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Dreiecksbeziehung fernab des Alltags: Leila, Ann und Frenja lernen sich in einer psychiatrischen Klinik am Meer kennen und lieben (Bild: Edition Salzgeber)

  • 23. August 2016, 03:47h, Noch kein Kommentar

In Leonie Krippendorffs kraftvollem Debüt "Looping" finden drei grundverschiedene Frauen zueinander und leben eine zerbrechliche Utopie.

Von Carsten Moll

Die 19-jährige Leila (bemerkenswert: Jella Haase) sehnt sich nach Abenteuern und Liebe, doch sie findet nur Enttäuschungen. Ihr Vater, der Betreiber eines Autoscooters, hat wegen all der Arbeit kaum Zeit für seine Tochter, während Leilas heimlicher Schwarm, ihre Freundin Sara, sie bloß geküsst hat, um die Jungs ein wenig scharf zu machen.

Frustriert und mit einer Flasche Wodka in der Hand zieht das einsame Mädchen durch die Straßen und trifft schließlich auf einen Fernfahrer, der Leila in seinem LKW die Stadt zeigen will. Was als ausgelassener Ausflug beginnt, endet mit einem Alptraum: Leila wird vergewaltigt und sieht in ihrer Not schließlich keinen anderen Ausweg mehr, als sich in eine Psychiatrie einweisen zu lassen.

Aber auch in der abgelegenen Klinik am Meer findet die junge Lesbe erst einmal keine Ruhe. Das Personal sowie die anderen Patientinnen verhalten sich abweisend und kühl. Leilas Zimmergenossin, die 52-jährige Ann (Marie-Lou Sellem), ist eine rätselhafte, mitunter bedrohlich wirkende Frau. Doch langsam bauen die beiden unterschiedlichen Frauen eine Beziehung zueinander auf und kommen sich dabei auch körperlich näher.

Mit der Ankunft von Frenja (Lana Cooper), einer sich aufopfernden, unter einer Essstörung leidenden Mutter, wird das Paar schließlich zum Trio. Fernab ihres Alltags genießen Leila, Ann und Frenja für ein paar Augenblicke ein bisher ungekanntes Glück, das sich jedoch als äußerst zerbrechlich erweisen soll.

Kraftvolles Debüt mit kleinen Schwächen

Das Langfilmdebüt der Regisseurin und Drehbuchautorin Leonie Krippendorff beginnt mit einer stimmungsvollen Montage: Grelle Rummellichter blinken in der Nacht, während der Soundtrack melancholische Töne anstimmt und die Kamera im bunten Treiben immer wieder die verloren wirkende Protagonistin Leila einfängt. Ohne Worte zu erzählen und dabei bisweilen betörende Bilder zu erschaffen – das sind die großen Stärken von Krippendorffs Erstling "Looping".

Vor allem in den ersten Szenen reißt die kraftvolle Inszenierung mit und erkundet an Leilas Seite neugierig deren Welt. Die ausgelassene Energie, die das Drama mit seiner Heldin teil, droht dabei stets ins Unheil zu kippen – eine Dynamik, aus der Krippendorff anfangs gekonnt Spannung bezieht. Nach und nach wird dieser dramaturgische Rhythmus jedoch vorhersehbar und zudem ein wenig eintönig. Auch die Geschichten der beiden anderen Hauptfiguren Frenja und Ann, die in Rückblenden erzählt werden, können "Looping" nicht vor einer gewissen Monotonie bewahren und lassen die vibrierende Aufregung des Anfangs vermissen.

Dass Krippendorff selber nicht immer exakt zu wissen scheint, wo es hingehen soll, und dass der Filmemacherin atmosphärische Augenblicke wichtiger sind als eine fein austarierte Handlung, ist allerdings ebenso leicht zu verschmerzen wie die etwas gestelzten Dialoge: Zu schön sind die in Zusammenarbeit mit der Kamerafrau Jieun Yi entstandenen Bilder, zu stark die Darstellerinnen, um sich vom fehlenden Feinschliff dieses gelungenen Erstlings abschrecken zu lassen.

Direktlink | Offizieller Trailer zum Film

Infos zum Film

Looping. Drama. Deutschland. Regie: Leonie Krippendorff. Darstellerinnen: Jella Haase, Lana Cooper, Marie-Lou Sellem. Laufzeit: 106 Minuten. Sprache: deutsche Originalfassung. Deutscher Kinostart: 25. August 2016
Galerie:
Looping
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