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  • 14.10.2016, 12:06h           53      Teilen:   |

Dokumentation

Offener Brief an Boris Palmer

Artikelbild
Tübingens grüner Oberbürgermeister Boris Palmer findet es gut, dass die Mehrzahl der Menschen heterosexuell ist und kann Kritik an der Äußerung nicht verstehen (Bild: Manfred Grohe)

Maria Meisterernst und Ulli Reichardt von der LAG QueerGrün Berlin fordern Tübingens Bürgermeister zum Nachdenken auf. Dessen Äußerungen "erschrecken, verängstigen und werten ab".

Lieber Boris,

seit einer Woche erleben wir eine heftige Debatte inner- und außerhalb Grüner Kreise zu – ja zu was eigentlich? Von Winfrieds Debattenbeitrag zum Auseinanderdriften der Gesellschaft und Grünen Konzepten für eine starke, pluralistische Gesellschaft ist inzwischen nicht mehr viel in der Wahrnehmung übrig geblieben. Neben den von ihm inzwischen präzisierten und richtig gestellten Punkten dominieren nun Deine Äußerungen die Sozialen Netze, die queeren Medien und die grüne innerparteiliche Debatte. Dies schadet auch dem von Winfried ursprünglich angedachten Diskurs zum Umgang mit Rechtspopulisten und "besorgten Bürgern".

Um es direkt zu sagen, viele Deiner Beiträge zur Debatte, Deiner Posts und Kommentare empfinden wir queere Grüne als verletzend, unangebracht und fern jedem grünen Debattenstand und Diskurs.

Mit Deinen Äußerungen zur "Lautstärke" der Minderheit aus LSBTTIQ wertest Du eine ganze Bewegung, die gleiche Rechte über Jahrzehnte mühsam und gegen vehemente Widerstände erkämpfen musste, ab. Menschen die gegen gesellschaftlichen und rechtlichen Druck eine Stimme finden mussten – und sie immer neu finden müssen! Nicht umsonst feiern (nicht begehen!) wir diese Woche den Internationalen Coming Out Day. Noch immer sind jugendliche und erwachsene queere Menschen in unserem Land massiver Diskriminierung und Anfeindung bis hin zur brutalen Gewalt ausgesetzt. Das Suizidrisiko queerer Jugendlicher ist um den Faktor 4-7 gegenüber dem Schnitt der Bevölkerung erhöht. Für Jugendliche in der inneren Coming-Out-Phase sind sichtbare Vorbilder enorm wichtig. Dein Ruf nach geringerer Sichtbarkeit und "Lautstärke" ist auch hier kontraproduktiv.

Fortsetzung nach Anzeige


Einladung zum Dialog – aber nicht über Facebook

Bei CSD-Paraden feiern wir die erreichten Erfolge und die erreichte Sichtbarkeit – und senden ein Signal aus in diejenigen Weltregionen, die nicht so weit sind. Und leider liegen diese Regionen gar nicht so weit weg. Im Gegenteil: in Russland werden Rechte queerer Menschen massiv beschnitten und auch in Deutschland mobilisieren rechtspopulistische und -extremistische Gruppen gegen unsere Menschenrechte, wenn etwa in Stuttgart Tausende gegen den Bildungsplan der grün-geführten Landesregierung auf die Straße gehen. Wir erwarten hier die Solidarität aller grünen Mandats- und Verantwortungsträger – mit uns, aber auch mit der Landesregierung in Baden-Württemberg.

Wir Grünen tragen den Begriff "Homolobby" deswegen mit Stolz. Denn wir stellen uns selbstbewusst und lautstark an die Seite von benachteiligten Minderheiten. Wir stehen seit Jahrzehnten für die vollständige Gleichstellung von LSBTTIQ ein. Das ist Teil unseres konsequenten und modernen Zukunftsentwurf für unsere Gesellschaft. Wir sind und bleiben die "Homolobby": wir sind stolz drauf und wir haben noch viel zu tun!


