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  • 21.10.2016, 16:34h           7      Teilen:   |

Hirschfeld-Tage 2016

Ministerin zur Queer-Politik: "In Sachsen müssen wir Aufbauarbeit leisten"

Artikelbild
Die SPD-Politikerin Petra Köpping ist seit 2014 Staatsministerin für Gleichstellung und Integration in Sachsen (Bild: Ronald Bonß)

Sachsens Gleichstellungsministerin Petra Köpping erklärt im Interview, warum sie es wichtig findet, Schirmfrau der Hirschfeld-Tage zu sein.

Von Micha Schulze

Am 15. Oktober haben, noch ohne großen Startschuss, die Hirschfeld-Tage 2016 begonnen, die in diesem Jahr – nach Berlin und NRW – in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen stattfinden. Veranstalterin ist die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld in Kooperation mit regionalen und lokalen Partnern. Rund 150 Veranstaltungen unter dem Motto "L(i)ebe die Vielfalt" stehen noch bis Mitte Dezember in den drei Bundesländern auf dem Programm.

Feierlich eröffnet werden die Hirschfeld-Tage 2016 mit einem Festakt am 5. November im Theater Erfurt, zu dem sich auch drei der vier Schirmherren und -frauen angesagt haben: Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke), die sächsische Gleichstellungsministerin Petra Köpping (SPD) sowie Justizministerin Anne-Marie Keding (CDU) aus Sachsen-Anhalt. Der vierte Schirmherr, Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD), wird beim Festakt durch den Parlamentarischen Staatssekretär Ulrich Kelber (SPD) vertreten.

Mit allen vier Politikern haben wir uns über die Hirschfeld-Tage und aktuelle queerpolitische Themen unterhalten. Zum Auftakt veröffentlichen wir das Interview mit Petra Köpping.

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Warum haben Sie die Schirmherrschaft über die Hirschfeld-Tage in Sachsen übernommen?

Als Gleichstellungsministerin ist es für mich eine sehr angenehme Aufgabe, die Schirmherrschaft für so eine bedeutende Veranstaltung übernehmen zu dürfen. Die Hirschfeld-Tage schaffen Öffentlichkeit für die Belange von LSBTTIQ-Menschen. Gleichsam bieten sie auch für die Community die Möglichkeit, gemeinsam Veranstaltungen zu besuchen und damit auch Netzwerke zu erweitern und zu stärken. Weiterhin werden die Vielfalt und die Breite der Themen, die (nicht nur) LSBTTIQ-Menschen bewegen, deutlich. Das alles finde ich sehr wichtig.

Werden Sie persönlich Veranstaltungen der Hirschfeld-Tage besuchen?

Ja, ich werde ein Grußwort zur Eröffnung am 5. November in Erfurt sprechen. Sollte mein enger Terminplan die Möglichkeit bieten, dann besuche ich gern auch noch weitere Veranstaltungen.


Petra Köpping am 27. Januar 2016 bei einer Gedenkveranstaltung für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen in Berlin (Foto: LSVD)


Viele Schwule und Lesben befürchten einen Rollback, was Toleranz und Akzeptanz in Deutschland betrifft. Halten Sie diese Sorgen für berechtigt?

Diese Sorgen kann ich sehr gut nachvollziehen. Wenn ich mir Sachsen betrachte, so wissen wir aus Studien, dass Homophobie immer noch verbreitet ist. Mit dem Landesaktionsplan zur Akzeptanz der Vielfalt von Lebensentwürfen werden wir noch in diesem Jahr ein entsprechendes Maßnahmenpaket verabschieden.

Den Menschen, die in den vergangenen Monaten zu uns gekommen sind, weil sie vor Krieg und Terror flüchten mussten, machen wir von Anfang an klar, welche Regeln, auch in Bezug auf LSBTTIQ-Menschen, bei uns gelten. Aus der ehrenamtlichen Initiative des CSD Dresden e.V. hat sich mit der Unterstützung durch mein Haus in Sachsen inzwischen ein bundesweit einmaliges Hilfesystem für LSBTTIQ-Geflüchtete etabliert. Um es ganz klar zu sagen: Homophobie werden wir nicht akzeptieren – egal, von wem sie kommt.

