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Experimentelles Drama "Hara Kiri"

Zwei schwule Skater wollen sterben


August und Beto sind unzertrennlich – dennoch hält sie scheinbar nichts auf dieser Welt (Bild: Edition Salzgeber)

Jetzt neu auf DVD: Henry Alberto begleitet in seinem Spielfilmdebüt "Hara Kiri" den letzten Tag eines jungen Paares vor dem gemeinsamen Selbstmord.

Von Carsten Moll

August und Beto sind zwei Skater aus Santa Monica, die sich treffen und von diesem Moment an unzertrennlich sind. Für die beiden ist allerdings nicht bloß schnell klar, dass sie zusammen gehören, sondern auch dass sie auf dieser Welt nichts hält. Gemeinsam wollen sie sich daher umbringen, am liebsten so, wie es die Samurai getan haben: indem sie sich den Bauch aufschlitzen.

Zuvor ziehen die jungen Männer aber noch einmal durch ihre Heimatstadt. Sie nehmen ihre Henkersmahlzeit in einem Schnellrestaurant ein, besuchen Augusts psychisch labile Mutter und treiben sich mit ihren Kumpels im Skatepark herum. Die mit August verbrachte Zeit lässt Beto schließlich daran zweifeln, ob es nicht doch etwas geben könnte, wofür es sich zu leben lohnt.

Ein filmisches Experiment


Die Edition Salzgeber hat "Hara Kiri" mit deutschen Untertiteln auf DVD veröffentlicht

Gleich im Vorspann bezeichnet der Regisseur und Drehbuchautor Henry Alberto "Hara Kiri" als Experiment und macht damit deutlich, dass er sich mit seinem Drama gezielt nicht an Konventionen halten will. Wacklige Handkameras, der Verzicht auf künstliche Beleuchtung sowie improvisierte Szenen und Dialoge sorgen tatsächlich dafür, dass "Hara Kiri" ästhetisch und dramaturgisch klar von massentauglicheren Spielfilmproduktionen zu unterscheiden ist. Zudem reflektieren die grobe Machart und der nur vage umrissene Plot ganz passend das Seelenleben der zwei Hauptfiguren.

Als wirklich geglückt lässt sich dieses filmische Experiment jedoch trotzdem nicht bezeichnen, zu sehr verlässt sich Alberto auf ein arg gemütliches Verständnis von Avantgarde und Underground. Im Grunde hat man das hier alles nämlich schon längst einmal gesehen, meist allerdings aufregender und subversiver. Dass sich Alberto für sein Debüt an Vorbildern orientiert und auf das nicht mehr ganz taufrische Regelwerk des "Dogma-95"-Manifests zurückgreift, kann man dem Filmemacher sicherlich nicht vorwerfen.

Eitle Posen und ein wenig Schüchternheit

Dass "Hara Kiri" sich in eitlen Posen verliert und nicht erkennt, worin der wirkliche Wagemut seiner filmischen Ahnen liegt, ist hingegen schwer zu verzeihen. Von den gelungenen Provokationen oder der emotionalen Dringlichkeit, wie sie Albertos Vorreitern Larry Clark und Harmony Korine etwa mit "Kids" (1995) gelangen, bleibt das Drama weit entfernt – "Hara Kiri" hat über weite Strecken eher etwas von einem störrischen Teenager als von verstörender Filmkunst.

Seinen mit Abstand interessantesten Moment erlebt der Film daher bezeichnenderweise auch nicht, wenn die Protagonisten in einen Mülleimer pinkeln, die Wände mit Filzstift bemalen oder im Diner mit ihrem Essen herumkleckern.

Es ist eine in der U-Bahn gedrehte Szene, in der ein Passant unwissend Teil der Dreharbeiten wird, als er sich eine Frechheit der Schauspieler nicht gefallen lässt und zurückpöbelt. Die beiden Hauptdarsteller sind zwar sichtlich bemüht, nicht aus der Rolle zu fallen und weiterhin abgeklärt aufzutreten, doch ihre Fassade bröckelt. Die unsicheren Blicke zum Filmteam sowie eine spürbare Schüchternheit sorgen für einen der wenigen bemerkenswerten sowie wahrhaftigen Augenblicke in dieser müden Todesfantasie.

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer

Infos zur DVD

Hara Kiri. Drama. USA 2016. Regie: Henry Alberto. Darsteller: Mojean Aria, Jesse Pimentel, Ruth Connell; Natalie Camunas. Laufzeit: 81 Minuten. Sprache: englische Originalfassung. Untertitel: Deutsch (optional). FSK 16. Edition Salzgeber
Galerie:
Hara Kiri
8 Bilder


#1 Homonklin44Profil
  • 18.09.2016, 19:59hTauroa Point
  • Seltsam schon, ein solches Szenario in eine Skater-Szene zu platzieren. Skateboarder sind gewöhnlich lebensfrohe und aktive Leute, die das Leben genießen und verdammt viel Fun dabei haben.

    Einerseits sollten wir froh sein, dass alternative Filme gemacht werden und Konventionen kein Zwangskorsett für Kunst darstellen müssen.
    Klar, nicht jeder Film kann einen vom Hocker reißen.
    Selber schauen und dann urteilen.
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