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  • 07.10.2016, 11:45h           31      Teilen:   |

Schleswig-Holstein

Schulaufklärung unter Verschluss: Kritik vom Steuerzahlerbund

Artikelbild
Statt in den Grundschulen liegt der Methodenschatz in einer Schublade des Ministeriums: Ausschnitt der Titelseite des ersten Entwurfs (Bild: Petze-Institut)

Die Posse um den Grundschul-Methodenschatz "Echte Vielfalt von Anfang an" in Schleswig-Holstein hat nun selbst den Bund der Steuerzahler auf den Plan gerufen.

Von Micha Schulze

Am Donnerstag hat der Bund der Steuerzahler (BdSt) sein neues Schwarzbuch "Die öffentliche Verschwendung 2016/17" vorgestellt. Als einen von über hundert exemplarischen Fällen schlampigen Umgangs mit öffentlichen Mitteln wird auch der Grundschul-Methodenschatz "Echte Vielfalt von Anfang an" in Schleswig-Holstein genannt.

Zur Erstellung der Unterrichtsmaterialien hatte die rot-grün-dänische Landesregierung im Rahmen ihres Aktionsplans gegen Homophobie 20.000 Euro an den LSVD-Landesverband gezahlt, der sich das Geld und die Aufgabe mit dem Kieler Petze-Institut für Gewaltprävention teilte.

Im Januar 2015 war der erste Entwurf des Methodenschatzes (PDF) fertig, nach einem Aufschrei in regionalen Medien wurde eine überarbeitete Fassung (PDF) vorgelegt – doch beide liegen seitdem in einer Schublade des Sozialministeriums. Der Grund: Das ebenfalls SPD-geführte Bildungsministerium hält die vorliegenden Materialien für den Einsatz in der Schule "in dieser Form nicht geeignet" (queer.de berichtete).

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"Glatte Sechs" für den LSVD – oder doch eher für die Landesregierung?

Für den Bund der Steuerzahler ein Unding: "In Schulnoten ausgedrückt: Anforderungen nicht erfüllt – glatte Sechs!", kommentierte er in seinem neuen "Schwarzbuch". Besonders ärgert den Verein, dass das Sozialministerium keinen Grund zur Rückforderung der Mittel sieht, da der geschlossene Vertrag mit dem LSVD vereinbarungsgemäß erfüllt worden sei – eine Rückzahlung hatte schon die oppositionelle CDU vergeblich im Frühjahr im Landtag gefordert (queer.de berichtete). "Wer eine Leistung abliefert, die nicht zu gebrauchen ist, muss die dafür ausgegebenen Steuermittel zurückzahlen!", poltert der Steuerzahlerbund.

Nun sollte sich der zweifellos wichtige Verein vielleicht besser nicht anmaßen, Arbeitsmaterialien für die Grundschule inhaltlich zu bewerten – denn der eigentliche Skandal in Schleswig-Holstein dürfte eher im fehlenden Mut der Landesregierung, dem Einknicken vor konservativ-religiösen Gruppen und der Angst vor der AfD liegen. Ein homo- und transfeindlicher Verein mit dem zynischen Namen "echte Toleranz e.V." macht im Norden seit Monaten Stimmung gegen Schulaufklärung über sexuelle und geschlechtliche Viefalt, und die Rechtspopulisten wollen eine angebliche "Frühsexualisierung" im kommenden Jahr zum Wahlkampfthema machen (queer.de berichtete).

"Joy lebt bei ihrem Papa und ihrem Papi"

In dem ersten geleakten Enwurf des Methodenschatzes hatten sich die Gegner vor allem über die Formulierung "Hin und wieder gibt es einen Papa und eine Mama" in einem Lückentext zum Thema "Patchworkfamilien und Regenbogenfamilien" empört – in der überarbeiteten Fassung wurde sie gestrichen. Dort heißt es nun stattdessen: "Familien sind verschieden, weil die Menschen verschieden sind. Andere verstehen das nicht immer gleich."

Der letzte Entwurf der Materialien, die sich an Schüler der dritten und vierten Klasse richten, enthält darüber hinaus u.a. ein Kreuzworträtsel mit Aufgaben wie "Eine Frau, die in eine Frau verliebt ist, ist …". In einer Textaufgabe heißt es: "Keke ist frisch verliebt und will seinen neuen Freund Anton besuchen."

In einem Konzentrationsspiel zur Frage "Wie kommen Kinder in Familien?" wird im Methodenschatz auch Transsexualiät angesprochen: "Joy lebt bei ihrem Papa und ihrem Papi. Dieser hat früher als Frau gelebt. Damals hat er Joy bekommen. Jetzt ist er ein Mann, sodass Joy nun zwei Väter hat."

