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  • 03.10.2016, 07:44h           6      Teilen:   |

Südtirol

"Heterosexueller Fragebogen" bringt Abgeordneten zum Schäumen

Artikelbild
Der 50-jährige Journalist Alessandro Urzì wurde 1998 erstmals für die rechtsgerichtete Alleanza Nazionale in den Südtiroler Landtag gewählt, 2013 gründete er seine eigene Partei L'Alto Adige nel cuore (Bild: L’Alto Adige nel cuore)

Der rechte Südtiroler Politiker Alessandro Urzì wittert in einem neuen Schülerkalender "schwule Propaganda".

An diesem satirischen Test für Siebtklässler waren vor zwei Jahren in Deutschland schon Matthias Matussek und CDU-Politiker gescheitert – nun sorgt der "Heterosexuelle Fragebogen" für Aufregung im Landtag von Südtirol. "Dieser Fragebogen hat das Ziel, die sexuelle Identität unserer Söhne und Töchter in eine Krise zu stürzen", empörte sich der Landtagsabgeordnete Alessandro Urzì von der rechten Partei L'Alto Adige nel cuore in einer Anfrage an die Schullandesräte. "Einige Fragen rufen ideologische Konditionierung und Eugenik in Erinnerung."

In dem ursprünglich von der deutschen Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) entwickelten Test, der im neuen dreisprachigen Südtiroler Schülerkalender "DAI" (Diario Ajënda Info) leicht abgewandelt abgedruckt wurde, werden die Teilnehmer unter anderem gefragt, ob sie sich wegen ihrer Heterosexualität schon überlegt hätten, eine Elektroschocktherapie zu machen, oder ob sie aufgrund einer "Phobie vor Menschen deines eigenen Geschlechts" heterosexuell geworden seien (siehe Dokumentation am Ende des Textes).

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Mattusek empörte sich über "versuchte Gehirnwäsche"

Der Fragebogen soll Schülern ermöglichen, sich in die Situation von Lesben und Schwulen zu versetzen – aber viele Kritiker verstehen das nicht. So forderte der stellvertretende Landesvorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises (EAK) der CDU Baden-Württemberg, David Müller, vor zwei Jahren den damaligen SPD-Bildungsminister Andreas Stoch auf, die Nutzung der Broschüre im Unterricht "zu verhindern", da "der Fragebogen den im Grundgesetz garantierten Schutz von Ehe und Familie sowie das vorrangige Erziehungsrecht der Eltern" missachte (queer.de berichtete).

Der ehemalige "Spiegel"-Kulturchef Matthias Mattusek bezeichnete den Fragebogen im Online-Magazin "The European" gar als "das Dümmste und Seichteste an versuchter Gehirnwäsche und Erziehung zum 'Neuen Menschen'".


Zum Internationalen Tag der Toleranz am 16. November zeigt der Schülerkalender "DAI" ein küssendes schwules Paar (Bild: Edition Raetia)


In Südtirol hatte der 18-jährige schwule Schüler Gabriel Hertscheg den "Heterosexuellen Fragebogen" für den neuen Kalender vorgeschlagen. "Wir wollen niemanden verführen oder gar umpolen", erklärte er gegenüber der "Neuen Südtiroler Tageszeitung". "Wir wollen zeigen, dass homo-, bi- und transsexuelle Menschen nicht weltfremd und exotisch sind." Dazu gehöre auch, sich nicht immer die gleichen Fragen anhören zu müssen. "Wer immer wieder gefragt wird, wann er denn sein Schwulsein bemerkt hat, fragt irgendwann zurück."

Über die scharfe Kritik des Landtagsabgeordneten Alessandro Urzì an dieser "schwulen Propaganda" kann sich der Schüler nur wundern: "Den Fragebogen nicht verstehen zu wollen, hat auch mit Ignoranz zu tun." (cw)

Der Heterosexuelle Fragebogen

Woher, glaubst du, kommt deine Heterosexualität?
Wann und warum hast du dich entschlossen, heterosexuell zu sein?
Bist du hetero wegen einer Phobie vor Menschen deines eigenen Geschlechts?
Wissen deine Eltern, dass du heterosexuell bist? Wissen es Deine Freundinnen und Freunde? Wie haben sie reagiert?
Kannst du es verantworten, deine Kinder heterosexuellen Lehrern auszusetzen? Sie könnten immerhin belästigt werden!
In Anbetracht der Überbevölkerung … ist es wirklich schlau, wenn alle hetero sind?
Wenn es eine Möglichkeit gäbe, deine Heterosexualität zu ändern, würdest du diese in Erwägung ziehen? (Elektroschocktherapie, Medikamente, Exorzismen…)
Möchtest du, dass dein Kind heterosexuell ist, obwohl du die Probleme kennst, mit denen es konfrontiert würde?

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Tags: heterosexueller fragebogen, schülerkalender, alessandro urzì, südtirol
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Reaktionen zu ""Heterosexueller Fragebogen" bringt Abgeordneten zum Schäumen"


 6 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
03.10.2016
09:59:53


(+14, 14 Votes)

Von Simon 82


Das zeigt nur wieder mal, dass die Homohasser nicht die hellsten Kerzen auf der Torte sind.

