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Präsident Joko Widodo hat bislang zur sich verschlechternden Situation der LGBTI-Bevölkerung in Indonesien geschwiegen (Bild: (cc) Republic of Korea / flickr)

  • 21. Oktober 2016, 14:59h
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    Jakarta

Nach monatelangem Schweigen hat sich der indonesische Staatschef zum ersten Mal zu Übergriffen auf sexuelle Minderheiten geäußert.

Seit Monaten warnen Menschenrechtler davor, dass sich die Lage von LGBTI in Indonesien massiv verschlechtere. Erstmals hat nun der reformorientierte Staatspräsident Joko Widodo zu dem Thema Stellung genommen. Gegenüber der BBC antwortete der 55-jährige Unternehmer auf die Frage, was Polizeibeamte bei Übergriffen auf Homosexuelle tun sollten: "Die Polizei muss handeln. Es sollte keine Diskriminierung gegen niemanden geben."

Außerdem erklärte Widodo in dem Interview, dass er gegen Bestrebungen sei, Homosexuelle in seinem Land strafrechtlich verfolgen zu lassen. Dennoch schränkte er ein, dass "das Volk Indonesiens eine Kultur und Normen hat. Der Glaube erlaubt [Homosexualität] nicht, der Islam erlaubt das nicht."

Forderung: Präsident muss homophobe Hetzjagd beenden

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hatte in einem Bericht im August kritisiert, dass Regierungsvertreter, Islamisten und sogar religiöse Massenorganisationen mit Hasstiraden das gesellschaftliche Klima in Indonesien so sehr verschärften, dass man inzwischen von einer "schwerwiegenden langfristigen Bedrohung der Rechte und der Sicherheit von LGBT-Indonesiern" sprechen könne (queer.de berichtete). Der Autor des Berichtes beschuldigte auch Widodo, nichts gegen diesen Trend zu unternehmen: "Wenn er wollte, könnte er seinen Ministern und politischen Verbündeten sagen, sie sollen damit aufhören. Das tut er aber nicht", erklärte Kyle Knight.

Zu den homophobsten Ausbrüchen von Regierungsvertretern gehörte die Äußerung von Verteidigungsminister Ryamizard Ryacudu, der im Februar gesagt hatte, dass die Akzeptanz Homosexueller schlimmer sei als ein Atomkrieg (queer.de berichtete). Daher müssten Schwule und Lesben mit "einer Art moderner Kriegsführung" bekämpft werden. Das tut die Regierung, indem sie etwa Dating-Apps für Schwule verbietet (queer.de berichtete). Außerdem hatte die Regierung Anfang des Jahres eine LGBTI-Kampagne der Vereinten Nationen im Land gestoppt (queer.de berichtete).

Indonesische LGBTI-Organisationen vermuten, dass die Regierung mit einer homo- und transphoben Kampagne von anderen Problemen im Land ablenken wolle. Die BBC zitierte den Aktivisten Hartoyo von der Organisation "Our Voice" mit den Worten: "Ich habe Angst, dass wir Opfer von Gewalt werden." Homophobe Aussagen von Regierungsvertretern würden das zu einer Frage der Zeit machen. "Wir brauchen Schutz und der Präsident muss sicherstellen, dass Regierungsvertreter nicht so reden dürfen", sagte Hartoyo.

Indonesien, das bevölkerungsreichste mehrheitlich muslimische Land der Welt, hat mit Ausnahme der Provinz Aceh keine Gesetze gegen Homosexualität. In der Bevölkerung ist Homophobie allerdings weit verbreitet: Laut einer Umfrage des Pew Research Center aus dem Jahr 2013 erklärten 93 Prozent der Indonesier, dass Homosexualität bekämpft werden sollte – damit ist die Ablehnung dort noch größer als in den Verfolgerstaaten Malaysia oder Pakistan. (dk)