Service   Gewinne   Jobs   Newsletter   Bild des Tages   Presseschau   Partner   Gay Hotels
Queer.de - das schwul-lesbische Magazin
 Community | CSD-Termine
Suche:  (News-Übersicht)
 
Login (Nick / Passw.):  (Registrieren)
  Autologin  
 Home || Politik | Szene | Boulevard | Blog | Meinung | Glaube | Lifestyle | Reise | Kultur | Buch | CD | DVD | Liebe | TV-Tipps || Galerie
  • 13.08.2016, 10:07h               Teilen:   |

"Die Partitur der Gewalt"

Eine Gangstergeschichte mit schwuler Liebe

Artikelbild
Das Viertel Hell's Kitchen in Manhattan war in den 1930er-Jahren ein raues Pflaster

Romy Wolfs historischer Roman "Die Partitur der Gewalt" spielt im Manhattan der 1930er-Jahre.

Von Frank Hebenstreit

Buch, Hängematte oder Strand, Sonne und ein kaltes Getränk, so lässt sich das Leben doch aushalten. Aber Vorsicht, bitte die Strickjacke nicht vergessen. Nicht für den Wetterumschwung, sondern die Kälte, die aus dem Anfang dieses Buches aufsteigen wird und einen frösteln lässt.

"Die Partitur der Gewalt" von Romy Wolf ist im Incubus Verlag erschienen und nimmt den Leser so anschaulich mit in den Winter des Jahres 1931, dass das Frösteln langsam den Rücken heraufläuft, bis es im Nacken angekommen ist. Wenn sich dort dann die kleinen Härchen aufstellen, ist man schon mittendrin in der Geschichte.

Fortsetzung nach Anzeige


New York 1931, Prohibition, Landflucht

Tommy ist von hier. Irischstämmig, rothaarig und bei den Nonnen im Waisenhaus aufgewachsen, mitten in Hell's Kitchen. Dieses Viertel in Manhattan war noch nie für Gnade, Gerechtigkeit oder Aufrichtigkeit bekannt. Kriminalität, Alkoholschmuggel und Bandentum sind hier gang und gäbe. Mitten in diesem Sumpf ziehen die Nonnen die elternlosen Kinder auf und wollen sie mit dem Negativbeispiel der Außenwelt auf den rechten Weg bringen.

Bei Tommy hat das soweit geklappt. Er ist aufs Land gegangen und hat die amerikanischen Weiten mit eigenen Augen gesehen. Doch auch dort war er vor den Folgen der Wirtschaftskrise nicht gefeit. Es gibt auch und gerade auf dem Land keine Arbeit mehr und damit auch kein Essen, kein Leben mehr für Zugewanderte. Und so hat sich Tommy auf den Weg zurück nach Hell's Kittchen gemacht, in der Hoffnung in der alten Heimat überleben zu können. Aber die Zeichen stehen schlecht. Es gibt nicht genug Arbeit, nicht genug Lebensmittel, nicht genug von allem.

Hilfe vom Held seiner Kindheit

An genau diesem Tiefpunkt begegnet er Dodge. Zusammen mit ihm ist er bei den Nonnen aufgewachsen. Aber Tommy war immer der Stille, der Junge im Hintergrund. Dodge war schon immer ein Anführer und er hat auf Tommy damals aufgepasst. Dodge sieht gut aus, er muss nicht hungern, hat Arbeit und unterbreitet Tommy ein Angebot, das man in dieser Zeit nicht abschlagen kann. Und so ist Tommy zurück, dort wo alles begann.

Mit kleinen Handlangerdiensten fängt es an, langsam arbeitet er sich hoch. Es dauert nicht lang, und man kann bei Tommy von einem Gangmitglied reden. Nicht, dass der sich das selber eingesteht, er macht doch nur seinen Job. Wenn sich andere mit Lucky Brian, dem Kopf der Bande, anlegen, dann müssen sie eben erfahren, was das für Folgen haben kann.

Der Bruder von Lucky Brian führt einen Club, in dem immer wieder Musiker auftreten. Dort läuft Tommy Mischa über den Weg. Der junge Pianist hat Talent und weiß, dass er eines Tages einer der ganz Großen sein könnte. Und er hat noch etwas, nämlich einen Zugang zu Tommys Seele.

Die Musik, die Mischa dem Klavier entlockt, baut eine erste Brücke zwischen den beiden jungen Männern. Zögernd gehen beide erste Schritte aufeinander zu. Doch während Mischa akzeptiert hat, was mit sich "los" ist, lässt sich Tommy an dieser Stelle von seiner Angst lähmen. Doch mutig wie der junge Musiker ist, unternimmt er alles, um Tommy für sich zu gewinnen.

