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Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus

Rosa Elefantenzirkus


Gruppenfoto der sieben "rosa Elefanten" (v.l.n.r.): Stefan Evers (CDU), Sebastian Ahlefeld (FDP), Frank-Christian Hansel (AfD), Martin Haase (Piraten), Anja Kofbinger (Grüne), Klaus Lederer (Linke), Jan Stöß (SPD) (Bild: Johannes Kram)

Das Magazin "Männer" lud am Dienstagabend zum Parteientalk zur Berliner Abgeordnetenhauswahl – mit dabei ein AfD-Hansel, für den LGBTI-Rechte "Luxusprobleme" sind.

Von Micha Schulze

Eigentlich hatten die Kollegen des Magazins "Männer" eine gute Idee. Knapp drei Wochen vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus luden sie am Dienstagabend zur "Rosa Elefantenrunde" ins BKA-Theater, um über die hauptstädtische Queer-Politik für die kommenden fünf Jahre zu diskutieren. Doch sie machten leider einen großen Fehler und luden auch die AfD ein. Immerhin: Wer noch immer glaubt, man müsse den Rechtspopulisten zur "Entzauberung" ein Podium bieten, wurde so eines Besseren belehrt.

Die "Rosa Elefantenrunde" geriet zu einer Art Zirkusveranstaltung, bei der der Clown Frank-Christian Hansel von der AfD mit seinen ständigen Provokationen und dem Wettern gegen die "Massenmigration" viel zu viel Aufmerksamkeit bekam. Dabei seien LGBTI-Rechte, wie der Vorzeigeschwule der Rechtsaußenpartei selbst auf der Bühne verkündete, doch nur "Luxusprobleme". Seine Funktion erfüllte Hansel jedoch perfekt: Das Lachen im Publikum war groß, als er meinte, dass niemand in der AfD homophob sei.

Das "mutige" SPD-Plakat mit Nina Queer

Leider hatten auch die anderen Parteien nicht immer die besten Akrobaten in die Manege geschickt. Martin Haase von den Piraten wollte nicht einmal durch die wenigen Reifen springen, die ihm Moderator und "Männer"-Chefredakteur Kriss Rudolph hinhielt, während FDP-Vertreter Sebastian Ahlefeld die Platitüden-Kanone gab. Auch Berlins "Große" Koalition, vertreten durch den ehemaligen SPD-Landesvorsitzenden Jan Stöß und den CDU-Abgeordneten Stefan Evers, präsentierte sich so schlecht wie sie regiert. In Erinnerung bleiben vor allem zwei Aussagen: Stöß wollte seine Partei als "mutig" verkaufen, weil sie doch mit Nina Queer eine Dragqueen auf einem Wahlplakat zeige, während Evers das Eheverbot für Lesben und Schwule als einen "Namensstreit" herunterspielte. Und das vor einem queeren Publikum.

Wirklich im Thema und eine Bereicherung der Runde waren nur zwei der geladenen "Elefanten": der Spitzenkandidat der Linken Klaus Lederer und die Grünen-Abgeordnete Anja Kofbinger. Während Lederer die Politik des rot-schwarzen Senats brillant auseinandernahm und sich dabei teilweise in Rage redete, versuchte es Anja Kofbinger immer wieder mit Humor. Der Grünen-Politikerin war anzusehen, wie absurd sie diese Runde im BKA-Theater fand. Aber sie machte auch ein historisches Versprechen: Sollten die Grünen im Bund die Forderung nach der Ehe für alle in Koalitionsverhandlungen mit der Union fallen lassen, werde sie die Partei verlassen.

Wahlclaim-Raten und Jokes statt inhaltliche Tiefe

Dass der Erkenntnisgewinn des Abends darüber hinaus nicht sehr hoch war, lag auch am überforderten Dompteur Kriss Rudolph, der seine Energie vor allem darin stecken musste, den AfD-Clown zu bändigen. Die Elefantenrunde begann er mit einem fröhlichen Wahlclaim-Raten, immer wieder vermischte er Bundes- und Landesthemen und setzte auf Jokes statt inhaltliche Tiefe.

