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  • 11.10.2016, 11:33h           17      Teilen:   |

Gastkommentar

Den gesellschaftlichen Rollback hält man nicht auf, indem man nachgibt

Artikelbild
"Gleiche Rechte statt heißer Luft": Als die Grünen beim Stuttgarter CSD 2009 dieses Give-away verteilten, waren sie im Ländle noch in der Opposition (Bild: (cc) Bündnis 90/Die Grünen Baden-Württemberg / flickr)

Die Grünen in Baden-Württemberg müssen mehr Haltung zeigen – und keine Toleranz für Homophobie.

Von Axel Hochrein

Selbstbestimmt, offen und diskriminierungsfrei – eine demokratische Gesellschaft muss es allen Menschen ermöglichen, jederzeit und an jedem Ort ohne Angst verschieden sein zu können. In Deutschland ist das für Lesben und Schwule nicht möglich.

So finden es 40 Prozent der Menschen in Deutschland eklig, wenn sich zwei Homosexuelle küssen. Mit teils abenteuerlichen Begründungen wird das Eheverbot für gleichgeschlechtliche Paare seit Jahrzehnten verteidigt und regelmäßig darauf beharrt, dass lesbische und schwule Liebe und Beziehungen einfach nicht so viel wert seien wie die heterosexueller Paare.

Permanent wird in Frage gestellt, ob Schule ein Ort sei, an dem Lehrkräfte für die Akzeptanz von Vielfalt eintreten. Munter wird regelmäßig dafür demonstriert, dass Kinder und Jugendliche weiterhin vor Lesben und Schwulen zu schützen seien. Regelmäßig wird Homosexualität diffamiert und abgewertet, sei es mit Verweis auf Religion, Natur oder obskure "Studien".

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Kretschmann-Artikel: Ein unangenehmer Beigeschmack bleibt

Vor diesem Hintergrund brauchen wir Politiker*innen, die gleiche Rechte einfordern und Vielfalt und Respekt verteidigen. Statt bestenfalls missverständlicher und schlimmstenfalls böswilliger Gegenüberstellung von individualistischen oder egoistischen Lesben und Schwulen einerseits und der "klassischen Ehe" andererseits. Kretschmann hat zwar inzwischen sein Eintreten für die Ehe für alle bekräftigt, ein unangenehmer Beigeschmack bleibt dennoch.

Den gesellschaftlichen Rollback hält man nicht auf, indem man Verständnis und Toleranz für homophobe Positionen erwartet. So ist ein Kommentar des Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer eine dreiste Unverschämtheit. Palmer verglich Kritiker*innen der grenzwertigen Passage im Artikel Kretschmanns mit Jakobinern, sprich einer Terrorherrschaft, die Tausende hinrichten ließ. Solche Parolen kennt man eher aus anderen politischen Lagern.

Statt missverständlicher Zwischenrufe und überflüssiger Kommentare sollten sich die Grünen in Baden-Württemberg und in ganz Deutschland weiterhin als Motor für gesellschaftliche und rechtliche Gleichstellung verstehen und für eine pluralistische und offene Gesellschaft eintreten. Ohne Wenn und Aber.

Axel Hochrein ist Sprecher des Lesben- und Schwulenverbands in Deutschland (LSVD)

Mehr zum Thema:
» An diesen Sätzen erkennt man einen homophoben Menschen – wie Boris Palmer (11.10.2016)
» Boris Palmer wirft LGBTI-Aktivisten "Intoleranz und Jakobinismus" vor (09.10.2016)
» Kretschmann bedauert "missverständlichen" Meinungsbeitrag in der "Zeit" (06.10.2016)
» Heftige Kritik an Kretschmann aus der eigenen Partei (06.10.2016)
» Kretschmann und die Brandstifter (06.10.2016)
» Kretschmann fordert mehr Politik für Heteros (05.10.2016)
Wochen-Umfrage: Haben die Grünen ein Homophobie-Problem? (Ergebnis)

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Tags: winfried kretschmann, boris palmer, grüne, axel hochrein, lsvd
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Reaktionen zu "Den gesellschaftlichen Rollback hält man nicht auf, indem man nachgibt"


 17 User-Kommentare
« zurück  12  vor »

Die ersten:   
#1
11.10.2016
12:26:15


(-11, 15 Votes)

Von Lars


Die Diskussion über Homosexualität, Transsexualität etc. hat erst in den letzten zehn Jahren eine wirklich breite Öffentlichkeit erreicht. Es ist heute selbstverständlich, dass sich wirklch jede gesellschaftliche Gruppe zu dieen Themen öffentlich äußert. Dadurch entsteht sowohl der Eindruck bei den Heteros, dass die Homosexualität in der Gesellschaft zugenommen habe, dominanter geworden ist, als auch die Gegenannahme, dass die Homophobie zugenommen habe. Ich halte beides für einen logischen Kurzschluss.

