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  • 19.10.2016, 07:33h           19      Teilen:   |

Neuer Lehrplan für Sexualerziehung

Wiesbaden: Landtag begrüßt Protest gegen den "Pietcong"

Artikelbild
Am 30. Oktober marschiert die homo- und transfeindliche "Demo für alle" zum ersten Mal in Hessen auf – das "Bündnis für Akzeptanz und Vielfalt – gegen Diskriminierung und Ausgrenzung" organisiert einen Gegenprotest (Bild: (cc) Demo für Alle / flickr)

In Hessen stellten sich CDU, Grüne, SPD und Linke leidenschaftlich hinter den von der "Demo für alle" bekämpften neuen Lehrplan für Sexualerziehung – nur die FDP enthielt sich.

Von Micha Schulze

Welchen Unterschied es macht, ob die AfD in einem Landtag sitzt oder nicht, konnte man in der vergangenen Woche in Wiesbaden erleben. Das hessische Landesparlament debattierte am 13. Oktober auf Antrag der SPD über den neuen Lehrplan für Sexualerziehung – überwiegend sehr sachlich, gleichzeitig leidenschaftlich, in der Zielrichtung einig und ganz ohne eindeutig homo- oder transfeindliche Töne.

Die schwarz-grünen Richtlinen, die die "Akzeptanz von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intersexuellen Menschen" zum offiziellen Unterrichtsziel erklären, sind bereits im vergangenen Monat per Ministerentscheid in Kraft getreten (queer.de berichtete). Die "Demo für alle", hatte die Diskussion darüber zunächst verschlafen und will am 30. Oktober in Wiesbaden gegen die vermeintliche "Frühsexualisierung" demonstrieren (queer.de berichtete). Das "Bündnis für Akzeptanz und Vielfalt – gegen Diskriminierung und Ausgrenzung" hat eine Gegendemo angekündigt (queer.de berichtete).

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Opposition lobt die Regierung

In ihrem "Dringlichen Entschließungsantrag" (PDF) hatte die SPD am vergangenen Donnerstag gefordert, dass der Landtag die Gegenproteste ausdrücklich begrüßt – diese Formulierung wurde jedoch von der schwarz-grünen Regierungskoalition entschärft. Nun heißt es in dem Mehrheitsbeschluss (PDF): "Der Landtag begrüßt daher jegliche Unterstützung, die der Lehrplan für Sexualerziehung auch außerhalb des Landtags erfährt."

Die Parlamentsdebatte begann mit einem "ausdrücklichen" Lob der Opposition. "Es ist doch schön, dass auch die CDU im Jahr 2016 angekommen ist", meinte der schwule SPD-Abgeordnete Christoph Degen. Der Lehrplan sei ein "wichtiger Beitrag zum Abbau von Ängsten". Zur Kritik des Elternbeirats, der das Ziel der "Akzeptanz" durch "Toleranz" ersetzen wollte, meinte Degen: "Ich sage Ihnen selbst persönlich: Ich möchte nicht geduldet werden, ich möchte akzeptiert werden."


Christoph Degen (SPD): "Ich möchte nicht geduldet werden"


Auch der grüne Fraktionschef Mathias Wagner erklärte in einer leidenschaftlichen Rede, es gehe nicht darum, dass Schwule und Lesben "ertragen werden", sondern in der Schule die Erfahrung machen können: "Ich bin gewollt, ich habe einen Platz in der Gesellschaft und ich bin genau so richtig wie ich bin". Seine Partei werde stolz an der Gegendemo teilnehmen.

Ulrich Wilken von der Linksfraktion stellte sich klar hinter den ursprünglichen SPD-Antrag: "Wir haben doch gesehen, was sich in Baden-Württemberg zusammenrottet", meinte der Vizepräsident des Landtags. "Wenn sich AfD, Pietcong und klerikale Faschisten zusammentun, propagieren sie eine frauenfeindliche Ideologie, ein antiquiertes Bild des Zusammenlebens, den Rollback in den Mief der Fünfzigerjahre. Wenn Islamhetzer und Anti-Flüchtlings-Propaganda hinzukommen, dann müssen alle Antifaschistinnen und Antifaschisten zusammenstehen."