Vor zwei Jahren machte der Koalitionsvertrag von CDU und SPD Hoffnung, dass Sachsen die "Rote Laterne" beim Thema LGBT-Rechte abgeben könnte. Ist das aus Ihrer Sicht gelungen?

Für die Dinge, die ich auf Landesebene beeinflussen kann, würde ich das bejahen. Mit dem Landesaktionsplan zur Akzeptanz der Vielfalt von Lebensentwürfen gehen wir in Sachsen einen großen Schritt in die richtige Richtung. Auch die Art und Weise wie dieser erarbeitet wurde, nämlich gemeinsam mit den Vertreterinnen und Vertretern aus der Community und der Wirtschaft sowie Landtagsabgeordneten, ist innovativ.

Außerdem haben wir die finanziellen Mittel, die wir über die Förderrichtlinie Chancengleichheit verteilen, erhöht und zwar von rund 2,4 Millionen Euro in diesem Jahr auf je rund 5,1 Millionen Euro für die Jahre 2017 und 2018. Als neuer Fördergegenstand wurden die Projekte, die im Rahmen des Landesaktionsplans wirksam werden, aufgenommen.

Nachdem in Sachsen viele Jahre der Bereich der Gleichstellung kaum politisch untersetzt war, müssen wir hier Aufbauarbeit leisten. Gleichzeitig wollen wir natürlich entscheidende Projekte voran bringen. Ich kann sagen, dass wir mit der Community inzwischen ein vertrauensvolles Verhältnis aufgebaut haben und die Aktiven dort auch spüren, dass wir gemeinsam mit ihnen etwas erreichen wollen.

Sie selbst dürfen vor Ihrem Ministerium zum Dresdner CSD aber nicht einmal die Regenbogenflagge hissen. Setzt die Landesregierung mit dem Verbot nicht ein fatales Signal?

Die geltende Fahnenverordnung des Freistaates, an die wir gebunden sind, war dabei das ausschlaggebende Hindernis. Viele Bürgermeisterinnen und Bürgermeister in den Kommunen hissen bereits seit Jahren die Regenbogenflagge und unterstützen die CSD-Veranstaltungen in ihren Orten. Die Dinge kommen in Bewegung und sie brauchen manchmal eben noch ein bisschen Zeit bis die Veränderung eintritt, die wir uns wünschen.


Nur zwei Stunden hing 2015 die von Petra Köpping zum CSD gehisste Regenbogenfahne vor dem Sozialministerium in Dresden – Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) pfiff seine Gleichstellungsministerin zurück


Welche konkreten Schritte und Vorhaben stehen in den kommenden Monaten im Rahmen des Landesaktionsplans gegen Homo- und Transphobie an?

Zunächst steht die Verabschiedung des Landesaktionsplans durch das Kabinett noch aus. Zu den Maßnahmen, die dann umgesetzt werden könnten, gehören zum Beispiel die Qualifizierung von pädagogischen Fachkräften zu den Themen geschlechtliche Identität, sexuelle Orientierung und Antidiskriminierung, die Umsetzung und Weiterentwicklung des sächsischen Aktionsprogramms zur HIV/AIDS- und STI-Bekämpfung, die Einsetzung einer/eines Landesbeauftragten für LSBTTIQ-Belange oder die Prüfung, inwieweit LSBTTIQ-Themen in den Opferschutz vor Gericht integriert werden können.

Sie haben vor einer Woche eine Koordinierungsstelle für queere Flüchtlinge vorgestellt. Was ist deren Ziel?

Die Koordinierungsstelle ist für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Einrichtungen und in den Ämtern und Behörden der zentrale Ansprechpartner, wenn es darum geht, LSBTTIQ-Geflüchtete, die von Gewalt bedroht sind, in einer geschützten Wohnung unterzubringen. Um die Koordinierungsstelle herum gruppiert sich das Netzwerk "Queere Refugees", welches vielfältige Beratungs-und Unterstützungsangebote bereit hält.

