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Auch Deutschland ist dabei

Eurovision zieht 2017 nach Kiew


Das Messezentrum in Kiew soll nach Umbauten bis zu 14.000 Zuschauern Platz bieten (Bild: EBU / NTU)

Nach langen Verzögerungen steht der Austragungsort des nächsten Song Contests fest – auf die ukrainische Hauptstadt kommt eine Kraftanstrengung zu, auch was die Sicherheit schwuler Fans betrifft.

Von Norbert Blech

Der 62. Eurovision Song Contest wird im nächsten Jahr aus dem Internationalen Messezentrum der ukrainischen Hauptstadt Kiew übertragen. Das gab der ukrainische Staatssender NTU am Freitag bekannt.

Die Europäische Rundfunkunion (EBU) hatte den Sender nach dem Gewinn der Ukrainerin Jamala beim ESC in Stockholm im Mai mit der Durchführung beauftragt. Insgesamt sechs Städte hatten sich mit acht möglichen Austragungsorten beworben, zuletzt waren noch Kiew und Odessa (sowie angeblich Dnipro) im Rennen.

Der Termin der Verkündung war in den letzten Wochen zwei Mal verschoben worden, Mitte August gar 20 Minuten vor einer angekündigten Pressekonferenz. Im Hintergrund wurde angeblich noch über Details gestritten. Wie die ausgeschiedenen Orte hatten sowohl Kiew als auch Odessa nach Angaben des NTU-Direktors Zurab Alasania als Austragungsorte Vor- und Nachteile, offenbar wurde auch über die Finanzierung gestritten: In Odessa bräuchte das vorgesehene Fußballstadion ein Dach, in Kiew müssen Hallen im Messezentrum zusammengelegt werden.

Die Hauptstadt hatte den ESC bereits 2005 abgehalten, im Sportpalast, der aber aufgrund eines internationalen Eishockey-Turniers nicht zur Verfügung steht. Das nun vorgesehene Messezentrum, das größte im Land, soll 11.000 bis 14.000 Zuschauern Platz bieten.

Drei Shows im Mai


Jamala kurz nach ihrem Sieg in Stockholm, umrandet von Regenbogenflaggen (Bild: EBU)

Das Finale des Contests soll am 13. Mai stattfinden, wie üblich mit den zwei Halbfinals am Dienstag und Donnerstag davor; den bislang vorläufigen Termin hat die EBU am Freitag bestätigt. Erste Tickets für die Shows sollen gegen Jahresende erhältlich sein.

Bisher haben bereits 28 Länder ihre Teilnahme zugesagt, darunter auch Deutschland; Portugal will nach einem Jahr Pause wieder mitmachen. Entgegen einigen Spekulationen hat auch Russland bereits eine Teilnahme zugesagt.

Den Schmach, dass der Wettbüro-Favorit und Televoting-Gewinner Sergei Lasarew in der Gesamtwertung hinter einer siegenden Ukraine landete, hat man in seiner Heimat aber wohl nicht vergessen: Erst gestern streuten russische Medien das Gerücht, die Ukraine könne den ESC nicht abhalten, weswegen er quasi automatisch in Russland stattfinden werde (einen Automatismus, dass das Land des Zweit- oder Drittplatzierten zum Zuge kommt, gibt es aber nicht).

Ohnehin könnte die russische Propaganda, die einen Shitstorm nach dem Sieg der Ukraine organisierte, sich in den folgenden Monaten noch um den ESC kümmern – gerade auch in Hinblick auf die schwulen Fans. In den letzten Jahren brachte Moskau das Kunststück fertig, einerseits die Homophobie in der Ukraine im Hintergrund zu schüren, andererseits sich in Propagandamedien wie "Sputnik" über diese zu echauffieren und die eigene Haltung etwa gegenüber CSD-Demonstrationen dabei zu ignorieren.

Ist der ESC sicher?

Die Lage von LGBT in der Ukraine ist durchwachsen. Neonazis und andere Gruppen überfallen regelmäßig Veranstaltungen wie CSDs oder Szenetreffpunkte; die Motivation ist dabei unklar. Politik und Polizei zeigten sich im ganzen Land in den letzten Jahren oft nicht bereit, Veranstaltungen angemessen zu schützen oder nach Gewalttaten zu ermitteln. Einige Demonstrationen wurden vorab aus "Sicherheitsgründen" verboten, anders als in Moskau kam es aber nicht zur Festnahme von LGBT-Aktivisten, wenn sie dennoch demonstrierten.