Meine These ist, dass die Heteros in einem Prozess sind, LGBT-Themen, die sie bislang verdrängen konnten, zu integrieren, sichtbar zu machen. Mit all den Phasen, die wir bei einem Coming-out kennen: Verdrängung, Abwehr, Neugier, Unsicherheit etc.

In diesem Prozess kommt LGBT-Menschen eine neue, ungewohnte Rolle zu: Die der erfahrenen Begleiter, der Partner auf Augenhöhe und verantwortungsvollen und geduldigen Aufklärer. Es handelt sich dabei um einen Prozess, der bestimmt noch einmal so lange dauern kann, wie die schwule Emanzipation, also mindestens vierzig Jahre.

Verwirrend ist es, dass dadurch natürlich die gewohnte Polititk des Erkämpfen und Schützens von Rechten, die Strategie und Kunst der Abgrenzung und Selbstverteidigung nicht obsolet wird. Aber als alleiniges Mittel der politischen Gestaltung oder Identität taugt es nicht mehr.


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#2
11.10.2016
13:57:19


(+14, 16 Votes)

Von Felix


Ich weiß nicht, was mich mehr schockiert - die Homophobie bei Teilen der Grünen oder dass der Rest der Partei dazu schweigt und wegsieht.

Würden solche Aussagen von anderen Parteien kommen, würden die Grünen das in aller Deutlichkeit kritisieren. Aber wenn das aus den eigenen Reihen kommt, sind Parteidisziplin und Korpsgeist wohl doch wichtiger.

Da fragt man sich schon, wie ernst es den Grünen wirklich mit Homorechten ist oder ob das, ähnlich wie bei der SPD, nur ein Wahlkampfthema ist, um unsere Stimmen zu bekommen, man unsere Rechte aber im Zweifel für ein paar Ministersessel auch gerne mal verkauft.


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#3
11.10.2016
14:10:09


(+15, 17 Votes)

Von Justus


Das Erstarken religiöser Fanatiker und anderen rechten Gesindels kann man ganz gewiss nicht stoppen, indem man ihnen nach dem Mund redet. Die kann man nur stoppen, wenn man seiner Linie treu bleibt und deren Lügen entlarvt.

Aber wie auch manche andere Parteien scheinen die Grünen die AfD rechts überholen zu wollen und vergessen dabei, dass die AfD zwar stark ist, mehr als 85% der Wähler sie aber nicht wollten!

Die Grünen bekommen aktuell sehr viel Applaus von "Besorgten Bürgern", "Demo für alle", "Pegida" & Co. Das sollte denen wirklich mal langsam zu denken geben...


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#4
11.10.2016
14:19:32


(+12, 16 Votes)

Von Linus


Boris Palmer ist jetzt schon so oft durch homophobe, sexistische und rassistische Aussagen aufgefallen, dass das langsam mal Konsequenzen haben muss, ehe der endgültig politisch Amok läuft.

Aber stattdessen bekommt der noch von anderen grünen Spitzenpolitikern (z.B. Reinhard Bütikofer) Zuspruch.

Wenn das keine Konsequenzen hat, müssen wir davon ausgehen, dass der Rest der Grünen seine kruden Theorien und rechten Positionen teilt.

Oder anders ausgedrückt:
solange Boris Palmer Mitglied der Grünen ist, sind die Grünen für mich unwählbar geworden.

Und das muss ich leider als langjähriger Wähler der Grünen so offen sagen.


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#5
11.10.2016
14:23:56


(-3, 9 Votes)

Von Niedergemeiert


Die Chance ergreifen, auf Palmer pfeifen! #Kretschmannsucks


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#6
11.10.2016
14:39:12


(+16, 16 Votes)

Von Julian S


>>>>>>>>>
Boris Palmer: Eure Kinder sind aber nur 0,1% aller Kinder. Das kann man einfach mal anerkennen.
<<<<<<<<<

JEDES EINZELNE Kind (egal, wie viele oder wie wenig es sind) hat Anrecht auf rechtliche Sicherheit und auf Anerkennung seiner Familie. DAS kann man auch einfach mal anerkennen.

Dass er Kindern in Regenbogenfamilien aufgrund ihrer geringen Anzahl ihre Rechte aberkennt, beweist den perversen, abgrundtief verdorbenen Charakter von Boris Palmer. Dem geht es gar nicht um die Kinder, sondern die instrumentalisiert sie nur, um Vorbehalte oder gar Hass zu schüren.

Im übrigen bezweifle ich auch, dass die Zahl von 0,1% korrekt ist. Dafür hätte ich gerne mal eine seriöse Quelle. Aber die Anzahl ist bei Grundrechten eh egal. Zumal Schutzrechte ja nicht für die Mehrheit gemacht sind, die sie nicht nötig haben, sondern die sind ja geradezu für Minderheiten gemacht.


