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Hessen will Schülern ein "wertschätzendes Verständnis für die Verschiedenheit und Vielfalt der partnerschaftlichen Beziehungen, sexuellen Orientierungen und geschlechtlichen Identitäten" vermitteln

Im schwarz-grün regierten Bundesland ist der neue Lehrplan zur Sexualerziehung in Kraft getreten. Schon Sechs- bis Zehnjährige sollen verpflichtend über homosexuelle Partnerschaften aufgeklärt werden.

Ohne großen Medienwirbel und ohne öffentliche Proteste ist am Freitag ein neuer "Lehrplan zur Sexualerziehung an den allgemeinbildenden und beruflichen Schulen in Hessen" (PDF) in Kraft getreten. Darin wird die "Akzeptanz von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intersexuellen Menschen" erstmals als Unterrichtsziel definiert.

"Ziel der Sexualerziehung ist, Schülerinnen und Schülern ein offenes, diskriminierungsfreies und wertschätzendes Verständnis für die Verschiedenheit und Vielfalt der partnerschaftlichen Beziehungen, sexuellen Orientierungen und geschlechtlichen Identitäten in unserer Gesellschaft zu vermitteln", heißt es in dem neuen Lehrplan.

Und weiter: "Die Sexualerziehung soll überdies die gesellschaftlichen Realitäten berücksichtigen und wertegebunden sein. Gegenstand der Sexualerziehung in Schulen soll die Vermittlung von Wissen über die Existenz unterschiedlicher Partnerschaftsformen und Verständnisse von Familie, sexuellen Orientierungen und geschlechtlichen Identitäten und deren Akzeptanz sein."

Verplichtende Aufklärung schon in der Grundschule

Schüler in der Altersgruppe der Sechs- bis Zehnjährigen werden in Hessen beispielsweise nun verbindlich mit dem Thema gleichgeschlechtliche Partnerschaften konfrontiert. "Unterschiedliche sexuelle Orientierungen und geschlechtliche Identitäten" müssen in der Altersgruppe der Zehn- bis Zwölfjährigen behandelt werden.

Der neue Lehrplan wurde maßgeblich von den Grünen vorangetrieben. Bereits im Koalitionsvertrag hatten sie sich im Dezember 2013 mit der CDU auf eine "bessere Begleitung von jungen Menschen in der immer noch oftmals schwierigen Phase des 'Coming-out' und die stärkere Sensibilisierung für das Thema in Schulen auf Basis der bereits vorhandenen SchLAu-Projekte" verständigt (queer.de berichtete).

Von der hessischen Union gab es keinen Widerstand. "Da nun einmal jeder Mensch nach seinen persönlichen Wertvorstellungen und Orientierungen auch seine Sexualität soll gestalten können, ist es natürlich ein Ziel, dass dies diskriminierungsfrei wechselseitig akzeptiert wird", erklärte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) am Freitag zum neuen Lehrplan in der "hessenschau". "Darüber, glaube ich, muss man nicht streiten."

Während Schüler, Lehrer und auch die Vertreter der Kirchen den neuen Lehrplan unterstützten, wurde er vom Landeselternbeirat allerdings abgelehnt. "Einer der Knackpunkte war letzendlich das Thema Akzeptanz oder Toleranz", erklärte Beiratsmitglied Reiner Pilz. "Der neue Lehrplan fordert Akzeptanz, und das ging einigen Eltern zu weit."

Schwarz-Grün hat sich über diese Bedenken jedoch hinweggesetzt. (mize)



#1 KMBonnProfil
  • 18.09.2016, 15:42hBonn
  • Wenn man bedenkt, wie sich das einstmals tiefschwarzen Hessen eines Manfred Kanther oder Alfons Dregger entwickelt hat, ist das ein netter Fortschritt.
    Ich meine mich zu erinnern (bin mir nicht sicher), dass Hessen noch vor nicht allzu langer Zeit zu den Bundesländern gehörte, die dem Umfeld der Homo-Heiler-Fans finanzielle Unterstützung zukommen ließen.

    Und erstaunlich ist auch, wie geräuschlos das abging. Keine besorgten Eltern, keine AfD.

    Allerdings kann ich mir gut vorstellen, dass die Eltern, denen der Satz "Der neue Lehrplan fordert Akzeptanz, und das ging einigen Eltern zu weit." gewidmet ist, jetzt vielleicht einen Umzug in andere Bundesländer erwägen, vielleicht nach Sachsen-Anhalt, wo die AfD ja mal wieder die angebliche Frühsexualisierung der Kinder aufs Korn nimmt.

    Wenn die AfD wüßte, dass wir hier in NRW mit der Frühsexualisierung der Kinder schon in der Krabbelgruppe beginnen und Merkel nicht nur die Umvolkung, sondern auch die Verschwulung Deutschlands plant ...

