktivist, der in einer Frauenstrafkolonie geboren wurde und nach einer Rückenverletzung im Rollstuhl sitzt, auch vor wenigen Wochen in Moskau, als er bekannt machte, was er in einem schwulen Club erlebt hatte: Erst habe man ihn wegen seiner Behinderung nicht reinlassen wollen, dann sei er im Innern von einem Türsteher des Clubs verprügelt worden.

Das Managment habe ihn gebeten, die Sache nicht öffentlich zu machen – Schdanow rief die Polizei und die Medien. Denn dass es Kinder und Jugendliche mit körperlichen oder geistigen Behinderungen in Russland auch nicht leicht haben, könne man ebenfalls nicht oft genug betonen.

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Tags: russland, moskau, dimitri schdanow, kinder 404, buße
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Reaktionen zu "Moskau: Schockierender LGBT-Protest auf Rotem Platz"


 14 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
12.08.2016
07:15:45


(+5, 7 Votes)

Von trans_alliance
Mitglied seit 22.10.2016


... der Protest in Moskau zeigt, dass Aktivisten in Russland Mut und Achtung haben.

Die Aktion der russischen Aktivisten die als Gäste in Hamburg waren, war eine spontane Protestaktion und zeigt welchen Mut Sie haben.
Dass man Sie hier nicht vor Polizei geschützt hat, sondern auch nach getreten hat, zeigt welchen Respekt die Community untereinander hat.

.

Wo setzen sich die deutschen LGBTTIQ* Communitys gemeinsam für den Schutz aller Kinder und Jugendlicher ein. Das gibt es meines Wissens in Deutschland bislang noch nicht!

Es fängt schon damit an, dass man scheinbar bewusst vor Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM) wegschaut.

Link:
transallianceproject.wordpress.com/2016/07/28/frau
enrechtsausschuss-ruegt-frankreich/


Die "Ärztekammer Westfalen-Lippe" hat einen Sitz im WDR Medienrat. Organisationen aus den Bereichen Intersexualität, Transsexualität, trans* / Transgender wurde dieser verwehrt.
Auch die Bürgerschaft der Freien- und Hansestadt hat aktuell einen Sitz im NDR Medienrat abgelehnt.

Die Medien tragen für die Gegebenheiten in Deutschland eine erhebliche Mitverantwortung.

Die gesamte LGBTTIQ* Community hat dafür zu sorgen, dass der Schutz von Intersex-Kindern und Jugendlichen, genauso trans-Kindern/Jugendlichen, Les + Gay Jugendlichen/Teens sowie Menschen die sich als non binary ansehen - angemessen, dargestellt wird und fragwürdige Gegebenheiten angeprangert werden.

.

.

Jedes Geschlecht verdient Respekt


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#2
12.08.2016
08:27:26


(-4, 8 Votes)

Von GeorgG
Aus Berlin
Mitglied seit 13.05.2016


1. Wer eine solche Rückenverletzung hat, dass er im Rollstuhl sitzen muss, sollte sich nicht unbedingt über ein Steinpflaster ziehen lassen.

2. Wenn ein Schwuler im Rollstuhl nicht in einen Schwulenclub gelassen wird bzw dort zusammen geschlagen wird, zeigt das, wie "solidarisch" die Gay "Community" in Russland miteinander umgeht.


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#3
12.08.2016
09:37:26


(+9, 11 Votes)

Von Lars
Antwort zu Kommentar #2 von GeorgG


Lässt sich von einem bequemen Sitzmöbel vor einem heimischen Computer in einem relativ behinderten- und LGBT-freundlichen Land aus leicht schreiben.

Die Aktion ist ein schmerzvoller Aufschrei. Da geht es weder um körperlichen noch seelsichen Komfort, sondern um ein Heraussschreien von Schmerzen und den Mut, diese zu zeigen, und wenn, dann wenigstens laut zu ertragen und nicht zu verstecken.

Ich wünschte auch, Menschen würden zu solchen ungesunden und grausamen Aktionen nicht getrieben, trotzdem haben diese Leute meinen Respekt, weil sie unangenehmen Wahrheiten ein Gesicht verleihen.


