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  • 27. April 2005, noch kein Kommentar

Die Schauspielerin Maria Schell (79) ist am Dienstag in Wien gestorben. Schell drehte viele Filme in Hollywood, darunter "Superman" (1978).

Von Jan Gebauer

Nach Inge Meysel und Brigitte Mira ist eine weitere große deutschsprachige Schauspielerin gestorben, die zuletzt besonders als Mutterfigur ("Die glücklich Familie", ARD-Serie 1987-91) in Erinnerung geblieben ist. Maria Schell, am 15. Januar 1926 in Wien geboren, war seit Ostern wegen einer Lungenentzündung in Behandlung gewesen. Sie sei bereits am Dienstagmorgen an Herzversagen gestorben, sagte der Bürgermeister der Gemeinde Preitenegg in Kärnten, dem Wohnsitz der Schauspielerin, gegenüber der österreichischen Presse. Sie sei in ihrem Almhaus "friedlich eingeschlafen".

In den 50er und 60er Jahren gehörte Schell zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Schauspielerinnen und war eine der wenigen, die auch in Hollywood drehen durfte. Liebevoll nannte man sie zu Beginn ihrer Karriere "Seelchen". Ihr unschuldiger Augenaufschlag, die leidende und liebende Heldin: Maria Schell rührte das Publikum zu Tränen. An der Seite von Dieter Borsche avancierte sie in Streifen wie "Es kommt ein Tag" (1950) und "Dr. Holl" (1951) zum Publikumsliebling. Als herausragend galt ihre Darstellung der Helga Reinbeck in dem Anti-Kriegsfilm "Die letzte Brücke", für die sie in Cannes ausgezeichnet wurde.

Darauf begründete sich auch die anschließende weltweite Karriere. Insgesamt acht Bambis brachten Schell Hauptrollen in Filmen wie "Die Brüder Karamasov" (1958, mit Yul Brynner und William Shatner) und "Das Galgenbaum" (1959, mit Gary Cooper und Karl Malden) ein. Daneben drehte sie auch verstärkt in Italien und Frankreich, so "Gervaise" (1956) und an der Seite von Yves Montand, "Le diable par la queue" (1969). 1978 spielte sie mit Marlon Brando und Christopher Reeve in dem ersten "Superman"-Film. Laut der International Movie Database (IMDB) war Maria Schell in annähernd 100 Filmen und Serien zu sehen.

Ihre tragische Krankengeschichte sowie ihr nicht minder berührendes Privatleben brachte die Schauspielerin immer wieder in die Schlagzeilen. Schells Ehen mit dem Filmproduzenten Horst Hächler (1957-65) und dem Schauspieler Veit Relin (1966-88) gingen in die Brüche. Der nachlassende Erfolg als Schauspielerin führte zu Depressionen und die Regenbogenpresse spekulierte immer wieder über den Gemütszustand der Aktrice. 1991 wurde die große Lebenskrise von Schell öffentlich, als sie versuchte, sich mit Tabletten das Leben zu nehmen. Nach einer Reihe von Gehirnschlägen zog sich Schell immer mehr aus dem öffentlichen Leben zurück.

Sie habe sich in eine Zwischenwelt zurückgezogen, sagte ihr Bruder Maximilian Schell ("Das Urteil von Nürnberg"), der ebenfalls als Schauspieler weltweit bekannt ist. 2001 drehte er das Filmporträt "Meine Schwester Maria" und gab danach ein gleichnamiges Buch heraus. Bei der Filmpremiere der Dokumentation im Jahre 2002 war Maria Schell anwesend und zeigte sich sehr gerührt. Im November wurden die Geschwister für ihr Lebenswerk mit dem Bambi ausgezeichnet. Bei der Gala saß die damals 76-jährige und demenzkranke Maria Schell auf einem goldenen Thron und wurde frenetisch vom Publikum gefeiert. Es sollte ihr letzter Auftritt in der Öffentlichkeit werden.

27. April 2005