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  • 11.10.2016, 16:47h           3      Teilen:   |

Interview mit Christian Rudolph

Football Pride Week: Organisator kritisiert "Wegduckmentalität"

Artikelbild
Christian Rudolph zieht trotz der geringen Beteiligung der Vereine eine positive Bilanz der Konferenz (Bild: Fußballfans gegen Homophobie)

Christian Rudolph von "Fußballfans gegen Homophobie" beklagt, dass viele Vereine nicht genug unternehmen würden. Immerhin schaute Roman Neustädter bei der Berliner Konferenz vorbei.

Vom 5. bis 9. Oktober fand in Berlin die internationale Fußballkonferenz Football Pride Week statt, in der sich Fans, Verbände und Vereine mit dem Themenbereich Homophobie auseinandersetzten. Mitorganisator Christian Rudolph zieht im Gespräch mit queer.de-Redakteur Dennis Klein Bilanz.

Bereits im Vorfeld hatte Rudolph kritisiert, dass nur ganze zehn Vereine aus den höchsten vier Spielklassen bei der bislang einzigartigen Konferenz mitmachen wollten, obwohl alle 117 Vereine von der Bundesliga bis zur Regionalliga angeschrieben worden waren. Bei den Teilnehmern handelt es sich um Hertha BSC Berlin, Werder Bremen, Darmstadt 98, Borussia Dortmund, Fortuna Düsseldorf, Eintracht Frankfurt, den Hamburger SV, den FC St. Pauli, den 1. FC Köln und Schalke 04.

queer.de: Wie lautet dein Resümee der Konferenz?

Christian Rudolph: Das waren sehr intensive Tage mit guten Diskussionen auf Fan-Ebene. Es war uns wichtig, uns international auszutauschen. Bei dem Dialog mit Vereinen und Verbänden haben beide Seiten gelernt. Am Samstag nahm auch Roman Neustädter mit seiner Frau an den Workshops teil, ein ehemaliger Bundesligaspieler, der jetzt bei Fenerbahçe Istanbul und in der russischen Nationalmannschaft spielt.


Roman Neustädter bei der Football Pride Week


Was kann man konkret gegen Homophobie im Fußball tun?

Wichtig war uns erst einmal, dass wir am Thema dranbleiben. Wir müssen Vereine und die Verbände dafür sensibilisieren, dass Diskriminierung auch als solche wahrgenommen wird. Wir wollen zukünftig in der Öffentlichkeitsarbeit zusammenarbeiten und beispielsweise das Thema Homophobie bei der Mitarbeiter- oder Trainerausbildung ansprechen. Zunächst müssen wir aber erst einmal Kontakte aufbauen.

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Es waren ja nur zehn Vereine dabei aus den ersten vier deutschen Ligen – woran lag das geringe Interesse?

Das können wir nicht direkt beurteilen. Einige haben im Vorfeld abgesagt. Viele scheinen noch nicht die Notwendigkeit für dieses Thema zu sehen. Das sehen wir als verpasste Chance. So oft haben Vereine nicht die Möglichkeit, von einem so breiten Bündnis zu profitieren und Erfahrungen zu sammeln. Die Vereine, die da waren, wollen das Thema Homophobie aber weitertragen.

Welche Schritte empfiehlst du konkret Vereinen, um gegen Homophobie vorzugehen?

Wir haben natürlich nicht das Patentrezept. Wir versuchen zunächst zu erreichen, dass die Vereine die Problematik überhaupt sehen und sie ernst nehmen, etwa wenn ein homophober Spruchbanner in der Fankurve zu sehen ist. Der Verein muss dann zeigen, dass Homophobie keine Akzeptanz findet.

Klappt das schon?

Nicht bei allen Vereinen gleich gut. Aber da, wo etwas passiert, gibt es auch gute Dialoge im Anschluss. Oft erleben wir aber leider eine Wegduckmentalität. Man thematisiert das Thema lieber nicht, um nicht negativ im Gespräch zu sein. Wir müssen aber klarmachen, dass sich das Problem oft in Stadien verschärft, wenn nicht darauf reagiert wird.

Gibt es regionale Unterschiede darin, welche Vereine homofreundlich sind. Oder anders gefragt: Gibt es mehr Probleme im Osten als im Westen?

Das würde ich so nicht sagen. Die homophoben Spruchbänder haben wir genauso in der Bundesliga im Westen. Im Westen in den höheren Ligen ist man eher sensibilisiert, aber es gibt nur wenige Vereine aus dem Ostteil in der ersten und zweiten Liga. Es ist aber vielmehr davon abhängig, welche Menschen gerade in der Vereinsführung sind.


