Service   Gewinne   Jobs   Newsletter   Bild des Tages   Presseschau   Partner   Gay Hotels
Queer.de - das schwul-lesbische Magazin
 Community | CSD-Termine
Suche:  (News-Übersicht)
 
Login (Nick / Passw.):  (Registrieren)
  Autologin  
 Home || Politik | Szene | Boulevard | Blog | Meinung | Glaube | Lifestyle | Reise | Kultur | Buch | CD | DVD | Liebe | TV-Tipps || Galerie
  • 19.08.2016, 12:43h           30      Teilen:   |

Entscheidung im Arbeitsrecht

US-Bundesgericht: Trans-Diskriminierung ist Religionsfreiheit

Artikelbild
Rückschlag für LGBT-Rechte: Ein Bundesrichter gibt Arbeitgebern einen Freibrief zur Diskriminierung Transsexueller

Arbeitgeber dürfen Transsexuelle in den USA nach Gutdünken feuern, solange sie ihre religiösen Gefühle als Begründung anführen.

Transsexuelle dürfen laut der Entscheidung eines US-Bundesgerichts im Arbeitsrecht wegen ihrer Geschlechtsidentität diskriminiert werden. US-Bundesrichter Sean Cox gab damit am Donnerstag einem Bestattungsinstitut in Garden City (US-Bundesstaat Michigan) Recht.

Das Unternehmen "RG & GR Harris Funeral Homes" hatte 2013 eine transsexuelle Frau gefeuert, nachdem sie nach sechs Jahren Betriebszugehörigkeit ihrem Arbeitgeber bekannt gab, dass sie sich einer Geschlechtsanpassung unterziehen und künftig in Frauenkleidung ihre Arbeit verrichten werde. Als Grund für die Entlassung der Einbalsamiererin nannte der Besitzer seinen christlichen Glauben, der Transsexualität als etwas Unnatürliches ansehe. So verletze es seine religiösen Gefühle, wenn ein Mitarbeiter, der seiner christlichen Überzeugung nach männlich ist, auf der Arbeit in Frauenkleidern erscheine. Die US-Gleichbehandlungsbehörde EEOC verklagte daraufhin das Bestattungsinstitut wegen Geschlechtdiskriminierung.

Fortsetzung nach Anzeige


Richter: Transsexualität ist "erhebliche Belastung" für christlichen Chef

In der 56-seitigen Entscheidung argumentierte der 2004 von Präsident George W. Bush ernannte Richter, dass die von der Gleichbehandlungsbehörde zitierte Antidiskriminierungsrichtlinie "Titel VII" aus einem Bürgerrechtsgesetz der Sechzigerjahre nicht anwendbar sei, "weil es eine erhebliche Belastung auf die Fähigkeit des Bestattungsinstituts ausübt, entsprechend des aufrichtig gehaltenen religiösen Glaubens geschäftlich tätig zu sein". "Title VII" verbietet bundesweit Diskriminierung im Arbeitsrecht aufgrund der Merkmale Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, nationale Herkunft und Religion.

Der Fall war ein erster Test für die Ansicht der Obama-Regierung, dass das Diskriminierungsverbot aufgrund des Geschlechtes nach "Titel VII" auch auf Transpersonen anzuwenden ist.

Richter Cox berief sich in seiner Entscheidung auf das Supreme-Court-Urteil im Fall "Burwell v. Hobby Lobby" aus dem Jahr 2014. "Hobby Lobby" ist eine Heimwerkerkette, die von einem religiösen Unternehmer angeführt wird. Er erstritt sich das Recht auf religiöse Ausnahmen bei der Krankenversicherung für seine Mitarbeiter – in diesem Fall weigerte sich die Kette, Verhütungsmittel zu bezahlen, was eigentlich nach der Gesundheitsreform von Präsident Barack Obama verpflichtend sein sollte. Das Urteil galt als erheblicher Rückschlag für das Gesetzespaket "Obama Care", mit dem 2010 der Zugang zu Krankenversicherungen erleichtert wurde.

LGBT-Gegner: Urteil ist Sieg für Religionsfreiheit

Doug Wardlow, ein von der LGBT-feindlichen Organisation "Alliance Defending Freedom" gestellter Anwalt für das Bestattungsinstitut, begrüßte das Urteil als Sieg für die Religionsfreiheit. Wardlow argumentierte, dass Transsexualität für einen Christen nicht existiere, und bezeichnete die gefeuerte Angestellte daher in seinen Ausführungen als Mann: "Das Bestattungsinstitut hätte keine Problem gehabt, wenn sich der Kläger in seiner Freizeit so anziehen will. Das Problem bestand darin, dass er als Mitglied des anderen Geschlechts auf der Arbeit erscheinen wollte. Damit hätte er sich auf eine Weise präsentiert, die den religiösen Gefühlen des Besitzers widersprochen hätten."