Zusammen mit Ihrem Mann hatten Sie selbst im vergangenen Jahr zwei junge schwule Männer aus Syrien in Ihrem Haus aufgenommen. Was haben Sie aus dieser Begegnung gelernt?

Ich habe erlebt, wie schwierig die Situation für LSBTTIQ-Flüchtlinge tatsächlich ist. Der CSD Dresden e.V. kontaktierte mich, da die beiden aus der Erstaufnahmeeinrichtung raus mussten. Zu mir konnten sie schnell Vertrauen fassen. Bei meinem Mann waren sie sehr ängstlich. Es brauchte eine ganze Zeit, bis sie ihm glauben konnten, dass er sie so akzeptiert wie sie sind. Das hat mich sehr bedrückt und mir stellt sich die Frage: Was haben sie in der Vergangenheit erlebt, worüber sie vielleicht noch nicht sprechen können?

Ich habe aber auch gelernt, wie hilfsbereit mein Umfeld ist. Es verging kaum ein Tag ohne dass die beiden nicht aus der Stadt zurückkamen und ein weiteres Angebot zum Sprachelernen in der Tasche hatten. Es hat mich sehr gefreut, die beiden Männer kennenlernen zu dürfen, und wir stehen auch heute noch regelmäßig in Kontakt, auch wenn sie nicht mehr bei mir wohnen.

Links zum Thema:
» Homepage der Hirschfeld-Tage mit weiteren Informationen
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 7 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
22.10.2016
09:37:02


(+2, 4 Votes)

Von hugo1970
Aus Pyrbaum (Bayern)
Mitglied seit 08.02.2015


"machen wir von Anfang an klar, welche Regeln, auch in Bezug auf LSBTTIQ-Menschen, bei uns gelten."

Uuuuuund, wie machen Sie der katholischen kirche klar, das AUCH DIE katholische kirche NICHT DISKRIMINIEREN DARF?


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#2
22.10.2016
09:39:54


(+2, 4 Votes)

Von hugo1970
Aus Pyrbaum (Bayern)
Mitglied seit 08.02.2015


Die Dinge kommen in Bewegung und sie brauchen manchmal eben noch ein bisschen Zeit bis die Veränderung eintritt, die wir uns wünschen.

WIR HABEN ABER KEINE ZEIT MEHR!!!!! DER ROLLBACK IST SCHON AM LAUFEN. DIE FRAGE IST NICHT MEHR, WIE MAN IHN VERHINDERT, SONDERN WIE MAN IHN AUF LANGE SICHT STOPPT!!!!!!!!!!!!!!!!


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#3
22.10.2016
11:36:33


(-5, 5 Votes)

Von Patroklos
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Antwort zu Kommentar #2 von hugo1970


Geduld ist nicht gerade Deine Stärke, gell?


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#4
22.10.2016
11:55:00


(+3, 5 Votes)

Von michael008
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #3 von Patroklos


Geduld hatten wir lange genug.


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#5
22.10.2016
14:39:18
Via Handy


(0, 4 Votes)

Von Inoa
Antwort zu Kommentar #1 von hugo1970


In Sachsen gibt es keine nennenswerte katholische Kirche. Ansonsten sagt sie ja sehr klar zur Nichtakzeptanz von Homophobie: "egal, von wem sie kommt"


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#6
22.10.2016
14:40:36
Via Handy


(+3, 3 Votes)

Von Inoa


Sich in Sachsen für so ein Thema einsetzen, ist nicht einfach. Respekt für diese Frau und ihren tollen Einsatz!


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#7
22.10.2016
14:59:26


(-3, 3 Votes)

Von Patroklos
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #6 von Inoa


Obwohl diese Frau bei der SPD ist? Hier sind ja auf einmal sämtliche Leute, die gegen die SPD hetzen und Lügen verbreiten, auf einmal ganz still! Ja, es gibt doch noch Wunder!


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