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Tags: schleswig-holstein, methodenschatz, echte vielfalt, echte toleranz, grundschule, bund der steuerzahler, schwarzbuch
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Reaktionen zu "Schulaufklärung unter Verschluss: Kritik vom Steuerzahlerbund"


 31 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
07.10.2016
12:02:24


(+10, 10 Votes)

Von Sebi


Dass das ursprüngliche Material nach Protesten überarbeitet wurde, ist schon ein starkes Stück. Wer soll entscheiden, wie Unterricht aussehen soll? Experten oder der Mob, der am lautesten schreit?

Aber dass die überarbeitete Fassung jetzt von SPD, Grünen und Dänenpartei verschwunden gelassen wird, ist echt ein Skandal.

Das ist nicht nur für Aufklärung und Bildung skandalös, sondern auch (da muss ich dem Steuerzahlerbund Recht geben) eine Steuerverschwendung.

Ich erwarte, dass SPD, Grüne und Dänenpartei jetzt die Materialen sehr zeitnah freigeben und dass das sehr bald in den Schulen eingesetzt wird. Daran werden die sich messen lassen müssen.


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#2
07.10.2016
12:04:01


(-2, 10 Votes)

Von Dont_talk_about
Aus Frankfurt (Hessen)
Mitglied seit 14.01.2014


Der Bund der Steuerzahler ist eine anerkannte, neutrale Institution, die unangenehme Wahrheiten ausspricht, die den betroffenen Lobbygruppen oft nicht gefällt. Das hilft uns, die Sache mit einer gewissen Objektivität und Rationalität einzuschätzen. Sehr wohltuend. Daher danke für die Information


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#3
07.10.2016
12:08:12


(+10, 10 Votes)

Von Loren
Aus Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern)
Mitglied seit 02.11.2013


Es handelt sich bei diesem Hin und Her wohl um ein reines Politikum und die Unfähigkeit der dortigen Landesregierung, für "echte Vielfalt von Anfang an" engagiert einzustehen und dies auch öffentlich und argumentativ durchzuhalten.
Der Bund der Steuerzahler sollte m.E. darauf bedacht sein, sich nicht vor den Karren autoritärer, freiheits-und menschenfeindlicher Gruppierungen spannen zu lassen. Der Ruf ist schnell ruiniert


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#4
07.10.2016
12:13:09


(+9, 11 Votes)

Von Carsten AC


Sind SPD und Grüne jetzt auch in Schleswig-Holstein vor einer schrillen Minderheit von Homohassern eingeknickt?

Ja, die Rechten sind leider stärker geworden. Aber es ist immer noch eine zwar lautstarke, aber dennoch sehr kleine Minderheit.

Und man bekämpft rechte Positionen garantiert nicht, indem man sie einfach kopiert und denen nach dem Mund spricht.

Die deutliche Mehrheit der Bürger will nach wie vor die volle Gleichstellung von GLBTI und hat auch nichts gegen Bildung und Aufklärung, sondern weiß, wie wichtig das ist.


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#5
07.10.2016
12:26:34


(+10, 12 Votes)

Von Yannick


Die Verschleppung ist besonders skandalös, da es hier um das körperliche und geistige Wohl Minderjähriger geht.

Schon an Grundschulen sind "schwul", "schwule Sau", etc. die häufigsten Schimpfwörter. Homo- und transphobes Mobbing und Gewalt sind an allen Schulen von der Grundschule bis zum Gymnasium trauriger Alltag.

Und die Selbstmordrate ist unter LGBTI-Jugendlichen nach wie vor 5-7x höher als bei Hetero-Jugendlichen.

Sollte Schule kein sicherer Ort sein, wo ALLE Schüler sich wohl und sicher fühlen können und wo Mobbing und Gewalt nicht vorkommen?! Und wo den Schülerinnen und Schülern altersgerecht und seriös die Realität der wahren Welt vermittelt wird, statt dass sie sich selbst irgendwelche Horror-Storys zusammenphantasieren müssen?!

Übrigens sind die gesundheitlichen und psychischen Spätfolgen von Mobbing und Gewalt auch eine enorme volkswirtschaftliche Belastung. Ich bin z.B. nur wegen Ausgrenzung und Mobbing heute so dick (war damals ein klassischer Frust-Esser und werde die Folgen nicht los) und koste das Gesundheitssystem viel Geld...

Übrigens nützt es auch den Heteros, wenn sie den Wert von Vielfalt kennen und nicht vom Hass zerfressen durchs Leben gehen...


