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40 Aktivisten erklärt die US-Gruppe "Equality Forum" am 1. Mai zu Homo-Helden. Einziger Europäer in der Runde: Der grüne Politiker Volker Beck.

Von Dennis Klein

Was haben Volker Beck, Martina Navratilova und MTV gemein? Sie alle sind Helden. Das meint zumindest das Equality Forum, eine der größten schwul-lesbischen Organisationen in den USA. Anlässlich des 40. Jahrestages der ersten Homo-Demo auf amerikanischem Boden zeichnet der 1993 gegründete Verein 40 Homo-"Heroes" aus, die "einen außerordentlichen Beitrag für die Gleichstellung schwuler, lesbischer, bi- oder transsexueller Personen" geleistet hätten.

Journalisten haben für das Equality Forum 37 Einzelpersonen, zwei Paare und einem Unternehmen Heldenstatus verliehen. "Wir werden vor den Homo-Pionieren salutieren und die 40 Helden ehren, die in den letzten 40 Jahren unsere Bewegung angeführt haben", so die Co-Vorsitzende Sally Susman mit einem Schuss amerikanischen Pathos. Am 1. Mai werden die Helden in einer Gala in der Independence Hall geehrt, in der 1776 die Unabhängigkeitserklärung unterschrieben wurde.

Wer dabei eine wahrhaft internationale Auswahl an Heroen erwartet hat, liegt jedoch falsch: 37 der 40 Auszeichnungen gehen an Amerikaner, eine nach Kanada und eine an den US-Fernsehsender MTV. Schwule haben ein klares Übergewicht: 26 Auszeichnungen gingen an Männer, nur 13 an Frauen.

Nur eine Person außerhalb Nordamerikas erringt Heldenstatus: Der grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck. Er sei "der Vater der modernen deutschen Homo-Bürgerrechtsbewegung", erklärt das Equality Forum seine Wahl - und lobt seinen Werdegang vom Studienabbrecher zum Erfinder der deutschen Homo-Ehe. Der 44-jährige gebürtige Stuttgarter ist seit 1994 Bundestagsabgeordneter für Köln. Im Parlament konnte der LSVD-Aktivist seinen größten Erfolg verbuchen: Er setzte 2001 gegen Widerstände in der SPD die Homo-Ehe durch.

Manche Helden sind umstritten

Beck steht in einem illustren Kreis anderer Heroen. Die Prominentesten unter ihnen sind die lesbische Tennisspielerin Martina Navratilova ("die erste Weltklasse-Sportlerin, die sich outete"), Sängerin Melissa Etheridge ("outete sich als erster Rockstar"), sowie der anglikanische Bischof Gene Robinson ("der erste offen schwule Priester, der nicht im Zölibat lebt"). Doch auch unter Aktivisten umstrittene Personen erhielten Heldenstatus: So tritt der konservative Kolumnist Andrew Sullivan dafür ein, dass Schwule sich endlich der Mainstream-Kultur anpassen und nicht als "Kopien der Village People" in der Öffentlichkeit auftreten sollten. Sein Ruf als Moralist wurde jedoch 2001 beschädigt, als ein Szenemagazin aufdeckte, dass der Verfechter von Monogamie in Datingportalen Partner für Bareback-Sex suchte. Sullivan ist HIV-positiv und wollte Männer treffen, die ebenfalls mit dem Virus infiziert waren.

Besonders kurios ist die Auszeichnung für den Musikkanal MTV. Der Sender sei "das erste Fernsehprogramm, das Schwule und Lesben inklusive deren Kampf gegen Homophobie, Gewalt und unsafen Sex ehrlich dargestellt" habe. Das Equality Forum stellt dabei die Reality-Shows "Real World" und "Road Rules" als beispielhaft heraus. MTV wird außerdem dieses Jahr den ersten US-Homo-Kanal namens "Logo" in die Kabelnetze einspeisen.

Reagans Richter ist auch ein Held

Auch der Supreme-Court-Richter Anthony Kennedy heimste den Heldenstatus ein, da er mit seinen Kollegen 2003 Homo-Sex in ganz Amerika für legal erklärte. Zu diesem Zeitpunkt hatten noch insgesamt 13 Staaten - die meisten davon im Süden - Geschlechtsverkehr unter Männern verboten. Kennedy, der 1988 ausgerechnet vom konservativen Moralisten Ronald Reagan ernannt wurde, hat die Mehrheitsmeinung in dieser 6:3-Entscheidung verfasst. "Der Staat kann nicht die Menschen erniedrigen oder ihr Schicksal kontrollieren, indem er private sexuelle Handlungen zu einer Straftat macht", so Kennedy. Allerdings hat sich der so Ausgezeichnete nicht immer heldenhaft für Homo-Rechte eingesetzt: So war er bei einer 5:4-Entscheidung im Jahr 2000 Zünglein an der Waage, ob Pfadfinder Schwule wegen ihrer Sexualität aus der staatlich geförderten Institution ausschließen können. Kennedy meinte, die "Boy Scouts" haben das Recht dazu.