Was machen die Parteien denn nun konkret gegen homo- und transphobe Gewalt in Berlin? Wie soll es nun genau und mit welchem Budget weitergehen mit der Initiative sexuelle Viefalt? Antworten gab die "Rosa Elefantenrunde" nicht. Nicht einmal die ausführlichen Wahlprüfsteine des LSVD Berlin-Brandenburg, bei denen die Grünen bei der Forderung nach einer Krisenwohnung für von Zwangheirat bedrohte schwule Männer durchgefallen waren, griff Moderator Rudolph auf.

In ihrer Antwort an den LSVD hatte die AfD schon vor mehreren Wochen Antidiskriminierungsarbeit als "frühsexuelle Aufklärung im Sinne der Gender-Ideologie" diffamiert und im Zusammenhang mit Regenbogenfamilien von einer "theoretisch ausgeschlossenen Nachwuchsproduktion" gesprochen. Wer solche Leute zu einer Debatte über LGBTI-Politik einlädt, hätte eigentlich von vornherein wissen müssen, dass er damit eine echte und weiterführende Diskussion verhindert.

Facebook / Männer Magazin | Die Kollegen von "Männer" streamten die "Rose Elefantenrunde" live, los geht es in der 10. Minute. Den Teil nach der Pause gibt es hier.



#1 UrsaMajorEhemaliges Profil
  • 31.08.2016, 09:59h
  • Danke insbesondere für Überschrift und Unterzeile - der "Elefantenzirkus" mit dem (Herrn) Hansel bringt es ziemlich gut auf den Punkt!

    Leider auch der Schlusssatz:
    "Wer solche Leute zu einer Debatte über LGBTI-Politik einlädt, hätte eigentlich von vornherein wissen müssen, dass er damit eine echte und weiterführende Diskussion verhindert."

    Ihr habt Recht, ich sehe das auch so:
    "Wer noch immer glaubt, man müsse den Rechtspopulisten zur "Entzauberung" ein Podium bieten, wurde so eines Besseren belehrt."
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#2 JadugharProfil
  • 31.08.2016, 10:09hHamburg
  • In der Diskussionsrunde ging es offenbar nicht darum, politische Schwierigkeiten bezüglich der LGBTI-Rechte zu erörtern und zu lösen, sondern eher um sich selbst vorzustellen und dabei sich sehr zu blamieren. Immerhin wissen wir nun jetzt, was für Hampelmänner bzw. Hanselmänner wir in der Politik haben. Lieber Herr Hansel: Wenn sie glauben, daß LGBTI-Rechte Luxusprobleme sind, dann sollte man den Heteros unsere vorenthaltenen Rechte sofort für 2000 Jahre entziehen, da sie dann ebenfalls ein Luxusgut sind. Sie werden dann sehen, welche Freude es den Heteros bereitet, sich diesen Luxusballast abzustreifen!
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#3 GeorgGProfil
  • 31.08.2016, 10:42hBerlin
  • "...eine Bereicherung der Runde waren nur zwei der geladenen "Elefanten": der Spitzenkandidat der Linken Klaus Lederer und die Grünen-Abgeordnete Anja Kofbinger."

    Na, dann muss man sich um die Zukunft der LGBTI-Rechte in Berlin ja keine Sorgen machen, denn so wie es aussieht wird es wohl eine Koalition Rot-Rot-Grün geben.
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#4 LinusAnonym
  • 31.08.2016, 10:52h
  • Homorechte sind Menschenrechte!

    Denn wir kämpfen nicht nur für unsere Rechte, sondern für allgemeine Freiheit und Gleichheit.

    Dass für die AfD Homorechte (also Menschenrechte) "Luxusprobleme" sind, sagt mehr über die AfD als über unsere Anliegen aus.

    Und damit beweist die AfD auch, dass sie gegen Freiheit und Gleichheit ist. Denn wer wirklich Freiheit und Gleichheit will, muss das für alle Menschen wollen. Und da sind Minderheitenrechte dann auch keine Luxusprobleme, sondern etwas, was alle angehen muss.
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#5 RobinAnonym
  • 31.08.2016, 10:56h
  • Wenn Grundrechte und der demokratische Gleichheitsgrundsatz für die AfD "Luxusprobleme" sind, wüsste ich mal gerne, was für die wichtigere Probleme sind?