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#6
07.10.2016
12:53:39


(+12, 14 Votes)

Von Pfui


Pfui SPD.
Pfui Grüne.
Pfui SSW.

Es gibt religiöse Fanatiker, rechte Ewiggestrige und anderes braunes Gesindel, das Bildung und Aufklärung verhindern will.

Aber das ist eher ein Beleg, dass offenbar noch viel mehr Bildung und Aufklärung nötig ist.

Mit jeder Abschwächung und jedem Tag Verzögerung schadet man Jugendlichen massiv und hat immer mehr Blut an seinen Händen.

Und man macht die Homohasser nur noch stärker, weil es so wirkt, als hätten die Homohasser von Anfang an recht gehabt und als müssten das jetzt auch die anderen einsehen.

Durch dieses Zögern weckt man bei Leuten Zweifel, die eigentlich dafür sind. Die denken sich jetzt natürlich "Was mag da wohl schlimmes drin stehen, dass das weggesperrt wird." Nur wenn man das wirklich schnell in die Praxis bringt, sehen die Menschen, dass das alles gar nicht so schlimm ist und dass die Lügenmärchen der Homohasser (Gruppensex-Zwang, Pornopflicht im Unterricht, etc.) alles Lügen sind und nur deren kranker Phantasie entspringen.


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#7
07.10.2016
12:58:07


(+11, 11 Votes)

Von Marek


Ich halte jede Wette, dass die jetzt sagen werden, es bedürfe noch Abstimmungen und Vorbereitungen und wir müssten noch Geduld haben.

Wohin das führt, haben wir in Baden-Württemberg gesehen, wo SPD und Grüne uns über 5 Jahre hingehalten und immer wieder Geduld gefordert haben... Und am Ende kam nach zig Überarbeitungen und Verzögerungen ein Bildungsplan raus, der seinen Namen nicht verdient und wo Lehrer jetzt Vielfalt z.B. anhand religiöser Vielfalt erklären können und LGBTI-Themen weiterhin tabuisiert werden können.

Wir sollen immer und immer wieder Geduld haben... Dabei haben wir langsam lange genug Geduld gehabt. Nicht erst seit Wochen, Monaten oder Jahren, sondern seit Jahrzehnten!!!

Die Zeit der Geduld muss irgendwann auch mal zu Ende sein. Denn irgendwann hat es nichts mehr mit Geduld zu tun, sondern ist nur noch Hinhalten und Verarsche!


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#8
07.10.2016
12:59:08


(-6, 8 Votes)

Von Lars


Also,ich weiß nicht. Das Lehrmaterial ist wirklich nicht gelungen. Sehr theoretisierend , leblos und technokratisch.

Das, was gelebte Vielfalt ausmacht, ist meines Erachtens die Erkenntnis, dass jede (auch die klassiche) Konstellation ihre spezifischen Vorteile, Probleme und Eigengesetzlichkeiten hat. Vielfalt hat immer auch mit dem Wahrnehmen von Fremdheit zu tun, die man zugeben darf, um sie mit Neugier und Mut zu überwinden. So ist jedenfalls unsere heutige Realität. Dieser emotionale Prozess, an der Menschen und eine Geseslclhaft wachsen können, wird vollkommen ausgeblendet. Damit unterschätzt man den Realitätssinn von Kindern. Gut gemeint ist nicht gut gemacht.

Bei der (lesbischen) Kinderbuchautorin Tove Jansson gibt es eine Gouvernante, die mit ihren Pflgekindern immer "lehrreiche Spiele" spielt. So kommt mir das vor.

Andere werden meine Meinung nicht teilen - das ist in Ordnung. Danke , queer.de, für das Mitteilen der Entwürfe. Ich finde es sehr begrüßenswert, dass auf breiter Ebene über die Inhalte gesprochen und diskutiert werden kann.


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#9
07.10.2016
12:59:18


(+9, 9 Votes)

Von Marek
Antwort zu Kommentar #6 von Pfui


Und mal zur Erinnerung:
diesmal können die das nicht auf den Koalitionspartner CDU schieben. Diesmal haben die das ganz alleine verbrochen (wie auch schon in Baden-Württemberg & Co).


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#10
07.10.2016
13:02:43


(+8, 10 Votes)

Von Justus


Ich verstehe das nicht:
in anderen zivilisierten Staaten ist Aufklärung über die Vielfalt sexueller Identitäten und Orientierungen schon seit Jahren selbstverständlich und das gibt es keinerlei Probleme. Davon profitiert die gesamte Gesellschaft und übrigens auch die Wirtschaft.

Nur im Land des rosa Winkels ist wieder alles ein riesiges Problem und wird alles skandalisiert.


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