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  • 18. April 2005, noch kein Kommentar

queer.de traf die große griechische Diva in Berlin für ein exklusives Interview über ihren Abschied von der Bühne.

Von Jan Gebauer

Nana Mouskouri feierte am 13. Oktober 2004 ihren 70. Geburtstag und gab fast zeitgleich den Rückzug aus dem Musikgeschäft bekannt. Zum Abschied wird sie nun noch zwei Jahre auf Welttournee gehen. Auch ihre zahlreichen schwulen Fans hat die Chanteuse nicht vergessen, gilt sie doch seit Jahrzehnten als Homo-Ikone. "Sie waren mir immer treu", sagte die Künstlerin zu queer.de, als wir sie in Berlin besuchten. Dabei freute sie sich über die mitgebrachten Sonnenblumen fast genauso wie vor 40 Jahren über ihre ersten "Weißen Rosen aus Athen". Im Gespräch offenbarte sie Einblicke in ihre Karriere, warum sie nicht bei den Olympischen Spielen sang und welche Gründe sie für den Abschied hat.

Stört es Sie, in Deutschland als Schlagersängerin bezeichnet zu werden, während Sie in Frankreich oder den USA als Chansonsängerin anerkannt sind?

Nein, das tut es nicht, weil ich die Musik nicht so unterscheide. Als ich angefangen habe, waren die Lieder einfach populäre Songs für mich. Musik, die viele ansprach, insbesondere die einfachen Menschen. Für mich war der Begriff "Schlager" etwas, das mit populärer Musik zu tun hat und nichts Negatives, mit dem man das Publikum abwertet. Ich singe diese Musik, weil ich sie auch wirklich mag. Das deutsche Publikum hat mich aber auch mit anderen Musikrichtungen wie Jazz akzeptiert. Das ist wundervoll.

War es nicht schwer für Sie, 15 Jahre nach dem Krieg gerade in Deutschland so großen Erfolg zu haben. Griechenland war von den Deutschen besetzt gewesen.

Es war seltsam, da ich während der Besatzung aufgewachsen bin. Das war eine traurige Zeit. Als ich ungefähr zehn war, ging der Zweite Weltkrieg in den griechischen Bürgerkrieg über und dieser war noch schlimmer, denn nun kämpften Brüder gegen Schwestern. Als ich hier nach Deutschland kam, sahen viele meiner Landsleute noch den Feind in den Deutschen. Dennoch wollte ich herausfinden, was hier für Menschen leben. Die Leute mochten mich, ich mochte das Land und ich fing an, eine musikalische Verbindung aufzubauen. Ich hatte auch etwas mit den jungen Menschen in Deutschland gemeinsam: Wir waren nicht für den Krieg verantwortlich und keiner musste dem Anderen etwas vorwerfen. Die Meisten wollten den Krieg nicht sondern Frieden. Durch den Frieden rückte man automatisch zusammen, genauso wie es über die letzten Jahre in Europa geschehen ist – man bildet eine Gemeinschaft.

Seit den frühen 60er Jahren sind sie ein Star in der ganzen Welt. 1962 entdeckte Quincy Jones Sie, der 1982 Michael Jacksons Album "Thriller" zum erfolgreichsten Album aller Zeiten machte. Mit Quincy nahmen Sie das legendäre Jazz-Album auf.

Quincy Jones kam 1962 nach Europa. Er arbeitete für Mercury Records und die wollten Philips aufkaufen, bei denen ich damals unter Vertrag stand. Während der Verhandlungen hörte Quincy eine meiner Platten und fragte, ob ich auch in Englisch singen könne. Also reiste ich nach Amerika und nahm dort mit ihm "Nana Mouskouri in New York" auf. Jahre später nahm ich ein weiteres Jazz-Album mit Bobby Scott auf. Aber mit diesen Platten hatte ich keinen großen Erfolg in Europa. Erst als man 1999 das New-York-Album wiederveröffentlichte, stellte sich plötzlich der Erfolg ein. Ich habe daraufhin auch das Jazz-Programm in Stuttgart gemacht, das mit einer Big-Band fantastisch ankam. Daran konnte ich sehen, wie offen die Deutschen für viele Arten von Musik sind.

Waren Sie überrascht, dass gerade diese alte Platte so einen Erfolg hatte?

Ja, ich war total überrascht. Das Wichtigste ist aber eigentlich nicht der kommerzielle Erfolg, sondern dass nun viele jungen Menschen meine Musik hören und wissen, wer ich bin. Das macht mich sehr stolz. In Stuttgart waren viele junge Menschen im Publikum. Das hat mich unglaublich erfreut.

Was genau fasziniert Sie an jungen Menschen, wenn Sie Ihr Publikum oder andere Künstler betrachten?

Die Akzeptanz zu spüren, das ist wundervoll. Man hat die Chance voneinander zu lernen. Ich habe, als ich jünger war, auch von älteren Künstlern gelernt, von Ella Fitzgerald oder Mahalia Jackson. Über die Jahre hörte ich viele jüngere Künstler, die ganz andere Techniken oder Gesangsweisen hatten. Ich denke an die Beatles, Elton John oder die Dire Straits. Annie Lennox ist auch fantastisch. Heute "lerne" ich zum Beispiel von Norah Jones. Whitney Houston ist ebenfalls herausragend. Celine Dion lernte von Edith Piaf, Mireille Mathieu und von mir. Damals hörten sie mich, heute höre ich sie. Das ist normal. Wir lernen alle voneinander, weil wir alle etwas zu geben haben.

Die Amerikaner vergleichen Sie gerne mit einer anderen großen Stimme: Barbra Streisand.

Das habe ich gehört. Ich sah sie auch irgendwann live, als ich die ersten Male in den USA war. Sie ist eine große Entertainerin und eine fantastische Sängerin. Sie ist ein Superstar, aber ich sage nicht gerne über mich selber, dass ich das bin – ich bin einfach eine Sängerin. Barbra und ich sind aus der gleichen Zeit und haben eine große Karriere gemacht. Für mich war es schwerer von Europa nach Amerika zu gehen, um dort erfolgreich zu sein, als für Barbra umgekehrt. Und ich kann sowohl an kleinen Orten, als auch an großen auftreten - sie nur an großen. (lacht) Aber kleine Konzerte mag ich lieber, weil sie intimer sind.

Zum zweiten Teil unseres Interviews geht es hier.

Die Tour-Daten von Nana:

19.04.2005 Rostock Stadthalle
20.04.2005 Dresden Kulturpalast
22.04.2005 Zürich Kongresshaus
23.04.2005 Wien Konzerthaus
25.04.2005 Berlin Friedrichstadtpalast
26.04.2005 Frankfurt Alte Oper
27.04.2005 Baden-Baden Festspielhaus
29.04.2005 Stuttgart Liederhalle
30.04.2005 München Philharmonie
02.05.2005 Nürnberg Meistersingerhalle
03.05.2005 Cottbus Stadthalle
04.05.2005 Köln Gürzenich
05.05.2005 Dortmund Konzerthaus
07.05.2005 Hamburg CCH Saal 1

Zusatz-Termine:

01.12.2005 Köln Gürzenich
06.12.2005 Essen Colosseum Theater
10.12.2005 Düsseldorf Philipshalle