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  • 22.09.2016, 16:48h           3      Teilen:   |

Regierung plant "Alan-Turing-Gesetz"

Auch Großbritannien will Opfer von Schwulenverfolgung rehabilitieren

Artikelbild
Das neue Gesetz soll nach dem schwulen Mathematiker Alan Turing benannt werden

Bis 1982 wurden in Teilen des Königreichs Homosexuelle verfolgt. Diese Verurteilungen sollen jetzt aufgehoben werden.

Die konservative britische Regierung von Premierministerin Theresa May will nach Informationen der Tageszeitung "The Independent" posthum die Verurteilungen aufgrund von Homosexualität aufheben. In England und Wales war männliche Homosexualität bis 1967 verboten, in Schottland bis 1980 und in Nordirland bis 1982.

Laut einem Regierungssprecher soll der Gesetzentwurf eine "posthume Begnadigung für Menschen mit bestimmten historischen Verurteilungen wegen Sexualstraftaten" beinhalten. Man werde diesen "zu gegebener Zeit" ins Parlament einbringen.

Seit 2012 können noch lebende Opfer der Schwulenverfolgung in Großbritannien bereits die Aufhebung ihres Urteils beantragen. Diesem Antrag wird in der Regel stattgegeben, wenn Homosexualität der einzige Strafvorwurf gewesen war. Eine Entschädigung wegen der Strafverfolgung gibt es allerdings nicht (queer.de berichtete).

Das neue Gesetz soll den Namen "Alan Turing Law" erhalten. Turing war ein schwule Mathematiker, der während des Zweiten Weltkriegs eine Maschine zur Entschlüsselung deutscher Funksprüche entwickelt hatte, die nach Ansicht von Experten den Krieg verkürzte. Trotz dieser Heldentat wurde er 1952 wegen "grober Unzucht und sexueller Perversion" verurteilt, musste sich einer "chemischen Kastration" unterziehen und beging kurze Zeit später Selbstmord. 2013 wurde er von Königin Elisabeth II. begnadigt (queer.de berichtete). Von seinem Leben handelt der Film "The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben" mit Benedict Cumberbatch in der Hauptrolle.

Die deutsche Bundesregierung plant, noch in diesem Jahr ein Gesetz zur Rehabilitierung von Opfern des Paragrafen 175 zu beschließen (queer.de berichtete). (dk)

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Tags: alan turing, großbritannien, rehabilitierung
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Reaktionen zu "Auch Großbritannien will Opfer von Schwulenverfolgung rehabilitieren"


 3 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
23.09.2016
19:59:46


(+1, 3 Votes)

Von ollinaie
Aus Seligenstadt (Hessen)
Mitglied seit 23.08.2012


Ich weiß nicht, ob das nur ein Übersetzungsproblem ist aber:

Rehabilitation und Begnadigung ist ein fundamentaler Unterschied!

Auf "Gottes" Gnaden, Queen's oder Merkels würde ich als Betroffener sch****n!

Hier geht es um Korrektur falschen Rechts, nicht um freundliche Gesten. Sollte das britische Rechtssysthem die "Aufhebung von Unrechtsparagraphen" mit entsprechender Wirkung auf die zu unrecht Verurteilten in dieser Form nicht kennen, dann muss da nachgebessert werden!


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#2
23.09.2016
23:19:06


(+2, 2 Votes)

Von Gayofjustice
Antwort zu Kommentar #1 von ollinaie


Ich bin gerade auf der Seite des "Independent" und da steht der Satz

"This government is committed to introducing posthumous pardons for people with certain historical sexual offence convictions who would be innocent of any crime now".

Das englische Wort "Pardons" bedeutet übersetzt "Verzeihung, Begnadigung, Vergebung".

Auf Wikipedia steht zum Begriff "Begnadigung" im Vereinigten Königreich: "Das Begnadigungsrecht steht theoretisch der Königin im Rahmen ihrer Prärogative zu; gemäß allgemeiner Verfassungskonvention handelt die Monarchin ausschließlich auf ministeriellen Rat hin. In der Praxis übt das Begnadigungsrecht der Innenminister im Namen der Krone aus. Im Fall Reg. v. Secretary of State for the Home Department, ex p Bentley [1994] QB 349 entschied die Queen's Bench Division des Hohen Gerichts entgegen früherer Auffassung, dass das Begnadigungsrecht, obwohl dem Minister ein weiter Ermessensspielraum zustehe, grundsätzlich justiziabel sei."

Warten wir den Gesetzentwurf ab!


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#3
24.09.2016
00:17:06


(+3, 3 Votes)

Von ollinaie
Aus Seligenstadt (Hessen)
Mitglied seit 23.08.2012
Antwort zu Kommentar #2 von Gayofjustice


Für die deutschen Begriffe gilt:

Auf Rehabilitierung hat mensch einen Anspruch, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind.

Eine "Gnade" ist ein Geschenk, das mensch von einer "höhergestellten" Person, historisch nach deren belieben, erhält, oder auch nicht.

Der Umstand, dass auf Grund des nicht mehr vorhandenen Absolutismus der Krone ein KönigIn oder (Bundes)PräsidentIn gesetzlich gezwungen werden kann diese Gnade auszugeben ändert nichts an der intrinsischen Eigenschaft von "Gnade" an sich.

Mir egal, ob der Monarch das Geschenk freiwillig herausrückt, oder ob ich ihn darauf verklagen kann.

Nich "Dankeschön, liebe Exzellenz " sondern "Das wird aber verdammt nochmal auch Zeit"!


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