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Reichsleiter SS Heinrich Himmler, hier mit SS-Männern, ist für die Gründung der "Reichszentrale zur Bekämpfung der Homosexualität und der Abtreibung" verantwortlich (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-J27809)

Auf Sondererlass von Heinrich Himmler entstand am 10. Oktober 1936 eine Behörde, die die Daten Zehntausender schwuler Männer sammelte.

Bis heute erinnert keine Gedenktafel an diese gruselige Behörde: Auf Sondererlass von Heinrich Himmler, dem damaligen Reichsführer SS, wurde am 10. Oktober vor 80 Jahren die "Reichszentrale zur Bekämpfung der Homosexualität und der Abtreibung" gegründet. Sie war das zentrale Instrument der Nationalsozialisten zur Verfolgung schwuler Männer in ganz Deutschland.

Die Behörde, die im Reichskriminalpolizeiamt am Werderschen Markt in Berlin angesiedelt war, wurde zunächst vom SS-Offizier Josef Meisinger geleitet, ab 1938 von Kriminalrat Erich Jacob. Beide hatten einen Stamm von 17 Mitarbeitern. 1940 hatte die "Reichszentrale" bereits Namen und Anschriften von über 40.000 wegen Homosexualität verurteilter oder verdächtiger Männer gesammelt. Die am Ende schätzungsweise 100.000 Karteikarten umfassende Sammlung wurde wahrscheinlich in den letzten Kriegstagen vernichtet.

Die Schwulenverfolgung verschärfte sich


Himmlers Geheimerlass fordert eine "wirksame Bekämpfung" der "Volksseuche" Homosexualität als "eine der größten Gefahren für die Jugend" (Bild: ondamaris.de / wikipedia)

Die Gründung der "Reichszentrale zur Bekämpfung der Homosexualität und der Abtreibung" bedeutete zwar nicht den Beginn der nationalsozialistischen Schwulenverfolgung (bereits 1934 wurde das "Sonderdezernat Homosexualität" beim Geheimen Staatspolizeiamt eingerichtet), sehr wohl jedoch eine deutliche Intensivierung und Verschärfung.

Die zentrale Datenspeicherung erlaubte es der Behörde, Maßnahmen zur Verfolgung und Bestrafung von Homosexuellen einzuleiten und zu koordinieren. Dazu stand ihr der Einsatz von mobilen Sondereinheiten zur Verfügung. Eine Richtlinie von 1937 regelte etwa die ständige Überwachung von Strichern.

Im nationalsozialistischen Deutschland wurden insgesamt rund 50.000 Männer nach Paragraf 175 verurteilt, bis zu 15.000 wurden in Konzentrationslager verschleppt, wo vermutlich über die Hälfte ums Leben kam. Hunderte homosexuelle Männer wurden zudem auf gerichtliche Anordnung hin kastriert, eine unbekannte Zahl in psychiatrische Anstalten eingewiesen. Ohne die Arbeit der "Reichszentrale zur Bekämpfung der Homosexualität und der Abtreibung" wäre das Ausmaß der Verfolgung nicht möglich gewesen. (cw)



#1 champalexAnonym
#2 markusbln11Anonym
  • 10.10.2016, 15:24h

  • Höre ich zum ersten mal. Und wie ich sehe, bin ich nicht die / der einzige.

    Da fehlt wohl wirklich die professionelle geschichtliche aufarbeitung ubd öffentliche rezeption.
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#3 Ulli_2mecsProfil
#4 Miguel53deProfil
  • 10.10.2016, 17:23hOttawa
  • Und mehr und mehr hat man den Eindruck, bis heute haben ein Grossteil der religioesen und politischen "Elite" nichts dazu gelernt. Hoert und liest man, was immer wieder geaeussert wird, kann man da schon mal den Glauben an die Menschheit verlieren.

    Und schlimmer noch. Angesichts der spuerbar verstaerkten Bedrohung des augenblicklichen Status quo erklaeren - angeblich - Schwule selbst, man muesse sich zurueckhalten und vorsichtig argumentieren. Oder sie engagieren sich sogar in offen LGBTIQ feindlichen Parteien.

    Mir macht das Sorge. Bin ich paranoid? Ich wuenschte, es waere nur das...
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#5 AFD-WatchAnonym
  • 10.10.2016, 19:06h
  • Passend hierzu:

    Nachkriegszeit: Bundesjustizministerium beschäftigte viele Nazi-Juristen

    www.tagesschau.de/multimedia/video/video-221603.html

    Soviel zu den Bedenken mancher Korinthen-Kacker oder User wie "dont talk about", man könne die Urteile des §175 NACH der Nazi-Zeit nicht aufheben...
    Wo es doch DIESSELBEN waren, die ihre EIGENE Beteiligung an der Verfolgung frür rechtens erklärten!
    Somit dürfte das Schandurteil des Nazi-durchseuchten BfVG von 1957 obsolet sein!
    Und wer immer noch meint, man dürfe dies nicht aufheben und auch noch die vor-68er Ära lobt, der zeigt, auf wessen Seite der Geschichte er steht!
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#6 trans_allianceProfil
#7 AlexAnonym
  • 10.10.2016, 20:55h

  • Und 80 Jahre später kämpfen die Opfer des §175 (den es in der Nazi-Form bis 1969 gab und in abgeschwächter Form bis 1994) immer noch um ihre Rehabilitierung und Entschädigung...

    Im Land des rosa Winkels...
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#8 hugo1970Profil
  • 10.10.2016, 21:38hPyrbaum
  • Großen Dank an die queer.de Redaktion, Sie hilft uns die verbrechen der hitlerischen und himmlerischen nazis nicht zu vergessen und das wir nicht vergessen dürfen, das wir jeder zeit wieder zu Verfolgten werden können.
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#9 Alice
  • 10.10.2016, 23:53h
  • Antwort auf #2 von markusbln11
  • Ja davon gehört habe ich aber nicht in der Schule obwohl wir das Dritte Reich / Nazideutschland / Hitler und Konsorten
    "rauf und runter" bahandelt haben ...
    aber nichts von Schwulen, Lesben und Trans* und deren Verfolgung, vom rosa Winkel, von dieser Extra-Behörde - als wenn es nicht statt gefunden hätte.
    -> Aufklärung über LSBTTIQ in den Schulen ist soetwas von nötig!
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#10 Alice
  • 11.10.2016, 00:12h
  • "Die zentrale Datenspeicherung erlaubte es der Behörde, Maßnahmen zur Verfolgung und Bestrafung von Homosexuellen einzuleiten und zu koordinieren."

    Und heute wäre es viel einfacher uns bis auf den/die letzte* zu finden:
    Datenerassung von HIV-positiven (z.B. NRW Poilzei), Erfassung der Demonstranten (auch auf CSDs), Screening der social media, speichern von telefonaten, sorglose weitergabe der Daten an fremde Regierungen, WhatsApp, linkedin, ...

    "Ich habe ja nichts zu verbergen!"
    "Es weiss ja eh schon jeder alles!"

    www.datenschutzbeauftragter-info.de
    www.datenschutz.de
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