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  • 16.09.2016, 08:48h           36      Teilen:   |

Homofeindliche Rhetorik

Poggenburg: LGBTI-Toleranz schadet Kinderseelen

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André Poggenburg nutzte die Strafanzeige von Olivia Jones zu weiterer Hetze gegen gleichgeschlechtliche Paare, die nicht der Normalfall seien

Der AfD-Fraktionsvorsitzende in Sachsen-Anhalt hetzt nach der Strafanzeige von Olivia Jones unvermindert weiter – wie Björn Höcke kritisiert er zugleich "anstößige" CSDs.

Von Norbert Blech

Die Landesregierung Sachsen-Anhalt setze sich mit einem Aktionsprogramm für die Akzeptanz von LSBTTI "nicht gegen Diskriminierung von Minderheiten ein, sondern gefährdet unter dem Druck von Lobbyverbänden die Seelen unserer Kinder". Das behauptete der Vorsitzende der AfD-Fraktion im Magdeburger Landtag, André Poggenburg, am Donnerstag in einer Pressemitteilung und einem Facebook-Post unter der Überschrift "Keine Frühsexualisierung unserer Kinder".

Damit reagierte der 41-Jährige auf eine Strafanzeige der Drag Queen Olivia Jones, die ihm vorgeworfen hatte, Materialien für Kitas und Schulen (inklusive eines von ihr verfassten Kinderbuches), die über Schwule, Lesben oder Transsexuelle altersgerecht aufklären sollen, geradezu als Kindesmissbrauch zu denunzieren. Die Partei hatte dazu geschrieben: "Die AfD wird sich intensiv gegen diese ideologische, unverantwortliche Verblendung wehren. Für uns zählen Wohlbefinden und seelische Unversehrtheit unserer Kinder mehr als unsinnige und übertriebene Forderungen von Schwulen- und Lesbenverbänden."

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Ein harmloser Kita-Koffer zur Aufklärung über LGBTI, hier aus Rheinland-Pfalz, wird von der AfD als "Früsexualisierung" bekämpft


Poggenburg zeigte sich von der Anzeige und der Argumentation von Jones unbeeindruckt: "Die AfD-Fraktion spricht sich entschieden gegen jede Frühsexualisierung unserer Kinder aus", hetzte er erneut. "Wir brauchen weder Kita-Koffer noch irgendwelchen Sexualaktionismus, mit dem schon Drei- bis Achtjährige in Kitas und Grundschulen mit sexuellen Inhalten und Ansichten konfrontiert werden. Dies läuft dem natürlichen Schamgefühl von Kindern völlig zuwider und verstört diese."

Kleinkinder bräuchten keine "Aufklärungskampagnen zu Homo- und Transsexualität unter dem Deckmantel von Toleranzerziehung", so Poggenburg weiter. "Durch dieses Aktionsprogramm wird Kindern vermittelt, dass gleichgeschlechtliche Partnerschaften der Normallfall seien. Das Gegenteil ist aber der Fall: Es gibt eine kleine Prozentzahl an homo- oder transsexuellen Menschen, die selbstverständlich die gleichen Rechte haben wie alle anderen auch. Das klassische Familienbild als Keimzelle der Gesellschaft ist in Deutschland trotzdem der Normalfall und bedarf keiner genderkonformen Richtigstellung." Bei der Anzeige handele es sich um "Eigen-PR eines Homolobbyisten", der sein Buch verkaufen wolle.

Fortsetzung nach Anzeige


Die Ehe für alle als Konkurrenz zur Familie

Bereits am Mittwoch hatte Poggenburg in einer einstündigen Interview-Sendung des MDR-Jugendsenders "Sputnik" über Homosexualität gesprochen (ab 25:30) und gemeint: "Das muss jeder ausleben können – und glücklich werden können – wie er möchte". Auf den Hinweis der Moderatorin, dass man ja gerade dass verhindere, wenn man die Ehe für alle ablehne, meinte er: "Man braucht ja nicht die Ehe, um glücklich zu sein." Man könne Homo-Paaren Rechte zugestehen, aber die Ehe sei ein Rechtsbegriff und eine traditionelle Institution, die die AfD als "Keimzelle des Lebens" erhalten wolle.

