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Doku "Mapplethorpe: Look at the Pictures"

Der schwule Erzfeind konservativer Politiker


Die oft homoerotischen Schwarzweißfotografien von Robert Mapplethorpe (1946-1989) sind weltweit bekannt (Bild: Robert Mapplethorpe Foundation. Used by permission)

  • 31. Oktober 2016, 07:53h, noch kein Kommentar

Porträt eines Ausnahmekünstlers ab Donnerstag im Kino: Fenton Bailey und Randy Barbato blicken auf Leben und Werk des kontroversen Fotografen Robert Mapplethorpe.

Von Carsten Moll

Wer kennt sie nicht, Robert Mapplethorpes Schwarzweißfotografien von Berühmtheiten, Blumen und nackten Männerkörpern? Mindestens so bekannt wie sein Werk ist allerdings der Künstler selber, der während seiner Karriere und auch noch nach seinem Tod für so manche Kontroverse verantwortlich war.

Vor allem Mapplethorpes von BDSM-Praktiken inspirierte Bilder sorgten immer wieder für Aufsehen und sind noch heute umstritten. In den USA wurde der schwule Fotograf sogar zu einer Symbolfigur des Kulturkampfs zwischen konservativen und liberalen Kräften – eine Rolle, die Mapplethorpe mit seinen künstlerischen Provokationen freimütig bediente.

Konventionelle Doku mit spürbarem Engagement


Poster zum Film: Die Doku "Mapplethorpe: Look at the Pictures" startet am 3. November mit deutschen Untertiteln im Kino

Die preisgekrönten Filmemacher Fenton Bailey und Randy Barbato ("Inside Deep Throat") widmen sich dem Fotografen, der 1989 im Alter von 42 Jahren an den Folgen seiner HIV-Infektion verstarb, nun in einem beinahe zweistündigen Dokumentarfilm. Dabei folgt "Mapplethorpe: Look at the Pictures" durchweg gängigen Doku-Konventionen: Archivaufnahmen sowie Bilder von Mapplethorpes Werk verbinden sich zusammen mit den Erzählungen seiner Freunde und Weggenossen zu einem umfassenden, lebendigen Porträt.

Große Überraschungen sollte man hier weder inhaltlich noch formal erwarten, und dennoch überzeugen Bailey und Barbato durch spürbares Engagement, gewissenhafte Recherche sowie eine detailreichen Blick auf Mapplethorpes künstlerisches Schaffen. Neben der Vielzahl von Fotografien, die hier eingeordnet im biografischen Kontext noch einmal ganz anders wirken können, sind besonders die Talking-Head-Interviews, etwa mit Mapplethorpes Bruder und langjährigem Assistenten Edward, interessant.

Eine Würdigung mit kleinen Schwachstellen

Bedauerlich ist hingegen, dass die Regisseure über weite Strecken lediglich den gekonnten Selbstinszenierungen Robert Mapplethorpes folgen und hierbei oftmals unkritisch auf dessen Werk und Person blicken. Selbstverständlich ist eine Würdigung dieses Ausnahmekünstlers angebracht, vor allem mit Hinsicht auf die zahllosen Missverständnisse, die seine fotografischen Arbeiten nach wie vor hervorrufen. Glaubhafter wäre eine solche filmische Hommage allerdings, wenn sie ein wenig tiefer schürfen würde, als es Bailey und Barbato tun.

Die Vorwürfe, Mapplethorpe würde mit seiner Serie über schwarze Männer rassistische Klischees bedienen, bleiben zum Beispiel nur eine Randnotiz. Kontroversen, die den Fotografen als etwas anderes als den Erzfeind konservativer Politiker erscheinen lassen, werden somit ausgespart und rauben dem im Grunde gelungenen Dokumentarfilm etwas an Gehalt.

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer zum Film

Infos zum Film

Mapplethorpe: Look at the Pictures. Dokumentarfilm. USA/Deutschland 2016. Regie: Fenton Bailey, Randy Barbato. Mitwirkende: Robert Mapplethorpe, Edward Mapplethorpe, Fran Lebowitz, Brice Marden, Debbie Harry. Laufzeit: 108 Minuten. Sprache: englische Originalfassung. Untertitel: Deutsch. Verleih: Kool Filmdistribution. Kinostart: 3. November 2016


Mapplethorpe: Blumen und Schwänze

Retrospektive in der Hauptstadt: C/O Berlin zeigt 187 Bilder des schwulen Fotografen Robert Mapplethorpe.