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  • 18.08.2016, 06:51h           14      Teilen:   |

Positiv leben

HIV-Therapie: In drei Monaten unter der Nachweisgrenze

Artikelbild
Mit einer Pille am Tag kann man heute eine HIV-Infektion in Schach halten, dennoch treten gesundheitliche Einschränkungen auf (Bild: flickr / bark / cc by 2.0)

Moderne Medikamente ermöglichen Menschen mit HIV heute ein weitestgehend gesundes Leben. Größtes Problem sind die Nebenwirkungen.

Über die Präventionsmethode "Safer Sex durch Therapie" wird seit einiger Zeit viel diskutiert: HIV-Positive, die regelmäßig ihre Medikamente nehmen und das Virus damit unter die Nachweisgrenze drücken, sind nach übereinstimmenden wissenschaftlichen Studien nicht mehr infektiös. Sie können auf Kondome (die allerdings auch vor anderen sexuellen Infektionen schützen) verzichten.

Doch wie funktioniert die HIV-Therapie in der Praxis? Wie zuverlässig ist sie, und mit welchen Problemen und Nebenwirkungen haben Infizierte zu kämpfen? Wir geben einen kleinen Überblick.

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HIV ist zu einer chronischen Infektion geworden

Fakt ist: Moderne Medikamente ermöglichen Menschen mit einer HIV-Infektion heute ein weitestgehend gesundes Leben. Ihre Lebenserwartung reicht aufgrund der Therapiemöglichkeiten bei langfristig gut verlaufender Behandlung fast an die der Allgemeinbevölkerung heran. In weniger als 30 Jahren ist die HIV-Infektion damit von einer lebensbedrohlichen zu einer immer noch gefährlichen, aber – wenn effektiv therapiert – chronischen Infektion geworden.

Einer der wichtigsten Faktoren für den Therapieerfolg ist die sogenannte Virussuppression – Ziel ist es, die Anzahl der Viren dauerhaft so niedrig zu halten, dass sie mit heutigen Methoden nicht mehr nachgewiesen werden kann. Das geht mit den modernen Medikamenten erstaunlich schnell: Bereits nach vier Wochen sollte die Viruslast auf ein Bruchteil absinken. In der Regel nach drei bis vier, spätestens nach sechs Monaten lässt sich HIV dann nicht mehr nachweisen.

Es ist dabei wichtig, nicht zu spät mit der Therapie zu beginnen. Der richtige Zeitpunkt kann aber individuell verschieden sein. Ärzte, die sich auf die Behandlung von HIV spezialisiert haben, sind die besten Ansprechpartner, um die Frage des Therapiestarts zu klären.

Zum Einsatz kommt ein Medikamenten-Mix: Einige Wirkstoffe verhindern, dass das HI-Virus in die Zellen eindringt, andere sorgen dafür, dass es dort nicht die Oberhand gewinnt, und wieder andere stoppen die Produktion neuer Viren. Die Medikamente bekämpfen HIV sozusagen mit vereinten Kräften. Dieses Vorgehen nennt man Kombinationstherapie.

Eine Pille am Tag – aber zu einer festen Uhrzeit

Während früher oft viele Tabletten zu verschiedenen, festgelegten Zeitpunkten über den Tag verteilt eingenommen werden mussten, gibt es heute HIV-Therapien, bei der nur eine Pille täglich geschluckt werden muss – allerdings zu einer festen Uhrzeit. Vergessene oder verspätete Einnahmen können sich negativ auf den Erfolg auswirken.

Zudem muss sich der Körper erst an die Therapie gewöhnen. In den ersten Tagen oder Wochen kann es deshalb zu Übelkeit, Durchfall, Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder intensiven Träumen kommen, manche haben in dieser Zeit auch keine Lust auf Sex. Diese Probleme sind jedoch in der Regel vorübergehend.

