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Kinostart "Die Geschwister"

Queere Liebe in Zeiten der Wohnungsnot


Immobilienverwalter Thies verstößt gegen seine eigenen Prinzipien, lässt sich vom wohnungssuchenden Bruno verführen und überlässt ihm und seiner Schwester Sonja sogar eine leerstehende Wohnung (Bild: Edition Salzgeber)

In Jan Krügers Kino-Drama "Die Geschwister" gewährt ein Immobilienverwalter einem osteuropäischen Geschwisterpaar Unterschlupf in einer leerstehenden Wohnung – das hat weitreichende Folgen.

Von Carsten Moll

Thies arbeitet als Immobilienverwalter in Berlin und hat damit einen ziemlich undankbaren Job zu erledigen: Er dient als Vermittler zwischen den meist anonym bleibenden Hausbesitzern sowie den zahllosen potenziellen Mietern, die verzweifelt eine bezahlbare Wohnung in der Hauptstadt suchen. Sein Pflichtbewusstsein und seine von der Chefin gepriesene Fähigkeit zur Deeskalation machen Thies dabei zwar zu einem Musterbeispiel für seine Kollegen, aus Leidenschaft und Überzeugung scheint der junge Mann seiner Arbeit jedoch nicht nachzugehen.

Dass die Wohnsituation in Neukölln katastrophal ist und Besichtigungen mitsamt geforderter Nachweise über Vermögen und Familienstand mitunter zum kafkaesken Alptraum ausufern, bleibt Thies natürlich nicht verborgen. Aber prinzipiell nimmt der nüchtern wirkende Einzelgänger wenig Anteil am Schicksal seiner Mitmenschen. Das ändert sich erst, als er auf den forschen Bruno trifft.

Der junge Pole verführt Thies und bewegt ihn schließlich sogar zum Umdenken. Ohne einen Gegengefallen zu fordern, lässt er Bruno und seine misstrauische Schwester Sonja heimlich in eine leerstehende Wohnung ziehen. Damit verstrickt sich der gewissenhafte Immobilienmakler jedoch in eine Situation, die komplizierter ist als es zuerst den Anschein hat. "Nichts ist umsonst", bemerkt Sonja – und Thies muss bald erfahren, wie recht sie damit hat.

Schmerzhafte Erkenntnisse und Glücksmomente


Poster zum Film: "Die Geschwister" startet am 3. November 2016 im Kino (Bild: Edition Salzgeber)

Wer "Unterwegs" (2004), "Rückendwind" (2009) oder "Auf der Suche" (2011) gesehen hat, der wird in Jan Krügers viertem Spielfilm wohl schnell die Handschrift des Regisseurs wiedererkennen. Dieses Mal erzählt der Filmemacher zwar nicht von einer Reise, aber sein Drama um die Schwierigkeiten des Sesshaftwerdens greift doch einige Motive seiner früheren Arbeiten wieder auf.

Identitätsfragen, schmerzhafte Erkenntnisse sowie Augenblicke großen Glücks bestimmen den Plot von "Die Geschwister", der zunächst anhand von recht lose verknüpften Szenen den Protagonisten und seine Lebenswelt vorstellt und sich erst später dramaturgisch verdichten soll. Dabei bleibt Krüger stets auf Distanz zu seinen Figuren, mal erscheinen sie als leicht durchschaubare Typen, dann wieder bleiben Hintergründe und Motivationen entschieden mysteriös.

Diese Undurchsichtigkeiten haben ebenso wie die nüchterne Erzählweise durchaus ihren Reiz, dürften so manchen Zuschauer allerdings vor den Kopf stoßen. "Die Geschwister" ist kein Film, der einem laut um die Ohren fliegt oder mit dramatischen Knalleffekten zu punkten versucht. Die gedämpfte Stimmung sowie einige belanglos wirkende Szenen sind vielleicht der Preis, den man zu zahlen hat, um die großartigen Momente des Dramas wirklich schätzen zu können: Die Sexszenen, in denen sich die zurückhaltende Kamera doch einmal näher an die Protagonisten traut, eine ausgelassene Fahrt durchs nächtliche Berlin und das von tiefer Sehnsucht erfüllte Finale wirken jedenfalls noch nach, wenn Krügers unaufgeregter Film längst gelaufen ist.

Direktlink | Offizieller Trailer zum Film

Infos zum Film

Die Geschwister. Drama. Deutschland 2016. Regie: Jan Krüger. Darsteller: Vladimir Burlakov, Julius Nitschkoff, Irina Potapenko. Laufzeit: 90 Minuten. Sprache: deutsche Originalfassung. Verleih: Edition Salzgeber. Kinostart: 3. November 2016
Galerie:
Die Geschwister
8 Bilder


#1 jochenProfil
  • 01.11.2016, 13:25hmünchen
  • Ein Immobilienmakler, der im Rahmen seiner Arbeit und ohne Gegenleistung, Menschen hilft . So ein Film würde wahrscheinlich sogar auf einem Fantasy- oder Märchenfilm Festival als "zu absurd" und "extrem unrealistisch" abgelehnt werden.
  • Antworten » | Direktlink »