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Homosexuellenverfolgung im Nationalsozialismus

Unendlicher Schmerz, unfassbare Scham


Original KZ-Winkel eines Rosa-Winkel-Häftlings: Stefan T. Kosinski wurde mit 17 Jahren von den Nationalsozialisten wegen seiner Homosexualität verhaftet, gefoltert und ins KZ gesteckt (Bild: United States Holocaust Memorial Museum Collection, Gift of Wilhelm A. Kroepfl)

Lutz van Dijk hat unter dem Titel "Endlich den Mut…" die bewegenden Briefe des 2003 gestorbenen ehemaligen Rosa-Winkel-Häftlings Stefan T. Kosinski veröffentlicht.

Von Bodo Niendel

Dieses Buch ist eine Hommage an Stefan T. Kosinski, der als Rosa-Winkel-Häftling das Konzentrationslager Auschwitz überlebte. Die bewegende Geschichte des schwulen Opfers der Nationalsozialisten, inklusive Stefans Liebe zu Willi G. im KZ, wurde von Lutz van Dijk vor 25 Jahren in dem Jugendbuch "Verdammt starke Liebe" dargelegt.

Der Briefe-Band "Endlich den Mut…" zeichnet nun sehr sensibel die Beziehung zwischen Autor und Porträtiertem sowie den überraschenden Erfolg des damaligen Buches nach. Aber noch viel mehr lässt es uns bei Kosinski erkennen, mit welch großer Scham sein öffentliches Auftreten behaftet war und mit welch großem Schmerz die Verfolgung als Homosexueller im Nationalsozialismus nachwirkte.

Kosinskis Briefe sind Zeugnis dessen und sie werden von Lutz van Dijk zurückhaltend kommentiert. Der Rentner wandte sich zuerst an van Dijk, um von ihm Informationen zu möglichen Entschädigungszahlungen zu erhalten. Bereits zuvor hatte er sich mit seinem Anliegen an den damaligen deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl gewandt – ohne Erfolg. Dijk recherchierte und stellte fest, dass es für in Polen lebende homosexuelle NS-Opfer keine Unterstützung von deutschen Behörden gibt.

Aus einer Anfrage entwickelte sich eine Freundschaft


Der Band "Endlich den Mut..." ist im vergangenen Jahr im Berliner Querverlag erschienen

Kosinskis Situation war zu Anfang der Neunzigerjahre prekär, seine Gesundheit war – auch in Folge der Internierung in Auschwitz – angeschlagen, seine Rente klein und die medizinische Versorgung zu dieser Zeit in Polen äußerst schlecht. Dijk und Kosinski entwickelten ein Vertrauensverhältnis, und der Autor bemühte sich um anderweitige Unterstützung.

Zunächst schaffte er Öffentlichkeit mit Artikeln. Kosinski wurde zunächst nur unter Pseudonym genannt, denn er wollte sich vor seiner Familie nicht outen (er war bereits 65 Jahre alt). Dijk besuchte ihn in Warschau, übergab ihm eine Spendensammlung, die zunächst vage Buchidee konkretisierte sich und eine Freundschaft entstand.

Das Buch "Verdammt starke Liebe" wurde ein Erfolg weit über den deutschen Sprachraum hinaus. Die beiden Männer tourten gar gemeinsam auf Lesereise durch die USA, Kosinski wurde Ehrenbürger von Santa Cruz. Man spürt beim Lesen der Briefe nicht nur, dass ein älterer Mann noch einmal aufblühte, sondern ebenso, dass dies vor allem dem aufopferungsvollen Engagement eines wirklichen Menschenrechtsaktivisten zu verdanken war.

Am Ende kühlte sich die Beziehung etwas ab. Auch dies schildert Dijk selbstkritisch. Kosinski war von Selbstzweifeln geplagt, verbrannte alle Dokumente über seine Homosexualität und starb nach schwerer Krankheit im Jahr 2003. Auf Polnisch erschien das Buch über sein Leben nie. Zur geplanten US-amerikanischen Verfilmung kam es nicht mehr.

Jetzt, wo keine bekannten Homosexuellen der nationalsozialistischen Verfolgung mehr leben, ist dieses Buch ein wichtiger Beitrag zum Verstehen und Lernen. Es ist zugleich ein indirektes Plädoyer, wenigstens die in der Nachkriegszeit verfolgten Homosexuellen zu rehabilitieren und zu entschädigen, bevor auch sie versterben.

Direktlink | Lutz van Dijk bei einer Lesung aus dem Buch in Hamburg

Infos zum Buch

Lutz van Dijk (Hrsg.): "Endlich den Mut …". Briefe von Stefan T. Kosinski (1925-2003). Broschiert. 208 Seiten. Querverlag. Berlin 2015. 14,90 € (Ebook 9,99 €). ISBN: 978-3-89656-228


#1 g_kreis_adventProfil
#2 Carsten ACAnonym
#3 TheDad
  • 17.09.2016, 23:46h
  • Antwort auf #1 von g_kreis_advent
  • ""Warum wird Amazon als Buchhändler empfohlen? Besser Prinz Eisenherz oder ein anderer schwuler Buchhändler.""..

