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  • 25.09.2016, 09:48h           8      Teilen:   |

Menschen in der LGBTI-Bewegung

Jetzt redet die Homolobby!

Artikelbild
Die vier inspirierendsten von insgesamt 35 Interviewpartnern (v.l.n.r.): Constance Ohms, Manfred Bruns, Christian Schenk und Lutz van Dijk

Für ihr spannendes Buch "Es gibt noch viel zu tun…" hat Ariane Rüdiger bekannte und weniger bekannte Szeneaktivisten interviewt.

Von Bodo Niendel

Der Interviewband "Es gibt noch viel zu tun…", im Frühjahr im Berliner Querverlag erschienen, versammelt bekannte und weniger bekannte queere Szeneaktivisten. Unermüdliche, skurrile und höchst spannende Menschen hat Ariane Rüdiger interviewt. Herausragend waren für mich die Gespräche mit Constance Ohms, Manfred Bruns, Christian Schenk und Lutz van Dijk.

Constance Ohms arbeitet zu Gewaltverhältnissen in lesbischen Beziehungen. Sie beschreibt, wie ihre Arbeit zunächst von vielen Frauen als Nestbeschmutzung angesehen wurde und wie sich erst durch ihr beharrliches Engagement die Erkenntnis durchsetzte, dass diese Arbeit notwendig ist. Denn gerade die Tabuisierung dieser Gewaltverhältnisse lässt den Opfern keinen Raum, über das Erlebte zu sprechen und die Gewaltspirale zu durchbrechen.

Manfred Bruns war Bundesanwalt und hat sich während seiner Berufslaufbahn in den Achtzigerjahren geoutet und hierbei Repressalien erlebt. Er brachte sich aktiv in die Gründungsphase des LSVD ein und war maßgeblich beteiligt an der Einführung des Lebenspartnerschaftsgesetzes. Die Hintergründe der Durchsetzung der "Homoehe" lesen sich wie ein Krimi: kleine Intrigen, geschickte Rochaden und zähes Ringen. Spannend beleuchtet.

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Die hart arbeitenden Pioniere von der Basis

Ariane Rüdigers Interviewband ist im Berliner Querverlag erschienen
Ariane Rüdigers Interviewband ist im Berliner Querverlag erschienen

Christian Schenk hieß früher Christina Schenk; war lesbische Aktivistin und für die Grünen, später für die PDS, im Deutschen Bundestag. Er engagierte sich bereits in der DDR für lesbische Sichtbarkeit und erzielte dabei einige heute schon vergessene kleine Erfolge. Dann lässt er uns einen Blick hinter die Kulissen des Politikbetriebes werfen. Sein Engagement für queere Themen innerhalb des Bundestags war Schwerstarbeit, sowohl im Parlament und der Öffentlichkeit als auch innerhalb der Grünen und der PDS. Später beschloss er sein Geschlecht seiner Geschlechtsidentität anzugleichen und verband dies ebenfalls mit einem öffentlichen und juristischen Kampf für Transrechte.

Lutz van Dijk lebt und arbeitet in Südafrika und engagiert sich in der HIV-Prävention und für HIV-positive Kinder. Er schrieb Jugendbücher zum Coming-out und brachte den ersten Interviewband mit im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen heraus. Lutz van Dijk ist ein Mensch, der für Menschenrechte einsteht, auch wenn ihm der Gegenwind hart durch das Gesicht pfeift. Seine Bücher beeindrucken und seine Lesereisen, die ihn häufig nach Deutschland und die Niederlande führen, sind ein nachhaltiger Kampf, der gerade junge Menschen ermutigt. Sein Fazit: "Sorgen macht mir die zunehmende Kluft zwischen Arm und Reich […]. Hoffnung macht mir, dass heute Dinge verhandelbar geworden sind, von denen das vor ein paar Jahrzehnen wohl niemand gedacht hätte."

Diese Interviews sind Perlen. Die München-Zentriertheit der Auswahl erfrischt durchaus; stehen doch sonst meist nur Aktivisten aus Köln oder Berlin im Fokus. Wir erfahren, dass in den letzten drei Jahrzehnten in Ost wie West enorm viel erreicht wurde und durch zähes und beharrliches Engagement gerade in den mikropolitischen Feldern vieles in Bewegung geriet. Das Interview mit dem Gründer eines schwulen Schuhplattler-Vereins ist hierfür ein gutes Beispiel.

Wir erfahren ebenfalls, dass es auf dem Land nach wie vor schwer ist – aber wenn Mensch beharrlich ist, lässt sich doch etwas bewegen. Leider plätschern einige Interviews so vor sich hin, und ein paar mehr kritische Nachfragen hätten dem Buch gut getan. Auch fehlen mir deutlich mehr Fragen zu einem möglichen Rollback.

Dennoch ist "Es gibt noch viel zu tun…" ein Buch, welches den Ist-Zustand der queeren Szene in Deutschland in einem guten Querschnitt beleuchtet. Der 272 Seiten starke Band ist – mit kleinen Abstrichen, aber gerade wenn man die Perlen gründlich liest – eine erhellende und ermutigende Lekture nicht nur für Aktivisten.