Flyer der LAG QueerGrün Berlin


Wenn du Wichtigkeit von Regenbogenfamilien auf ihre Anzahl reduzierst, ist das ein Hohn in den Ohren der betroffenen Familien und ihrer Kinder. Sie sind keine Statistik, sondern reale Menschen mit wichtigen Anliegen. Wir freuen uns, dass die Zahl der Regenbogenfamilien langsam wächst, wenn gleichgeschlechtliche Paare Familien gründen und die Verantwortung für Kinder übernehmen. Das ist dann auch ein Verdienst von erkämpfter gesellschaftlicher Akzeptanz und ja: von Grüner Politik. Einer fragilen Akzeptanz, denn Eltern und Kinder sind weiterhin an vielen Punkten institutioneller wie gesellschaftlicher Diskriminierung in ihrem Alltag ausgesetzt.

Wir möchten Dich mit diesem Offenen Brief sensibilisieren und Dir gegenüber auch die Eigen- und Fremdwahrnehmung ansprechen. Du fragtest unter anderem, warum Du Dich für Leute einsetzen sollst, die Dich stetig kritisieren und als homophob darstellen. Wir hoffen, dass Deine Kritikfähigkeit als gewählter, demokratischer Verantwortungsträger größer ist als diese Frage suggeriert. Wir laden Dich herzlich ein, mit uns in den Dialog zu treten und diesen nicht über Facebook und Co. zu führen.

Vor dem Recht sind alle gleich. Frauen und Männer, Menschen auf der Flucht – egal woher sie kommen -, LSBTTIQ und allen anderen Minderheiten. Wir kämpfen mit den gesellschaftlichen Gruppen zusammen und stehen mit ihnen für unsere gemeinsamen Ziele ein. Eine der Wurzeln der Grünen ist die Lesben- und Schwulenbewegung, stärker noch als in jeder anderen Partei. Dass ist uns Verpflichtung und Antrieb. Deine Kommentare zeigen dieses Selbstverständnis leider nicht. Sie erschrecken, verängstigen und werten ab. Sie verbinden nicht, sie setzen auf Abgrenzung. Sie zeigen ein Muster der Arroganz, welches nicht unser Anspruch für Politik ist. Die Opferrolle steht dir in diesem Diskurs nicht zu und auch nicht gut zu Gesicht.

Es geht darum tatsächliche Diskriminierung zu beenden. Wir wollen nicht nur das Gefühl von gleichen Rechten, sondern gleiche Rechte! Zugleich gilt es laut und deutlich zu sagen: diese gleichen Rechte nehmen niemandem etwas weg. Daran ändert auch das Gefühl mancher besorgter Bürger nichts. Wir bitten Dich Fakten und Gefühle nicht gleichzusetzen.

Wir laden Dich ein und rufen Dich auf – streite mit uns für eine offene, diskriminierungsfreie und vielfältige Gesellschaft.

Mit queergrünen Grüßen für die Landesarbeitsgemeinschaft QueerGrün Berlin

Maria Meisterernst und Ulli Reichardt
Sprecher*innen der LAG QueerGrün

Mehr zum Thema:
» Boris Palmer wirft LGBTI-Aktivisten "Intoleranz und Jakobinismus" vor (09.10.2016)
» An diesen Sätzen erkennt man einen homophoben Menschen – wie Boris Palmer (11.10.2016)
Wochen-Umfrage: Haben die Grünen ein Homophobie-Problem? (Ergebnis)

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Tags: boris palmer, queergrün, maria meisterernst, ulli reichardt
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Reaktionen zu "Offener Brief an Boris Palmer"


 53 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
14.10.2016
13:49:19


(+8, 16 Votes)

Von Alice
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Nicht immer sind offene Briefe ein probates Mittel jemanden zur Vernunft zu drängen.
In diesem Fall ist ein offener Brief jedoch völlig angebracht, weil die Diskussion ja bereits (an der Partei vorbei) in der Öffentlichkeit (auch wenn nicht jeder von "Social Media" Gebrauch macht, es liest auch nicht jeder meinungs-bildende Zeitungen) geführt wird.
Außerdem finde ich es sehr anständig von "Queergrün" Hilfe und Rückhalt anzubieten, denn beim Hin- und Herwerfen von Argumenten und Beleidigungen, die für Social Media (leider) teilweise üblich sind (shitstorm, bashing, rüder Umgangston), besteht immer die Gefahr, dass man von diesem Sog erfasst wird und ebenfalls beginnt unglücklich zu formulieren, unüberlegt oder zu gefühlsbetont zu argumentieren, selbst zu beleidigen oder sich (dann) als Opfer zu fühlen und in den "Überlebensmodus" zu wechseln.

