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Der deutsche Kardinal wird Papst Benedikt XVI. - und den erzkonservativen Kurs des Vorgängers fortführen.

Von Norbert Blech

Rom Die katholische Kirche hat 17 Tage nach dem Tod von Papst Johannes Paul II. den deutschen Kardinal Joseph Ratzinger zum Nachfolger bestimmt, der nun unter dem Namen Benedikt XVI. predigen darf. Damit haben die 115 zum Konklave versammelten Kardinäle am Dienstag mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit den 265. Papst gewählt. Ratzinger gilt wie der vorherige Papst als Gegner von Homosexuellenrechten. "Die juristische Form einer Art Homosexuellen-Ehe ist zerstörerisch für die Familie und die Gesellschaft", hatte Ratzinger erst im letzten November anlässlich der Einführung einer Homo-Ehe in Spanien gesagt. Die rechtliche Anerkennung von Homo-Paaren verändere auch die Moralvorstellungen der Bürger, warnte Ratzinger damals. So drohe "die Aufgabe von Ehe und Familie, den Fortbestand der Menschheit zu garantieren", verloren zu gehen. Auch in Fragen von Abtreibung und Kondomgebrauch gilt Ratzinger als Hardliner.

Ein anderes, vernichtendes Schreiben an alle Priester zum Thema Homo-Ehe aus dem Jahr 2003 ist unten als Link nachzulesen. "Die Ehe ist heilig, während die homosexuellen Beziehungen gegen das natürliche Sittengesetz verstoßen", heißt es da ausgrenzend. Man müsse zwar homosexuellen Menschen mit "mit Achtung, Mitleid und Takt" begegnen, das könne aber keine rechtliche Gleichstellung rechtfertigen. Ein Adoptionsrecht für Homo-Paare "bedeutet faktisch, diesen Kindern Gewalt anzutun in dem Sinn, dass man ihren Zustand der Bedürftigkeit ausnützt, um sie in ein Umfeld einzuführen, das ihrer vollen menschlichen Entwicklung nicht förderlich ist", so das von Ratzinger unterschriebene Dokument.

"Chefdenker" des alten Papstes

Der 78-Jährige diente dem am 2. April verstorbenen Johannes Paul II. seit 1981 als Präfekt der Glaubenskongregation, manche nannten ihn damals bereits den "Chefdenker im Vatikan", bösere Zungen sahen in ihm den Propagandachef des damaligen Papstes. In dieser Funktion hatte er die Aufgabe, die Einheit des Glaubens zu wahren. Ratzinger gilt als dezidiert konservater Theologe, so stammen viele Äußerungen des alten Papstes zur Sexualmoral aus seiner Feder. Gott habe "eine christliche Ehe" gewollt, also eine zwischen Mann und Frau, war eine der Thesen eines 37-seitigen Schreiben des Papstes aus dem Jahr 2004, das von Ratzinger verfasst worden war. In dem "Brief über die Zusammenarbeit von Mann und Frau in der Weltkirche" geißelten beide auch den "weltweiten Feminismus". Regierungen hätten die Pflicht, Bedingungen zu schaffen, in denen "Frauen ihre Pflichten in der Familie" nicht vernachlässigen müssen.

Der Sohn eines Gendarmeriemeisters aus Marktl am Inn hatte, soweit ein Portrait der Nachrichtenagentur DPA, schon als kleiner Junge den Wunsch, Kardinal zu werden (wurde aber erstmal Mitglied der Hitlerjugend). Nach Theologie- und Philosophiestudium wurde er 1951 zum Priester geweiht, mit nur 30 Jahren habilitierte er und wurde Dogmatik-Professor an der Freisinger Hochschule. Die Wissenschaft hatte ihn gepackt, später lehrte er in Bonn, Münster, Tübingen und Regensburg. 1977 wurde er zum Erzbischof von München und Freising berufen, wenig später zum Kardinal. Der ganz große Karrieresprung kam nur vier Jahre später, als Papst Johannes Paul II. ihn nach Rom berief. Der Posten des Präfekten der Glaubenskongregation war dem kühlen und strengen Denker wie auf den Leib geschrieben. Mit dem Papst sprach Ratzinger Deutsch - aber auch sonst lagen die beiden in Glaubensfragen strikt konservativen Männer auf einer Wellenlänge. Ob Verdammung künstlicher Geburtenegelung, Verbot weiblicher Priester oder Befreiungstheologie in Lateinamerika: Das oberste Urteil im Vatikan trug die Handschrift des Deutschen.

