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  • 12.10.2016, 22:13h           2      Teilen:   |

Kampf um Sichtbarkeit von Vielfalt

"Ikea"-Posse in Russland: Queere Szene gibt nicht auf

Artikelbild
Ein Foto kann man unterdrücken, aber gleich drei?

Nach dem "Rückzug" eines "schwulen" Paares aus einem Wettbewerb führen nun gleich drei möglicherweise schwule und lesbische Paare.

Es hatte sich für die russische Szene wie eine Niederlage angefühlt: Nachdem tagelang zwei händchenhaltende Jungs bei einem Wettbewerb zum Titelbild des aktuellen Ikea-Katalogs mit Abstand in Führung lagen (queer.de berichtete), verschwand der Beitrag am letzten Mittwoch. Die beiden Jungs hätten darum gebeten, gab der Konzern bekannt (queer.de berichtete).

Den Contest "Werde das Titel-Gesicht" führt Ikea in Russland schon seit Jahren durch; Teilnehmer können sich in verschiedenen Filialen des Möbelhauses in der nachgebauten Einrichtung des aktuellen Katalogtitelbildes fotografieren lassen. Sie nehmen an einer Online-Abstimmung teil und dürfen einen individualisierten Katalog mit nach Hause nehmen.

Bereits in der Vergangenheit hatte der Wettbewerb zu einem Politikum geführt, als Ikea entsprechend gekleidete Unterstützer von Pussy Riot aus dem Wettbewerb ausgeschlossen hatte. Doch bei der neuerlichen Posse ging es nur um die alltägliche Vielfalt der Gesellschaft – und um viel homophobe Hysterie.

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Ein Abbild des Alltags wird zum Politikum

Dieses inzwischen entfernte Cover machte auf der ganzen Welt Schlagzeilen
Dieses inzwischen entfernte Cover machte auf der ganzen Welt Schlagzeilen

Angefangen hatte der absurde Kulturkampf mit einem Zeitungsbericht, der erwähnte, dass ein schwules Paar bei dem Wettbewerb knapp in Führung lag. Die einflussreiche Gruppe "Straight Alliance for LGBT Equality" bat daraufhin ihre über 20.000 Follower im sozialen Netzwerk VK, für die beiden Männer zu stimmen – auch um Druck auf Ikea zu erzeugen, für Vielfalt einzustehen: Vor drei Jahren hatte der Konzern aus der russischen Version des internationalen Kundenmagazins ein Interview mit einem lesbischen Paar entfernt, aus vorauseilendem Gehorsam zum Gesetz gegen Homo-"Propaganda" (queer.de berichtete).

Letztlich entwickelte sich daraus ein großes Medientheater; einige Medien berichteten eher amüsiert, andere extrem homophob. Als das Wettbewerbsbeitrag bei Ikea verschwand, zunächst kommentarlos für einige Stunden, später ganz, vermuteten einige dann auch eine Zensur des Konzerns oder eine nicht-öffentliche Einigung mit den beiden Männern. Laut offizieller Begründung haben die Jungs selbst um den Rückzug gebeten; es gibt ein Zitat gegenüber einer Zeitung, sie seien gar nicht schwul. Letztlich liegt der Ärger und die Freude über das Cover in den Augen der Betrachter; der auf das Foto zweier sich mögender Menschen reduzierte Streit zeigt, wie stark das Thema Homosexualität in Russland noch die Gemüter erregt, gerade auch wegen der von den Behörden geschürten Polarisierung.

Ikea selbst hatte dabei ungelenk reagiert: Als das Cover noch online war, sagte ein Pressesprecher, dass man davon ausgehe, dass es sich nicht um Homo-"Propaganda" handle, zumal es sich ja auch um heterosexuelle Jungs oder zwei Brüder hätte handeln können. Sollte eine unabhängige Überprüfung etwas anderes ergeben, werde man aber natürlich dem Gesetz entsprechend handeln. Ein Bekenntnis zu Diversity, wie man es von Ikea aus anderen Ländern kennt, war das eher nicht.

Die Community kämpft weiter

Für die "Straight Alliance for LGBT Equality" fühlte sich das Entfernen des Bildes so oder so wie eine Niederlage an und man bat die Nutzer um Gedanken, wie man die vergleichsweise noch große und positive Aufmerksamkeit für LGBT-Sichtbarkeit nutzen könne. Inzwischen konnte man Vollzug melden: "Die LGBT-Community antwortete auf die Entfernung eines Bildes mit drei neuen – zwei mit zwei Frauen und einem mit zwei Männern. Moskau, St. Petersburg und Rostow. Und wir sind sicher, dass das nur der Anfang ist." Die Bilder liegen bei der Online-Abstimmung bereits wieder deutlich in Führung.

Die Shootings laufen noch bis zum 23. Oktober und die Aktivisten fordern zu einer großen Beteiligung auf: Sichtbarkeit sei eine der wichtigsten Aufgaben der LGBT-Community in Russland, schreibt die Alliance, "Silence = Death". "Wir sind froh, dass die Community sich nicht mit ungerechtfertigten Versuchen abfindet, Millionen von LGBT in den Schrank zu schieben, und gegen das Verschweigen protestiert."

Am Dienstag wurde bekannt, dass die russische Medienaufsicht die größte Online-Unterstützungscommunity für queere Jugendliche in dem weitläufigen Land, "Kinder 404", auf den Index setzen will (queer.de berichtete). Auch das will sich die Community nicht gefallen lassen. (nb)

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Tags: ikea, russland
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Reaktionen zu ""Ikea"-Posse in Russland: Queere Szene gibt nicht auf"


 2 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
13.10.2016
10:02:03


(+6, 6 Votes)

Von Sebi


Das Nebeneinandersitzen ist aber nun wirklich nicht dasselbe, wie das "Kuscheln" beim ursprünglichen Motiv...


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#2
13.10.2016
15:18:16


(+5, 5 Votes)

Von noname
Antwort zu Kommentar #1 von Sebi


Wenn man in Russland keine spontane Pollonium-Diät machen will, muss man eben kompromisse eingehen.


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