Gravierender sind die Langzeitfolgen. So sind Menschen mit einer HIV-Infektion häufiger bzw. früher von gesundheitlichen Einschränkungen betroffen als Nicht-Infizierte. So haben sie sowohl durch die Infektion selbst als auch durch die HIV-Therapie ein beispielsweise höheres Risiko für Nierenerkrankungen, Knochenbrüche, Herzinfarkte oder Diabetes als gleichaltrige Nicht-Infizierte. Mit Sport und einer gesunden Ernährung kann man den Risiken entgegenwirken. Es ist zudem wichtig, seinen Körper genau zu beobachten und Veränderungen mit dem Arzt zu besprechen.

Auch Gedächtnisstörungen bis zur Demenz kommen bei HIV-Infizierten ebenso wie Depressionen und Schlafstörungen häufiger vor als bei Nicht-Infizierten. Auch einige antiretrovirale Wirkstoffe selbst können zu Schlafstörungen und Gemütsschwankungen bis hin zu Depressionen führen.

Um die langfristige Gesundheit von HIV-Infizierten zu verbessern, ist es daher wichtig, von Anfang an eine Therapie zu wählen, die das persönliche Risiko für das Auftreten von Nebenwirkungen auf lange Sicht minimiert. (cw)

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Tags: hiv-therapie, kombinationstherapie
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Reaktionen zu "HIV-Therapie: In drei Monaten unter der Nachweisgrenze"


 14 User-Kommentare
« zurück  12  vor »

Die ersten:   
#1
18.08.2016
09:17:45


(-5, 9 Votes)

Von Patroklos
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Medikamente ohne Nebenwirkungen kann man an einer Hand abzählen!


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#2
18.08.2016
10:57:56


(+6, 6 Votes)

Von Yannick


Das nächste Ziel muss jetzt sein, die Nebenwirkungen zu vermindern oder gar zu eliminieren.

Und eine Impfung wäre ein enormer Durchbruch.

Und das Ziel muss letztendlich bleiben, HIV zu einer heilbaren Krankheit zu machen. Und irgendwann diesen Scheiß-Virus, der so viel Leid über die Welt gebracht hat, endlich auszurotten...


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#3
19.08.2016
10:09:25


(-2, 6 Votes)

Von SB


Eine Heilung wird es niemals geben, da die Pharmakonzerne dann kein Geld mehr verdienen würden!
Utopie!


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#4
19.08.2016
10:39:41


(-6, 8 Votes)

Von wiking77
Profil nur für angemeldete User sichtbar


man kann es letztlich drehen und wenden wie man will: nur Ficken mit Kondom bietet den höchstmöglichen Schutz vor HIV. Und was heisst "unter der Nachweisgrenze". Ausgeheilt ist die Infektion noch lange nicht? Und wenn sie akut wieder ausbricht? Ich finde solche Beiträge bergen - unbeabsichtigt - die Gefahr, dass Unbedarfte meinen: Pillchen schlucken, und es passt schon.


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#5
19.08.2016
10:58:42
Via Handy


(+3, 7 Votes)

Von Pfote
Antwort zu Kommentar #4 von wiking77


Interessanterweise ist HIV Therapie genau wie Mathematik eines der wenigen Themen, wo Menschen damit prahlen, dass sie sich nicht damit auskennen.

Schätzchen, statistisch gesehen ist das Ansteckungsrisiko bei ART sogar geringer als nur mit Kondomen. Im Gegensatz zu mach anderem wird bei HIV Positiven die Viruslast für gewöhnlich alle drei Monate kontrolliert. Ein (sehr seltenes) Therapieversagen würde erkannt.

Aber Fakten stören bei Dir ja nur die eigen Selbstgerechtigkeit...


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#6
19.08.2016
11:00:34


(0, 6 Votes)

Von TheDad
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #3 von SB


""Eine Heilung wird es niemals geben, da die Pharmakonzerne dann kein Geld mehr verdienen würden!
Utopie!""..

