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  • 21.10.2016, 07:57h           4      Teilen:   |

Bruno Balz

Hitlers schwuler Hitschreiber

Artikelbild
Die Lieder von Bruno Balz kennt fast jeder, doch sein Name durfte im Dritten Reich wegen seiner Homosexualität nicht mehr publiziert werden (Bild: Bruno Balz Archiv / Jürgen Draeger)

Das NS-Dokumentationszentrum München erinnert an Bruno Balz, aus dessen Feder u.a. das Lied "Kann denn Liebe Sünde sein" stammt.

Bruno Balz, einer der produktivsten deutschen Text- und Lieddichter, wurde während der NS-Zeit als Homosexueller verfolgt, inhaftiert und entging der Deportation nur mit Glück. Sein Überleben sicherte er sich, indem er die Propaganda-Maschinerie der Nationalsozialisten mit Durchhalte-Hits wie "Davon geht die Welt nicht unter" versorgte.

Balz schrieb von 1929 bis Anfang der Sechzigerjahre, als er sich ins Privatleben zurückzog, mehr als 1.000 Liedtexte. Seiner Feder entstammen Schlager, Evergreens und Gassenhauer wie "Kann denn Liebe Sünde sein" (1938), "Ich brech' die Herzen der stolzesten Frau'n" (1938), "Er heißt Waldemar" (1940) oder "Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh'n" (1942).

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Offen schwul und engagiert in der Weimarer Republik

Gedenktafel am ehemaligen Wohnhaus von Balz in der Fasanenstraße 60 in Berlin - Quelle: (cc) Axel Mauruszat / wikipedia
Gedenktafel am ehemaligen Wohnhaus von Balz in der Fasanenstraße 60 in Berlin (Bild: (cc) Axel Mauruszat / wikipedia)

Bereits mit 17 Jahren war sich der am 6. Oktober 1902 geborene Balz seines Schwulseins bewusst und füllte in Magnus Hirschfelds Institut für Sexualwissenschaft einen "Psychobiologischen Fragebogen" aus. Er ließ sich in den Jahren der Weimarer Republik von Adolf Brand als Aktmodell gewinnen und veröffentlichte in einschlägigen Zeitschriften Gedichte, Aufsätze und Erzählungen. Außerdem engagierte sich im damaligen Schwulenverband "Bund für Menschenrechte".

Während der NS-Zeit wurde Balz zweimal Opfer des Paragrafen 175. So verbrachte er 1936 mehrere Monate im Gefängnis, wurde jedoch unter Auflagen freigelassen. Sein Name durfte seitdem in der Öffentlichkeit nicht mehr in Erscheinung treten (nur auf Schellackplatten wurde er genannt), und er wurde zu einer Scheinehe mit einer Bäuerin aus Pommern gezwungen.

1941 wurde Bruno Balz erneut verhaftet und tagelang im Berliner Gestapo-Hauptquartier gefoltert. Erst nach einer Intervention des Komponisten Michael Jary und der Schauspielerin und Sängerin Zarah Leander, die seine Notwendigkeit für die Fertigstellung des Spielfllms "Die große Liebe" betonten, kam er frei und entging damit der Deportation in ein Konzentrationslager. In der Haft und am Tag der Freilassung schrieb Balz die vieldeutigen Lieder "Davon geht die Welt nicht unter" und "Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh'n".

Nach der Befreiung stand Bruno Balz wegen seiner Tätigkeit als "Hitlers Hitschreiber" als mutmaßlicher Unterstützer des NS-Regimes vor Gericht. Zu seiner Verteidigung musste er sich öffentlich zu seiner Homosexualität und Scheinehe bekennen, obwohl die Nazi-Fassung des Paragrafen 175 weiterhin gültig blieb. Er wurde von der amerikanischen Alliiertenbehörden freigesprochen.

Balz starb 1988 in Bad Wiessee im Alter von 85 Jahren, begraben wurde er auf dem Friedhof Wilmersdorf in Berlin. In seinem Testament hatte er verfügt, dass in den ersten zehn Jahren nach seinem Tod nicht über ihn gesprochen werden darf. Entsprechend begann sein Lebensgefährte und Universalerbe Jürgen Draeger erst kurz vor der Jahrtausendwende damit, den umfangreichen Nachlass von Bruno Balz aufzuarbeiten mit dem Ziel, "ihm seine Vergangenheit zurückzugeben".

Direktlink | Nazi-Hit mit subversiven Untertönen: "Er heißt Waldemar"


Multimediales Künstlerporträt am 21. Oktober in München

Am diesem Freitag, den 21. Oktober, ehrt das Münchner NS-Dokumentationszentrum Bruno Balz mit einem multimedialen Künstlerporträt. "Wir erzählen seine Geschichte anhand von projizierten Bildcollagen aus historischen Dokumenten", erklärte die künstlerische Leiterin des Projekts, Gaby dos Santos, gegenüber dem "Merkur". "Diese habe ich aus seinem Nachlass bekommen und mit Tonaufzeichnungen von Interviews kombiniert, die ich mit seinem letzten Lebensgefährten gemacht habe."

Die Theater-Collage wurde von der Münchner Regenbogen-Stiftung unterstützt und wird anlässlich der bevorstehenden Einweihung des Denkmals für die verfolgten Homosexuellen in München aufgeführt. Im Anschluss diskutieren die Beteiligten zusammen mit dem Historiker Albert Knoll von der KZ-Gedenkstätte Dachau. Die Veranstaltung "Bruno Balz – Hitlers geheimer Hitschreiber" beginnt um 19 Uhr im NS-Dokuzentrum, Brienner Straße 34. Der Eintritt ist frei. (cw/pm)

Links zum Thema:
» Mehr Infos zur Veranstaltung im Münchner NS-Dokuzentrum
» Homepage des Bruno Balz Archivs
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Tags: bruno balz, zarah leander, michael jury, jürgen draeger, ns-dokuzentrum
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Reaktionen zu "Hitlers schwuler Hitschreiber"


 4 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
21.10.2016
13:10:06
Via Handy


(-5, 7 Votes)

Von schabrakke_


Welcher Schwule rieb sich an Hitlers Hitsch? :D
#morphology #gardenpath #anybodygetwhatimtalkingabout


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#2
21.10.2016
14:51:05
Via Handy


(0, 4 Votes)

Von gladiola
Antwort zu Kommentar #1 von schabrakke_


Damit das lustig wäre, müsste "Hitsch" schon ein Wort sein, liebe Schabrakke. Bei "Katholische Kirche erlaubt Abtreibung (durchgeführt von Ministranten)" funktioniert der Gag z.B. auch.


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#3
21.10.2016
19:13:48


(+3, 5 Votes)

Von hugo1970
Aus Pyrbaum (Bayern)
Mitglied seit 08.02.2015


Mann kann, nein man muß betonen, queers die Angst haben, sich zu outen beckennt Euch zu Eurer Sexualität, desto mehr wir sind, desto besser ist es für alle. wir leben doch, hier in den westlichen Demokratien relativ frei.


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#4
22.10.2016
21:07:05


(-1, 3 Votes)

Von wiking77
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Ja, Hitler hatte aber auch schwule Schläger, wie z. B. Ernst Röhm, seinerzeit sog. Oberster SA-Führer; aber auch Baldur von Schirach, dem sog. Reichsjugendführer werde schwule Neigungen unterstellt; er soll was mit dem jungen Darsteller aus der Schmonzette "Hitlerjunge Quex" gehabt haben. Quexen soll in der HJ der Begriff für schwuler Sex gewesen sein.

Also, alles nix neues, alles menschlich.


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