Teilnehmer der Konferenz


Die nächsten Weltmeisterschaften finden in Russland und Katar statt – zwei Staaten, die mit harter Hand gegen Homosexuelle vorgehen. Wie kann man homosexuelle Fans schützen?

Das ist natürlich ein heikles Thema. Viele Fußballfans fühlen sich ausgeschlossen bei diesen beiden Turnieren, weil sie Überfälle und ähnliches befürchten. Wir versuchen hier, ein Netzwerk aufzubauen von Menschenrechtsorganisationen, die im Vorfeld auf die Problematik aufmerksam machen und Vorfälle dokumentieren.

Ist ein Boykott eine mögliche Reaktion?

Nein, das ist keine Lösung. Wir fahren lieber dorthin und zeigen Flagge, als uns wegzuducken.

Seit Jahren gibt es Debatten um das erste Coming-out eines aktiven Profifußballers. Gab es darüber Gespräche bei der Konferenz?

Wir haben hier und da darüber gesprochen, aber das eine große Coming-out ist grundsätzlich nicht unser Thema. Wir wollen gegen Homosexualität als Stigma kämpfen. Ich glaube, es ist die größte Befürchtung eines Fußballers, der sich heute outet, nur noch als "schwuler Fußballer" angesehen zu werden und nicht mehr als Privatperson oder als Sportler. Letztlich geht es aber nicht nur um den einen Fußballer, sondern im Fußball sind noch viel mehr Menschen aktiv – etwa der Trainer, die Betreuer, der Manager. Auch hier gibt es keine Selbstverständlichkeit, dass man über das Privatleben, wenn man möchte, sprechen kann. Dieses Stigma muss abgebaut werden und das braucht wahrscheinlich noch einige Zeit.

Links zum Thema:
» Football Pride Week auf Facebook
» Homepage Fußballfans gegen Homophobie
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Tags: fußball, sport, fußballfans gegen homophobie, football pride week, berlin
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Reaktionen zu "Football Pride Week: Organisator kritisiert "Wegduckmentalität""


 3 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
11.10.2016
19:56:17


(+4, 4 Votes)

Von TheDad
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Danke für den nachfolge-Artikel, und die Liste der teilnehmenden Vereine..

Bezeichnend wie wenige wirkliches Interesse haben..

""Letztlich geht es aber nicht nur um den einen Fußballer, sondern im Fußball sind noch viel mehr Menschen aktiv etwa der Trainer, die Betreuer, der Manager. Auch hier gibt es keine Selbstverständlichkeit, dass man über das Privatleben, wenn man möchte, sprechen kann.""..

Das stimmt allerdings..
Man muß nicht nur für aktive Profi-Spieler Bedingungen schaffen die ein Coming-Out ermöglichen, sondern diese Bedingungen für alle in den Vereinen Tätigen schaffen..
Eigentlich dachte ich diese Bedingungen wären durch die damalige Präsidentschaft Corny Littmanns bei St.Pauli längst Realität geworden..
Offensichtlich ist dies nicht der Fall..
Es gibt noch viel zu tun..


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#2
12.10.2016
08:39:11


(+3, 3 Votes)

Von myystery


Respekt vor Roman Neustädter, der damit seine Chancen in der russischen Mannschaft garantiert nicht erhöht hat.

Traurig, dass es kein aktueller Bundesligaspieler geschafft hat. Viertligisten und Drittligisten mache ich keinen Vorwurf, da spielen vielleicht auch finanzielle Erwägungen eine Rolle, nicht nach Berlin zu fahren.

Für Erst- und Zweitligisten gibt es dagegen keine Entschuldigung. Das ist peinlich.


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#3
12.10.2016
12:59:53


(+1, 3 Votes)

Von falken42
Profil nur für angemeldete User sichtbar


fussball- und sportvereine generell haben ein problem mit der eigenen schwulenfeindlichkeit umzugehen. sie müssten sich ja dann mit der tatsache auseinandersetzen, das sportvereine viel mehr schwule und schwules beinhalten als die als dogmatische norm gesetzte prozentzahl in diesem land.
dann wären wir vielleicht nicht mehr die ausnahme - auch für viele schwule eine beängstigende vorstellung.
da ist schon längst zusammen gewachsen, was eigentlich getrennt gehört.


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