Ganz wichtig ist auch der unzweifelhaft wahre Satz:
"Zugleich gilt es laut und deutlich zu sagen: diese gleichen Rechte nehmen niemandem etwas weg."
Das wird in der öffentlichen Diskussion selten beachtet.
Das wiederum kommt den Gleichstellungsgegnern zu Gute, denn viele ihrer Argumente/Ängste/Szenarien sind dann nicht mehr haltbar und deutlich als bloße Verunsicherungsmasche erkennbar.
(derzeit) bestes Beispiel:
Die Ehe, die es angeblich zu verteidigen gilt.
Durch eine Gleichstellung steigt die Anzahl der möglichen Ehen, wie kann das der "Ehe" schaden?
Jene die derzeit in Ehe leben, werden durch eine Gleichstellung in keiner Weise daran gehindert.
Die staatliche Ehe hat, nebenbei bemerkt, nichts mit Religion zu tun:
Sie steht über den Ansichten und Befindlichkeiten jeder gesellschaftlichen Schicht / jeder Religion / jeder Kirche / jeder (religiösen) Gemeinde .

Ansonsten müsste man etwa religiöse Argumente für Fragen wie "Darf eine Ehe zwischen Menschen unterschiedlichen oder keinem Glauben geschlossen werden?" zulassen und dann mit genehmen Bibel-, Koran-,Talmud-, Tora- oder "was jemand wichtiges dazu angeblich in einer anderen Zeit unter anderen Bedingungen gesagt haben soll"-Zitaten um sich werfen.

Die staatliche Ehe ist für jede religiöse und gesellschaftliche Kombination offen - nicht jedoch für 10% bis 20% der LSBTTIQ.
Warum?


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#2
14.10.2016
14:00:43
Via Handy


(+14, 16 Votes)

Von Alex


Schockierend genug, dass der Rest der Grünen zu diesen menschenverachtenden, homophoben und sexistischen Äußerungen Boris Palmers schweigt.

Von der Parteibasis bis hin zum Führungspersonal nur Schweigen.

Sogar Claudia Roth, die sonst jeden Fliegenschiss kommentiert, will das wohl aussitzen.


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#3
14.10.2016
14:11:04


(+12, 16 Votes)

Von Pascal Gosker


Wenn das jemand von irgendeiner anderen Partei gesagt hätte, wäre die Empörung bei den Grünen groß gewesen.

Aber in den eigenen Reihen sieht man bei Rechtspopulismus weg. Da sind Korpsgeist und Parteidisziplin wichtiger als angebliche Ideale.

Und das, obwohl Palmer bereits mehrfach negativ aufgefallen ist (auch mit rassistischen Äußerungen).


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#4
14.10.2016
14:39:07


(-5, 15 Votes)

Von Alice
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #2 von Alex


Nun schweigen tun sie ja nicht, wie der offene Brief von "Maria Meisterernst und Ulli Reichardt
" hier ja zeigt.
Dass sich die Queergrünen zu erst dazu äußern ist ebenfalls okay.
Dass in einer Partei nicht gleich mit Keulen und Äxten von jedem einzelnen wild um sich geworfen wird sondern sich erst einmal beraten wird ist ebenfalls okay.
Ich finde es immer sehr verdächtig wenn in einer Partei, kaum dass jemand etwas gesagt (haben soll), blitzschnell (und oft koordiniert) losgeschlagen wird - manchmal sieht das doch sehr nach einer geplanten Aufführung aus ... Pöstchengerangel, Feindschaft, Missmut, Häme, ... lese ich manchmal zwischen den Zeilen.


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#5
14.10.2016
14:44:02


(+11, 15 Votes)

Von Ex-Grünen-Wähler


Für meinen Freund und mich bleibt es dabei:

Solange Boris Palmer Mitglied der Grünen ist, sind die Grünen für uns unwählbar.

