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  • 28. April 2005, noch kein Kommentar

Resümee: Zum 20. Mal trafen sich schwul-lesbische Cineasten und Filmemacher in Turin. Queer.de stellt die Preisträger vor.

Von Christian Scheuß

Eine Woche mit rund 200 Filmen und rund 2.000 Zuschauern am Tag ist vorbei. In der italienischen Stadt Turin, wo der Martini erfunden wurde, können die Organisatoren über den wachsenden Zuspruch miteinander anstoßen. Rund 30 Prozent mehr Besucher als im vergangenen Jahr, 800 akkreditierte Filmschaffende und Journalisten – soviel Interesse gab es nie zuvor.

Queer.de fragte Festivaldirektor Giovanni Minerbas nach seinem Resümee des 20. schwul-lesbischen Filmfestivals in Turin:

War es in diesem Jahr einfacher, das Festival auf die Beine zu stellen? So ein runder Geburtstag hilft da ja vielleicht.
Auf der ideellen Ebene hat es sicherlich geholfen. Die Freude, dass dieser Event seit zwanzig Jahren existiert, gibt Kraft und fordert einen natürlich, ein möglichst gutes Programm auf die Beine zu stellen. Was die finanzielle Seite angeht, wissen wir weiterhin noch nicht, ob wir dieses Jahr hinkommen werden.

Es gab im vergangenen Jahr dieselbe Hängepartie...
Wir haben im vergangenen Jahr Verluste gemacht. Das heißt, wir müssen in diesem Jahr Gewinne erzielen, um das ausgleichen zu können. Es gibt Anzeichen dafür, dass wir das hinbekommen. Wir konnten Kürzungen der Zuschüsse der öffentlichen Hand verhindern, dort sogar eine minimale Steigerung erreichen. Wir haben für rund 30.000 Euro Tickets verkaufen können. Letztes Jahr waren es nur 23.000 Euro. Und wir haben eine junge Frau gewinnen können, die uns neue Sponsoren herangeschafft hat. Was dringend nötig war, nachdem zwei der alten Unterstützer abgesprungen sind. Das Gesamtbudget des Festivals liegt bei 270.000 Euro.

Was ist inhaltlich beim Publikum gut, was weniger gut angekommen?
Schwer zu sagen, eigentlich hat alles besser funktioniert. Natürlich war das Publikum sehr an den Regisseuren John Waters und Lea Pool interessiert. Auch die Dokumentationen hatten einen regen Zulauf. Die Frauen und die Frauenthemen sind in den vergangenen Jahren etwas vergessen worden. Diesmal haben wir darauf geachtet, dass es mehr lesbische Filme gibt, und prompt sind auch mehr Frauen gekommen.

Gibt es für Dich und Dein Team einen Geburtstagswunsch zum 20.?
Einen ziemlich banalen, der aber sehr wichtig ist: Dass wir es endlich schaffen, auf einem soliden finanziellen Fundament zu stehen. Denn nur mit dieser Sicherheit können wir eine Arbeitsatmosphäre schaffen, die letztlich mehr Kreativität erzeugt. Damit können wir ein qualitativ besseres Festival auf die Beine stellen. An Ideen mangelt es nicht.

Die Gewinner:

Bester Spielfilm (dotiert mit 4.000 Euro): "Sud Pralad (Tropical Malady)", von Apichatpong Weerasethakul, Thailand/Italien/ Deutschland/Frankreich 2004. Ebenfalls ausgezeichnet mit dem undotierten Spezialpreis der Jury.
Begründung: "Der Film lässt Ideologien hinter sich und umarmt die Welt, da es ihrer Komplexität auf eine einfache poetische und ideenreiche Weise begegnet."

Bester Kurzfilm (dotiert mit 1.500 Euro): "Last Full Show" von Mark V Reyes, Philippinen 2004.
Begründung: "Für seinen köstlichen und direkten Stil. Dieser Film spricht über Begehren in einer einzigartigen Weise, ehrt und würdigt die komplexen Realitäten der homosexuellen Welt."
Besonders gewürdigt wurden außerdem die Kurzfilme "Embrasser les tigres"(Frankreich 2004) und "Plutot d’accord" (Frankreich 2004).

Beste Dokumentation (dotiert mit 2.000 Euro): Gan (Garden) von Adi Barash und Ruthie Shatz, Israel 2003
Begründung: Dieser Film hat während dieser Zeiten voll politischer Konflikte im Mittleren Osten besondere Signifikanz. Er zeigt aufrichtig und sensibel zwei palästinensische Teenager in Tel Aviv, deren schwieriges Leben mit Momenten intensiver Intimität gezeigt wird."
Besonders gewürdigt wurden außerdem "Lost and Found" (Finnland 2003) sowie Katzenball (Schweiz 2005).

Bestes Video (dotiert mit 2.000 Euro): "Anfänger! Von Nicolas Wackenbart, Deutschland 2004.
Begründung: "Sowohl für die starke Vision des Regisseurs als auch für seine authentische Beschreibung von Charakter und Gegend."
Besonders gewürdigt wurden außerdem "Dorian Blues" (USA 2004) sowie "Some Real Fangs" (Kanada 2004).

Spezialpreis der Sonderjury "Boys and Girls 2006" (undotiert): "The Nomi Song" von Andrew Horn (Deutschland 2004).

28.04.2005