In Kiew, wo Bürgermeister Vitali Klitschko in den letzten Jahren die Veranstalter mehrfach um die Absage des CSD gebeten hatte, hat sich der Kontakt zwischen Verwaltung, Polizei und Organisatoren aber zuletzt verbessert. In diesem Jahr schützten mehr als 6.000 Polizisten die CSD-Demonstration, an der aus Solidarität nach Drohungen Rechtsradikaler erheblich mehr Menschen teilnahmen als erwartet (queer.de berichtete).


Beim diesjährigen CSD in Kiew nahmen tausende Menschen teil

Auch im Jahr zuvor hatte die Polizei den CSD in Kiew vor Rechtsradikalen schützen müssen (queer.de berichtete). 2014, als die Organisatoren den Pride absagten, überfielen Neonazis einen LGBT-Club in der Hauptstadt an zwei Abenden hintereinander (queer.de berichtete); wenige Wochen später wurde ein Kino während der Vorführung eines Films über Dragqueens in Brand gesetzt (queer.de berichtete).

Mit der Austragung des ESC kommt auf Kiew also auch eine Kraftanstrengung im Bereich der Sicherheit zu, die von der EBU sorgsam eingefordert und überwacht werden muss.



#1 FelixAnonym
  • 09.09.2016, 14:58h
  • Die Ukraine hat sicherzustellen, dass alle GLBTI-Teilnehmer, -Fans, -Journalisten und -Funktionäre sicher und ungestört arbeiten und feiern können.

    Wenn die Ukraine das nicht garantieren kann, dürfen sie nicht den ESC austragen.
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#2 Carsten ACAnonym
  • 09.09.2016, 15:34h
  • Ich verstehe nach wie vor nicht, wie die Ukraine den ESC gewinnen konnte. Es gab zig bessere Lieder.

    Z.B. hört man den schwedischen Beitrag "If I Were Sorry" von "Frans" laufend im Radio, den ukrainischen habe ich nach dem ESC kein einziges mal mehr irgendwo gehört.

    Das ist wieder die übliche Mauschelei zwischen manchen Staaten, wo die Leute nach Seilschaften und nationalen Sympathien und Antipathien statt nach Qualität abstimmen.
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#3 Patroklos
  • 09.09.2016, 18:20h
  • Antwort auf #2 von Carsten AC
  • Schmarrn! Die Ukraine hat den ESC in Stockholm in diesem Jahr absolut verdient gewonnen! Dagegen konnte nicht einmal der schnarchige schwedische Beitrag gegen anstinken! Außerdem ziehen viele Radiostationen Matt Simmon's "Catch & Release" dem schnarchigen Schwedenplagiat vor!
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#4 LGBTRightsAnonym
  • 10.09.2016, 22:36h
  • Der Austragungsort ist nach mehreren Wochen nun endlich gefunden! Aber es gibt noch weitere gute Neuigkeiten! Einer der diesjährigen Teilnehmer am schwedischen Melodifestivalen, Viktor Frisk, der ja gemeinsam mit Samir und dem Titel "Bada Nakna" auftrat, hatte sein Coming-Out als Bisexueller:

    wiwibloggs.com/2016/08/28/like-guys-girls-viktor-frisk-comes
    /149339/


    Mal sehen, ob das Duo nächstes Jahr auch wieder unter den Teilnehmern sein wird!
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#5 Patroklos
  • 17.01.2017, 12:43h
  • In diesem Jahr könnte zum ersten Mal eine offen lesbische Künstlerin Spanien beim ESC vertreten:

    www.youtube.com/watch?v=H7J2tV9X-3Y

    Sie lebt in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung mit Patricia Yurena Rodríguez, die 2008 zur Miss Spanien gewählt wurde. Außerdem setzt sich LeKlein, die mit bürgerlichem Namen Vanessa Cortés Klein heißt, für LGBTI-Rechte in ihrem Land ein. Ich drücke ihr die Daumen, daß sie gewinnt, denn der Song und das Video sind gut gemacht.
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#6 Patroklos