    Der Verweis auf Schwule Buchhändler ist mehr als nur gerechtfertigt..
    Danke dafür..

    Aber ein Verweis auf ein "Gedenken" in einer "Kirchengemeinde" ist hier ebenso kritikabel, denn damals haben die "Kirchen" nicht nur bei Schwulen Opfern einfach mal so geschwiegen..

    Und das sollten sie jetzt dazu auch machen..
    Gedenken geht auch ohne diese "Kirchen"..
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#4 Danny387Profil
  • 18.09.2016, 11:31hMannheim
  • Sehr wichtig, solche Bücher!!! Eigentlich sollte so etwas in einem breiter aufgestellten Verlag publiziert werden, finde ich. Denn die Produkte des Querverlags kommen ja kaum in die großen Buchläden. Ob der Herausgeber L. v. Dijk das wohl versucht hat?
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#5 JadugharProfil
  • 18.09.2016, 20:46hHamburg
  • Antwort auf #3 von TheDad
  • Es waren auch alle Kirchen in Deutschland, die sich gegen eine Abschaffung des §175 gestellt haben. Den Kirchen haben wir es zu verdanken, daß dieser Paragraph überhaupt exisitierte. Die protestantische Kirche hat jedoch erst vor Kurzem erkannt, daß sie nicht mehr gegen Schwule hetzen kann, sonst schwinden ihr die Mitglieder! Die HuK ist eine Gesellschaft, die von Schwulen gegründet wurde, damit die Kirche ihre Verbrechen einsieht. Sie leisten für die Kirche Aufklärungsarbeit und nicht umgekehrt!
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#6 TheDad
  • 18.09.2016, 21:30h
  • Antwort auf #5 von Jadughar
  • ""Die HuK ist eine Gesellschaft, die von Schwulen gegründet wurde, damit die Kirche ihre Verbrechen einsieht. Sie leisten für die Kirche Aufklärungsarbeit und nicht umgekehrt!""..

    Wenn die "HUK" diese Arbeit leistet, ist das durchaus anerkennenswert..
    Die "HUK" versteht sich inzwischen ja auch als "Ökumenisch", bezeichnet sich gar manchmal als "über-konfessionell" im Sinne von "nicht nur an eine Kirche gebunden"..

    Ich halte Mitglieder der "HUK" für hilflose Sekten-Opfer, die sich auf Teufel komm raus nicht von der sie indoktrinierenden Organisation trennen wollen und der Idee verfallen sind, sie könnten durch aktives Zugehen auf die Sekten-Führung die Inhalte einer "Abrahamitischen Religion" verändern, gleichsam der Idee, aus "Monsanto" einen Bio-Lebenmittelhersteller zu machen..

    By the Way..
    Der Scheiß-Laden gehört nun "uns"..
    Also Bayer..
    Und damit trägt dann auch "die deutsche Wirtschaft" mindestens an den zukünftigen Auswirkungen Verantwortung, die "Monsanto" auf die Situation der Ernährung der Welt ausübt..

    Was alles nichts daran ändert, das ein Aufruf einer "Kirche" oder "Gemeinde" zu einem "Gedenken für die Opfer" bei mir immer den Eindruck erweckt, die Assoziation auslöst, hier würde gleichsam die "SS" eine "Trauerfeier für ihre Ermordeten" veranstalten..

    Und man kommt um diese Vereinnahmung der Opfer schon nicht mehr herum..

    Wenn etwa am 85. Geburtstag von Anne Frank die "Kirchengemeinde der "Evangelisch-Lutherischen Kirche" in der Gemeinde Bergen-Belsen eine "Gedenkveranstaltung" durchführt, eine "evangelische Kirche" eines jüdischen Mädchens "gedenkt", dann könnt ich nur noch kotzen..

    Schwule Männer als ausgestoßene der Gesellschaft werden von den "Kirchen" die originäre Mitschuld an ihrer Vernichtung im 3.Reich tragen, als "willkommene" Menschen entdeckt, denen es im Rahmen eines "Gottesdienstes" zu gedenken gälte..

    Das hat für mich nichts mit der Übernahme einer Verantwortung zu tun..

    Was kommt als nächstes ?
    Die CDU/CSU stiftet im Rahmen einer Klausur-Tagung über den Umgang mit der Vergangenheit einen "Kurt-Raab-Preis für den Umgang mit HIV+Menschen" ?

    Die "AFD" stiftet ein "internationales Stipendium der Germanistik" für den Zuwanderer des Jahres mit der besten Abiturnote ?

    Diese "Kultur" des White-Washings und Pink-Washing ist unerträglich..
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