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Für nicht-heterosexuelle Schüler ist die Schule oft eine Tortur (Bild: flickr / John Steven Fernandez / by 2.0)

Eine neue US-Studie zeigt, dass es an Schulen noch viel Arbeit gibt, um nicht-heterosexuelle Jugendliche zu schützen.

Schwule, lesbische und bisexuelle Schüler sind weiterhin viel eher Gewalt oder Mobbing ausgesetzt als heterosexuelle Jugendliche. Das ist eines der Ergebnisse der ersten landesweiten Befragung zu Gewalt und sexueller Orientierung von Highschool-Schülern in den USA, die am Freitag von der Gesundheitsbehörde CDC veröffentlicht worden ist (PDF). Insgesamt wurden 15.600 Schüler zwischen 14 und 17 Jahren befragt.

Demnach identifizieren sich acht Prozent der Highschool-Schüler in den USA als schwul, lesbisch oder bisexuell – und damit weit mehr als in bisherigen Studien. USA-weit würde das 1,3 Millionen Schülern entsprechen. Weitere drei Prozent der Schüler erklärten, sie wüssten nicht, welche sexuelle Orientierung sie haben.

Die LGB-Schüler leben demnach sehr viel unsicherer: Sie sind den Ergebnissen zufolge drei Mal eher Opfer einer Vergewaltigung geworden. Außerdem liegt die Wahrscheinlichkeit, dass sie auf dem Schulgelände mit einer Waffe bedroht oder verletzt werden, doppelt so hoch als bei heterosexuellen Schülern. Ein Drittel von ihnen gab an, in der Schule schon einmal gemobbt worden zu sein.

Das führt zu erheblichen psychologischen Problemen: 43 Prozent der LGB-Schüler haben bereits über Selbstmord nachgedacht – drei Mal so viel wie bei Heterosexuellen. Besonders erschreckend: 29 Prozent haben bereits versucht, sich das Leben zu nehmen. Bei Heterosexuellen waren es "nur" sechs Prozent.

Mehr Schwule und Lesben konsumieren Drogen

Auch der Drogenkonsum liegt unter LGB viel höher. Beispielsweise haben lediglich 1,3 Prozent der heterosexuellen Schüler angegeben, bereits Heroin ausprobiert zu haben; bei LGB lag der Anteil bei 6,0 Prozent.

"Die Zahlen sind herzzerreißend", meinte Dr. Jonathan Mermin von den CDC zu den Ergebnissen. Eine Nation werde danach beurteilt, wie sie mit ihren Kindern umgehe – und hier liege noch einiges im Argen. "Viele werden diesen Grad von körperlicher und sexueller Gewalt für inakzeptabel halten. Wir sollten schnell handeln."

Studien aus anderen Ländern kommen ebenfalls stets zu dem Ergebnis, dass homo- und bisexuelle Schüler eher unter Gewalt oder Depressionen litten als andere. So wurden in einer schweizerischen Umfrage aus dem Jahr 2013 vergleichbar hohe Raten von Selbstmordversuchen unter Schwulen gemessen (queer.de berichtete). Die Forscher meinten, dass die psychische Gesundheit der Betroffenen verbessert werden könne, wenn sexuelle Vielfalt in Schulen thematisiert werde. Dabei müssten homo- und bisexuelle Beziehungen als gleichwertige Lebensformen wie heterosexuelle Beziehungen dargestellt werden. (dk)



#1 FelixAnonym
  • 15.08.2016, 14:33h
  • Traurige Zahlen, die beweisen, dass es dringenden Handlungsbedarf gibt.

    Auch in Deutschland liegen die Zahlen ähnlich. Und auch hierzulande muss endlich etwas geschehen. Die Abschwächungen und Verzögerungen bei Bildungsplänen müssen endlich ein Ende haben. Schließlich geht es hier um Menschenleben!!
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#2 Marceline
  • 15.08.2016, 14:57h
  • Habe grade in den verlinkten Original-Artikel geschaut: Trans* (bzw. "gender identity") war in dieser Studie offenbar als eigene Kategorie gar nicht berücksichtigt.

    Dabei dürfte bei trans*-Jugendlichen, die großteils von ihrem Umfeld seit frühester Kindheit in ihrer Geschlechtlichkeit in Frage gestellt worden sind, sogar noch eine weit höhere Prävalenz an Suizidalität vorliegen.

    Damit will ich die Zahlen bezüglich homo- und bisexueller Schüler_innen natürlich keineswegs kleinreden. Dennoch zeigt die Studie mal wieder, dass trans*-Personen im Diskurs sehr häufig vernachlässigt werden.
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#3 SebiAnonym
  • 15.08.2016, 15:03h
  • Ein Armutszeugnis für jede zivilisierte Gesellschaft, wenn Menschen sich wegen ihrer Gefühle umbringen und keinen anderen Ausweg mehr wissen.