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#7
11.10.2016
14:47:06


(+12, 14 Votes)

Von Florian 90


Boris Palmer und andere Rechtspopulisten unter den Grünen machen mit ihren Aussagen AfD & Co erst salonfähig.

Diese Grünen sind der Steigbügelhalter der AfD.

Die Grünen sollten sich langsam mal überlegen, wie lange sie sich solche Mitglieder noch leisten wollen oder auch können, denn solche Leute vertreiben auch jahrzehntelange Stammwähler. Und wer erst mal verloren wurde, den bekommt man so schnell nicht wieder zurück.

Wir können uns aussuchen, wen wir wählen. Die Grünen können sich nicht aussuchen, wieviele sie wählen...

SPD und FDP haben bereits schmerzhaft erfahren, welche Konsequenzen es hat, wenn man eine seiner Haupt-Wählerschichten verprellt. Es wird wohl Zeit, dass die Grünen diese Lektion auch mal lernen...

Wenn sie nicht gegen Boris Palmer & Co aktiv werden, müssen sie es eben auf die harte Tour lernen...


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#8
11.10.2016
15:06:29


(+15, 17 Votes)

Von Fakten


Wir sollten auch den Fall Kretschmann nicht aus dem Auge verlieren. Der hat zwar angeblich seine Aussagen relativiert, aber bei genauem Hinsehen bleiben doch noch viele Fragen offen:

Nur mal einige Beispiele:

1.

Seine "Relativierungen" haben ja bisher nur LGBTI erreicht, aber noch nicht die breiten Massen. Von denen lässt er sich immer noch als "Beschützer der traditionellen Ehe" feiern.

Ich erwarte nach wie vor, dass seine Richtigstellungen auch über denselben Kanal verbreitet werden, wie sein (gewollt oder ungewollt) mehrdeutiges Interview. Notfalls muss er halt eine Anzeigenseite für seine Richtigstellungen kaufen; dann aber von seinem privaten Geld und nicht aus Steuergeldern, denn es war ja nicht Schuld des Steuerzahlers, sondern seine eigene.

2.

In der Relativierung geht er ja nur zu seinen Aussagen zur Bevorzugung der "traditionellen Ehe" ein und zu seinem Zitat "das ist gut so". Aber in dem Interview hatte er ja auch betont, dass eine zu liberale Haltung der Grünen in dieser Frage die AfD erst stark mache (was wohl eher auf Kretschmann, Palmer, Bütikofer & Co zutrifft).

Darauf ist er mit keinem Wort eingegangen. Und das passt ja auch überhaupt nicht zu seinen angeblichen Richtigstellungen. (Vermutlich ist ihm kein rhetorischer Trick eingefallen, wie man diese Aussage noch geradebiegen kann und da hofft er einfach, dass das angesichts der anderen Relativierungen vergessen wird.)

3.

Er verweist in seinem "Entschuldigungsschreiben" auf angebliche Erfolge, wie z.B. die Gleichstellung im Beamtenrecht. Dieselbe Taktik haben zwar auch schon SPD und FDP versucht, aber Fakt ist, dass die dazu gezwungen wurden.

4.

Er verweist auch auf den Bildungsplan in Baden-Württemberg. Und hofft dabei wohl, dass sich den niemand genauer ansieht. Aber ich habe mir den angesehen und von den ursprünglichen Plänen ist leider nicht viel übrig geblieben.

Ziel war mal, homo- und transphobes Mobbing an Schulen zu beenden, indem man über LGBTI aufklärt. Was davon übrig geblieben ist, ist ein diffus formulierter Anspruch, Vielfalt zu fördern. Dazu zählen aber laut Bildungsplan auch Vielfalt der Hautfarben, Religionsvielfalt, etc.

Ergo: ein homophober Lehrer (oder eine ganze konservative Schule) kann das Thema LGBTI nach wie vor komplett totschweigen und stattdessen etwas über Vielfalt der Religionen schwafeln.

Etc. etc. etc.

Auch nach den "Relativierungen" von Winfried Kretschmann gibt es nach wie vor genug zu kritisieren und genug offene Fragen...


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#9
11.10.2016
15:23:56
Via Handy


(+12, 14 Votes)

Von Alex


Und die Partei schweigt...

Auch nach dem erneuten Rechtsruck bei Teilen der Grünen und nach den jüngsten menschenverachtenden Äußerungen (was ja auch nicht das erste mal ist), hält es beim Rest der Partei irgendwer für nötig, mal etwas dagegen zu unternehmen oder sich wenigstens mal zu distanzieren...

Sind die alle zu feige, es sich mit dem starken Kretschmann und seiner braunen Truppe zu verscherzen?! Oder teilen sie insgeheim diese Positionen?!


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#10
11.10.2016
17:08:35


(+15, 15 Votes)

Von Pechmarie


Bevor Baden Würtemberg grün wird, wird grün schwarz.


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