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Werden es Lesben künftig einfacher haben, sich künstlich befruchten zu lassen? (Bild: ZEISS Microscopy / flickr)

Die WHO denkt offenbar darüber nach, Schwulen, Lesben und heterosexuellen Singles den Zugang zu Reproduktionsmedizin zu erleichtern.

Die Weltgesundheitsorganisation könnte laut einem Bericht des britischen "Daily Telegraph" die Definition von "unfruchtbar" ändern, so dass sie auch pauschal Langzeitsingles und Schwule und Lesben umfasst. Bislang hat die WHO mehrere Definitionen veröffentlicht, die sich auf das körperliche Unvermögen von Paaren oder Frauen beziehen, ein Kind zu bekommen.

Nun könnte die WHO den Begriff "Unfruchtbarkeit" auch soziologisch interpretieren: Unfruchtbarkeit wäre demnach bereits das Unvermögen, einen zur Kindszeugung passenden Partner zu finden. An der neuen Definition arbeitet dem Bericht zufolge der kalifornische Arzt Dr. David Adamson. Er wolle mit der Neuregelung "das Recht aller Menschen auf eine Familie" etablieren. Das schließe, so Adamson, ausdrücklich "alleinstehende Männer, alleinstehende Frauen, schwule Männer und lesbische Frauen" ein.

"Diese Neuregelung würde es Menschen ermöglichen, Kinder unabhängig davon zu bekommen, ob sie einen Partner haben oder nicht. Das ist eine radikale Änderung, die den Umgang mit diesem Bereich des Gesundheitsschutzes im Ansatz verändert", so Adamson. Anfang nächsten Jahres würden die neuen Richtlinien an die nationalen Gesundheitsminister gesandt. Noch sind die Details des Textes aber völlig unbekannt. Er hatte vorab für einige Verwirrung gesorgt, weil die WHO "Unfruchtbarkeit" bislang teilweise als "Behinderung" definiert, was für Singles oder Schwule und Lesben als unpassende Begrifflichkeit aufgefasst werden könnte; zugleich führt dieser Begriff aber erst in vielen Ländern zu einer Kostenübernahme im Bereich der Reproduktionsmedizin.

Druck auf Gleichbehandlung wird erhöht

Die Änderung der Definition könnte den Druck auf Länder erhöhen, Singles und Homosexuellen bessere Möglichkeiten für Nachwuchs zu ermöglichen. In der Regel übernehmen die Staaten die Definitionen der Weltgesundheitsorganisation.

Damit könnte in Deutschland etwa lesbischen Frauen der Zugang zu künstlicher Befruchtung frei gemacht werden. Bislang ist die sogenannte In-vitro-Fertilisation nur für heterosexuelle Paare vorgesehen und wird teilweise von der Krankenkasse erstattet. Erst im Januar hatte die Große Koalition die Gleichstellung von Lesben bei der Finanzierung dieser Praxis abgelehnt (queer.de berichtete). Im vergangenen Jahr hatte auch das Finanzgericht Münster die Kosten der Befruchtung einer lesbischen Frau für steuerlich nicht abzugsfähig erklärt. Die Ungleichbehandlung von Homosexuellen sei aufgrund der "unterschiedlichen biologischen Ausgangslage" gerechtfertigt, hieß es im Urteil (queer.de berichtete).

Bei schwulen Männern – ebenso wie bei heterosexuellen Single-Männern – ist der Kinderwunsch komplizierter und praktisch nur durch eine Leihmutterschaft zu erfüllen. Diese ist in Deutschland, wie in den meisten Ländern, allerdings verboten. Eine Änderung dieser Regelung wird von einer breiten gesellschaftlichen Mehrheit aus ethischen Gründen abgelehnt – und wird von den meisten LGBTI-Organisationen auch nicht gefordert.

Die Neudefinition könnte zu einem neuen Kulturkampf führen. Im britischen "Telegraph"-Artikel macht bereits die LGBTI-feindliche christliche Organisation "Comment on Reproductive Ethics" gegen die Neuregelung Stimmung. Josephine Quintavalle, die Gründerin und Chefin von CORE, beschrieb die angeblichen Pläne der WHO als "absurden Nonsens", der den "natürlichen Geschlechtsverkehr zwischen einem Mann und einer Frau" entwerte. (dk)