    Bei Homo- und Transrechten geht es um den Kern des demokratischen Rechtsstaats und der offenen Gesellschaft. Das ist die Grundlage für alles andere. Erst wenn das gewährleistet ist, kann man sich um all die anderen Detailfragen kümmern.

    Den Zivilisationsgrad einer Gesellschaft kann man immer sehr gut daran ablesen, wie sie mit Minderheiten umgeht. Und die AfD ist offenbar nicht sehr zivilisiert.
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#6 AFD-WatchAnonym
  • 31.08.2016, 11:01h
  • Wenn das alles nur Luxusprobleme sein sollen, dann kann sich der Verein "(bekennend pseudo-) Homosexuelle in der AFD" doch gerne auflösen, da doch alle Ziele erreicht sein müssten und dieser Verein somit überflüssig ist.
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#7 Carsten ACAnonym
  • 31.08.2016, 11:11h
  • Aha, für Jan Stöß ist die SPD also "mutig", weil sie eine Drag-Queen auf einem Plakat zeigt.

    Ist ja auch sehr mutig, in einer Homo-Hochburg eine Drag-Queen zu zeigen.

    Beinahe genauso mutig wie die Wahlplakate mit "100% Gleichstellung", die ebenfalls nur Plakate waren, denen keine Taten folgten. Papier ist halt geduldig...

    "Mutig" wäre es, wenn die SPD nicht vor der Union kuschen würde, sondern die Bundestagsmehrheit mit Grünen und Linken nutzen würde, um die Ehe zu öffnen und die Volladoption zu beschließen.

    Im übrigen: Deutschland hat schon Mary & Gordy gehabt, Hape Kerkeling als Königin Beatrix, Evje van Dampen, Uschi Blum, etc. Conchita Wurst hat schon vor 2,5 Jahren den ESC gewonnen. Etc. etc. etc. Was soll dann am Zeigen einer Drag-Queen noch mutig sein? Dass die SPD das alleine schon für mutig hält, sagt sehr viel über den Zustand der SPD.

    Wirklich mutig, sind die Drag-Queens, Transgender, Transsexuellen, etc. die nicht von SPD-Plakaten schauen, sondern die tagein tagaus im Fummel durchs Leben gehen. Die deshalb Probleme bei der Wohnungs- und Jobsuche erfahren. Die täglich Diskriminierung, Mobbing oder gar Gewalt ausgesetzt sind. (U.a. dank der Politik der SPD.)

    DAS sind die wirklich mutigen. Aber doch nicht die SPD...
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#8 JasperAnonym
  • 31.08.2016, 11:38h
  • >>> während FDP-Vertreter Sebastian Ahlefeld die Platitüden-Kanone gab. <<<

    Von der FDP kommen doch immer nur inhaltsleere Platitüden...

    Schon bezeichnend, dass die einzigen, die eine gute Figur gemacht haben, die Vertreter von Grünen und Linkspartei waren, während SPD, FDP, Union (und AfD sowieso) wieder mal ihre geballte Inkompetenz bewiesen haben.
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#9 Dennis
  • 31.08.2016, 11:53h
  • "Das Magazin "Männer" lud am Dienstagabend zum Parteientalk zur Berliner Abgeordnetenhauswahl mit dabei ein AfD-Hansel. . . . . "

    Allein diese Tatsache zeigt wes "Geistes Kind" diese Rosa Elefantan sein müssen. Warun sie nicht noch n schwulen Nazi eingeladen haben, . . . . #sehrinkonsequent #würg
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#10 NickAnonym
  • 31.08.2016, 11:54h
  • Antwort auf #6 von AFD-Watch

  • Ne, die dienen doch der Tarnung, damit es immer noch genug Homos gibt die diese rechtsextrem-neifaschistische Partei wählen.

    Was mir mehr Sorge macht sind die Stimmen aus der CDU die fordern, man müsse mit den Nazis eine Koalition anstreben
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