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#4
12.08.2016
09:46:23


(0, 8 Votes)

Von falken42
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #1 von trans_alliance


tja und wir schwulen hier in deutschland tragen auch eine mitverantwortung an der situation in russland. immer schon haben konservative kreise (noch zu sozialistischen zeiten) schwule als dekadenz des westens diffamiert.
die leichtigkeit mit der schwule sich im westen als mittel der kriegspropagandamaschine gen moskau benutzen lassen, spielt diesen leuten in russland in die hände.
lachende schwule (amerikanische) soldaten die sich vor laufender kamera darauf freuen jetzt endlich für ihr land töten zu dürfen sind nicht hilfreich.
anstatt sich international zu solidarisieren wird zur zeit mehr auf assimiliertes blockdenken gesetzt. die nichtheteros in russland zahlen einen teil des preises dafür, indem es nun leichter dort ist sie als kollaborateure zu bezeichnen. und da sie sich ja auch gerne von leuten wie soros (der schon in der ukraine seine finger drin hatte) unterstützen lassen, ist das sogar noch nicht mal vollkommen falsch. entweder ignorieren sie, das sie benutzt werden, oder ...


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#5
12.08.2016
09:58:00


(+1, 5 Votes)

Von Robin


Wahrscheinlich werden die meisten Russen das gar nicht kapieren und sogar noch toll finden, dass er zur Kathedrale geschleift wird.

Bei religiösem Fanatismus setzt bekanntlich jeder Verstand aus.


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#6
12.08.2016
10:01:52
Via Handy


(-2, 8 Votes)

Von Orthogonalfront
Antwort zu Kommentar #4 von falken42


Na passt doch wieder. Der Westen ist an allem Schuld! Während man bei euch beim Islam beispielsweise absolut niemals geralisieren darf, wird von dir und Konsorten der Westen als ganzes regelmäßig diffamiert. Mehr messen mit zweierlei Maß geht nicht.


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#7
12.08.2016
10:21:10


(+1, 7 Votes)

Von falken42
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #6 von Orthogonalfront


wer lesen kann ist klar im vorteil, nicht nur rüberfliegen und reflexartig reagieren ;)

der westen ist nicht an allem schuld, ebenso wie in saudi-arabien benutzen konservative kreise in russland die verfolgung hichtheteros als einigende kraft um ihre macht zu stärken.

doch die dinge die der westen als politischer block getan hat, die muss man auch benennen. oder meinst du nicht, jeder mensch soll anhand seiner taten bewertet werden und auch verantwortlich sein?
die entscheidung des westens insgesamt und auch vieler nichtheteros hier nicht einfach nur die diskriminierung und verfolgung von nichtheteros zu reduzieren sondern dieses gleichzeitig als propagandamittel gegen russland zu benutzen wurde bewusst getroffen. dazu sollte man denn auch stehen und sich nicht vor seiner verantwortung wegdrücken.
damit ist man nicht an ALLEM schuld, was in den islamischen oder ehemaligen ostblockländern usw. passiert, aber man ist auch nicht schuldlos.


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#8
12.08.2016
10:33:33


(-4, 8 Votes)

Von @falke1942
Antwort zu Kommentar #7 von falken42


wer wie du den genozid durch serbische truppen und den schwulenvernichtenden putin in schutz nimmt, ist entweder überbleibsel einer verlorenen altlinken betonkopf-generation oder ein kremltreuer auftragsschreiber.


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#9
12.08.2016
10:54:33


(+1, 7 Votes)

Von falken42
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #8 von @falke1942


deine inhaltlichen einschränkungen und deine mangelnde argumentation lassen mich vermuten du seiest relativ jung und/oder ein nato-troll oder rechter reicher, vielleicht von beruf sohn?

nebenbei ich bin ein altlinker, der auch gegen die betonköpfe im sozialismus geschrieben hat. betonköpfe damals und betonköpfe heute....
nur russland und putin hat nichts mehr mit links zu tun, in sachen kapitalismus haben die sich eher an frau thatcher orientiert.
das macht deine aussage auch sachlich ... blöd - sry.


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#10
12.08.2016
11:22:08


(+8, 8 Votes)

Von Yannick


Dass jemand sowas macht, zeigt wie groß die Verzweiflung der GLBTI in diesem Land ist.

Da kann man nur hoffen, dass das wenigstens ein bisschen was bewirkt.

Und dass Homo-, Bi- und Transsexualität endlich auch als genereller Asylgrund angesehen wird, falls solche Menschen keine andere Lösung mehr sehen als aus ihrer Heimat zu fliehen.


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