Der ist jetzt schon wiederholt mit seinen rechten Tiraden aufgefallen und jedesmal sieht die Partei tatenlos zu.

Wenn das nicht endlich mal Konsequenzen hat und sich der Rest der Partei nicht mal von ihm distanziert, kann das nur bedeuten, dass der Rest der Partei seine Positionen teilt oder dass die alle zu feige sind und zu wenig Rückgrat haben, um ihm zu widersprechen.

So oder so macht das diese Partei für uns leider unwählbar.

Zwei ehemalige (früher langjährige) Grünen-Wähler...


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#6
14.10.2016
14:45:27


(+13, 15 Votes)

Von Robin
Antwort zu Kommentar #2 von Alex


Noch schlimmer:
die paar Leute, die sich dazu äußern, nehmen Boris Palmer auch noch in Schutz und teilen seine kruden Theorien.

Z.B. Reinhard Bütikofer, der ja nun wirklich kein kleines Parteimitglied ist, sondern zur Führungsriege gehört.


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#7
14.10.2016
14:57:03


(+14, 18 Votes)

Von Carsten AC


Die Grünen machen denselben Fehler wie einige andere Parteien:

Weil die AfD in Umfragen zwischen 10-15% liegt, meinen sie, die AfD kopieren oder gar rechts überholen zu müssen.

Leute wie Palmer testen mal vor, wie weit man gehen kann und der Rest der Partei beobachtet interessiert, was die grünen Wähler sich noch so alles gefallen lassen.

Dabei vergessen sie nur zweierlei:

1. Selbst wenn die AfD am Ende soviele Stimmen bekommen sollte (noch sind es ja nur Umfragen) heißt das umgekehrt immer noch, dass 85-90% die AfD und deren Politik NICHT wollen!

2. Wer diese Politik wählen will, wählt gleich das Original und keine Opportunisten, die aus Machtgeilheit auf diesen Zug aufspringen.

Leute wie Boris Palmer und der tatenlos zusehende Rest der Grünen machen die AfD erst salonfähig.


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#8
14.10.2016
14:57:48


(-6, 12 Votes)

Von Alice
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #3 von Pascal Gosker


"Und das, obwohl Palmer bereits mehrfach negativ aufgefallen ist (auch mit rassistischen Äußerungen)."

Ist er das? Er ist mir jetzt erst durch diese "Publicity" negativ aufgefallen.
Ich weiß aus Gesprächen und Meinungen, dass nicht wenige ebenfalls der irrigen Ansicht sind, das manche homophoben Äußerungen, doch gar keine sind und die "Community" sich nur sehr gerne echauffiert gibt:
"Huch, was sind wir wieder aufgeregt!"
Zu sehr sind noch manche Vorurteile und Einstellungen verbreitet. Im Zusammenhang mit Farbigen, Juden oder Behinderten etwa, würden solche (homophoben) Äußerungen nur von ganz bestimmten gemacht werden.

Palmer sollte nun in Ruhe seine Einstellung reflektieren, dann kann er die dargereichte Hand ergreifen oder nicht.

Bei "Grün" geht es nicht nur um Tier- und Umweltschutz, sondern immer auch um gesellschaftliche Verbesserung.


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#9
14.10.2016
15:01:37


(+11, 15 Votes)

Von Justus
Antwort zu Kommentar #4 von Alice


"Nun schweigen tun sie ja nicht, wie der offene Brief [...]"

Naja, die Arbeitsgemeinschaft "QueerGrün Berlin" ist ja nicht gerade stellvertretend für die ganze Partei. Das hat ja nicht das Gewicht, wie wenn weiter oben stehende Personen sich von Palmer distanzieren würden, was aber niemand von denen tut.

Und selbst "QueerGrün Berlin" hat lange genug gebraucht, sich überhaupt mal zu äußern und schleimen gleich zu Beginn rum: "Lieber Boris". Alleine schon solche Hetzer mit "Lieber Boris" anzusprechen, sagt sehr viel aus...


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#10
14.10.2016
15:03:14


(-4, 12 Votes)

Von Alice
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #7 von Carsten AC


Wie bereits gesagt:
"Erst einmal abwarten.",
denn
Ich hoffe auf Verschlauung!


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