Erste Kritik, erstes Lob

Bereits kurz nach der Wahl wurde am Dienstagabend Kritik laut, insgesamt überwiegten jedoch vorsichtige Glückwünsche bis hin zu Frommeleien. Der kritische Theologe Gotthold Hasenhüttl nannte die Wahl gar eine "Katastrophe". Im Gespräch mit AP sagte der suspendierte Priester in Saarbrücken, Ratzinger werde den Kurs von Johannes Paul II. verschärft fortsetzen und damit auch den Reformstau in der katholischen Kirche vergrößern. In dem Interview unmittelbar nach Verkündung der Wahl vertrat Hasenhüttl die Ansicht, Ratzinger werde als Benedikt XVI. die Kirche "regieren, wie es Alleinherrscher oder Diktatoren tun".

Vertreter der "Initiative Kirche von unten" (IKVU) und der "Kirchenvolksbewegung" haben in ersten Stellungnahmen skeptisch bis ablehnend auf die Wahl reagiert. Damiti seien alle Hoffnungen auf einen innerkirchlichen Wandel zerstört worden, sagte IKVU-Bundesgeschäftsführer Bernd Göhrig am Dienstagabend in Frankfurt am Main. Der neue Papst stehe für ein "theologisch autoritär strukturiertes Kirchenbild". Von dem neuen Papst seien keine großen Veränderungen zu erwarten, sagte auch Annegret Laakmann, Referentin der "Kirchenvolksbewegung".

Der stellvertretende nordrhein-westfälische Ministerpräsident Michael Vesper (Grüne) zeige sich enttäuscht. Die Wahl Ratzingers lasse leider keinen reformerischen Aufbruch erwarten, sagte Vesper in Köln. Gesellschaftspolitisch und innerkirchlich sei seine Wahl eine Enttäuschung. Aber natürlich habe der neue Papst Anspruch darauf, dass man ihm eine Chance gibt. "Vielleicht kommt ja der Heilige Geist über ihn", sagte Vesper. Sein Koalitionspartner und NRW-Ministerpräsident Peer Steinbrück (SPD) hatte da weniger Humor - und mehr Lob. "Für uns Deutsche ist das zweifellos ein historischer Tag", sagte Steinbrück am Dienstagabend. "Die Menschen in Nordrhein-Westfalen" hegten die Hoffnung, den Papst schon im August in Köln beim Weltjugendtag begrüßen zu können, so Steinbrück etwas verallgemeinernd. Auch der nordrhein-westfälische CDU-Vorsitzende Jürgen Rüttgers freute sich über die Wahl. "Heute ist ein schöner Tag für alle Christen. Papst Benedikt XVI. ist der erste Deutsche seit 480 Jahren auf dem apostolischen Stuhl", erklärte Rüttgers. Er habe Ratzinger 1997 in Rom "als einen weisen und klugen Mann" kennengelernt.

Das war nicht das einzige Lob in den ersten Minuten. Die Wahl sei eine "Ehre für die deutsche Kirche". "Wir sind überzeugt, dass der Papst ein enges und tiefes Verhältnis zur Jugend aufbauen wird", sagte der Generalsekretär des Weltjugendtags, Heiner Koch, am Dienstag in Köln. Dort findet im August das Treffen von Jugendlichen aus aller Welt statt. Am servilsten gratulierte - unter den ersten Reaktionen - die Berliner CDU-Fraktion. Fraktionsvorsitzender Nicolas Zimmer hat die Wahl von Joseph Ratzinger zum neuen Papst als "eine unendliche Freude für alle Deutschen" bezeichnet. "Mit Joseph Kardinal Ratzinger haben wir einen Papst bekommen, der im besten Sinne die herausragende Arbeit von Johannes Paul II. fortführen wird", erklärte Zimmer am Dienstagabend. Im Namen der CDU-Fraktion wünschte Zimmer Benedikt XVI. "für all sein Wirken Gottes Segen und Frieden auf Erden".

Wie auch andere Politiker aller Parteien bekam sich auch die CDU-Vorsitzende Angela Merkel nicht mehr ein. Die Wahl von Kardinal Joseph Ratzinger zum Papst sei ein "historisches Ereignis". "Dass ein Deutscher zum Papst gewählt wurde, ist für uns ein Moment des Stolzes und ein Moment, der uns tief bewegt", sagte sie am Dienstag in Berlin. Es sei eine große Ehre für Deutschland. "Wir wünschen ihm viel Erfolg in seinem wichtigen neuen Amt", sagte Bundesinnenminister Otto Schily am Dienstag in Berlin.

Roth spricht Probleme an, Stoiber beflaggt Gebäude

Die Grünen-Bundesvorsitzende Claudia Roth erwartet vom neuen Papst Benedikt XVI. den Einsatz "für neue Positionen im Bereich der Empfängnisverhütung und der Aids-Bekämpfung". Sie wünsche sich einen Papst, der Frauen als gleichberechtigt anerkenne und Homosexuelle nicht diskriminiere, erklärte Roth am Dienstag in Berlin. Ratzinger stehe "nun einer Weltkirche mit über einer Milliarde Gläubigen vor. Das ist eine Aufgabe mit großer Verantwortung".

Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle gab sich etwas kritischer und hat dem neuen Papst Benedikt XVI. neben Kraft, Weisheit und Gesundheit auch "das notwendige Maß an gesellschaftlicher Aufgeschlossenheit" gewünscht. Der kirchenpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Hans-Michael Goldmann, stellte sich hingegen inhaltlich hinter den neuen Papst. "Mit Kardinal Joseph Ratzinger ist ein überzeugter und überzeugender Theologe mit klarem Standpunkt zum Papst gewählt worden", so Goldmann.

Schließlich gratulierte auch Bundeskanzler Gerhard Schröder zur Wahl, dies sei eine "große Ehre und Freude für Deutschland". "Ich gratuliere ihm im Namen der Bundesregierung und aller Bürger seines Heimatlandes", sagte der Kanzler am Dienstag in Berlin. Ratzinger sei ein weltweit geachteter Theologe, der die Weltkirche wie kaum ein anderer kenne. Auch Bundespräsident Horst Köhler hat Joseph Ratzinger als neuem Papst "von Herzen" gratuliert. Das ein Landsmann Oberhaupt der katholischen Kirche geworden sei, erfülle ihn mit besonderer Freude und ein wenig Stolz, sagte Köhler am Dienstag in Berlin. Er hoffe, dass Ratzinger als Benedikt XVI. "das große Engagement seines Vorgängers Johannes Paul II. für die Würde des Menschen und den Frieden fortsetzen werde".

Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU), der von einem "großartiger und wunderbaren Tag für Bayern und ganz Deutschland" sprach, ordnete die Beflaggung aller staatlichen Gebäude in Bayern an. US-Präsident George W. Bush nannte Ratzinger am Abend einen "Mann mit großer Weißheit und großem Wissen".

Dienstag, 19. April 2005
zuletzt akt. um 22 Uhr



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169 Kommentare

#1 woifeAnonym
#2 BurghardAnonym
  • 19.04.2005, 18:53h
  • na ja - die Bayern wirds freuen. Vielleicht hat Stoiber ja dann anderes zu tun... ansonsten: Warum sollte sich der Exklusivste Männerclub der Welt ändern???
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#3 wolfAnonym
  • 19.04.2005, 18:54h
  • der liebe gott scheint es nicht gut mit uns zu meinen. "gott sei dank" ist der gute herr ratzinger schon 78 und wird möglichst schnell die nähe seines herrn spüren !!!!

    spätestens jetzt muss doch jeder "mensch" am lieben gott "ver"-zweifeln!
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#4 skydiverProfil
  • 19.04.2005, 19:16hStuttgart
  • Ich bin einfach bloss geschockt (!!!) Vor 1 Jahr habe ich hier in Stuttgart vor St. Eberhard gegen Ratzinger und dessen Äusserungen demonstriert, und nun ist mein schlimmster Alptraum eingetreten (...) Ein schwarzer Tag für mich persönlich...
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#5 HampiAnonym
  • 19.04.2005, 19:18h
  • also ich habe mich sehr über die Wahl des neuen Papstes gefreut. Dass sich Kritiker über ihn ärgern, ist ja logisch. Es mag Menschen geben die wohl nur einen schwulen Papst akzeptiert hätten. So etwas hat jedoch in der katholischen Kirche nix zu suchen. Schliesslich würden es sich Schwule auch verbitten, in ihrem Dark-Room ein altes Mütterchen zu empfangen. Um sich nicht gegenseitig zu zerfleischen,gibt es für mich nur eines: Separierung von Menschen die derart gegensätzlich leben wie Enthaltsame und "Dauer-Ficker"
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#6 StefanAnonym
  • 19.04.2005, 19:19h
  • Auch erschreckend die Berichterstattung im Fernsehen. Wer auch kritisches hören will, muss schon BBC World einschalten. Gerade ARD-Gottlieb kriegt sich ja nicht mehr ein vor Frömmigkeit...
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#7 wolfAnonym
  • 19.04.2005, 19:19h
  • nach den nachrichten kann man nur noch nach der raf schreien : dieser bayer papst !
    schön, das wir alles verlernt haben, in unserer menschheitsgeschichte !
    "mädels aller länder vereinigt euch" !!!!!
    benedikt (der gute), darf sich seinen namen ja selbst aussuchen, jeder mafiaboss ist menschlicher und hat mehr charakter.
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#8 GerdAnonym
#9 StefanAnonym
  • 19.04.2005, 19:23h
  • Ratzinger ist "liebenswürdig" und "sehr sensibel", sagte gerade der ARD-Korrespondent mehrfach. Sehr seriös.
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#10 PeterAnonym
  • 19.04.2005, 19:25h
  • @ gerd

    Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen!
    Habe köstlich gelacht! In diesem Sinne: sic transit glori mundi....
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