Auf eine Zuhörerfrage, was die AfD zur Förderung der Toleranz gegenüber Homosexuellen tue, fiel Poggenburg zunächst nur die Interessengemeinschaft der "Homosexuellen in der AfD" ein – das ist jene in solchen Fällen gerne bemühte absurde Truppe, die von Volker Beck als "Krebsgeschwür der Schwulenbewegung" spricht, den LSVD und die Aids-Hilfen als "linksgrüne Parasiten" bezeichnet und von homoerotisch angehauchten "Wandervogel"-Männerbünden träumt (queer.de berichtete). Wie wenig den AfD-Homos der Gedanke einer Toleranz am Herzen liegt, zeigt deren Facebook-Seite: Erst am Mittwoch wurde dort wieder ganz im Sinne der AfD homophobe Propaganda der "Demo für alle" verbreitet, die sich mit allerlei Verdrehungen gegen eine Schulerziehung zu Toleranz und Akzeptanz wehrt und es als "Indoktrination" bewertet, Homo- und Heterosexualität als gleichwertig dazustellen.



Poggenburg: CSD, nicht AfD-Hetze, schadet Homosexuellen

Im MDR-Gespräch führte Poggenburg weiter aus, dass, nur weil man nicht in jedem Punkt "Lobbygemeinschaften" folgen könne, etwa "bis zur Homo-Ehe", das nicht bedeute, dass man etwas gegen Homosexualität habe. "Wir gehen auch gegen jeden an und artikulieren uns gegen jeden, der sagt: Das darf es nicht geben. Weil jeder muss das frei entscheiden können."


Das Radio-Interview Poggenburgs wurde vom MDR auch als Video veröffentlicht, eine Sternstunde des Senders ist es nicht


Als kürzlich der AfD-Abgeordnete Andreas Gehlmann in einem Zwischenruf in Sachsen-Anhalts Landtag durchblicken ließ, dass er sich eine Bestrafung von Homosexualität wie in den Maghreb-Staaten wünsche, hatte Poggenburg ihn freilich verteidigt: Dieser Zwischenruf habe sich auf einen anderen Nebensatz bezogen, behauptete eine Pressemitteilung der Fraktion, Gehlmann habe lediglich gemeint, dass "tabuisiert sein soll, wer Homosexualität offen auslebt". Die AfD hielt es noch für mitteilungs-, nicht kritikwürdig, dass Gehlmann "uneingeschränkt" zu dieser Aussage stehe, "da er Sittenverfall und sogar allgemein offen ausgelebte Sexualität scharf ablehnt". Das offizielle Landtagsprotokoll, dass die AfD ändern lassen wollte, bleibt übrigens bei der Darstellung einer Kriminalisierungsäußerung (queer.de berichtete).

Der (im übrigen in Bezug auf die sexuelle Orientierung problematischen) Aussage, jeder müsse selbst frei über sich entscheiden, widersprach Poggenburg in dem Interview dann auch noch selbst, in dem er intolerante Hetze als Kampf im Sinne der Betroffenen darstellte: "Wir haben den Christopher Street Day beispielsweise. Den lehnen wir ab. Den lehnen auch sehr viele Homosexuelle in unseren Reihen ab – weil der das Bild eigentlich verfälscht. Da haben Sie nämlich die ältere Frau Müller mit 60 Jahren: Die sieht das im Fernsehen und denkt: Das ist Homosexualität. Die weiß gar nicht, dass ihr Versicherungsmakler, der jedes Jahr zwei Mal zu ihr kommt, auch homosexuell ist – aber völlig unanstößig, das interessiert die gar nicht. Dieses Bild, finden wir, schadet den Homosexuellen, und da sollten sie mal selber drüber nachdenken."

