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Die AfD setzt in diesem Motiv mit dem hessischen Landesvorstand Albrecht Glaser mal wieder Aufklärung über sexuelle Vielfalt mit Kindesmissbrauch gleich

Auch in Hessen macht die rechte Partei Stimmung gegen eine Schaulaufklärung über sexuelle Vielfalt – und ruft zur Teilnahme an der "Demo für alle" auf.

Von Norbert Blech

Die Pläne der schwarz-grünen Landesregierung Hessens zu einer behutsamen Modernisierung des Sexualkundeunterrichts sorgen weiter für eine größtenteils inszenierte Empörung in rechten und christlich-fundamentalistischen Kreisen. Sie stören sich vor allem daran, dass die "Akzeptanz von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intersexuellen Menschen" erstmals als Unterrichtsziel definiert wird (queer.de berichtete).

Nach der "Demo für alle" hat sich Ende der letzten Woche auch die AfD in den Kampf eingeschaltet: "Mit diesem Vorgehen verstößt das Kultusministerium auf eklatante Weise nicht nur gegen die ihm obliegende Neutralitäts- und Zurückhaltungspflicht, sondern ebenso gegen das Indoktrinationsverbot, wenn bereits Grundschulkindern vielfältige sexuelle Verhaltensweisen vermittelt und etwa die Heterosexualität, insbesondere in ihrer ethischen Dimension, relativiert wird", meint Albrecht Glaser, Sprecher des AfD-Landesverbandes Hessen, in einer Pressemitteilung unter der Überschrift "Die Hessische Landesregierung vergreift sich an unseren Kindern".

Glaser behauptet weiter, es solle "in 'fächerübergreifendem Unterricht Einfluss genommen werden' auf 'die Sexualität von Kindern und Jugendlichen bzw. deren Sexualverhalten'", und tut dabei so, als zitiere er eine entsprechende Richtlinie und als sei eine solche Einflussmöglichkeit möglich. In Wirklichkeit spricht das Papier (PDF) davon, "Zurückhaltung zu wahren (…) und jede einseitige Beeinflussung zu vermeiden". Ziel sei, "ein offenes, diskriminierungsfreies und wertschätzendes Verständnis für die Verschiedenheit und Vielfalt der partnerschaftlichen Beziehungen, sexuellen Orientierungen und geschlechtlichen Identitäten in unserer Gesellschaft zu vermitteln" und ein akzeptierendes Schulklima für alle Schüler zu schaffen.

AfD-Lob für "Demo für alle"

Während in sozialen Netzwerken in diesen Tagen eine Satiremeldung kursiert, die AfD-Europapolitikerin Beatrix von Storch habe ein Kondomverbot gefordert, beklagt Glaser in seiner Pressemitteilung immerhin Aufklärung über Verhütungsmöglichkeiten: "Statt mit Mathematik und Deutsch verbringen unsere Schulkinder kostbare Zeit mit dem Erlernen von Sexualpraktiken, insbesondere dem Kenntniserwerb zur Verhinderung von deren biologischen Folgen".

Gegen die Aufklärung über sexuelle Vielfalt bringt Glaser noch "Rechtsgutachten von renommierten Verfassungsjuristen" ins Spiel, "welche diese Übergriffe in die Elternrechte und die Persönlichkeitsrechte der Kinder für verfassungswidrig halten". Er bezieht sich damit offenbar auf ein absurdes, von der "Demo für alle" verbreitetes Gefälligkeitsgutachten, wonach es ein Verstoß gegen die Neutralitätspflicht des Staates sei, "Heterosexualität und andere sexuelle Orientierungen als gleichwertige Erscheinungsformen menschlicher Sexualität" darzustellen (queer.de berichtete).


AfD-Plakat bei einer "Demo für alle" in Stuttgart, Bild: gk

Glaser behauptet noch, eine entsprechende Erziehung sei "in Baden-Württemberg und Bayern vorerst verhindert worden", und lobt dafür die "Demo für alle", die inzwischen auch eine Demonstration vor dem Wiesbadener Landtag angekündigt hat. "Solche Aktivitäten werden von der AfD begrüßt und breit unterstützt werden", so Glaser. "In Baden-Württemberg hatte dieser Widerstand von Eltern und verantwortungsbereiten Bürgern das Inkrafttreten des neuen Bildungsplanes verhindert und eine Überarbeitung erzwungen."

Rechte Mobilisierung zur "Demo für alle"

Die "Demo für alle" war als Protestbewegung lange vom CDU-Mitglied Hedwig von Beverfoerde aus dem Büro der AfD-Europaabgeordneten Beatrix von Storch heraus organisiert worden, an den Protesten in Stuttgart und Hannover nahmen immer wieder AfD-Politiker teil. In der letzten Woche hatte das inzwischen offiziell eigenständige Bündnis eine erste Kundgebung in der hessischen Landeshauptstadt angekündigt: Am 30. Oktober will man in Wiesbaden demonstrieren gegen einen "radikalen Sexualerziehungs-Lehrplan", der "Kindergefühle und Elternrechte mit Füßen tritt" (queer.de berichtete).

