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  • 29.09.2016, 19:50h           23      Teilen:   |

Beschluss in Lübeck

Nordkirche beschließt Segnung von Homo-Paaren

Artikelbild
Mit der Nordkirche bieten inzwischen fünf evangelische Landeskirchen eine Segnung von Homo-Paaren an (Bild: flickr / Cjames Fotografia / cc by 2.0)

Die Synode der evangelischen Landeskirche stimmte am Donnerstag mit großer Mehrheit für eine Trauungszeremonie – die aber nicht Trauung heißen darf.

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) will eingetragenen Lebenspartnern erstmals ein Recht auf Segnung inklusive Ringtausch vor dem Altar und Eintragung ins Kirchenbuch ermöglichen. Die derzeit in Lübeck-Travemünde stattfindende Synode mit 156 Mitgliedern stimmte am Donnerstag bei nur drei Gegenstimmen und fünf Enthaltungen für einen entsprechenden Entwurf von Landesbischof Gerhard Ulrich.

Voraussichtlich Anfang November wird die Neuregelung in Kraft treten, wenn sie im kirchlichen Gesetz- und Verordnungsblatt steht, und damit zur offiziellen kirchlichen Amtshandlung. Bereits durchgeführte Segnungen – Schätzungen zufolge rund 100 im Bereich der Kirche – können nun als offizielle Verbindung nachträglich ins Kirchenbuch eingetragen und beurkundet werden. Nach dem neuem Recht kann ein Pastor zwar eine Segnung ablehnen, die Kirche muss dann aber für Ersatz sorgen.

Die Synode beschloss auch eine liturgische Handreichung zu den Segnungsgottesdiensten, die sich an der Trauung heterosexueller Paare orientiert – mit dem Unterschied, dass der Akt hier nicht "Trauung" heißen darf, sondern "Segnung von Menschen in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft". Ein Gegenantrag zum Kompromisspapier, der von "Traaung" sprach, wurde während der Debatte zurückgezogen.

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"Trauung zweiter Klasse"?

Bischof Gerhard Ulrich versuchte, die Wogen der Debatte zu glätten - Quelle: Sönke Dwenger / Nordkirche
Bischof Gerhard Ulrich versuchte, die Wogen der Debatte zu glätten (Bild: Sönke Dwenger / Nordkirche)

Laut einer Pressemitteilung der Nordkirche hatte der Greifswalder Bischof Hans-Jürgen Abromeit in der Synoden-Debatte von Kirchenmitgliedern berichtet, die bei einem Beschluss mit der Bezeichnung "Trauung" mit Kirchenaustritt gedroht hatten. Propst Daniel Havemann aus dem Kirchenkreis Plön-Segeberg kritisierte hingegen den Beschluss und betonte die Gefahr, dass die andere Bezeichnung als "Trauung zweiter Klasse" verstanden werden könnte.

Landesbischof Gerhard Ulrich verwies Kritiker der Segnung darauf, dass diese keine "Entwertung" der Ehe sei. "Eine Amtshandlung – auch die Trauung – segnet nicht die Lebensform. Sondern: In ihr werden Menschen gesegnet, die sich miteinander auf den Weg machen", sagte Ulrich.

Die Nordkirche mit ihren 2,1 Millionen Mitgliedern ist jetzt die fünfte von 20 Mitgliedskirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland, in der gleichgeschlechtliche Paare in einem öffentlichen Gottesdienst getraut werden können. Entsprechende Beschlüsse gibt es bereits in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, der rheinischen Kirche und der Evangelischen Kirche in Baden.