Höcke: "Verantwortungsethik" wider Homo-Toleranz

Bereits am Dienstag hatte der AfD-Fraktionsvorsitzende in Thüringen, Björn Höcke, bei einem "Bürgerdialog" in Schöngleina bei Jena gemeint: "Wir haben eine ganz andere Familienpolitik als die Altparteien: Wir sind nicht willig, bei dem nächsten Christopher Street Day in München einen Wagen der AfD mitfahren zu lassen", sagte er unter Lachern und Beifall (Video, ab 3:20).


Höcke bei dem Auftritt in Schöngleina. (Bild: Youtube-Screenshot)


Die AfD sei "eine tolerante Partei" und es sei falsch, dass man etwas gegen Homosexuelle habe, so Höcke. "Aber wir sind eine Partei, die anders als die Altparteien von Verantwortungsethik, nicht von Gesinnungsethik, durchdrungen sind. Wir fragen tatsächlich danach […]: Wie kann man die Zukunft unseres Landes und Volkes sichern? Und deswegen sagen wir ohne Wenn und Aber Ja zur klassischen Familie – und das sind Vater, Mutter und möglichst viele Kinder".

So macht sich das AfD-Spitzenpersonal über einen Einsatz von Parteien für Toleranz nicht nur lustig, sondern stellt ihn und letztlich auch Homosexualität geradezu als schädlich dar, als verantwortungslos und zukunftsfeindlich. Man kennt diese Argumentation aus vergangen erhofften Zeiten.

Mehr zum Thema:
» Olivia Jones erstattet Anzeige gegen AfD (15.09.2016)
» AfD-Landeschef Poggenburg gegen "Exzesse" auf dem CSD (20.03.2016)
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Tags: afd, andré poggenburg, björn höcke, olivia jones
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Reaktionen zu "Poggenburg: LGBTI-Toleranz schadet Kinderseelen"


 36 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
16.09.2016
09:15:56


(+9, 9 Votes)

Von remixbeb
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Zitat: 'natürlichen Schamgefühl von Kindern'

Hmm.. also das Baby muss ich noch kennenlernen, das nach der Geburt seine Hand zwischen die Beine hält aus Scham. Schamgefühl, Werte etc. sind anerzogen und werden von verklemmten Eltern an ihre Kinder weitergegeben.


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#2
16.09.2016
09:27:24


(-3, 7 Votes)

Von JarJar
Aus Kiel (Schleswig-Holstein)
Mitglied seit 30.10.2015


Beim CSD muss ich ihm sogar zustimmen, ich finde auch dass das ein falsches Bild auf Homosexuelle wirft. Ansonsten natürlich völliger Schwachsinn was er da von sich gibt. Das natürliche Schamgefühl von 3 bis 8 Jährigen. Das Schamgefühl setzt erst dann ein wenn die Kinder merken dass es unterschiede gibt zwischen Männlein und Weiblein. Mit 3-5 spielen die alle zusammen noch nackt im Planschbecken im Garten ohne dass da auch nur irgendwelche Scham dabei ist.


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#3
16.09.2016
09:35:14


(+6, 8 Votes)

Von Robin


"Poggenburg: LGBTI-Toleranz schadet Kinderseelen"

Und auf welche wissenschaftliche Studie bezieht er sich mit dieser Aussage?

Oder behauptet er einfach mal was ohne jeden wissenschaftlichen Beleg, weil er weiß, dass seine Anhänger genau das hören wollen und sich für Fakten eh nicht interessieren?!


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#4
16.09.2016
09:48:26


(+2, 8 Votes)

Von m123


Das einzig Anstößige an CSDs ist, dass dort CDU und SPD teilnehmen.


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#5
16.09.2016
10:05:33


(0, 8 Votes)

Von JarJar
Aus Kiel (Schleswig-Holstein)
Mitglied seit 30.10.2015
Antwort zu Kommentar #4 von m123


Ohne Google zu befragen; wie war das letzte Motto vom letzten CSD den du besucht hast?


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#6
16.09.2016
10:18:38
Via Handy


(+4, 6 Votes)

Von Berliner
Aus Berlin
Mitglied seit 16.11.2015
Antwort zu Kommentar #5 von JarJar


"Räume für (H)alle" in Halle (Saale).
Leider nicht so einprägsam wie "Danke für nichts" in Berlin, aber (da es erst 1 Woche her ist) noch in Erinnerung.
Und jetzt?
Was bringt dir diese Antwort?