    So etwas sollte jeder Gesellschaft, jedem Politiker, jeder Partei und jedem einzelnen Menschen zu denken geben.
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#4 Martin KAnonym
#5 JadugharProfil
  • 15.08.2016, 15:57hHamburg
  • Antwort auf #2 von Marceline
  • Die Selbstmordrate bei den Trans-Jugendlichen erhöht sich nicht nur durch Trans-Ablehnung seitens der Bevölkerung bedingt, sondern allein schon durch die sehr frustrierende Situation und inneren Konflikte resultierend aus der Wahnehmung, einen falschen Körper zu haben, wo nur eine Teilangleichungen an das empfundene Geschlecht erreicht werden kann. Daß die Ärzte und Psychologen hier Widerstand leisten, erfährt ein Trans-Kind auch schon sehr früh. Wenn man Verbindungen zu den Betroffenen hat, kann man schon subjektiv aus den vielen erfolgreichen Suizidversuchen auf eine sehr hohe Suizidalität schließen. Hierzu sind dringend Fakten gefordert um das Ausmaß dieser Katastrophe zu erfassen. Es berührt einen Bereich in der Gesellschaft, wo der Großteil der Bevölkerung gerne wegsieht.
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#6 markusbln11Anonym
  • 15.08.2016, 16:41h
  • Antwort auf #4 von Martin K

  • Was bist du mir denn für einer? Ja, ich weiss. Die afd ist gegen support der kids an den schulen. Ist ja egal wie die homos mit ihrem leben zurecht kommen.

    Und ist ja auch nicht so schlimm, wenn sich der eine oder andere aufhängt. Oder was, hammer ohnehin zuviel von denen?

    Na, wenn das noch immer die erzieherische denkschule in deutschland sein sollte. Storch und Trump in einem boot. Im gegensatz dazu ist die schulpolitik etwa in baden-württemberg menschlich, mutig, human und wegweisend.
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#7 Marceline
  • 15.08.2016, 17:07h
  • Antwort auf #5 von Jadughar
  • "wo nur eine Teilangleichungen an das empfundene Geschlecht erreicht werden kann. Daß die Ärzte und Psychologen hier Widerstand leisten, erfährt ein Trans-Kind auch schon sehr früh"

    Leider gibt es sehr wenig verlässliches Datenmaterial, aus dem man eindeutige Leitlinien generieren kann, ab welchem Alter eine hormonelle oder gar operative Geschlechtsangleichung indiziert ist.

    Laut einem Artikel aus dem Deutschen Ärzteblatt (von 2008) "sind (Störungen der Geschlechtsidentität bei Kindern) nur in 2,5 bis 20 % Erstmanifestationen einer irreversiblen transsexuellen Entwicklung (die bis ins Erwachsenenalter bestehen bleibt)".
    Quelle:
    www.aerzteblatt.de/archiv/62493

    Eine zu frühe - irreversible - körperliche Geschlechtsangleichung kann daher für Betroffene u.U. fatal sein.

    Was aber m.E. in jedem Fall im Kinder- und Jugendalter gewährleistet sein muss, ist eine kompetente psychotherapeutische (und ggf. auch familientherapeutische) Betreuung, um die sich aus der psychischen und sozialen Außenseiterstellung entwickelnden Konflikte zu vermindern und die Selbstakzeptanz der Betroffenen zu stärken.
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#8 RobinAnonym
  • 15.08.2016, 17:37h
  • Schule sollte ein sicherer Ort sein, wo alle Schüler angstfrei hingehen können.

    Stattdessen ist für manche Schüler die Schule ein Ort der Angst, der Ausgrenzung, des Mobbings und der Gewalt.

    Das ist eine Schande!

    Neben den menschlichen Tragödien und den lebenslangen psychischen Folgen die daraus entstehen (von Selbstmorden ganz zu schweigen) ist das auch ein enormer wirtschaftlicher Verlust, den sich Staaten da aus reinem Hass leisten.
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#9 ClaasAnonym
  • 15.08.2016, 17:44h
  • Und der größte Zynismus ist, dass Religioten genau solche Befunde als angeblichen "Beleg" ansehen, wie unglücklich Homosexualität mache.

    Dabei verschweigen sie bewusst, dass sie Ursache und Wirkung vertauschen:

    Denn nicht die Homo-, Bi- oder Transsexualität macht Schüler depressiv, sondern deren Diskriminierung aufgrund ihrer Gefühle.

    Diskriminierung, die ganz maßgeblich auch von den Religionen aus Eigeninteresse geschürt wird.
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#10 Marceline
  • 15.08.2016, 18:10h
  • Antwort auf #6 von markusbln11
  • "Im gegensatz dazu ist die schulpolitik etwa in baden-württemberg menschlich, mutig, human und wegweisend"

    Nicht nur in Baden-Württemberg - sondern auch in Nordrhein-Westfalen: Das Schulgesetz von NRW gebietet explizit die "Förderung der Akzeptanz unter allen Menschen unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung und Identität".

    Siehe hierzu - bzw. zur konkreten Umsetzung in NRW - auch den aktuellen Artikel auf queer.de:
    www.queer.de/detail.php?article_id=26823

    Es bleibt zu hoffen, dass die anderen Bundesländer diesem Beispiel folgen.
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