In der 2012 durch Zusammenschluss dreier Landeskirchen gegründeten Nordkirche galt bislang eine Übergangsregelung: In der ehemaligen nordelbischen Kirche (Hamburg und Schleswig-Holstein) waren schon seit 2012 Segnungen homosexueller Paare in einem gottesdienstlichen Rahmen möglich. Dafür musste aber in jedem Einzelfall erst die Zustimmung von Kirchengemeinderat und Propst eingeholt werden. Dies war zuvor auf dem Gebiet der früheren Pommerschen Kirche ausdrücklich ausgeschlossen. In der Mecklenburgischen Kirche war eine Segnung offiziell nur als "seelsorgerliche Begleitung" möglich.

Vielfalt anerkennen wie frühere Schuld

Landesbischof Ulrich rief in seiner Ansprache die Diskriminierung, Verfolgung und Ermordung gleichgeschlechtlich liebender Frauen und Männer in Erinnerung, zu der die "jahrhundertelange Verdammung weiblicher und männlicher Homosexualität durch Theologie und Praxis der Kirche" beigetragen habe. Bereits im Jahr 2000 hatte die Landessynode der damaligen Nordelbischen Kirche dies als Schuld bekannt und Gott und die betroffenen Menschen dafür um Vergebung gebeten.

Das Kirchenparlament stimmte am Donnerstag auch für eine zukünftige Themensynode unter dem Arbeitstitel "Familienformen, Beziehungsweisen: Vielfalt sehen und fördern – Menschen stärken". Präses Dr. Andreas Tietze sagte, der Segnungsbeschluss sei "ein weiterer Meilenstein in der Arbeit dieser Landessynode. Die Debatte war von großem Respekt geprägt – auch angesichts unterschiedlicher Positionen. Das Ziel, Diskriminierungen abzubauen sowie miteinander im Gespräch zu bleiben, wurde erreicht. Wir bleiben weiter dran an den Themen." (nb/pm)

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Tags: evangelische kirche, nordkirche, segnung
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Reaktionen zu "Nordkirche beschließt Segnung von Homo-Paaren"


 23 User-Kommentare
« zurück  123  vor »

Die ersten:   
#1
29.09.2016
20:36:57


(-4, 10 Votes)

Von Paulus47


Herzlichen Glückwunsch an die Nordkirche, die nunmehr als fünfte EKD-Landeskirche Trauungszeremonien einführt. Auch wenn es begrifflich (noch) nicht Trauung lautet, wird die Liturgie und Zeremonie in gleicher Weise umgesetzt und es erfolgt als kirchenrechtliche Amtshandlung eine Eintragung in die Kirchenbücher.

Mögen weitere Landeskirchen der EKD in den kommenden Jahren diesen Schritt auch umsetzen, den nunmehr FÜNF Landeskirchen der EKD erreicht haben.

----
In 13 weiteren EKD-Landeskirchen gibt es zudem bereits öffentliche Segnungsgottesdienste, die aber nicht in die Kirchenbücher eingetragen werden, und liturgisch abweichend ausgestaltet sind.

Nur in zwei Landeskirchen (Württemberg und Sachsen) der EKD sind bisher keine öffentliche Gottesdienste zur Segnung des Paares erlaubt. Dort gibt es nur ein seelsorgerliches Gespräch und das war es dann auch.


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#2
29.09.2016
21:03:51


(+3, 7 Votes)

Von TJ 1933
Antwort zu Kommentar #1 von Paulus47


Halleluja, Halleluja, Halleluja!

Eine weitere Christensekte beschließt, Schwule und Lesben fast wie gleichwertige Menschen zu behandeln. Aber nur fast, das muss ihnen schon reichen, diesen Perverslingen, die lt. ihrem Märchenbuch verwunschen und ermordet werden müssen.

Und es reicht den Christenschafen, sie frohlocken, wie man an unserem Fähnlein Faselschweif bedauernswerterweise festestellen muss.

Ja, ja, selig sind die geistig Unterentwickelten.


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#3
29.09.2016
21:14:17


(+4, 10 Votes)

Von TheDad
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #1 von Paulus47


""Herzlichen Glückwunsch an die Nordkirche, die nunmehr als fünfte EKD-Landeskirche Trauungszeremonien einführt.""..