Zum Artikel:
Ich fange an zu verstehen, warum die AfD leider so viele Wahlstimmen erhält. Sie spricht die Gedanken vieler Leute aus ("CSD schadet uns.", "zu viele Exzesse"...) und nutzt dann irgendwelche kranken Gedankengänge um ihre menschenverachtenden "Pläne" zu begründen. Das zu durchschauen erfordert schon mitdenken und nachdenken. Ich hoffe, dass die Menschen bereit dazu sind und den Arsch hochbekommen und sich gegen diese falsche Logik zur Wehr setzen.
Für alle Berliner heißt das morgen wählen zu gehen und die Stimmen dafür benutzen um ein klares Zeichen zu setzen.


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#7
16.09.2016
10:29:52


(+1, 9 Votes)

Von m123
Antwort zu Kommentar #5 von JarJar


Das Motto des letzten Berliner CSD lautete

"Danke für nix, aber Danke, dass CDU und SPD wieder mit Wagen am CSD teilnehmen dürfen, um Homos zu verarschen".

Ein gelungenes Motto, was sehr gut zum CSD passt.


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#8
16.09.2016
11:17:04


(+9, 9 Votes)

Von Dennis
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Antwort zu Kommentar #7 von m123


"Im MDR-Gespräch führte Poggenburg weiter aus, dass, nur weil man nicht in jedem Punkt "Lobbygemeinschaften" folgen könne, etwa "bis zur Homo-Ehe", das nicht bedeute, dass man etwas gegen Homosexualität habe. "Wir gehen auch gegen jeden an und artikulieren uns gegen jeden, der sagt: Das darf es nicht geben. Weil jeder muss das frei entscheiden können."

Das ist die typische Argumentation eines Menschen dessen intellektuellen Fähigkeiten - wie er selbst - beschränkt ist.

Wenn Homosexuelle den Wunsch haben eine Ehe einzugehen oder Kinder zu adoptiren - wir sprechen ja von "gleiche Rechte für alle" - , dann gehört das nun mal zu Homosexualität dazu wie der Arsch den jeder in seiner Hose mit sich herumträgt.

Liebe ist nicht an Bedingungen gebunden.

Diese Haltung die Poggenburg wie Andere aus der AfD zum Ausdruck bringen, sind ein Warnzeichen dafür wie diese Partei - sollte sie jemals an die Macht kommen - mit uns umgehen werden.


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#9
16.09.2016
11:38:18
Via Handy


(+11, 11 Votes)

Von daVinci6667
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Ich habe es extrem satt und überhaupt keine Lust mit intoleranten homophonen ewiggestrigen Neandertalern zu diskutieren. Doch ich fürchte leider, wir können nicht anders und müssen das fortsetzen was wir seit 100 Jahrzehnten tun: Aufklären.

Das will er uns aber verbieten. Er hofft und macht alles damit die neue Jugend rechts, völkisch und natürlich homophob wird. LGBTI-Jugendliche sollen noch viel mehr gemobbt und in den Selbstmord getrieben werden.

Dass unaufgeklärte Kinder viel massiver gefährdet sind Opfer sexuellen Missbrauchs zu werden ist ihm offenbar auch völlig egal. Ich finde das unerträglich.

Was denkt ihr? Glaubt der wirklich was er da sagt, oder versucht er nur den hinterletzten zurückgebliebenen Dorftrottel in seinen Ängsten zu bestätigen und mit solchen "Argumenten" an die Urnen zu locken?

Ich weiss nur eines sicher: Der Typ muss gestoppt werden. Er ist einer von denen vor dem uns früher liebevolle Eltern gewarnt haben. Gelingt es der AfD und erst einmal mundtot zu machen, könne der physische danach folgen. Das ganz im Ernst.

Hut ab vor Olivia Jones!


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#10
16.09.2016
14:37:23


(+10, 10 Votes)

Von Albrecht


Was Kinderseelen schadet, ist der Hass, den die AfD schürt.


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