#1 axelsProfil
  • 27.10.2016, 19:10h-
  • Ein Zugang durch Umdefinition (resp. Definitionserweiterung)? Das sehe ich kritisch. Formelle Rechte sollten gegeben sein, weil ein politischer Entscheid dahinter steht. Erst dieser macht sie stark. Nur ein Definieren wird dem Verständnis an der Sache und dem politisch vorgebrachten Argument nicht dienen, v.a. wenn ein einigermaßen sinnfälliger Begriff zu einem weitaus symbolischeren hin geöffnet, damit aber auch verunklärt wird. Das wird die Sache langfristig nicht leichter machen, auch wenn's unterschwellig hie und da so erscheinen mag. Vielmehr könnte es auch das WHO-Verständnis, das Homosexualität keine Krankheit ist, in reaktionären Augen als bloße Definition erscheinen lassen.
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#2 Petrillo
  • 28.10.2016, 00:14h
  • Die ganze Reproduktionsmedizin gehört auf den Müllhaufen der Geschichte!

    Auch ohne Mediziner mit Allmachtsfantasien hat es die Weltbevölkerung inzwischen bereits auf über sieben Milliarden Individuen gebracht.

    Es besteht also keinerlei Gefahr vor einem Aussterben oder sonstigen Notwendigkeiten, Leuten den rein psychischen Wunsch nach Fortpflanzung. Während selbst Mäuse, die eine zu große Zahl an Nachkommen auf zu kleinem Raum bekommen, die Fortpflanzung stoppen oder gar ihren Nachwuchs töten, scheint ausgerechnet die "Krone der Schöpfung" davon überzeugt zu sein, dass sie ihrem Instinkt der Weitergabe von Genen unter allen Umständen folgen muss.

    Wie sonst ließe sich bspw. eine Gebärmuttertransplantation erklären, die jüngst stattgefunden hat - und wie die ganzen anderen "Spielereien" auf Kosten der Allgemeinheit gehen, die für so was -zig Tausende berappen darf.

    Und jetzt fällt der WHO noch ein, unausgelasteten Singles beim Fortpflanzen zu helfen? Letztlich steckt hinter dem animalischen Vermehrungstrieb auch in vielen Fällen die Kirche, die ein erfülltes Leben nur mit Kind propagiert - als könnte man nicht auch auf andere Weise Gutes für die Gesellschaft tun!
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#3 herve64Profil
  • 28.10.2016, 09:07hMünchen
  • Sehe ich genau so. Im Grunde genommen müssten weltweit zeugungswillige Individuen gleichgültig welcher sexuellen Orientierung auch immer mit höheren Steuern dafür überzogen werden, wenn sie Kinder in die Welt setzen anstelle dass der Fortpflanzungswahn auch noch subventioniert wird.

    Wir haben schon jetzt eine hoffnungslos überbevölkerte Erde, Tendenz steigend, bei gleichzeitig schwindenden Ressourcen, Tendenz weitersinkend. Und dem muss jetzt endlich mal substanziell entgegen gewirkt werden.

    Offensichtlich entspricht es aber der Arroganz der Spezies Mensch sich einzubilden, dass sie die "Krone der Schöpfung" sei und ihr Genpool über alle Zweifel an ihrer Existenzberechtigung erhaben sei.
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#4 tti3_alliance
  • 28.10.2016, 20:42h
  • ... es wäre wünschenwert wenn auch Menschen aus den Bereichen

    trans* / Transgender
    transident, Transsexualität

    Intersex / Intersexualität

    mit berücksichtigt werden.

    .

    Jedes Geschlecht verdient Respekt.
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#5 hugo1970Profil
#6 herve64Profil
  • 29.10.2016, 14:05hMünchen
  • Antwort auf #5 von hugo1970
  • Eben! Und zu einem ressourcenschonenden Umgang gehört es eben auch, sich nicht wie wild fortzupflanzen und die Erde dermaßen überzubevölkern, dass es eben kein Morgen mehr gibt.

    Du kannst es drehen und wenden wie du willst: das Ende einer jeden Problemkette, die man sich ansieht, bildet der Umstand, dass es zu viele Menschen auf diesem Planeten gibt.
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#7 hugo1970Profil
  • 29.10.2016, 14:34hPyrbaum
  • Antwort auf #6 von herve64
  • Wenn ich ressourcenschonend meine ich auch ressorcenschonend!!!!
    zB: Überfischerei, lebensmittelüberproduzierung um nur einige zu nennen!!!!
    Wenn der Mensch mit allem schonender umgehen würde, dann hätten auch 10 Milliarden Menschen auf der erde platz, so, wie der Mensch mit dem planeten umgeht, da ist auch eine million Menschen zu viel!!!!

    Und nicht zu vergessen, das in den meisten westlichen Staaten eine Menschenknappheit haben!!!!
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