Die US-Gleichbehandlungsbehörde kann gegen das Urteil Berufung einlegen. Da Richter Cox als ein sehr konservativer Richter gilt, könnten die Erfolgsaussichten in der nächsten Instanz größer sein.

Bürgerrechtler und LGBT-Aktivisten warnen, das Urteil könne negative Auswirkungen auf die Rechte aller Minderheiten haben. So befürchtet Jay Kaplan von der Bürgerrechtsorganisation ACLU, dass fortan alle Antidiskriminierungsrichtlinien außer Kraft gesetzt werden könnten, wenn ein Arbeitgeber nur seine angeblichen religiösen Überzeugungen ins Feld führe. Sarah Warbelow von der LGBT-Organisation "Human Rights Campaign" sprach von einer "rücksichtslosen Entscheidung gegen eine Frau, die nur gefeuert wurde, weil sie transgender ist". (dk)

Kommentare: Selbst kommentieren | Bisher 30 Kommentare | FB-Debatte
Teilen: 449       18       9     
Service: | pdf | mailen
Tags: transgender, transsexuelle, michigan, arbeitsrecht, diskriminierung, usa
Schwerpunkt:
Unterstützen:
  |   Überweisung / Abo / weitere Infos

Reaktionen zu "US-Bundesgericht: Trans-Diskriminierung ist Religionsfreiheit"


 30 User-Kommentare
« zurück  123  vor »

Die ersten:   
#1
19.08.2016
13:12:37


(+6, 6 Votes)

Von Mariposa


Und da werden hier die USA von einigen Usern hier als das ultimative Traumland glorifiziert. Das waren sie nie und werden es wegen der stark einflußreichen Evangelikalen niemals werden, auch unter einem fortschrittlichen Präsidenten. Sorry, da ziehe ich Deutschland ganz klar vor - ist zumindest berechenbarer.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#2
19.08.2016
13:31:30


(+8, 10 Votes)

Von Roman Bolliger


Gemäss dem Richter ist Transsexualität eine "erhebliche Belastung" für den christlichen Chef.

Eine ungemein erheblichere (da das Leben zur Tortur machende) Belastung für LGBT-Menschen ist die unsäglich menschenverachtende, arrogante Haltung sogenannter "Christen" (Jesus Christus, gäbe es ihn, müsste echt kotzen beim Anblick solcher "Anhänger") und ihrer juristischen Apologeten.

Die US-amerikanische sogenannte Religionsfreiheit ist ein unglaublicher Freipass für kriminelle Handlungen.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#3
19.08.2016
13:53:35


(+11, 13 Votes)

Von stephan
Profil nur für angemeldete User sichtbar


"Transsexualität ist "erhebliche Belastung" für christlichen Chef" ???

Abgedrehtes Religiotentum ist eine erhebliche Belastung für jeden vernunftbegabten Menschen!!!


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#4
19.08.2016
13:58:55


(+8, 8 Votes)

Von SchleicheR74
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #2 von Roman Bolliger


"Die US-amerikanische sogenannte Religionsfreiheit ist ein unglaublicher Freipass für kriminelle Handlungen."

Das seh ich ähnlich, zumindest könnte sich das in der Zukunft genau dazu entwickeln. Spätestens dann, wenn jemand gesteinigt wird und das mit religiösen Gefühlen verargumentiert nd seine Religion eine solche Strafe vorsieht. Nicht selten stellen Religioten das Glaubensgesetzt über das weltliche Gesetz und verletzten damit säkulare Prinzipien.

Auch hier in Deutschland sollte ein religiöser Passus in ein Landesgesetz eingepflegt werden. Ich erinner mich nur nicht mehr an das Bundesland und den Inhalt. Es wurde aber abgeschmettert.

Religion ist schon eine ziemlich traurige Angelegenheit. Wann ist dieser Unsinn endlich vorbei.

Was mich an dem Urteil zusätzlich noch stört: Der Richter meint, dass religiöse Gefühle verletzt werden. Was ist mit den Gefühlen des Transsexuellen, dessen Gefühle ganz real verletzt werden? Haben diese Gefühle keinen Wert?