FDP will "Toleranz" statt "Akzeptanz"

Die FDP dagegen enthielt sich bei beiden Anträgen. "Niemand darf diskriminiert, ausgegrenzt oder gemobbt werden, das sollte ein Selbstverständnis der Gesellschaft sein", stellte der Abgeordnete Wolfgang Greilich klar. Er befürchtete jedoch zum einen, dass die Proteste auf der Straße zu einer "Verunsachlichung" der Debatte beitrügen, zum anderen hielt er den Begriff der "Toleranz" für ausreichend. Weil Kultusminister Ralph Alexander Lorz sich über die Bedenken des Landeselternbeirats hinwegsetzte, warf ihm Greilich eine "Politik nach Gutsherrenart" vor.

Lorz selbst erklärte die Verabschiedung des Lehrplans zu einem "Routinevorgang", man habe ihn lediglich "auf den neuesten Stand gebracht". Die Diskussion um "Toleranz" oder "Akzeptanz" sei ein "Thema für eine eigene Vorlesung", so der Minister, beide Begriffe kämen zudem im Lehrplan vor.

"Wir wollen einen offenen, einen wertschätzenden, einen diskriminierungsfreien Umgang in den Schulgemeinden herbeiführen", erklärte der CDU-Politiker zum Abschluss der Debatte. "Wir wollen unseren Kindern vermitteln, dass wir als Gesellschaft keine Werturteile fällen, die auf der geschlechtlichen Identität oder sexuellen Orientierung eines individuellen Menschen basieren, weil dies Angelegenheit dieses individuellen Menschen ist."

Dafür erhielt Lorz großen Beifall aus dem gesamten Parlament.

Direktlink | Die gesamte Debatte bei Youtube

  Gegen-Protest
Das "Bündnis für Akzeptanz und Vielfalt – gegen Diskriminierung und Ausgrenzung" ruft am Sonntag, den 30. Oktober 2016 ab 12:00 Uhr zur Demonstration und Kundgebung auf dem Dernschen Gelände / Marktplatz in Wiesbaden auf. Weitere Infos unter ihr-seid-nicht-alle.de.
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Tags: hessen, lehrplan, sexualaufklärung, schule
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Reaktionen zu "Wiesbaden: Landtag begrüßt Protest gegen den "Pietcong""


 19 User-Kommentare
« zurück  12  vor »

Die ersten:   
#1
19.10.2016
07:52:54


(+12, 18 Votes)

Von Miguel53de
Aus Wuppertal (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 23.07.2012


Schoen, dass es sachlich und beinahe einheitlich geht. Sogar mit der CDU. Und doch, siehe da, die FDP muss ein bisschen staenkern und will bei der Toleranz bleiben.

Das kann uns ganz sicher Johannes Paul der 43. bis 47. noch genauer erklaeren. Und warum es richtig so ist. Auch, warum sich seine Liberalen dem Druck der rechten Meute schon in vorauseilendem Gehorsam Entgegenkommen will.

Immerhin mal eine politische Entscheidung, die man mit Freude begruessen kann. Das gibt es schließlich nicht alle Tage.


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#2
19.10.2016
08:06:35
Via Handy


(+2, 10 Votes)

Von markusbln11


Ein positives zeichen aus dem hessischen landtag. Gerade die freiheitliche positionierung der cdu schätze ich wert.

Aber von den freidemokraten bin ich doch schon überrascht. Es kann doch nicht sein, dass liberale vor extremistischen meinungen einknicken. Und die bezugnahme auf den landeselternrat ist quatsch, das wissen wir aus dessen stellungnahme, vor kurzem hier publiziert.