Der AfD-Ortsverband Main Taunus Ost hat inzwischen bei Facebook eine eigene Veranstaltung angelegt, mit der Parteimitglieder zur Teilnahme an der "Demo für alle" aufgerufen werden: "Der Missbrauch von Kinderseelen kommt nun auch in die hessischen Schulen" heißt es in der Einladung zur Veranstaltung "Hessischen Bildungsplan stoppen! AfD gegen Gender-Gaga!"



Sie wurde in den sozialen Netzwerken nicht nur geteilt von der jeder homophoben Propaganda folgenden Gruppe der "Homosexuellen in der AfD", sondern auch von der "Jungen Alternative": "Nein zur Frühsexualisierung" heißt ein eigenes Motiv des Parteinachwuchses.



Der JA-Vorstands-Beisitzer Patrick Andreas Bauer, der für die Partei im Kreistag des Main-Taunus-Kreises und im Bad Sodener Stadtparlament sitzt, postete zu der Veranstaltung auch ein Bild, das Schulaufklärung über sexuelle Vielfalt mit Kindesmissbrauch in Verbindung setzt. Er soll laut einem Bericht der Frankfurter Rundschau Kontakte zur AfD-nahen, vom Verfassungsschutz beobachteten "Identitären Bewegung" haben. Mitglieder des rechtsextremen Gruppierung hatten mit Transparenten wie "Gender-Terror raus aus den Köpfen" und "Die Familie ist unsere Identität" an früheren "Demos für alle" in Stuttgart teilgenommen.

Zuletzt hatte die AfD in mehreren Bundesländern immer lautstärker gegen Pläne zur Berücksichtigung sexueller Vielfalt im Unterricht mobilisiert und polemisiert. Auch in Verweis auf Hessen hatte Björn Höcke erst am Wochenende einen Kampf gegen den "perversen Zeitgeist" angekündigt: "Das kann doch kein Erziehungsziel einer Schule sein, die Kinder dazu zu zwingen, diese sexuelle Andersartigkeit, die in vielen Fällen sexuelle Perversität bedeutet, nicht nur zu tolerieren, sondern positiv zu finden", so der Landes- und Fraktionsvorsitzender der AfD in Thüringen, der vor der Politik-Karriere als Lehrer in Hessen arbeitete (queer.de berichtete).

Wöchentliche Umfrage

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    Ergebnis der Umfrage vom 26.09.2016 bis 03.10.2016


#1 genau hinhörenAnonym
  • 26.09.2016, 17:08h
  • Bitte Albrecht Glaser erläutern lassen, was er mit der 'ethischen Dimension von Heterosexualität' im Detail meint. Sobald er bei seinem Erklärungsversuch Homosexualität als unethisch darstellt, Anzeige erstatten wegen Volksverhetzung.
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#2 FelixAnonym
  • 26.09.2016, 17:11h
  • Nur weil man die Realität darstellt (was Aufgabe von Schulen ist) und zeigt, was es neben Heterosexualität noch so alles gibt, heißt das nicht, dass man Heterosexualität relativiert.
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#3 AlexAnonym
  • 26.09.2016, 17:18h

  • Warum will die AfD wohl Schüler dumm halten?!

    Die sind auf dumme Menschen angewiesen, die auf deren Populismus und Faktenverdrehungen reinfallen...
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#4 userer
  • 26.09.2016, 17:20h
  • In der jüngsten Sonntagsfrage wird die AfD deutschlandweit drittstärkste Partei mit 14 %.
    www.wahlrecht.de/umfragen/index.htm

    Es ist eine Minute vor zwölf, allerhöchste Zeit, dass sich die demokratischen Institutionen dieses Landes ernsthaft mit der Partei auseinandersetzen und deutlich machen, dass sie außerhalb unserer Rechtsordnung steht. Wenn das gelingt, kann das Schamgefühl der Protestwähler noch aktiviert werden.

    Je länger diese Partei hingenommen wird wie ein Sommergewitter, desto stärker wird sich ihr rechtsextremes Gedankengut in den Köpfen festsetzen.
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#5 wefsdvnio9Anonym
#6 BildungAnonym
  • 26.09.2016, 17:29h
  • Homo- und transphobes Mobbing ist Alltag an deutschen Schulen. Die Selbstmordrate ist bei GLBTI-Jugendlichen 5-7 x höher als bei ihren heterosexuellen Altersgenossen. Ist das der AfD völlig egal?

    Schon an Grundschulen ist "schwul" das häufigste Schimpfwort. Sollten die Schüler dann nicht altersgerecht und pädagogisch begleitet erfahren, was das überhaupt heißt?

    Und auch Hetero-Jugendliche gehen leichter durchs Leben und haben es z.B. auch im Beruf einfacher, wenn sie nicht komplett von Hass zerfressen sind.