Falls ich mal so weit bin, dass ich Leute einstelle, dann werd ich mit Sicherheit nach der Religion fragen und eben nicht einstellen, wenn mir die Antwort nicht passt. Bei mir arbeiten nur Atheisten, so! :P Wie soll ich nem Religioten vertrauen, wenn in seiner Religionsschrift steht, dass man Leute wie mich steinigen soll. Da muss ich ja um Leib und Leben fürchten oder zumindest um großen wirtschaftlichen Schaden, wenn ich so jemanden beschäftige. Das verletzt dann nicht nur meine Gefühle.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#5
19.08.2016
14:28:18
Via Handy


(+12, 12 Votes)

Von daVinci6667
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Die Grundsatzfrage lautet: Wer ist für wessen Gefühle verantwortlich?

Die eindeutige Antwort: Immer der Betroffene selbst! Immer. Ohne Ausnahme.

Wo kämen wir denn hin wenn jeder den anderen für seine Gemütslage verantwortlich machen würde? Ins reinste Chaos!

Wer also mit seiner Religion nicht mehr klarkommt hat ein Problem. Und zwar ein gewaltiges! Dafür kann die Transsexuelle überhaupt nichts!


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#6
19.08.2016
15:40:51


(+8, 8 Votes)

Von Mariposa


Nun gut, hierzulande gab es ja schon ähnliche Urteile bei Arbeitsverhältnissen in kirchlichen Einrichtungen und Organisationen - auch das ist schon schlimm genug..... Wenn es sich um eine rein "weltliche" Sache handelt, würde aber garantiert der Antidiskriminierungsschutz in Kraft treten, irgendwelche "religiösen Gefühle" hätten da keine Rolle zu spielen, da laut Gesetz eben Privatsache. Dieses weit verbreitete Gedankengut in den USA dagegen ist echt eine Pest.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#7
19.08.2016
16:21:06


(+13, 13 Votes)

Von Felix


Religionsfreiheit bedeutet, dass man an das glauben darf, was man will und deshalb nicht diskriminiert wird.

Aber es bedeutet nicht, dass man andere diskriminieren darf.

Zumal ja andere auch einen anderen oder gar keinen Glauben haben dürfen und deshalb auch nicht diskriminiert werden dürfen.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#8
19.08.2016
16:26:41


(+9, 11 Votes)

Von Linus


Ein weiteres Beispiel, dass der Gleichheitsgrundsatz der US-Verfassung nicht ausreicht und dass ein US-weites Anti-Diskriminierungs-Gesetz dringend nötig ist.

Wollen wir hoffen, dass Hillary Clinton gewinnt und ihr Versprechen hält, als eine der ersten Maßnahmen genau so ein Gesetz auf den Weg zu bringen.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#9
19.08.2016
17:03:39


(+3, 5 Votes)

Von trans_alliance
Mitglied seit 22.10.2016


... hiermit wird die US-Gleichbehandlungsbehörde aufgefordert - in Berufung zu gehen.

.

In diesem Zusammenhang, bitten wir auch die historische Holocaust Betrachtung mit ein zu bringen und ein Urteilstext dafuer mit ein zufordern.

.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#10
19.08.2016
17:51:18


(+7, 7 Votes)

Von trans_alliance
Mitglied seit 22.10.2016


... dieses Urteil, ist weiterer Punkt gegen den wir wir bei der CSD Parade am 20.08.2016 in Luebeck, als Gruppe 11 (trans alliance DE Projekt 'Jedes Geschlecht verdient Respekt') - demonstrieren werden.

Link:
transallianceproject.wordpress.com/2016/08/13/25-8
-muenster-20-8-luebeck/



.

Jedes Geschlecht verdient Respekt

.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
« zurück  123  vor »


 Ort: Garden City


 POLITIK - INTERNATIONAL

Top-Links (Werbung)

 POLITIK



Anderswo
Bild des Tages
Aktuell auf queer.de
Vatikan bekräftigt Verbot von Priesterschülern "mit homosexuellen Tendenzen" Schwule "nach Dachau schicken": Facebook-User wegen Volksverhetzung verurteilt Fünf Gründe für einen Ausflug nach Amsterdam Hedwig von Beverfoerde tritt aus CDU aus
 © Queer Communications GmbH 2016   Unternehmen | Team | Mediadaten | Logos | Impressum / AGB | Spenden | Kontakt