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Hessischer Lehrplan zur Sexualerziehung

Schülervertretung und evangelische Jugend für LGBTI-Akzeptanz


Die Teilnehmer der "Demo für alle" (hier in Stuttgart) wehren sich dagegen, dass an Schulen Homo- oder Transsexualität thematisiert wird (Bild: gk)

In Hessen formiert sich ein breiter Widerstand gegen die homophobe "Demo für alle": Gewerkschafter, Schüler und Christen sprechen sich für den neuen Lehrplan zur Sexualerziehung aus.

Immer mehr Organisationen wehren sich gegen die am 30. Oktober geplante "Demo für alle" in Wiesbaden: Ein breites "Bündnis für Akzeptanz und Vielfalt – gegen Diskriminierung und Ausgrenzung", das bereits mehr als 50 Vereine und Initiativen aus Wiesbaden und der Rhein-Main-Region umfasst, hat zu einer gleichzeitigen Kundgebung gegen die Homo-Hasser aufgerufen.

Die euphemistisch genannte "Demo für alle", die einst als Widerstandsgruppe gegen den LGBTI-freundlichen Bildungsplan in Baden-Württemberg gestartet war, will am übernächsten Sonntag in der hessischen Hauptstadt gegen den von der schwarz-grünen Landesregierung initiierten Lehrplan zur Sexualerziehung protestieren, in dem die "Akzeptanz von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intersexuellen Menschen" zum offiziellen Unterrichtsziel erklärt wird.

SchülerInnenrat: "Demo für alle" schürt Hass gegen LGBTI

Zu den Unterstützern des Lehrplans zählt neben der Lehrergewerkschaft GEW unter anderem auch die Vertretung der Schülerinnen und Schüler aus Wiesbaden: "Der StadtschülerInnenrat befürwortet den neuen Lehrplan Sexualerziehung und steht für ein Weltbild, in dem niemand aufgrund seiner Sexualität oder seines Geschlechts diskriminiert wird", heißt es in einer Erklärung des Gremiums. Die Anhänger der "Demo für alle" würden Ängste und Hass gegenüber der LGBTI-Community schüren. "Dies werden wir nicht hinnehmen", so der Vorstand, der 19 Schulen vertritt und zur Teilnahme an der Gegenkundgebung aufruft.

Auch die Jugendorganisation der evangelischen Kirche stellt sich hinter den Lehrplan: "Die Ev. Jugend in Hessen und Nassau e.V. unterstützt den Aufruf vom Bündnis für Akzeptanz und Vielfalt – gegen Diskriminierung und Ausgrenzung zur bunten Demonstration und möchte so gemeinsam mit vielen Organisationen ein Zeichen setzten!!!" teilten die jungen Christen am Donnerstag auf ihrer Facebook-Seite mit.

Lehrplan hilft Schülern bei Umgang mit "realer und gelebter Vielfalt"

Die Dachorganisation Landesjugendring gehört ebenfalls zu den Unterstützern. Für den Zusammenschluss mehrere Jugendverbände ist es unverständlich, warum Aufklärung über Homo- und Transsexualität den Jugendlichen schaden zufügen solle: "Die frühe und altersgerechte Thematisierung verschiedener Familienmodelle, Lebensentwürfe, geschlechtlicher und sexueller Identitäten ist richtig, weil sie Kindern und Jugendlichen dabei hilft, mit der realen und gelebten Vielfalt in unserer Gesellschaft umzugehen."

Die vorgeschobene Befürchtung der "Demo für alle", dass Aufklärung über sexuelle Vielfalt zu "Frühsexualisierung" führen werde, war bereits vor Wochen vom Landeselternbeirat entkräftet worden. Die Organisation distanzierte sich "eindeutig von den Äußerungen ultrakonservativer Christen und nationalistischen Kräften, die eine 'Frühsexualisierung der Kinder' befürchten. Dafür bietet der Lehrplan keinerlei Anhaltspunkte und dies war auch nicht Gegenstand der Diskussion" (queer.de berichtete). Der Elternbeirat hatte sich allerdings an der Verwendung des Begriffs "Akzeptanz" gestört.

CDU-Generalsekretär verteidigt Begriff "Akzeptanz"

CDU-Generalsekretär Manfred Pentz hatte die Nutzung des Begriffes "Akzeptanz" statt "Toleranz" in Briefen an Kritiker verteidigt: "Unser Ziel ist, dass wir in den Schulgemeinden einen wertschätzenden und diskriminierungsfreien Umgang miteinander pflegen. Und daher ist es von Bedeutung, dass die Vielfalt eben nicht nur 'erduldet' oder 'ertragen' wird, wie es der Begriff 'Toleranz' meint, sondern dass Vielfalt 'akzeptiert' wird in dem Sinne 'Du bist okay, so wie du bist'. Niemandem wird dabei eine Ideologie aufgezwungen, niemand wird in eine Rolle gedrängt."

Behauptungen über eine "Frühsexualisierung" oder der Einführung einer "Gender-Ideologie" seien falsch und die Sorgen von Eltern "unbegründet", so der Politiker, der wie das Kultusministerium eine Flut von Empörungsbriefen von Homo-Hassern erhalten hat. Eine Petition der "Demo für alle" ("Indoktrinierende Sexualerziehung sofort stoppen!") hat inzwischen fast 20.000 Unterschriften erzielt.

