Service   Gewinne   Jobs   Newsletter   Bild des Tages   Presseschau   Partner   Gay Hotels
Queer.de - das schwul-lesbische Magazin
 Community | CSD-Termine
Suche:  (News-Übersicht)
 
Login (Nick / Passw.):  (Registrieren)
  Autologin  
 Home || Politik | Szene | Boulevard | Blog | Meinung | Glaube | Lifestyle | Reise | Kultur | Buch | CD | DVD | Liebe | TV-Tipps || Galerie
  • 04.10.2016, 07:59h               Teilen:   |

Kinostart "Jonathan"

Heißer Jungbauer mit heimlich schwulem Daddy

Artikelbild
Überfordert in der Provinz: Der 23-jährige Jonathan (Jannis Niewöhner) pflegt seinen an Krebs erkrankten, verschlossenen Vater Burghardt und muss seine frustrierte Tante Martha vom Trinken abhalten, während er selbst den Hof der Familie schmeißt (Bild: farbfilm verleih)

In Piotr Lewandowskis Kinodebüt "Jonathan" wird die Beziehung zwischen einem jungen Bauern und seinem todkranken Vater von einer Lebenslüge überschattet.

Von Carsten Moll

Jonathan ist erst Anfang 20 und scheint in seinem Leben schon festzustecken. Seit Jahren pflegt er nämlich nicht nur aufopferungsvoll seinen an Krebs erkrankten Vater Burghardt, sondern bewirtschaftet gemeinsam mit seiner Tante Martha zudem den Bauernhof der Familie. Während Jonathans Freunde Zukunftspläne schmieden und in die Großstadt ziehen wollen, kann sich der junge Bauer nicht einmal daran erinnern, wann er zuletzt im Kino gewesen ist.

Dass Burghardt seinen Lebenswillen verloren hat und immer öfter ans Sterben denkt, belastet Jonathan zusätzlich. Doch er will seinen Vater auf keinen Fall kampflos aufgeben und erhält bei seinem Unterfangen schließlich Unterstützung von der lebensfrohen Pflegerin Anka. Als dann noch Burghardts Jugendfreund Ron auf dem abgelegenen Hof eintrifft, scheint auch der Todgeweihte neue Kraft zu schöpfen. Mit dem Neuankömmling spitzen sich die Ereignisse jedoch bald zu: Alte Wunden reißen auf und unerwünschte Wahrheiten kommen ans Licht: Ron war mehr als nur ein guter Kumpel…

Fortsetzung nach Anzeige


Bemerkenswerte Bilder und fehlender Mut

Poster zum Film: "Jonathan" startet am 6. Oktober 2016 im Kino - Quelle: farbfilm verleih
Poster zum Film: "Jonathan" startet am 6. Oktober 2016 im Kino (Bild: farbfilm verleih)

Das Langfilmdebüt des polnischen Regisseurs und Drehbuchautors Piotr Lewandowski wurde bislang von der Filmkritik vor allem für seine Bilder sowie seinen Mut gelobt. Während Jeremy Rouses Aufnahmen von dichten Wäldern, leuchtenden Feldern und krabbelnden Insekten tatsächlich bemerkenswert sind und bei aller Nähe zum Kitsch doch Stilwillen beweisen, ist das mit dem Mut so eine Sache.

"Jonathan" behandle Tabuthemen und riskiere etwas, weil er vom Sterben und Homosexualität erzähle, hieß es da zum Beispiel an anderer Stelle. Mit Blick auf das Kino der letzten Jahrzehnte wird allerdings fragwürdig, ob hier tatsächlich etwas Einzigartiges geleistet oder doch bloß eine alte Masche bedient wird. Der Tod ist auf der großen Leinwand schließlich ein gern gesehener Gast, deutsche Spielfilme wie "Halt auf freier Strecke" (2011), "Heiter bis wolkig" (2012) oder "Hin und weg" (2014) betrachten das Ableben mal ganz nüchtern, mal im Modus einer Feelgood-Komödie. Hollywood kennt ebenfalls keinen Mangel an Sterbedramen – wahlweise auch mit homosexuellem Inhalt, man denke etwa an "Philadelphia" (1993) oder "The Hours" (2002).

Vor diesem Hintergrund ist fraglich, ob Lewandowski mit "Jonathan" wirklich etwas wagt, das herausragend ist. Betrachtet man einmal den klischeehaften Plot sowie die flachen Figuren, ließe sich dem Filmemacher vielmehr Ideenlosigkeit und Prätention vorwerfen. Mit seiner schwülstigen, vollkommen humorlosen Melodramatik wirkt der Film wie aus der Zeit gefallen – aufregend kann das eigentlich nur finden, wer wie der Protagonist seit Jahren keine Zeit mehr fürs Kino gefunden hat.


Liebe und Sex auf dem Krankenbett: Um seinen Sohn Jonathan aufzuziehen, hat Burghardt seine Homosexualität jahrzehntelang unterdrückt (Bild: farbfilm verleih)


Deplatzierte Darsteller und flache Frauenfiguren

Selbst die namhaften Schauspieler, im Grunde eine Stärke des Dramas, wirken hier deplatziert. Den Todkranken nimmt man André Hennicke ("Effi Briest") noch ab, als Bauer mit Kruzifix an der Wand fehlt es ihm allerdings an Glaubwürdigkeit. Ein wenig wirken die Darsteller nämlich alle, als wären sie gerade von einer mittelstädtischen Theaterbühne gepurzelt, ein Umstand der durch die gestelzt-umgangssprachlichen Dialoge noch verstärkt wird.

Besonders die Frauenfiguren sind ärgerlich, die charmante Julia Koschitz verkommt zum Manic Pixie Dream Girl ohne eigene Agenda, während Barbara Auers Talent vollkommen verschenkt wird: Sie ist als Martha durchgehend genervt und will nichts als weg, ein Gefühl, das so manchem Zuschauer von "Jonathan" wohl nur allzu vertraut sein dürfte.

Direktlink | Offizieller Trailer zum Film

  Infos zum Film
Jonathan. Drama. Deutschland 2016. Regie: Piotr J. Lewandowski. Darsteller: Barbara Auer, André M. Hennicke, Julia Koschitz, Jannis Niewöhner, Thomas Sarbacher. Laufzeit: 99 Minuten. Sprache: deutsche Originalfassung. FSK 12. Verleih: farbfilm. Kinostart: 6. Oktober 2016
Links zum Thema:
» Homepage zum Film
» Fanpage zum Film auf Facebook
Galerie
Jonathan

10 Bilder
Kommentare: Selbst kommentieren | Bisher keine Reaktionen | FB-Debatte
Teilen: 91       3       3     
Service: | pdf | mailen
Tags: jonathan, kino, filmstart, piotr j. lewandowski
Unterstützen:
  |   Überweisung / Abo / weitere Infos

Reaktionen zu "Heißer Jungbauer mit heimlich schwulem Daddy"


 Bisher keine User-Kommentare


 KULTUR - NEU IM KINO

Top-Links (Werbung)

 KULTUR



Anderswo
Bild des Tages
Aktuell auf queer.de
Niederlande: Kommission empfiehlt bis zu vier Eltern pro Kind Israel: Gleichstellung ausländischer Homo-Partner geplant Tag der Menschenrechte: EKD wirbt für LGBTI-Gleichbehandlung Die Poesie der ersten schwulen Liebe
 © Queer Communications GmbH 2016   Unternehmen | Team | Mediadaten | Logos | Impressum / AGB | Spenden | Kontakt