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  • 26.09.2016, 18:20h           6      Teilen:   |

Interview mit den Initiatoren

Hirschfeld-Briefmarke: Schäuble hat das letzte Wort

Artikelbild
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat das letzte Wort darüber, welche Sonderbriefmarken in Deutschland erscheinen – ein Programmbeirat trifft am 11. Oktober die Vorauswahl für das Jahr 2018 (Bild: Ilja C. Hendel)

Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld und die Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft kämpfen gemeinsam für Deutschlands erste queere Briefmarke.

Von Micha Schulze

Am 11. Oktober tagt im Berliner Finanzministerium der Programmbeirat, der die Sonderbriefmarken für das Jahr 2018 festlegen soll. In den Unterlagen der Mitglieder befindet sich auch ein gemeinsamer Antrag der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld und der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, den Namenspatron, Sexualwissenschaftler und Mitbegründer der ersten deutschen Homosexuellenbewegung zu ehren. Der Anlass: In zwei Jahren jährt sich Hirschfelds Geburtstag zum 150. Mal.

Jährlich gibt es rund 500 Einsendungen für Sondermarken, doch nur 50 haben die Chance, auch verwirklicht zu werden. Das letzte Wort hat dabei Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Anders als in den USA oder Schweden, wurde in Deutschland der Einsatz für LGBTI-Rechte bislang noch nie mit einer Briefmarke gewürdigt.

Im Interview mit queer.de erklären Jörg Litwinschuh, der geschäftsführende Vorstand der Hirschfeld-Stiftung, und Ralf Dose, Geschäftsführer der Hirschfeld-Gesellschaft, wie es zu der Initiative kam und wie man sie unterstützen kann.

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Warum gibt es eigentlich noch keine Briefmarke für Magnus Hirschfeld?

Ralf Dose: Im Jahr 1995 gab es schon einmal einen Anlauf für 1997 zum 100. Jahrestag der Gründung des wissenschaftlich-humanitären Komitees, damals initiiert vom Verein Homosexuelle und Kirche. Warum der Antrag nicht angenommen wurde, muss man die Herrschaften von der Post und dem Bundesfinanzministerium fragen.

Jörg Litwinschuh: Vielleicht war die Zeit noch nicht reif, das ist schwer einzuschätzen. Sonderbriefmarken sind zudem sehr begehrt. Man konkurriert bei nur 50 Marken im Jahr mit vielen anderen wichtigen Personen der Zeitgeschichte. Durch unsere Stiftung ist Magnus Hirschfeld jetzt in der Politik deutlich bekannter, und anders als 1995 haben wir auch viele Unterstützer außerhalb der Community gefunden. Ob die Briefmarke diesmal durchgeht, wissen wir nicht. Wir haben einen Antrag eingereicht, und die Auswahlkommission hält sich natürlich bedeckt.

Ralf Dose: Einfacher sind Sonderstempel zu bekommen. Zur Jahrestagung des Fachverbands Homosexualität und Geschichte gab es letztes Jahr erstmals einen Sonderstempel für Magnus Hirschfeld. In diesem Jahr wird Johanna Elberskirchen auf diese Weise geehrt.


Jörg Litwinschuh und Ralf Dose in den Räumen der Hirschfeld-Stiftung (Bild: Micha Schulze)


Wer ist denn bislang als Unterstützer dabei?

Jörg Litwinschuh: Wir freuen uns sehr, dass Bundesjustizminister Heiko Maas in dieser Frage seinen Kollegen Wolfgang Schäuble um Unterstützung gebeten hat. Auch Ministerpräsident Bodo Ramelow, der Schirmherr unserer Hirschfeld-Tage im Herbst für Thüringen ist, hat ein Unterstützungsschreiben geschickt, ebenso der Rabbiner und Hochschullehrer Professor Walter Homolka. Auch der Marburger Bund sprach sich auf seiner Hauptversammlung dafür aus, den Arzt Hirschfeld mit einer Briefmarke zu ehren.

Wie schätzt ihr die Chancen ein?

Jörg Litwinschuh: In den Vorgesprächen hat man uns gesagt, dass es sehr, sehr viele Anträge gebe und dass es eine große Herausforderung sei, die zu ehrenden Personen oder Institutionen herauszufiltern. Wir hoffen natürlich, mit unseren Argumenten zu überzeugen. Gerade vor dem Hintergrund, dass wir derzeit repressive Entwicklungen in Deutschland haben, könnte mit einer Sondermarke für Magnus Hirschfeld ein Signal gesetzt werden.

Ralf Dose: Viele Errungenschaften der Emanzipationsbewegung sind noch lange nicht so gefestigt, wie wie uns das alle wünschen. In den Zwanzigerjahren hatten nicht wenige gemeint, der Fortschritt sei unumkehrbar – das hat sich leider einige Jahre später als fataler Irrtum herausgestellt.


Magnus Hirschfeld (1868-1935) gehörte 1897 zu den Mitgründern des wissenschaftlich-humanitären Komitees, das sich als weltweit erste Organisation für die Entkriminalisierung von Homosexualität einsetzte


Wie kann man die Hirschfeld-Sondermarke unterstützen?