Tut sie nicht !

Und warum das so ist, wird im Artikel erklärt !

Mußt du nur mal lesen..


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#4
29.09.2016
21:20:48


(-3, 7 Votes)

Von GeorgG
Aus Berlin
Mitglied seit 13.05.2016


Die Teile Hamburg und Schleswig-Holstein der Nordkirche sind schon seit vielen Jahren in dieser Frage liberal.
Anders sieht es aus im Ostteil der Kirche, also in Mecklenburg und Vorpommern. Diese Leutchen brauchen wohl noch ein paar Jahre.


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#5
29.09.2016
21:29:06


(+4, 6 Votes)

Von panzernashorn
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Welcher halbwegs vernünftig tickende Mensch braucht diesen Quatsch?

Eine Institution, basierend auf Wahnvorstellungen, gehört ins Nirvana abgeschafft und nicht ständig salonfähig gehalten.

Sinnvollste Lösung: raus aus diesen verlogenen und menschenverachtenden Gruppierungen, um diesmal nicht explizit "Sekten" zu sagen.........


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#6
29.09.2016
21:54:03


(+7, 9 Votes)

Von ursus
Antwort zu Kommentar #1 von Paulus47


kein problem, wenn man einfach nur auf die selbstachtung pfeift:

Bild-Link:
large_segregation.jpg


rechts kommt schließlich auch echtes wasser raus, nicht wahr?


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#7
29.09.2016
22:17:22


(-4, 8 Votes)

Von Spreeroiber
Antwort zu Kommentar #2 von TJ 1933


"Selig sind die geistig Unterentwickelten..."

Was Du über andere sagst, sagt mehr über Dich als über andere...


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#8
29.09.2016
22:51:48


(+4, 6 Votes)

Von Danny387
Aus Mannheim (Baden-Württemberg)
Mitglied seit 06.07.2014


Gratulation an die Nordkirche!!

Leute, soeben schickte mir ein Freund einen Link:

Link zu www.bibelundbekenntnis.de

Das ist ja das hammer-Obergeilste, das an religiösem fundamentalistischem Wahn vorstellbar ist! Wie diese Gruppe sich gegen den Entschluss der Nordkirche gewehrt hat! Ist das nicht lustig? Also, ich finde es lustig mir vorzustellen, wie deren Mund gerade schäumt, da der liebe Gott ihre Gebete offensichtlich doch nicht erhört hat. (Naja, eine gehörige Portion Tragik ist auch dabei, zugegeben ...)


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#9
30.09.2016
14:44:27


(+4, 6 Votes)

Von priamos11
Aus Hürth (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 21.07.2016


Die Wurzeln von Religionen sind für mich Versuche archaischer Gesellschaften, sich die Welt zu erklären. Es liegt in der Natur der Sache, dass diese Gesellschaften noch viel weniger Wissen hatten, als die Menschheit heutzutage. Religiöse Überzeugungen können daher für mich keine Richtschnur meines Handelns sein, es sei denn, sie stimmen mit modernen und gesicherten Erkenntnissen überein.
Dennoch ist meines Erachtens ganz grundsätzlich zu begrüßen, wenn relevante gesellschaftliche Gruppen welche auch immer Schritte in die richtige Richtung tun, auch wenn es nur Trippelschritte sind. Wir sollten nicht Menschen vor den Kopf stoßen, die sich in einem Prozess des Überdenkens ihrer Positionen befinden.


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#10
30.09.2016
15:19:08


(+2, 6 Votes)

Von priamos11
Aus Hürth (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 21.07.2016


Sorry, meine Tastatur schluckt manchmal die Bindestriche. Richtig muss es heißen:
"Dennoch ist meines Erachtens ganz grundsätzlich zu begrüßen, wenn relevante gesellschaftliche Gruppen - welche auch immer - Schritte in die richtige Richtung tun, auch wenn es nur Trippelschritte sind."


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