Zur Preisverleihung am 1. Mai haben sich nicht nur Homo-Aktivisten aus dem ganzen Land angesagt, es sind auch christliche Protestaktionen geplant. Mitglieder der Gruppe "Repent America" ("Bereue Amerika") wollen mit Bibeln und Kindern anreisen und den "Sündern" den rechten Weg weisen. "Als Christen wissen wir, dass es eine Hölle und einen Fluss aus Feuer gibt, in dem die, die nicht erlöst werden, bis in alle Ewigkeit brennen werden", so der Anführer der Gruppe, Michael Marcavage. Die Zeit für Helden ist also noch lange nicht vorbei.

25. April 2005



28 Kommentare

#1 heroAnonym
  • 25.04.2005, 16:06h
  • Gratulation!

    Peinlich nur, dass diese Anerkennung von us-amerikanischen Schwestern ausgesprochen wird; das wäre eigentlich mal in Deutschland fällig.
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#2 MarkusAnonym
  • 25.04.2005, 17:10h
  • Aber in Deutschland geht eben den einen die "Homoehe" noch nicht weit genug, den anderen kam sie nicht schnell genug, die nächsten halten sie für überflüssig und der Rest hat was gegen die Grünen. Lauter Gründe, auf Beck rumzuhacken. Dabei hätten wir ohne seinen Einsatz nicht mal Bruchteile von dem, was zwischenzeitlich erreicht wurde! Ich gratuliere auch, den Preis hat er verdient.
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#3 OlafAnonym
  • 25.04.2005, 17:43h
  • Warum kriegt Volker Beck die Auszeichnung und nicht einer wie Zapatero aus Spanien. Trotz des Widerstandes der mächtigen katholischen Kirche hat sein Land Deutschland bereits um Längen überholt.
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#4 BebeAnonym
  • 25.04.2005, 18:54h
  • Man muß Volkere Beck nicht unbedingt mögen, aber ausser der Homopolitik von Beck gab es in Deutschlad doch gar keine markanten Veränderungen in den letzten Jahren. Und bloß wegen dem bisher fehlenden Steuervorteil bei der Lebenspartnerschaft kann man die verbuchten Erfolge a la Beck doch nicht verteufeln, was manche aber tun.
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#5 eichhornAnonym
  • 25.04.2005, 19:21h
  • @Olaf: Spanien ist hingegen eines weitläufigem Bild nicht besonders katholisch - Nach der Franko-Ära wurde dort so viel als möglich an altem über Bord geworfen.
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#6 @olafAnonym
  • 25.04.2005, 22:26h
  • und volker beck hat das als einfacher abgeordneter durchgesetzt und nicht als regierungschef.

    das ist eher eine leistung, wenn man nicht selbst über die macht verfügt.
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#7 andrejAnonym
  • 26.04.2005, 09:49h
  • Volker Beck mag Fehler gemacht haben bei
    der Durchsetzung seiner Ziele und viele
    mögen nicht zufrieden sein mit dem, was
    bei der Homoehe herausgekommen ist.
    Trotzdem muss man ihm Respekt zollen: Er
    ist ein engagierter Politiker, der sich für die
    Belange von Schwulen und Lesben
    vorbildlich eingesetzt hat. Eine so
    zweifelhafte und banale Ehre wie die
    Verleihung eines amerikanischen
    Heldentitels hat er deshalb trotz allem nicht
    verdient, auch wenn es ihm viele Neider
    gewünscht haben.
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#8 andyAnonym
  • 26.04.2005, 16:24h
  • hi , am anfang habe ich immer gedacht , dass unser volker nichts taugt und er macht nichts für uns oder zumindest zu wenig . ich habe mich aber geirrt! er hat als einziger deutscher politiker sehr viel für uns schwule getan und er hat auch sehr viele sachen durchgesetzt, was nicht immer einfach in usnerem jland ist.jeder mensch hat er vor und nachteile .aber er kann auch sehr nett sein! bravo volker .
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#9 franzAnonym
  • 26.04.2005, 17:22h
  • Ich finde jetzt sollten die deutschen Schwulis überlegen, wie sie das den Amerikanern nachmachen.
    Volker hätte das wirklich verdient!
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#10 gerdAnonym
  • 26.04.2005, 21:41h
  • Volker Beck hat doch schon längst in Deutschland bei uns die Ehrung bekommen...er steht symbolisch für die Eingetragene Partnerschaft und er kann mit Recht in dieser Frage innerlich sehr stoltz auf sich sein. Er hat etwas in diesem Lande mitbewegt.

    Wir alle kennen Volker Beck und wissen sehr wohl zu schätzen, dass er einen solchen guten Lebensweg beschritten hatt. Die Ehrung in den USA sei ihm auch gegönnt.

    Innerhalb Deutschlands würde ich mir aber ein bischen mehr wünschen, dass auch die Namen von wichtigen politischen Wegbegleitern und gesellschaftlichen Vorbereitern genannt und nicht vergessen werden. Aver vielleicht ist dies irgendwanneinmal eine Aufgabe des "schwulen" Museums in Berlin dieses aufzubereiten...
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