    Wer Schülerinnen und Schülern was Gutes tun will, blockiert nicht Aufklärung.

    Wer Aufklärung blockiert, dem geht es in Wahrheit gar nicht um die Kinder und Jugendlichen, sondern der missbraucht sie um ganz andere Interessen durchzusetzen. Weil die genau wissen, dass Kinder sehr stark emotionalisieren und dass viele dann nicht mehr nachdenken, ob die Behauptungen überhaupt stimmen.
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#7 WissenschaftAnonym
  • 26.09.2016, 17:33h
  • Antwort auf #6 von Bildung
  • Die Selbstmordrate ist bei GLBTI-Jugendlichen 5-7 x höher als bei ihren heterosexuellen Altersgenossen. Ist das der AfD völlig egal?

    ------> Nein, im Gegenteil, das findet die AfD gut.
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#8 2trhfAnonym
  • 26.09.2016, 17:34h
  • Ich möchte die queer.de-Redaktion darauf hinweisen, dass die DEMO FÜR ALLE finanziell, organisatorisch und inhaltlich von der AfD unterstützt wird.

    Dabei versucht die AfD ihre direkte Unterstützung der DEMO FÜR ALLE über die Zwischeneinrichtung namens "Initiative Familienschutz" zu vertuschen.

    Den Zusammenhang erkennt man durch einen Blick ins Impressum der Initiative Familienschutz, bei dem der Name einer bekannten AfD-Politikerin, bzw. zum Zweck der Vertuschung der Name ihres Ehemanns auftaucht.

    Dass die AfD also die DEMO FÜR ALLE lobt, ist quasi Selbstlob. Umgekehrt wird auf der DEMO FÜR ALLE nicht nur gegen sexuelle Minderheiten gehetzt, sondern auch subtil Wahlkampf für die AfD betrieben. Die Parolen auf der DEMO FÜR ALLE sind an das Programm der AfD textlich und rhetorisch angepasst.
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#9 Julian SAnonym
  • 26.09.2016, 17:36h
  • Diese Mischung aus ungebildeten Ewiggestrigen, religiösen Fanatikern und vom Hass zerfressenen Faschisten ist unerträglich und überzieht das Land immer mehr mit ihrem Hass.

    Aber auch die restliche Politik (insbesondere unsere Bundesregierung) hat Mitschuld an deren Aufstieg:
    würde man unsere Gleichstellung, Bildungspläne, etc. sehr schnell umsetzen, würde man denen den Wind aus den Segeln nehmen, weil die Mehrheit der vernünftigen Bürger dann sehen würde, dass all diese Horror-Szenarien, die da entworfen werden, NICHTS mit der Realität zu tun haben, sondern nur der kranken Phantasie einer schrillen Minderheit entspricht.

    Aber indem man da immer wieder verzögert, verschiebt, abschwächt, etc. erzeugt man erst das Bild, dass es da um irgendwas Schlimmes gehe, das man den Leuten nicht zumuten kann. Und dadurch schafft man erst den Raum, das andere irgendwelche Horror-Märchen darüber erfinden, die sich dann im Laufe der Zeit verselbständigen.

    Würde man rechtliche Gleichstellung, Bildungspläne, etc. viel schneller umsetzen, würden all diese Lügenblasen schnell zerplatzen und die Bürger würden sehen, wie sinnvoll und positiv das alles ist - für die gesamte Gesellschaft.

    Parteien wie CDU, CSU, SPD und FDP machen die AfD und deren Gesinnung erst stark.
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#10 JasperAnonym
  • 26.09.2016, 17:46h
  • Im Land des rosa Winkels marschieren sie schon wieder...

    Wie sagte mein früherer Nachbar immer: "So hat es damals auch angefangen."

    Und genau wie damals setzt man auf dieselben massenpsychologischen Tricks: geschickt formulierte Lügen, Faktenverdrehungen, implizite Unterstellungen, in Frageform formulierte Lügen, etc.

    Ein Beispiel von vielen:
    auf diesem einen Plakat schreiben die: "Simple Wahrheit: Mann und Frau sind verschieden." Damit unterstellen sie implizit, das irgendwer das Gegenteil behaupten würde. Niemand bestreitet, dass Mann und Frau verschieden sind, da genügt alleine schon ein Blick auf die Genitalien. Es geht nur darum, dass es eben auch noch einiges dazwischen gibt, dass es auch Fälle gibt, wo es eben nicht so eindeutig ist (Intersexualität) und dass es eben auch Fälle gibt, wo das biologische Geschlecht nicht mit dem psychologischen Geschlecht übereinstimmt (Transsexualität). All das kann es überhaupt nur geben, weil man eben einen Unterschied bei Mann und Frau sieht. Würde man das nicht anerkennen, gäbe es ja z.B. keine Transsexualität.

    Und garniert wird das Ganze mit Kindern - Kinder und Tiere geht immer, wenn man Leute mobilisieren will.
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