Jörg Litwinschuh: Jedes einzelne Unterstützungsschreiben hilft. Mit vielen Briefen an das Finanzministerium [Adresse siehe Kasten unten; d. Red.] können wir zeigen, dass ein großes Interesse in der Zivilgesellschaft besteht. Jede weitere Stellungnahme, in der eine Person oder ein Verband begründet, warum die Briefmarke wichtig wäre, erweitert zudem unser Argumentationsspektrum.

Nehmen wir mal an, die Briefmarke kommt durch: Wer sollte denn als nächstes geehrt werden?

Jörg Litwinschuh: In der Tat kann es nur ein Auftakt sein, wenn man bedenkt, wieviele bedeutende homosexuelle, trans* und inter Personen in den letzten Jahrzehnten oder Jahrhunderten in Deutschland gewirkt haben. Mir fällt zum Beispiel Karl Heinrich Ulrichs ein, der im kommenden Jahr 175 geworden wäre. Und wir dürfen vor allem Frauen wie Hilde Radusch oder Johanna Elberskirchen nicht vergessen, die in der Weimarer Republik gewirkt haben.

Ralf Dose: Man hat bei diesen historischen Personen natürlich immer das Problem, dass sie nicht die "reinen" Heldinnen und Helden sind. Man entdeckt bei ihnen auch Positionen, die aus heutiger Sicht völlig inakzeptabel sind. Das gilt selbst für Magnus Hirschfeld.

Jörg Litwinschuh: Diese Diskussion ist wichtig. Wir wollen sie gezielt als Anstoß nehmen, auch die "dunklen Seiten" Hirschfelds in der Community zu reflektieren, etwa warum er sich mit Eugenik beschäftigt hat. Viele historische Persönlichkeiten sind keine "Heiligen". Aber gerade weil wir Ausgrenzungen auch in den heutigen Communitys erleben, wollen wir diese kritische Diskussion im Rahmen einer Gesamtwürdigung seiner Person führen.

  Sondermarke unterstützen
Unterstützungsschreiben von Privatpersonen, Gruppen oder Vereinen bitte bis zum 5. Oktober 2016 senden an: Bundesministerium der Finanzen, Referat V B 6 Postwertzeichen, Wilhelmstraße 97, 10117 Berlin. Die Initiatoren würden sich über eine Kopie freuen: Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, Mohrenstraße 34, 10117 Berlin, Email: info@mh-stiftung.de
Links zum Thema:
» Homepage der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld
» Homepage der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft
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Tags: magnus hirschfeld, sonderbriefmarke, wolfgang schäuble, magnus-hirschfeld-gesellschaft, ralf dose, jörg litwinschuh, bundesstiftung magnus hirschfeld
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Reaktionen zu "Hirschfeld-Briefmarke: Schäuble hat das letzte Wort"


 6 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
26.09.2016
19:55:17
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(0, 2 Votes)

Von Marc


Brief ist unterwegs... ;-)


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#2
26.09.2016
21:02:15
Via Handy


(-3, 5 Votes)

Von Nick


Schäuble? Ich glaub bald das der ein Alkoholproblem hat...


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#3
26.09.2016
21:02:55


(-1, 3 Votes)

Von berny


na toll, schäuble hasst doch schwule.


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#4
26.09.2016
23:31:04


(+4, 4 Votes)

Von fink


Kann es wirklich sein, dass es noch keine einzige queere Briefmarke in Deutschland gab? 2016?

Es ist sehr schade, dass die Gelegenheit versäumt wurde, Karl Heinrich Ulrichs noch pünktlich zu seinem 175. Geburtstag zu ehren. Und durchaus symptomatisch, dass die erste queere deutsche Briefmarke nun stattdessen das Konterfei eines schwulen Mannes zieren könnte, der - bei all seinen großen Verdiensten - nicht einmal offen schwul gelebt hat.


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#5
27.09.2016
01:14:55


(0, 2 Votes)

Von giliatt 2
Antwort zu Kommentar #4 von fink


Bei all unseren deutschen Kulturschaffenden in BRD und DDR muss es doch wohl möglich sein, dass mal ein Künstlerich oder Erfinder auf Briefmarke oder Münze abgebildet wurde, der schwule Ambitionen hatte.
Heine und Goethe hatten Syphilis, was nicht auf schwule Sexualkontakte hindeutet.

Schwule Erfinder gibt es. Mir fällt im Moment nix Passendes ein.

WER WEISS MEHR ?


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#6
27.09.2016
13:21:35


(+3, 3 Votes)

Von Frankfurterin
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #3 von berny


... zumindest eine Sache findet Schäuble an "den Gleichgeschlechtlichen" ja offenbar gut:

"Von den "Gleichgeschlechtlichen" habe das Land Toleranz gegenüber Minderheiten gelernt", wird er in einem ZEIT-Artikel von Juni 2016 zitiert:

Link zu www.zeit.de

Na denn, Herr Schäuble!


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