Herr lindners partei, die sog FDp, hat als einzige das klassenziel in hessen bei lgbt-anerkennung hier nicht erreicht.


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#3
19.10.2016
08:42:46


(+7, 13 Votes)

Von Sebi


>>> Die FDP dagegen enthielt sich bei beiden Anträgen. <<<

>>> FDP will "Toleranz" statt "Akzeptanz" <<<

Die FDP will wieder mal am rechten Rand fischen. Die haben bei der AfD gesehen, wieviel Potential da ist und wollen angesichts ihrer desaströsen Lage auch was davon abhaben. Auf Kosten von Schwulen und Lesben.

Toleranz statt Akzeptanz bedeutet, dass man GLBTI eigentlich nicht für gleichwertig hält und sie nur duldet!!!!!

Mit solchen Thesen zündelt man und spielt Bevölkerungs-Gruppen gegeneinander aus. Aber für ein paar Stimmen mehr, ist das der FDP wieder mal egal. Den Schaden dieses Zündelns haben dann wieder andere auszubaden.


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#4
19.10.2016
08:46:29


(+8, 14 Votes)

Von Fredinbkk
Aus Bangkok (Thailand)
Mitglied seit 08.01.2015


...na es geht doch....wer sagts denn ...
und es hat garnicht weh getan...

und ueber die
"FDP" erspare ich mir jedliche Bemerkungen...


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#5
19.10.2016
08:55:23


(+13, 17 Votes)

Von UrsaMajor


"Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein: Sie muß zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen."

Johann Wolfgang von Goethe


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#6
19.10.2016
08:55:56


(+9, 13 Votes)

Von Linus


-------------------------------------------
die die "Akzeptanz von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intersexuellen Menschen" zum offiziellen Unterrichtsziel erklären, sind bereits im vergangenen Monat per Ministerentscheid in Kraft getreten
-------------------------------------------

Damit ist Hessen viel weiter als Baden-Württemberg. Im Land von Winfried Kretschmann und Boris Palmer wurde ja zunächst der Bildungsplan unter Grün-Rot über 5 Jahre (!) verzögert und jetzt unter Grün-Schwarz bis zur Unkenntlichkeit verwässert.

Da ist jetzt nur noch allgemein von "Förderung von Vielfalt" als Unterrichtsziel die Rede und es wird explizit darauf hingewiesen, dass dazu auch Vielfalt der Hautfarben, der Religionen, etc. gehört.

Klingt ja erst mal gut und ziemlich umfassend. Das Problem ist nur, dass man eben sexuelle Identität und Orientierung als einen Aspekt von Vielfalt völlig unter den Tisch kehren kann. Es ist für homo- und transphobe Lehrer bzw. an ganzen homo- und transphoben Schulen durchaus weiterhin möglich, sexuelle Vielfalt mit keinem einzigen Wort zu erwähnen und das Thema in allen Jahrgangsstufen und allen Fächern komplett zu ignorieren.

Das ist das genaue Gegenteil von dem, was versprochen wurde und was angesichts des alltäglichen Mobbings an Schulen auch nötig wäre.

Gut, dass wenigstens andere Bundesländer weiter sind als Baden-Württemberg, wo Leute wie Winfried Kretschmann und Boris Palmer sich den Dorfdeppen des Ländle und religiösen Fanatikern anbiedern.


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#7
19.10.2016
09:08:53


(+11, 15 Votes)

Von Stefan 90


>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>
Die "Demo für alle", die die Diskussion darüber zunächst verschlafen hatte, will am 30. Oktober in Wiesbaden gegen die vermeintliche "Frühsexualisierung" demonstrieren [...]. Das "Bündnis für Akzeptanz und Vielfalt gegen Diskriminierung und Ausgrenzung" hat eine Gegendemo angekündigt
<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<

Wir müssen uns diesen religiösen Fanatikern und anderen rechten Spinnern so zahlreich und lautstark wie möglich entgegenstellen.