Eine Impfung ist auch keine Heilung..
Es ist die Vermeidung der Infektion, und damit das Verhindern der Erkrankung..

Heilung wäre es, wenn man aus einem Infizierten Menschen sämtliche Viren entfernte, so das er dann wieder HIV-Frei würde..
HIV+ bliebe er damit dennoch, denn das Immun-System hat ein Gedächtnis für alle Krankheitserreger mit dem es jemals in Berührung gekommen ist..


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#7
19.08.2016
11:31:38


(+4, 4 Votes)

Von falken42
Profil nur für angemeldete User sichtbar


für jeden der krank ist, ist jeder fortschritt ein segen.
selbst wenn man weiß das pharmakonzerne, wissenschaftler und auch manche ärzte kein interesse an heilung sondern nur am geld haben.


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#8
19.08.2016
13:14:58


(+5, 5 Votes)

Von UrsaMajor
Antwort zu Kommentar #3 von SB


Mir erschließt sich diese Argumentation nicht.
Es gibt genügend andere Krankheiten, die - wer hätt's gedacht - mit Medikamenten aus der Pharmaindustrie (!) geheilt (!) werden können.
Glaubst Du im Ernst, daran würde nicht verdient?

Abgesehen davon, ich finde dieses pauschale Herumhacken auf der Pharmaindustrie dann doch etwas daneben. Was hätten die AIDS-Kranken der ersten Generation(en) darum gegeben, wenn ihnen die Pharmaindustrie hätte helfen können - wieviel unendliches Leid und Sterben wäre ihnen, ihren Liebsten und Angehörigen erspart geblieben.

Wer, wenn nicht die Pharmaindustrie, hat wohl dafür gesorgt, dass eine HIV-Infektion heute kein Todesurteil mehr ist, sofern sie rechtzeitig erkannt und behandelt wird?

Ich bin garantiert alles andere als industrie- und wirtschaftsgläubig. Im Gegenteil - ich bin dezidierter Gegner der heutigen, neoliberalistischen Ausprägung des Kapitalismus. Und ja: während sich manche eine goldene Nase verdienen, leben Millionen Menschen unterhalb der Armutsgrenze - in Deutschland und anderswo. Das ist anzuprangern und bedarf politischer Gegenentwürfe.

Dennoch bleibt anzuerkennen, was die Pharmaindustrie in den letzten Jahrzehnten diesbezüglich geleistet hat.

***

Übrigens, in der aktuellen Ausgabe des Magazins "Box" ist zu lesen:

"Truvada Generikum für gerade 28 Euro
Südafrikanisches Generikum für die PREP. Die Monatspackung kostet in Durban knapp 28 Euro. Zum Vergleich: in Deutschland kostet Truvada (Original) über 800 Euro. Nächstes Jahr wird das Patent auch in Deutschland auslaufen. Südafrika zeigt, wo die Preise liegen könnten. Mit richtiger Anwendung, verbesserter Testung und Therapie könnten auch in Deutschland die Infektionszahlen drastisch sinken."

Sind wir doch also bitte froh über die heutigen (und künftigen) Möglichkeiten.


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#9
19.08.2016
14:04:22


(-2, 2 Votes)

Von langen Tagen
Antwort zu Kommentar #6 von TheDad


"HIV+ bliebe er damit dennoch, denn das Immun-System hat ein Gedächtnis für alle Krankheitserreger mit dem es jemals in Berührung gekommen ist.."

Und wenn ich eine ausgeheilte Grippe hinter mir habe, dann habe ich trotzdem noch Grippe? Und die meisten von uns haben immer noch Mumps? Was ist das für ein Unsinn?


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#10
19.08.2016
14:55:44
Via Handy


(0, 4 Votes)

Von Pfote
Antwort zu Kommentar #6 von TheDad


Nach Deiner Definition hab ich Tetanus.

Aua.


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