Mut und die Konsequenzen

Romy Wolfs Roman "Die Partitur der Gewalt" ist im Juni 2016 im Incubus Verlag erschienen
Romy Wolfs Roman "Die Partitur der Gewalt" ist im Juni 2016 im Incubus Verlag erschienen

So kommen Tommy und Micha tatsächlich zusammen und teilen sich bald sogar eine Wohnung, was zu der damaligen Zeit nichts Ungewöhnliches war, das mit der Wohnung zumindest. Tommy, der inzwischen gut verdient und es sich leisten kann, unterstützt Mischa und will ihm helfen, seinen Traum zu erreichen.

Woher die Mittel für das recht gute Leben kommen, das blendet Tommy nur zu gern aus und möchte es auch gar nicht zum Thema machen. Mischa dagegen ist nicht nur mutig, sondern auch wagemutig. Er verweigert eines Tages Lucky Brian den Gehorsam und will seinen eigenen Weg gehen.

Und so kommen Geschehnisse ins Rollen, die schlussendlich zu einem Showdown im strömenden Regen führen. Hier, wo einer in den Lauf einer schussbereiten Waffe schaut, ändert sich Tommys Leben erneut. Von hier aus kann es eigentlich nur noch einen Ausweg geben.

Wirklich?

Dichte Erzählweise mit klaren Bildern

Romy Wolf hat mit dem Incubus Verlag einen starken Partner an ihrer Seite. Bekannt für die Auswahl herausragender und besonderer Geschichten, wird der Leser auch in ihrem neuen Roman "Die Partitur der Gewalt" nicht enttäuscht.

In klaren Bildern, deutlichen Schilderungen und mit manch bunten Tupfern liest man sich hier durch einen teils recht klassischen Gangsterfilm. Und genau das macht den Reiz dieses Buches aus. An einigen Stellen im krassesten Schwarz-Weiß, nur an einem lauen Frühlingstag von Pastellfarben unterbrochen, erlebt man zusammen mit dem traurigen Helden das Unvermeidbare.

Der Titel des Buches ist Programm. Die Handlung folgt den Noten einer unsichtbaren Partitur, die von den Instrumenten Blut, Gewalt, Mord und Totschlag, Alkoholschmuggel und Glücksspiel interpretiert wird. Nur schade, dass dann irgendwann noch ein Notenblatt mit diesem Titel auftaucht.

Ingesamt ist "Die Partitur der Gewalt" eine fesselnde Geschichte, die sich nicht einfach wegliest, sondern durchaus den Anspruch stellt, dass man sie begreift. Aber aufgepasst, auch hier findet sich eine andere typische Eigenschaft der Incubus-Bücher. Einmal angefangen, kann man auch den neuen Roman von Romy Wolf nur sehr, sehr schwer wieder aus der Hand legen.

  Infos zum Buch
Romy Wolf: Die Partitur der Gewalt. Roman. 288 Seiten. Taschenbuch. Incubus Verlag. Emmerich 2016. 11,50 € (Ebook 5,99 €). ISBN 978-3-981569-04-7
Links zum Thema:
» Mehr Infos zum Buch und Bestellmöglichkeit bei Amazon
» Homepage von Romy Wolf
Mehr zum Thema:
» Eine schwule Liebe im New York der frühen Dreißiger (27.06.2016)
Kommentare: Selbst kommentieren | Bisher keine Reaktionen | FB-Debatte
Teilen: 24       5       1     
Service: | pdf | mailen
Tags: die partitur der gewalt, roman, romy wolf, incubus verlag, hell's kitchen
Unterstützen:
  |   Überweisung / Abo / weitere Infos

loading...

Reaktionen zu "Eine Gangstergeschichte mit schwuler Liebe"


 Bisher keine User-Kommentare


 Ort: Hell\'s Kitchen


 BUCH - UNTERHALTUNG

Top-Links (Werbung)

 BUCH



Anderswo
Bild des Tages
Aktuell auf queer.de
"Looking: The Movie" im Oktober im deutschen TV Coming-out einer werdenden Mutter Zwei schwule Männer in Berlin-Mitte niedergeschlagen Bettina Böttinger traut sich nach Greifswald
 © Queer Communications GmbH 2016   Unternehmen | Team | Mediadaten | Logos | Impressum / AGB | Spenden | Kontakt