Um deren Lügen zu entlarven und um zu zeigen, dass die eben nicht eine "schweigende Mehrheit" repräsentieren, sondern dass sie eine schrille Minderheit ewiggestriger Faschisten sind.

Man sieht immer wieder:
dort wo die Gegenproteste groß genug sind, gibt dieses braune Gesocks immer sehr schnell auf. Aber dort, wo man die gewähren lässt, werden die immer stärker und nehmen sich immer mehr raus. Und irgendwann glauben dann selbst normale Bürger, da sei etwas dran, weil sie ständig deren Lügen ausgesetzt sind, ohne dass sie sehen, dass das alles nur Panikmache ist. Das sieht man ja z.B. in Baden-Württemberg und Frankreich.

Wir sollten also immer und immer wieder so zahlreich wie möglich zu deren Aufmärschen gehen, um deren Lügen zu entlarven und um zu zeigen, dass die Mehrheit nicht auf ihrer Seite steht.


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#8
19.10.2016
09:17:10


(+15, 15 Votes)

Von Felix


Schon an Grundschulen ist homo- und transphobes Mobbing Alltag.

Und die Selbstmordrate unter homo-, bi- und transsexuellen Kindern und Jugendlichen ist 5-7x höher als bei ihren heterosexuellen Altersgenossen.

Mehr Aufklärung und Bildung ist also dringend nötig. Wer das verhindert, gefährdet die körperliche und psychische Gesundheit oder gar das Leben von Kindern.

Die wollen die kommenden Generationen dumm halten, um sie besser lenken zu können.


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#9
19.10.2016
09:27:57


(+10, 18 Votes)

Von AFD-Watch


PFUI FDP!!!!!!!!!

Wahrscheinlich will sie sich alle Optionen inkl. MIT der AFD offenhalten...

Keine Panik liebe FDP. Wir tolerieren eure Haltung, aber akzeptieren tun wir sie nicht.


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#10
19.10.2016
09:30:20


(+10, 16 Votes)

Von Robin


Wenn ich schon die Schilder des braunen Mobs sehe:

"Frühsexualisierung stoppen"

Würden die einfach mal die Lehrpläne durchlesen und das Lehrmaterial ansehen, statt einfach nur dumm nachzuplappern, würden sie sehen, dass es immer nur um altersgerechte Bildung geht.

Da wird niemand "frühsexualisiert", sondern die Themen kommen dann wenn sie angemessen sind und werden auch altersgerecht aufbereitet.

Schon jedes Grundschulkind hört (alleine schon auf dem Schulhof) Wörter wie "schwul" oder kennt vielleicht auch (in der Familie, im Freundeskreis der Eltern, bei Nachbarn, etc.) LGBT. Oder vielleicht ist auch ein Kind aus einer gleichgeschlechtlichen Familie in der Klasse.

Sollten die Kinder dann nicht altersgerecht und von Experten vermittelt erfahren, was das ist statt sich da irgendwelche Horror-Phantasien zusammenspinnen zu müssen.

"Elternrecht wahren"

Die Eltern haben nicht das Recht, ihre Kinder dumm zu halten oder mit ihrem Hass zu vergiften. Das tun manche Eltern schon genug, dann ist es wichtig, dass Schule ein neutraler Gegenpol ist.

Es ist Aufgabe der Schule, den Schülern Bildung zu vermitteln und sie auf das reale Leben in der echten Gesellschaft vorzubereiten. Und dazu gehört auch, dass die Schüler die Wahrheit über gesellschaftliche Fakten erfahren.

Soll demnächst auch der Biologieunterricht abgeschafft werden, weil manche Lehrer lieber die biblische Schöpfungslehre unterrichtet haben wollen? Oder soll Geschichte abgeschafft werden, weil da auch Dinge erzählt werden, die manchen rechten Eltern nicht in den Kram passen?


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