  Infos zum Buch
Ariane Rüdiger: "Es gibt noch viel zu tun…" Macher und Macherinnen
der LGBTIQ-Bewegung. Broschiert. 272 Seiten. Querverlag. Berlin 2016. 16,80 €. ISBN 978-3-89656-243-2
Links zum Thema:
» Mehr Infos zum Buch und Bestellmöglichkeit bei Amazon
» Leseprobe als PDF
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Tags: szeneaktivsten, constance ohms, manfred bruns, christian schenk, lutz van dijk, ariane rüdiger, querverlag, homolobby
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Reaktionen zu "Jetzt redet die Homolobby!"


 8 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
25.09.2016
11:31:17


(+7, 9 Votes)

Von Felix


Die dort Interviewten tun im Hintergrund mehr für uns, als so mancher Politiker, der /die gerne davon redet und in jede Kamera grinst, aber kaum etwas wirklich tut.


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#2
25.09.2016
11:31:51


(+6, 6 Votes)

Von UrsaMajor


Noch ein im Querverlag neu erschienenes Buch - ebenfalls mit bekannten und weniger bekannten Szeneaktivist_innen:

Link zu www.querverlag.de

Dazu eine Empfehlung des zaunfinken:

Link:
derzaunfink.wordpress.com/2016/09/21/selbsthass-un
d-emanzipation/


***

Die Buchvorstellungs-Premiere in Berlin war vor 3 Tagen. Weitere Termine mit der Herausgeberin Patsy lAmour laLove:

20.10.2016, Leipzig, RosaLinde

24.10.2016, Göttingen, LesBiSchwule KULTURTAGE

27.10.2016, Berlin, 20.30 Uhr, Prinz Eisenherz Buchladen
mit Elsa laDiva (Elmar Kraushaar) und seiner Neuerscheinung Störenfried

01.11.2016, Stuttgart, 18 Uhr, Weissenburg Zentrum

02.11.2016, Tübingen, 20 Uhr, Café Achtbar im Frauenprojektehaus

09.11.2016, Bonn, 18 Uhr, Schwulenreferat der Universität Bonn

15.11.2016, Mainz, 18 Uhr, Schwulenreferat der Universität Mainz

28.11.2016, Marburg, 20 Uhr, Autonomes Schwulenreferat im AStA Marburg

29.11.2016, Oldenburg, Autonomes Schwulenreferat der Uni Oldenburg


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#3
25.09.2016
11:43:02


(-8, 8 Votes)

Von m123
Antwort zu Kommentar #1 von Felix


Was denn zum Beispiel? Massendemos effizient organisieren? Klagen auf Eheöffnung unterstützen? Nö. tun sie nicht.


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#4
25.09.2016
12:01:07
Via Handy


(+1, 9 Votes)

Von ehemaligem User Hannibal
Antwort zu Kommentar #1 von Felix


Manfred Bruns hat tatsächlich neben Herrn Dannecker den grössten Beitrag zur Gaylib geleistet. Leider sind solche Leute unersetzlich. Der heutige LSVD und Selbstbeweihräucherungsvereine wie EiE, leisten der sogenannten Community nur noch Bärendienste.


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#5
25.09.2016
12:05:49


(+9, 9 Votes)

Von UrsaMajor
Antwort zu Kommentar #3 von m123


Schätzelein, wenn das so sehr Dein Herzensding ist, dann mach' DU das, statt hier immer nur rumzupöbeln.

Aber hör' gefälligst damit auf, die Arbeit Anderer in den Schmutz zu ziehen.


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#6
25.09.2016
13:23:50


(+5, 5 Votes)

Von Machtwort
Antwort zu Kommentar #3 von m123


Manfred Bruns ist für mich und für die Community ein VORBILD! Was der Mann schon erlebt und auch geleistet hat verdient Respekt und Anerkennung! Diese Leistung hast DU keinesfalls erbracht! Er ist zurecht mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet worden und viele Politiker sollten sich mal eine Scheibe von Herrn Bruns abschneiden!


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#7
25.09.2016
22:30:30


(+6, 6 Votes)

Von Machtwort
Antwort zu Kommentar #5 von UrsaMajor


Ich stimme Deinen Ausführungen absolut zu und habe mich auch noch einmal selber geäußert. Er sieht das Glas weiterhin halbleer statt -voll und leider werden wir das niemals ändern können!


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#8
26.09.2016
18:00:24


(+5, 5 Votes)

Von Miguel53de
Aus Wuppertal (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 23.07.2012
Antwort zu Kommentar #3 von m123


Aber Du, Du tust das. Und ganz aktiv, effektiv, erfolgreich.

Schade nur, dass niemand davon berichtet und dass Dich niemand fuer das Buch darueber befragt hat.

Hoch lebe der egozentrische Sesselpuper.


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