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  • 27. April 2005, noch kein Kommentar

Zwei schwule Ex-DDR-Soldaten bringen in der Komödie "Max und Moritz Reloaded" Wessi-Bengel auf Linie. Ab jetzt im Kino.

Von Dennis Klein

Sie fahren Alcopop schlürfend mit gestohlenen Autos durch ihre Heimatstadt Hamburg, um die Töchter eines konservativen Senators zu beeindrucken. Die pubertierenden Rotzlöffel Max (Willi Gerk) und Moritz (Kai Müller) stehen im Mittelpunkt einer gelungenen deutschen Anarcho-Komödie, die ab sofort in den Kinos zu sehen ist. Die Handlung: Nachdem die Polizei die Kids wiederholt gestellt hat, werden sie in ein Bootcamp nach Thüringen verbannt - in eine Gegend, die eher an die Wüste von New Mexico erinnert. Dort sollen sich die schwulen Ex-NVA-Offiziere Axel und Henry (dargestellt von den Ostrockern Sebastian Krumbiegel und Tony Krahl) gegen ein Salär um sie kümmern. Doch auch sie werden mit beiden Jugendlichen nicht fertig. Als Max und Moritz sich aber mit dem Luden Hanne (Ben Becker) anlegen, finden sie ihren Meister. Dann kommen Mutter Rita (hervorragend: Katy Karrenbauer, Walter aus "Hinter Gittern") und die Noch-Jungfrau und Sozialarbeiterin Paula (Franziska Petri, "Vergiss Amerika") und aus Spaß wird Ernst.

Krahl ("City") und Krumbiegel ("Die Prinzen") haben Charme als alterndes NVA-Homo-Paar, das so manche Schwierigkeit mit dem Coming-out hat. Zunächst scheint die beiden einer enge Männerfreundschaft zu verbinden, die sich auch in einem Lagerfeuer-Lied bekunden. Geradezu nebenher kommt dann heraus, dass sie ihr Schwulsein verschweigen, um nicht ihren Lebensunterhalt zu verlieren - nämlich jugendliche Delinquenten mit "guten, alten" DDR-Methoden zu bekehren. Die Beziehung wird dabei in der Komödie nur ein wenig verulkt - und so manche Details wie die Handschellen in rotem Plüsch wird Vielen bekannt vorkommen.

Wie es sich für einen Film gehört, in denen Musiker erstmals den Schauspieler-Part übernehmen, wird viel gesungen. Obwohl die Lieder nicht im Vordergrund stehen, geben sie doch die Richtung des Filmes vor; und die lebt über lange Strecken von einer distanzierten Ostalgie. Mit Katharina Witt und "Über sieben Brücken musst du gehen" konnten sich schon immer Wessis und Ossi anfreunden, ein Lied wie Krumbiegels "Es war nicht alles schlecht" bedient dagegen eher das Wir-Gefühl der guten alten DDR. Oder auch eine ironische Abrechnung mit ihr, so genau legt sich der Film nicht fest.

Als "ganz und gar politisch unkorrekte Satire" bezeichnet die Produktionsfirma das Regiedebüt von Thomas Frydetzki. Unkorrekt geht es durchaus zu: Eines der am meisten genutzten Wörter ist "Ficken" und so mancher Witz, der zum Beispiel den Anus-Eingang des Huhns Agnes als Thema hat, dürfte nicht nur radikale Tierschützer auf die Palme bringen. Erschreckend auch, dass scheinbar jeder im Osten mit einer Waffe spazieren geht.

Der Film plätschert die erste Stunde fröhlich vor sich hin, doch dann ändert sich das Geschehen sehr plötzlich mit einer überraschenden und schockierenden Exekution. Und da wird der Film der eigentlich recht brutalen Vorlage von Wilhelm Busch ähnlicher. Denn hier treiben Max und Moritz keineswegs bloß harmlosen Scharbernack - so bringen sie im Original beispielsweise Lehrer Lämpel Verbrennungen ersten Grades bei. Auch im Film wird der Humor äußerst morbide. Hat man sich erst einmal darauf eingestellt, darf ungeniert weiter gelacht werden. Zumindest wird uns erspart, dass Max und Moritz am Ende gemahlen und von Gänsen gefressen werden. "Max und Moritz Reloaded" beantwortet im übrigen nicht die letzte Frage, die ein Protagonist im Film stellt: "Ergibt der ganze Scheiß einen Sinn?".

Max und Moritz Reloaded, Deutschland 2005, 87 Minuten, Kinowelt. Seit dem 28. April im Kino.

28. April 2005