    Schlimm!

    hagen-ulrich.de/2016/09/16/afd-und-besorgte-eltern-haben-voe
    llig-recht/
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#2 TheDadProfil
#3 AlexAnonym
  • 18.09.2016, 20:34h

  • Die SPD behauptet ja immer gerne, man könne die CDU nicht zu noch so kleinen Zugeständnissen bewegen.

    Aber die Grünen beweisen immer wieder, dass das durchaus möglich ist. Sogar als kleiner Koalitionspartner mit weniger Stimmen als die SPD. Man muss es nur wirklich wollen...
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#4 seb1983
  • 18.09.2016, 21:13h
  • Jedes mal wenn ich den Bouffier sehe wird mir zwar ganz anders, aber im Hintergrund scheint sich ja dann doch einiges positives zu tun.
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#5 RobinAnonym
  • 19.09.2016, 08:34h
  • Antwort auf #3 von Alex
  • Genau das ist der Unterschied zwischen Grünen und SPD. Während die SPD zwar gerne unsere Stimmen bekommt und deshalb im Wahlkampf viel von Homorechten labert, setzten die Grünen sich wirklich dafür ein.

    Bei der SPD steht schon vor Beginn der Koalitionsverhandlungen fest: wenn der Koalitionspartner Homorechte will, stimmen wir zu und schmücken uns damit. Aber wenn der Koalitionspartner das nicht will, werden wir sofort als erstes darauf verzichten.

    Die Grünen sagen dagegen ganz klar: ohne signifikante Verbesserungen für LGBTI keine Koalition. Punkt. Und dann muss der andere sich entscheiden.

    Aber leider gibt es ja immer noch Leute, die auf die ewig gleichen Tricks der SPD reinfallen.
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#6 Carsten ACAnonym
  • 19.09.2016, 10:07h
  • Antwort auf #3 von Alex
  • Es ist doch nun wirklich nichts neues, dass die SPD lügt und betrügt, wie es ihr gerade in den Kram passt. Da sollte es niemanden verwundern, wenn die SPD behauptet, mit der Union sei keinerlei Fortschritt bei Homorechten zu machen, obwohl die Grünen ein ums andere mal das Gegenteil beweisen.

    Der Unterschied ist, dass die Grünen das wirklich aus inhaltlicher Überzeugung wollen und deswegen auch darauf bestehen, während das Thema für die SPD nur zur Generierung von Wählerstimmen dient und nach der Wahl bietet man dann an, für einen Ministersessel mehr auf Homorechte zu verzichten und keine unbequemen Forderungen zu stellen.
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#7 Cygnus2015Profil
  • 19.09.2016, 11:45hNähe Stuttgart
  • Bislang noch keine Reaktion bei der "Demo für alle". Ist das die Ruhe vor dem Sturm?
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#8 Shinkaishi
  • 19.09.2016, 12:18h

  • "Darüber, glaube ich, muss man nicht streiten."

    Das sollte eigentlich der abschließende Komentar zu allen Aspekten der Gleichberechtigung und Berücksichtigung sein.

    Wenn inzwiwchen auch die christlichen Parteien Lehrpläne mitgestaltwn können, die rational und sensibel mit dem Thema Homosexualität umgehen und beitragen, Jugendlichen zu helfen, dann sieht doch zumindest die Zukunft recht gut aus.

    Wenn dann endlich die Unterschiede bei Ehe und Adoption ganz fallen (die latente Restdiskriminierung ist doch eh ein ziemlich erbärmlicher Versuch, ja noch ein paar Steine in den Weg zu legen), werden wir vielleicht bald gar keine spezielle Interessenpolitik mehr brauchen, und das wäre ein wirklich schönes Zeichen des Erreichten, auch wenn es Anfeindungen wohl noch eine ganze Weile geben wird...
    Immerhin hat es auch ziemlich lange gedauert, bis sich Konfessionskonflikte und Resentiments in Deutschland abgebaut haben.
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#9 AlbrechtAnonym
  • 19.09.2016, 14:08h
  • Wir halten fest: unter Schwarz-Rot gibt es keine Fortschritte.

    Sobald die Grünen mit im Boot sind, bewegt sich was - egal mit wem die Grünen koalieren.

    Die Sache scheint mir doch mehr als eindeutig und evident.
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#10 SebiAnonym
  • 19.09.2016, 18:17h
  • Antwort auf #9 von Albrecht
  • Vor allem sieht man immer wieder:
    Wenn die Grünen im Bund oder den Ländern mitregieren, gibt es immer Homo-Fortschritte. Sind die Grünen nicht in der Regierung, gibt es auch keine Fortschritte.

    Und die SPD dreht ihr Fähnlein nach dem Winde und macht immer nur das, was die Union verlangt.
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