Die kapieren gar nicht den Sinn:
es geht eben darum, Heteros klar zu machen, welchen Fragen sich GLBTI tagtäglich konfrontiert sehen. Und durch die Übertragung auf Heterosexuelle soll gezeigt werden, wie lächerlich solche Fragen und Unterscheidungen eigentlich sind.

Aber das durchschauen die Homohasser nicht. Oder sie durchschauen es, skandalisieren das aber dennoch, weil sie wissen, dass ihre Anhänger zu dumm sind, das zu durchschauen und sich mehr für Hetze als für die Wahrheit interessieren.


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#2
03.10.2016
10:27:35


(+14, 14 Votes)

Von Carsten AC
Antwort zu Kommentar #1 von Simon 82


Ja, die Ironie verstehen die nicht und wollen sie auch nicht verstehen. Denn dann würden sie auch verstehen, wie dumm die Diskriminierung von Nicht-Heterosexuellen ist.

Der Gehirnwäsche, die sie an jeder Ecke befürchten, sind in Wahrheit wir ausgesetzt: in der Schule, den Medien, etc. wo ständig die Realität verzerrt wird und eine rein heterosexuelle Welt konstruiert wird, die mit der Realität nichts zu tun hat.

Dieser Verfolgungswahn, dass irgendeine "schwule Weltverschwörung" die ganze Menschheit verändern will (das hatten wir alles schon mal in Europa), zeugt eher von deren eigenen Problemen als von irgendwelchen realen Dingen. Und es zeigt, wie brandgefährlich solche Menschen sind.


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#3
03.10.2016
10:31:39


(+15, 15 Votes)

Von Ralf


Wir sind die einzige Bevölkerungsgruppe, die sich unausgesetzt für ihre bloße Existenz rechtfertigen muss. Genau darauf zielt dieser Fragenkatalog. Jungen heterosexuellen Menschen wird damit ein wichtiger Teil unserer Lebenssituation klar gemacht. Der Fragebogen müsste in allen Schulen im Sozialkundeunterricht ausgegeben werden.


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#4
03.10.2016
11:07:34


(+12, 12 Votes)

Von Robin
Antwort zu Kommentar #3 von Ralf


Richtig!

Es geht darum, dass Heteros mal merken, wie es ist, wenn Dinge, die für einen selbst eigentlich selbstverständlich, normal und schön sind, einen ständig in Rechtfertigungsdruck bringen.

Aber genau deshalb sind solche Menschen ja auch dagegen. Die wissen wahrscheinlich auch, dass das natürlich keine Gehirnwäsche ist. Aber sie wissen, dass man mit diesem ganz simplen Perspektivenwechsel die Lächerlichkeit der ganzen Diskriminierung sehr einfach und effektiv aufzeigen kann.

Und da sie uns weiter diskriminieren wollen, gefährdet sowas natürlich deren eigenen Wunsch, andere runterzumachen.


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#5
03.10.2016
12:17:00


(+8, 8 Votes)

Von TheDad
Profil nur für angemeldete User sichtbar


"" "Dieser Fragebogen hat das Ziel, die sexuelle Identität unserer Söhne und Töchter in eine Krise zu stürzen", empörte sich der Landtagsabgeordnete Alessandro Urzì von der rechten Partei L'Alto Adige nel cuore in einer Anfrage an die Schullandesräte.""..

In eine Krise gerät nur derjenige, der in seiner Sexuellen Identität oder seinem Geschlecht nicht mit dem übereinstimmt, was als "Norm" vorgegeben wird..

Trotz Sexualkunde verstehen aber gerade auch immer noch viele Siebtklässler die verwendeten Begriffe nicht..
Was in sich irgendwie logisch ist, denn wer nicht weiß was "Homosexualität" ist, versteht auch den Begriff "Heterosexualität" gar nicht vollständig..
Er bleibt ein Begriff "ohne Inhalt", der die "Norm" beschreibt, ohne auf Details einzugehen..
Das kann man immer wieder beobachten, und erinnert mich sehr an die Satire von Micha Schulze und dem CDU-Politiker, der seine eigene Heterosexualität dementierte..


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#6
03.10.2016
12:27:01


(+12, 12 Votes)

Von kuesschen11
Aus Darmstadt (Hessen)
Mitglied seit 26.08.2012


Erst mal würde ich Herrn Urzì mitteilen, dass es "schwule Propaganda" überhaupt nicht gibt.

Es geht bei uns um Gleichheits- und Gleichstellungsrechte in der Gesellschaft und der damit zusammenhängenden Kultur, letztlich natürlich um Menschenschutzrechte.

Und die sollten schon früh genug in der Schule vermittelt werden.

Ich finde den Fragebogen sehr treffend formuliert, denn die Umkehrung der Perspektive soll den Befragten ansprechen, sich mit Empathie in die Lebenssituation von anderen hinein zu begeben, um die gesellschaftlich festgelegte Heteronormativität zu hinterfragen.


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