Die Frankfurter Aids-Hilfe äußerte bereits die Befürchtung, dass der "Demo für alle" die "Etablierung einer homophoben Bewegung in ganz Deutschland" gelingen könne. Daher sei es wichtig, Flagge gegen die Homo-Hasser zu zeigen: "Wir müssen uns gegen die Diffamierung der zur Sprache stehenden Lehrplanänderungen zur Sexualerziehung wehren", so Aids-Hilfe-Sprecher Florian Beger. (dk)



#1 MarcAnonym
  • 21.10.2016, 12:14h

  • Die GEW ist dabei. Aber wie positioniert sich in dieser Frage eigentlich die andere Lehrergewerkschaft, der Philologenverband? Die hatten in BaWü ja herzlich wenig Berührungsängste mit der "Demo für alle" und treffen sich in Rheinland-Pfalz fleißig zu Kamingesprächen mit der AfD. Wie sieht's in Hessen aus - weiß das jemand?
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#2 kuesschen11Profil
  • 21.10.2016, 14:45hDarmstadt
  • Herzlichen Dank Wiesbaden.

    Wenn sich über 50 Vereine, die Lehrergewerkschaft GEW, der StadtschülerInnenrat, die Jugendorganisation der evangelischen Kirche und viele Menschen aus Solidarität für LGBTTIQs mit einer Kundgebung gegen die Homo-Hasser stellen, ist das ein sehr gutes Zeichen von Akzeptanz.

    Der neue Lehrplan ist dringend notwendig für den diskriminierungsfreien Umgang in Schulen und im Alltag.

    Es ist wichtig, wenn wir uns alle rechtzeitig gegen die "Demo für alle" wehren, die ja nur Hass und Ablehnung beinhaltet, um eine größere Eigendynamik der Hass-Demonstranten zu verhindern.
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#3 markusbln11Anonym
  • 21.10.2016, 16:10h

  • Da bewegt sich demokratischer bürgersinn gegen afd-unfrieden in deutschland.

    Berlin ist nicht Dresden.
    Wiesbaden ist nicht Stutgart.

    Die Sachsen werden sich diesen pegida-schmarrn nicht auf ewig bieten lassen, und deutschland lässt sich die freiheitliche bürgergesellschaft nicht von verkappten rechtextremen nehmen.

    Wiesbaden stimmt hoffnungsfroh.
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#4 FinnAnonym
  • 21.10.2016, 16:36h
  • Gut, dass sich viele Menschen diesem braunen Mob entgegenstellen!!

    Je mehr, desto besser - damit die sehen, dass sie nicht für die Mehrheit sprechen, sondern eine schrille Minderheit rechter Spinner sind.
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#5 NoahAnonym
  • 21.10.2016, 19:03h
  • Es ist richtig und wichtig, dass sich möglichst viele Bürgerinnen und Bürger diesen religiösen Fanatikern und Neonazis entgegenstellen.

    Denn wenn das nicht geschieht, denken die wirklich, sie würden eine "schweigende Mehrheit" repräsentieren und nehmen sich immer mehr raus.

    Man sieht immer wieder, dass man solches Gedankengut im Keim ersticken muss und deren Lügen entlarven muss, um die zu stoppen.
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#6 SebiAnonym
  • 21.10.2016, 19:41h
  • Antwort auf #5 von Noah
  • Volle Zustimmung!

    In Baden-Württemberg sind die nur deshalb so stark geworden, weil sich anfangs viel zu wenig aufrechte Bürger diesen Brandstiftern in den Weg gestellt haben.

    Und da dann auch die grün-rote Landesregierung den Bildungsplan 5 Jahre (!) verzögert hat, wirkte es dann so, als würden die Lügen dieser Hetzer stimmen und als ob da wirklich Kinder zu Gruppensex und Pornos gezwungen werden sollten, wie die behaupten. Das hat denen enorm Zulauf von Leuten gebracht, die darauf reingefallen sind ohne das mal kritisch zu hinterfragen.

    Deswegen müssen solche Demos immer Anlass sein, noch mehr für Bildung, Aufklärung und Gleichstellung zu tun. Und sich immer und immer wieder entgegenzustellen. Denn man sieht ja, dass dort, wo sich genug Leute entgegenstellen, der Spuk stets schnell vorbei ist.
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#7 hugo1970Profil
  • 21.10.2016, 19:58hPyrbaum
  • Jedem muß doch klar sein, wenn eine Gruppe Menschen Rechte einer anderen Gruppe beschneiden will, das das gegen jedwelchen menschlichen Anstand ist.
    Ich weiß es echt nicht mehr, wie blind und erbittert muß man sein, das man sollchen ewigvorgestrigen zuhört und auch noch sich vereinamen läßt, ich weiß es echt nicht, eins weiß ich, wenn das so weitergeht, werden wir schneller ein viertes reich haben als viele meinen.
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#8 Miguel53deProfil
  • 22.10.2016, 06:20hOttawa
  • Auch wenn sich diese Demo zunaechst gegen die "Demo fuer Alle" stellt. Sie stellt sich aber eindeutig gegen rechte, so genannte Christen. Gegen Menschen, die das Rad zurueckdrehen wollen. Gegen Homophobe.

    Vor allem wird dort FUER etwas demonstriert. Naemlich fuer eine vernuenftige Aufklaerung und fuer eine freie Gesellschaft, die - endlich - Vielfalt anerkennt und nicht weiter verteufelt.

    Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Und auch in Dresden tut sich mehr und mehr gegen Pegida.

    Man kann nur hoffen, dass es zu mehr und mehr
    Massendemos kommt, die sich unser m123 so sehr wuenscht. Hoffentlich ist er aktiv dabei. Denn wenn das Erfolg zeigt, laesst sich auch der naechste Schritt irgendwann nicht mehr aufhalten.

    Was mir Hoffnung macht, ist in diesem Fall die Haltung einiger CDU-Abgeordneten oder hier, im ganz konkreten Fall Hessens CDU-Generalsekretaer Manfred Pentz.

    Vielleicht broeckelt die Betonwand innerhalb der CDU ja doch. Einige Spruenge sind immerhin unuebersehbar.
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#9 Patroklos