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  • 08.09.2016, 00:39h               Teilen:   |

Das Weltraumabenteuer geht weiter

Auf der Suche nach queeren Welten: 50 Jahre "Star Trek"

Artikelbild
Die Originalmannschaft: Scotty (James Doohan), Pille (DeForest Kelley), Chekov (Walter Koenig), Kirk (William Shatner), Sulu (George Takei), Spock (Leonard Nimoy) und Uhura (Nichelle Nichols) (Bild: Paramount)

Vor genau 50 Jahren ging "Star Trek" erstmals auf Sendung. Die Serie tat sich lange schwer mit LGBT-Storys – inzwischen hat sich das geändert.

Von Dennis Klein

Am Abend des 8. September 1966 drang die Enterprise zum ersten Mal in fremde Sternensysteme vor: Mit der Episode "Das Letzte seiner Art" flimmerte im Privatsender NBC erstmals "Star Trek" in die amerikanischen Wohnzimmer. Obgleich die Originalserie nach 79 Folgen wegen mangelhafter Einschaltquoten abgesetzt wurde, lebte das Phänomen weiter. 50 Jahre später kann der "Star Trek"-Dampfer auf 726 TV-Episoden, 13 Kinofilme und hunderte Bücher, Comics, Computerspiele, Magazine und allerhand Merchandise zurückblicken.

Serienschöpfer Gene Roddenberry gab der zunächst belächelten Serie eine Philosophie der Toleranz: Fremde Kulturen sollten wertgeschätzt, den Schwachen geholfen werden. Dass auch noch eine multikulturelle Crew inklusive einem satanisch aussehenden Mann mit langen Ohren und einer schwarzen Frau durchs All flogen, war fürs biedere amerikanische Fernsehen schon fast revolutionär. Immerhin hatte der US-Kongress erst zwei Jahre vor dem Jungfernflug der Enterprise die Rassentrennung in den Südstaaten beendet.

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Serie startet in homophober Atmosphäre

Die "Star Trek"-Philosophie machte vielen versteckt lebende Schwule und Lesben Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Freilich war anfangs von Homosexualität auf der Enterprise noch wenig zu sehen. Kein Wunder: In der realen Welt gab es in 49 von 50 Bundesstaaten zu dieser Zeit noch "Sodomy Laws", die gleichgeschlechtliche Liebe unter Strafe stellten – nur Illinois hatte Anfang der Sechzigerjahre sein Gesetz bereits abgeschafft. In der Serie war es deshalb das höchste der Gefühle, als Dr. McCoy die gefräßigen Haustiere Tribbles – kleine süße Pelzbälle – als "bisexuell" bezeichnete oder als Captain Kirk in der Episode "Gefährlicher Tausch" unfreiwillig in den Körper einer Frau schlüpfte.


Captain Kirk badet in bisexuellen Tribbles


Die "Original Series", die zwischen 1966 und 1969 in den USA lief, war eben auch ein Produkt ihrer Zeit: So waren viele Themen, etwa Drogenkonsum, Tabu und durften nur verschlüsselt in die Serie eingebaut werden. Aus heutigen Sicht gab es zudem extrem sexistische Kommentare und Szenen. Lieutenant Uhura, die einzige Frau in der Hauptbesetzung, spielte praktisch nur das Fräulein vom Fernsprechamt. Hier hatte Roddenberry eigentlich mehr geplant: In einem ersten Pilotfilm gab er seiner späteren Ehefrau Majel Barrett eine Rolle als Erste Offizierin. Eine Frau als Vorgesetzte war den Herren von NBC aber zu viel – Barrett wurde zur Arzthelferin degradiert und musste ihre dunklen Haare blond färben.

K/S: Kirk liebt Spock

Wegen der Abwesenheit schwuler Handlungsstränge behalfen sich die Fans selbst: So dichteten schwule Trekkies in selbstverfassten Geschichten oder Bildern Captain Kirk und Mister Spock eine leidenschaftliche Liebesbeziehung an. Die "K/S"-Geschichten gelten als Startschuss für die sogenannte "Slash Fiction", in der Figuren aus literarischen Vorbildern eine homosexuelle Beziehung eingehen.


Das Raumschiff Enterprise in seiner Achtzigerjahre-Ausführung


Bei späteren TV-Serien ging "Star Trek" ein wenig mit der Zeit: In "Deep Space Nine" (1993-1999) gab es mit Avery Brooks erstmals einen schwarzen Kommandanten, bei "Raumschiff Voyager" (1995-2001) übernahm erstmals eine Frau das Ruder. Zu dieser Zeit wurden LGBT-Themen aber immer noch mit Samthandschuhen angefasst: So begegnete die "nächste Generation" um Captain Picard (Patrick Stewart) 1992 in der Folge "Verbotene Liebe" einer androgynen Spezies, die Sex mit geschlechtlichen Wesen als abartig empfanden. Dennoch verliebte sich eines dieser Außerirdischen in Commander Riker, der die Gefühle erwiderte. Der Haken an dieser Folge: Alle Alien-Rollen wurden von Frauen gespielt, so dass die Liebesbeziehungen den gewohnten heterosexuellen Lauf nahmen. Riker-Darsteller Jonathan Frakes nannte "Verbotene Liebe" später eine "verlorene Chance" und bezeichnete die Macher als feige. In den anderen Serien gab es ähnlich vorsichtige Versuche: Bei "Deep Space Nine" beispielsweise in der Folge "Wiedervereinigung" oder bei "Voyager" in "Der Kriegsherr".

Auf die ersten offen schwule Figur mussten wir bis dieses Jahr warten: Im neusten Kinofilm "Star Trek Beyond" hat mit Steuermann Sulu (John Cho) eine beliebte Hauptfigur ein kleines Coming-out (queer.de berichtete). Damit soll es aber noch nicht vorbei sein. Die Macher der neuen Fernsehserie "Star Trek Discovery", die kommendes Jahr anläuft, kündigten bereits an, dass sie mit einer schwulen oder lesbischen Figur planen (queer.de berichtete). Und bei den technisch inzwischen sehr anspruchsvollen Fan-Filmen wird das Thema bereits jetzt offensiver behandelt: In der 2007 veröffentlichten Folge "Blood an Fire" aus der "Star Trek Phase 2"-Reihe verliebt sich etwa Fähnrich Peter Kirk, der Neffe von Captain Kirk, in Lieutenant Alex Freeman.


Sulu und seine Regenbogenfamilie im Film "Star Trek Beyond"


In diesem Jahrhundert sorgten außerdem die Coming-outs von "Star Trek"-Schauspielern für neue Aufmerksamkeit: 2005 outete sich Sulu-Darsteller George Takei und entwickelte sich zum LGBT-Aktivisten, sechs Jahre später erklärte Zachary Quinto, der neue Spock, dass er Männer liebt. Die "Slash Fiction" hat also den Sprung ins echte Leben geschafft.



Direktlink | Der Fan-Film "Blood and Fire" zeigt schwule Liebe auf der Enterprise (auf Englisch)


Direktlink | Teil zwei von "Blood and Fire"

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